oder Merärz. Ja, also zackig wie ein Bergkristall und am Ende rund gewaschen war wie ein Bachkiesel. Mir reicht’s jetzt. Plötzlich rastet Precht aus. Unglaublicher Klar in Live Talkshow. Wird er nach dieser Entgleisung jemals wieder in einer Talkshow sprechen dürfen. Sichtlich aufgebracht hält der Philosoph ein flammendes Pledoyer gegen die Regierung und warnt eindringlich.
Die Meinungsfreiheit in diesem Land stirbt und keiner merkt es. Während Precht immer leidenschaftlicher wird, versucht Maisberger verzweifelt, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Doch es ist zu spät. Das Publikum ist sprachlos. Die Regie steht kurz vor dem Abbruch und im Netz überschlagen sich die Reaktionen.
Stimmst du Prech zu? Also, die Ursachenforschung ist gar nicht so einfach, ne? Versucht zurückzukommen und sagen, was hat sich in der Gesellschaft verändert, da sich die Gesetzeslage nur marginal verändert hat. Sie hat sich in einigen Punkten verändert, aber das ist eigentlich nicht das ganz große Thema, ähm, sondern das ganz große Thema ist, warum sind die sozialen Kosten der Meinungsäußerung so sehr gestiegen? Und ich sehe das in einer gewissen Explosion an Normen, das heißt also auch Äußerungen, die keine
Straftatbestände darstellen, wie z.B. das, was gegen Herrn Schreiber da geschrieben wurde. Das enthält Beleidigung, das enthält Verunglimpfung, das die Andrung körperlicher Gewalt. Ja, das sind also alles Straftatbestände, aber es gibt ja auch Menschen, die sich äußern und ähm mit sehr stark, sagen wir mal, vom gegenwärtigen Mainstream jeweils abweichenden Meinungen, die Angst haben müssen vor den sozialen Kosten.
Was sind denn soziale Kosten? Was? Also, ich meine Job verlieren haben wir schon gesagt, Bedrohungsszenarien, also was meinen Sie mitz Ja, also wenn man als Person der Öffentlichkeit gesellschaftliche Ächtung, man wird vielleicht nicht mehr eingeladen, wenn man bestimmte Positionen bekleidet, äh das kann sein, dass man Arbeitsplatz irgendwo aneckt.
Ja, je nachdem, wo dieser Arbeitsplatz ist. Es gibt sehr, sehr empfindliche Arbeitsplätze, vor allen im Kulturbetrieb, ja, wo falsche Äußerungen sehr, sehr stark sanktioniert werden. Und der der Grund für das Ganze ist meines Erachtens die Schattenseite einer eigentlich positiven Entwicklung. Und das macht die Sache so schwierig, diese positive Entwicklung, die darin besteht, dass wir vor allen Dingen quasi seit Mitte der 60er Jahre eine immer eigentlich freiheitlichere Gesellschaft sind, die sukzessive die Rechte immer
mehr Menschen erkämpft hat und die die Beteiligung und die Achtung immer weiter ausgedehnt hat, was sehr sehr positiv ist. Meine Eltern gehörten zu den Kämpfern für diese Entwicklung mit meinen Adoptivgeschwistern, Anerkennung aller Menschen, äh Gleichberechtigung der Frauen und so weiter. Wunderbare Entwicklung.
Und parallel dazu Sensibilisierung und Emotionalisierung. Du darfst deine Gefühle zulassen, du darfst über deine Gefühle reden. Das konnte meinem Großvater keiner erzählen. Der ging zum Fühlen in den Keller. Jetzt haben wir diese Entwicklung gehabt und die ist ja eigentlich großartig. Individualisierung bis hin zu Singularisierung der Gesellschaft. Jeder hat Ansprüche.
Achtsam Achtsamkeit gegenüber dem anderen Individuum einfordern von Achtsamkeit ein hohes Maß auch an Aufmerksamkeit für das was man ist und was man wie auch immer man ist und wie auch immer man sich zeigen möchte. Das ist die gesellschaftliche Entwicklung seit den 60er Jahren ist eine gute Entwicklung. Die Schattenseite ist, die sensibler und emotionaler Menschen werden, umso verletzlicher werden sie.
