Horst Lichter ist der Mann, den ganz Deutschland zu kennen glaubt. Seit über drei Jahrzehnten ist er der Inbegriff von Gemütlichkeit, Herzlichkeit und rheinischem Frohsinn. Mit seinem markanten Schnurrbart, der warmen Stimme und dem stets bereiten Lachen hat er sich in die Herzen von Millionen Zuschauern moderiert. Ob am Herd in den großen Kochshows oder bei den Verhandlungen um Antiquitäten in „Bares für Rares“ – Lichter wirkte stets wie der Fels in der Brandung, den nichts erschüttern kann. Doch nun, mit 63 Jahren, tritt ein anderer Horst Lichter an die Öffentlichkeit. Ein Mann, der müde ist vom ewigen Lächeln und der beschlossen hat, die Risse in seinem Bild der Welt zu zeigen. In einer emotionalen Beichte gibt er zu, was viele bereits vermutet haben: Die glitzernde Welt des Fernsehens ist oft nur eine kalte Kulisse, hinter der Egoismus und Einsamkeit regieren.

Lichter spricht heute von einer Zeit des langen Schweigens. „Ich habe zu lange so getan, als würde mich das alles nicht verletzen“, gesteht er mit einer Offenheit, die man von ihm bisher nicht kannte. In seiner Abrechnung nennt er fünf prominente Namen der deutschen Medienlandschaft, die seine Karriere begleiteten, ihn aber gleichzeitig tief verwundeten. Es sind Geschichten von Neid, Machtgier und einer menschlichen Kälte, die im krassen Gegensatz zum bunten Schein der Scheinwerfer stehen.

Der Anfang dieser schmerzhaften Reise durch die Vergangenheit führt zu einem Namen, der jahrelang untrennbar mit Lichters Erfolg verbunden war: Johann Lafer. Elf Jahre lang galten sie als das „Dreamteam“ am Herd. Doch Lichter stellt heute klar, dass diese Partnerschaft ein großes Missverständnis war. Während Lichter Herz und Humor in die Küche bringen wollte, ging es Lafer um Perfektion und absolute Kontrolle. Hinter den Kameras herrschte oft frostige Distanz. Lichter beschreibt es heute so, dass Lafer nie mit ihm, sondern stets gegen ihn gekocht habe. Er fühlte sich wie ein Statist im „Egostück“ eines Mannes, der neben sich keinen zweiten Star duldete. Nach dem Ende ihrer Zusammenarbeit gab es keinen Dank, keinen Abschied – nur die bittere Erkenntnis, dass Eitelkeit jede Leidenschaft fressen kann.

Auch der tiefe Fall von Alfons Schuhbeck lässt Lichter nicht unberührt, wenngleich er hier eine klare, fast schmerzhafte Distanz wahrt. Er sah den Absturz des Starkochs kommen, nicht aus Schadenfreude, sondern als logische Konsequenz eines Lebens, das zu sehr auf Schein gebaut war. Für Lichter symbolisiert Schuhbeck den Moment, in dem der Ruhm größer wird als der Charakter. Er erinnert sich an Dreharbeiten, bei denen andere abgewertet wurden, weil sich jemand unantastbar fühlte. Es ist die Mahnung eines Mannes, der weiß, dass man am Ende alles verliert, wenn man seine Seele an den Erfolg verkauft.

Besonders ernüchtert zeigt sich Lichter, wenn er über Birgit Schowange spricht. Für ihn steht sie für eine Sorte Fernsehen, in der Menschlichkeit hinter der totalen Kontrolle verschwindet. Eine Begegnung am Set einer Lifestyle-Sendung ist ihm im Gedächtnis geblieben: Wegen eines unvorteilhaften Winkels wurde die gesamte Produktion angehalten, während Schowange kommandierte und kontrollierte. Ein kleiner Scherz von Lichter wurde mit dem eiskalten Satz quittiert, er sei nur Gast und solle nicht versuchen, das Fernsehen zu erklären. Für Lichter war dies der Beweis einer Welt, in der Moderatoren nur für ihr eigenes Spiegelbild arbeiten und das Team lediglich als Kulisse dient.

Doch die Kritik macht auch vor den aktuellen Superstars der Branche nicht halt. Barbara Schöneberger, die für Millionen als die Inkarnation von Schlagfertigkeit und Witz gilt, wird von Lichter als eine Frau beschrieben, deren Perfektion nach „Plastik schmeckt“. Lichter erinnert sich an einen Moment in einer Talkshow, als er über den schmerzhaften Verlust seines Vaters sprechen wollte – ein Moment höchster Verletzlichkeit. Doch Schöneberger unterbrach seine Erzählung mit einer Pointe über seine Brille, um den Lacher des Publikums zu sichern. In diesem Augenblick erlosch etwas in Lichter. Er begriff, dass Gefühle in dieser Welt oft nur „Material“ für die Regie sind und echte Empathie der Performance weichen muss.

Bares für Rares: Das sind die Händler

Den ersten Platz in seiner Liste der emotionalen Enttäuschungen belegt jedoch Kai Pflaume. Der „makellose Gentleman“ des deutschen Fernsehens ist für Lichter ein Spiegel, der nichts zurückgibt. Er beschreibt Pflaume als einen Mann ohne Risse, der jeden Raum wie ein Uhrwerk betritt – jede Geste kontrolliert, jedes Lächeln millimetergenau gesetzt. Bei einem Event versuchte Lichter, mit einem lockeren Witz über Pflaumes Aussehen eine Verbindung zu schaffen, erntete jedoch nur eine trockene, unterkühlte Reaktion. Für Lichter ist diese Perfektion ohne Seele das Gefährlichste an der modernen Medienwelt. Er empfand in Pflaumes Gegenwart eine Einsamkeit, die lauter war als jeder offene Angriff. Es ist die Kälte eines Menschen, der eine Marke geworden ist, aber aufgehört hat, ein Mensch im Sinne von echter Nähe zu sein.

Diese Beichte von Horst Lichter ist mehr als nur eine Abrechnung mit Kollegen. Es ist der Befreiungsschlag eines Mannes, der mit 63 Jahren keine Lust mehr hat, eine Rolle zu spielen. Er erinnert uns daran, dass hinter jeder glänzenden Fassade echte Menschen mit echten Verletzungen stehen. Sein Mut, diese Namen auszusprechen und seine Enttäuschung zu zeigen, macht ihn nahbarer als jedes einstudierte Lächeln es je könnte. Lichter hat erkannt, dass Wahrheit wichtiger ist als Glanz – und dass man manchmal die Schattenseiten benennen muss, um wieder wirklich im Licht stehen zu können.

Eine für alle: Barbara Schöneberger übernimmt "Verstehen Sie Spaß?" -  Gesellschaft - SZ.de