Das heißt, umso leichter fühlen sie sich angegriffen. Ich habe das mit so einem Seerosenteich verglichen Seosendilemma. Das hat mir sehr gut gefallen. Ja, also jeder von uns ist sozusagen eine Seerose und die Seerosen werden immer größer. Das heißt also unsere Sensibilität, was wir für uns in Anspruch nehmen, wo wir beleidigungsfähig sind, wo wir uns gekränkt fühlen, wird eben auch immer größer.
Und das freie Wasser dazwischen, der Schwimmraum, der wird allmählich zusammengedrückt und das ist quasi der öffentliche Raum. Das ist der Meinungsraum. Mhm. Ja, wenn alle ganz ganz sensibel ist, kann man fast nichts mehr sagen. Das heißt eigentlich jeder darf alles sagen. Die Meinungsfreiheit ist da, aber es ist so etwas, ja, was ist es dann eine Selbstzensur, wenn man Angst hat, dass man eben aneckt und dann macht man es lieber nicht und dann kommen solche Umfragen raus oder was? Genau.
Ja, also man hatte, man weiß, man muss vorsichtiger sein, als man noch vor 10 oder vor 20 Jahren sein musste, irgendwelche spontanen Urteile, Meinungen oder sowas rauszulassen oder manchmal auch sehr reflektierte Meinungen, aber wenn es Meinungen sind, die im Augenblick so durch einen in einer starken gesellschaftlichen Affektsituation, wo es also eine sehr aufgeheizte Atmosphäre ist, muss man ganz ganz ganz ganzvorsichtig in der Öffentlichkeit sein, wie man sich positioniert, um nicht ins gesellschaftliche Abseits gestellt zu
werden. Ich finde interessant, dass Sie einen Unterschied machen zwischen Meinungsfreiheit und Meinungstoleranz. Was ist der Unterschied? Ja, die die Meinungsfreiheit ist eigentlich das, was das Gesetz regelt und da hat sich ja eben gar nicht so viel verändert, bis auf ein paar Kleinigkeiten, aber die Meinungstoleranz ist geringer geworden.
Das heißt also diese vorhin auch angesprochene Restler hat das gesagt, diese Moralisierung der Gesellschaft, die hat enorm fortgeschritten. Also wir wir haben eigentlich einen fast infantilen Umgang mit Moral in unserer Gesellschaft. Wir wollen ja, dass die Welt gut ist und dass sie gerecht ist und dass alle anderen das gleiche denken wie ich.
Und wenn sie was anderes denken, erlebe ich das als persönlichen Angriff. Ja, und das ist eine ganz unheilvolle Entwicklung, weil so kann dauerhaft eine liberale Demokratie nicht funktionieren. Gleichzeitig gab es natürlich auch eine Entwicklung, wo dann Menschen, die sich so geäußert haben, dass andere sich rassistisch beleidigt fühlen, dass sie sich das, dass sie das Gefühl hatten, also über Antisemitismus müssen wir da gar nicht reden, aber Leute wie Thomas Gotschig, der ja bei Wetten das aufgehört hat mit diesem mit diesem
Satz, der Grund ist, dass ich immer im Fernsehen das gesagt habe, was ich zu Hause auch gesagt habe. Inzwischen rede ich zu Hause anders wie im Fernsehen und das ist auch keine dolle Entwicklung, dann sage ich lieber gar nichts mehr. Also da ist ja auch ein Lernprozess gewesen, dass man gesagt hat, okay, also das Nwort, das müssen wir jetzt nicht mehr sagen, wenn wir wissen, es gibt Leute, die das verletzt.
Was ist denn falsch daran eigentlich? Nee, eigentlich ist es gut und es ist auch gut, jedem der das Endwort benutzt, zu sagen, hör mal, ne, dir ist schon bewusst, dass das hier eine Beleidigung ist und als Beleidigung aufgefasst wird und äh das kannst z.B. sich die Frage ist nicht dasselbe, ob ein 20-Jähriger das Nwort benutzt oder ein 70 oder 80-jähriger.
Ja, ich kenne hinreichend ältere Menschen, die das Nwort einfach aus Unkenntnis oder aus Gewohnheit weiter benutzen. Kinderbüch. Genau. Ja, ich genau. Und eigentlich sogar in meinen noch so und die Sache ist die Frage ist in welchem Ausmaß skandalisiere ich das? Es gibt ja einen Unterschied zwischen dem Hinweis, du hör mal auf damit, ja oder das eine ganz ganz große Glocke zu hängen.
Wir hatten mal den Fall eines CSUPers, der sogar ein Anführungszeichen quasi in einer Talkshow gesagt hat. Roberto Blanco, glaub ich. überanco. Genau. Und der das [musik] quasi genau und als Zitat eigentlich versuchte kenntlich zu machen und dem das dann Wochen oder Monate lang um die Ohren gehauen wird.
Also es ist ein Unterschied zu sagen, was ich völlig richtig finde, benutzt das nicht unter jemanden dann als das letzte und unmögliche und Rassisten zu diskreditieren. Da steht in keiner Relation zueinander. Das heißt, wir wir arbeiten mit mega Etikettierungen. Ja. Und das ist nicht gut für dich. Ich springe auf das Ende des Buches, wie kommen wir da raus? Resilienz.
So und Resilienz ist jeder Manns Lieblingswort. Damit macht man sich beliebt, wenn man das sagt. Und dann denkt jeder, wenn jeder mal so schön bei sich anfängt und sich ein dickeres Feld zulegt, dann gehen wir wieder gut miteinander um. Das ist das Wort vom Sonntag. So, für mich ist viel wichtiger, dass diese Resilienz an den verantwortlichen Stellen ist.
Mhm. Also, dass die dies auf der Ebene der der Verlagsleiter, der Ausstellungsmacher und so weiter, gerade im Kulturbetrieb ist das Moralisieren sehr sehr sehr sehr stark, noch stärker als in der Politik, dass also diese Leute sich, wenn irgendjemand was gemacht hat, auch hinter dahinter stehen und sagen, ja komm, fünf gerade sein, lass das früher auch war und nicht sofort anfangen Angst um sich selbst zu haben.
Also der Angst wird nicht durch jeden einzelnen ausgelöst, sondern es ist vor allen Dingen die Angst der Verantwortungsträger. Da da kann ich ja nur das sagen, was ich vorhin gesagt habe. Welchen Weg sind wir seitdem positiverweise gegangen? Ja, wir müssen uns nur so ehrlich machen, dass auch ein positiver Weg unbeabsichtigte Schattenseiten haben kann, wo wir uns auch ehrlich machen müssen.
Wie blicken ihre Eltern ähm heute auf die linke Szene? Auf die Linken, auf die Grünen? Gut, meine Eltern leben noch, aber sind in sehr fortgeschrittenem Alter und äh ich weiß, dass meine Mutter sich damals über das Aufkommen der Grün als linkerpartei sehr gefreut hat und irgendwann waren meine Eltern beide von den Linken mehr als enttäuscht und ich glaube auch der letzte Schritt, dass heute in den Umfragen die Wähler der Grünen diejenigen sind, die am stärksten für Aufrüstung sind und am stärksten für militärische Unterstützung für die
Ukraine und am weitesten vonpazifistischen Gedanken entfernt, das empfinden meine Eltern sicherlich also vorsichtig ausgedrückt als Verrating Ideal. Sie haben Sie haben neulich etwas Interessantes in der Tatz gesagt, was ihre eigene Sicht auf die Grünen angeht. Sie haben gesagt, also was den Klimaschutz angeht, sehen Sie gar keinen Unterschied mehr zwischen Trump, Habbeck und März.
Na ja, also ein wesentlichen Punkt und darauf bezog sich das. Ja, haben Sie Moment lang gedacht, wie das wäre, wenn man selber politische Verantwortung trägt und eben Kompromiss ma wollten Sie in die Politik gehen? Gen nee, warum nicht? Ich erstmal wüsste ich nicht in welche Partei die Grünen wären es nicht wie sie sich jetzt senken können.
Die Linke. Ich fühle mich in keiner einzigen Partei so, dass ich sagen würde, das spiegelt jetzt genau das, was ich über die Gesellschaft denke oder so weiter wieder. Das wäre das erste ganz große Problem. Es gibt ganz viele Parteien. Das zweite Problem ist, ich hab ich hab ich habe ja in meinem Leben gesehen, wie alles in die Politik gegangen ist und wer als Idealist angefangen ist.
Ja, also zackig wie ein Bergkristall und am Ende rundaschen war wie ein Bachkiesel. Und das war eine Entwicklung, die wollte ich selber persönlich nicht machen. Außerdem glaube ich, dass es manchmal kann man aus der Kommentatorenperspektive stärker auf die Politik einwirken, als wenn man selber Amtsträger ist. Aber irgendjemand muss es tun.
Und jetzt kommen wir noch mal zurück zu ihrem Buch. Was glauben Sie, die Politik heute, die Politiker heute, haben die es schwerer oder leichter mit ihren Standpunkten dann eben durchzudringen? Ja, ist fast unöglich. Also, sie machen immer noch und das entsetzt mich jedes Mal gewaltige Versprechen. Jetzt kommt der ganz große Politikwechsel.
Ja, das hat äh das hat damals äh Scholz und die Grünen auch und so weiter. Wir haben noch vier Jahre und was müssen wir alles umbauen wegen des Klimawandels und so dann ist fast nichts davon passiert oder März, der jetzt die ganz ganz große Wände und ganzen Politikwechsel, Richtungswechsel ja und jeder weiß ja, wenn ein gewisses Alter erreicht hat, ja, davon kommt am Ende fast nichts rüber.
Immer ist jede neue Regierung die schlechteste, die wir je hatten. Ja, und ich habe schon schon als März gewählt wurde gesagt, es dauert nur noch ein paar Wochen, ja, und man wird hier noch schlimmer als Olaf Scholz finden, weil die die Enttäuschung programmiert ist und tatsächlich sind die Handlungsspielräume der Politik durch den Angstillstand, den ich beschreibe.
Ja, jeder der sich ein Stück aus dem Fenster lehnt, um es in den Bild zu bringen, ja, der italo-Western Regisseur Sergio Lione hat mal auf die Frage, was einen italienischen Western amerikanischen Western unterscheidet, gesagt, wenn bei John Ford jemand aus dem Fenster guckt, hat er den Blick in eine strahlende Zukunft. Mhm.
Und wenn bei mir jemand aus dem Fenster guckt, dann weiß jeder, der wird jetzt erschossen. Ja, und so ähnlich war das mit Visionen in der Politik früher und so ist das mit Visionen in der Politik heute. Ein einen letzten [applaus] Blick auf das, was dann stattdessen passiert. Social Media ist ein Feld, wo man überzeugen muss manchmal gar nicht mit politischen Inhalten. Z.B.
Marcus Söder macht das immer. Ich werde jetzt mal gleich richtig reinweisen. Frä schon noch mit Essen. Dann sehen wir aber auch Annalina Berbock in New York. Wir sehen dann den Außenminister Johann Wful, wie er Tarotkarten legt und Heidi Reichenckt hant. Das ist jetzt keine politische Kommunikation, aber offensichtlich muss man es machen.
Sind Sie milde? Muss man nicht machen. Würde ich niemals tun. doch statt den Leuten was zu versprechen einfach tanzen. Ja, ich weiß, das kommt kurzfristig irgendwo an, aber ich würde das als Politiker nicht machen. Ich finde das würdel, dass man sich auf die Art und Weise versucht zu verkaufen, als wä man ein Marketing aber wollen sie dann TikTok den anderen überlassen, die dann einfach erfolgreich sind? Ich meine, die sozialen Medien kennen auch Formate, in denen man sich lang und ausführlich äußern kann. Man muss das
nicht unbedingt auf die Ebene von von Essen und Tanzen runterbrechen. Na gut, mal sehen, was davon hängt. Abgesehen von der Kritik an März hat Precht das dunkle Geheimnis angesprochen, welches viele in unserem Land nicht wahrhaben wollen. Wir reden oft von Freiheit, doch selten davon, was sie kostet.
In Deutschland wird die Meinungsfreiheit nicht über Nacht abgeschafft, sondern langsam, still und bequem. Wer heute etwas sagt, das nicht in den Mainstream passt, riskiert kein Gefängnis. Aber etwas, das in unserer Gesellschaft fast genauso wirksam ist. Ausgrenzung, Defierung und digitale Ächtung. Statt offen zu streiten, ziehen wir uns in Blasen zurück.
Moral ersetzt Argumente. Empörung ersetzt Diskussion. Der öffentliche Diskurs wird enger, nicht durch Gesetze, sondern durch sozialen Druck. Medien, Politik undKonzerne bestimmen zunehmend, was als vertretbar gilt. Doch echte Demokratie braucht Widerspruch. Sie lebt von unbequemen Stimmen, von Irrtum, Zweifel und Streit.
Wenn wir anfangen, nur noch das Sagbare zu schützen und nicht mehr das Unsagbare zuzulassen, verlieren wir das Fundament, auf dem unsere Freiheit steht. M.
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