In der oft so wohlfeilen und diplomatisch weichgespülten Debattenkultur der Bundesrepublik wirkt er wie ein erratischer Felsbrocken, der ungebremst in ein ruhiges Gewässer stürzt und dabei Wellen schlägt, die bis in die höchsten Etagen der Macht schwappen. Markus Krall, Bestsellerautor, Ökonom und für viele so etwas wie der düstere Prophet des kommenden Finanzkollapses, hat sich erneut zu Wort gemeldet. Und wer dachte, der ehemalige Geschäftsführer von Degussa Goldhandel würde nach seinen letzten Kontroversen leisere Töne anschlagen, sieht sich getäuscht. Im Gegenteil: Krall hat die Lautstärke aufgedreht. Seine neueste Forderung gleicht einer politischen Kriegserklärung an den Status quo. Es geht nicht mehr nur um Zinsen, Gold oder die Fehler der Europäischen Zentralbank. Es geht um das Personal, das diesen Staat lenkt – oder nach Kralls Lesart: gegen die Wand fährt. Seine Botschaft ist so simpel wie brutal: Er würde sie, bildlich gesprochen, alle auf die Straße setzen.

Wenn Markus Krall das Wort ergreift, dann tut er das selten mit der feinen Klinge des Chirurgen, sondern eher mit dem Vorschlaghammer des Abrissunternehmers. Für ihn ist das Gebäude “Deutschland AG” nicht einfach nur renovierungsbedürftig; es ist im Kern verrottet, zerfressen von einem Pilzgeflecht aus Bürokratie, Misswirtschaft und einer politischen Kaste, die den Bezug zur Realität der wertschöpfenden Bürger längst verloren hat. Seine These, die er mit der ihm eigenen rhetorischen Schärfe vertritt, lautet: Wir leisten uns einen Staat, den wir uns schlichtweg nicht mehr leisten können. Er verweist auf die explosionsartig gestiegenen Kosten für den Verwaltungsapparat, auf Ministerien, die sich aufblähen wie Hefeteig, und auf Versorgungsposten, die geschaffen werden, nicht um Probleme zu lösen, sondern um Parteifreunde zu versorgen. Für Krall sind dies keine “Staatsdiener” mehr im klassischen Sinne, sondern Lasten, die auf den Schultern des produktiven Mittelstands liegen, bis dieser unter der Last zusammenbricht.
Die “bittere Medizin”, von der Krall spricht, ist ein radikaler Rückbau des Staates. Er fordert, die Axt an die Wurzel des Problems zu legen. Das bedeutet konkret: Wegfall von Tausenden von Stellen in der öffentlichen Verwaltung, Streichung von Subventionen, die nur dazu dienen, “Zombie-Unternehmen” und politische Lieblingsprojekte am Leben zu halten, und eine drastische Reduzierung der Steuerlast, die erst möglich wird, wenn man die Ausgabenseite massiv beschneidet. Wenn er sagt, er würde sie “auf die Straße setzen”, dann meint er damit, dass diese Menschen sich dem freien Markt stellen müssten. Sie sollten dort arbeiten, wo echter Mehrwert geschaffen wird, wo Kunden bereit sind, für eine Leistung freiwillig zu bezahlen, und nicht dort, wo das Gehalt per Zwang vom Steuerzahler eingezogen wird. Es ist das alte libertäre Ideal, das hier in seiner radikalsten Form auf die deutsche Vollkasko-Mentalität prallt.

Man muss verstehen, vor welchem Hintergrund Krall diese Forderungen stellt. Er sieht die deutsche Wirtschaft in einem perfekten Sturm. Die Energiepreise sind durch politische Entscheidungen auf einem Niveau, das die Industrie aus dem Land treibt. Die Infrastruktur bröckelt, von Brücken bis zur Bahn. Die Bildungsergebnisse stürzen ab. Und während die Substanz schwindet, wächst der Wasserkopf weiter. Krall argumentiert, dass jeder Euro, der für einen ineffizienten Verwaltungsbeamten ausgegeben wird, ein Euro ist, der für Innovation, Forschung oder Investitionen fehlt. Er rechnet vor, wie viele produktive Arbeitsstunden jedes Jahr allein dafür draufgehen, Formulare auszufüllen, Berichtspflichten zu genügen und sich durch den Dschungel der Vorschriften zu kämpfen. Für ihn ist das nicht nur Zeitverschwendung, sondern volkswirtschaftliche Sabotage. Diejenigen, die diese Vorschriften erlassen und überwachen, sind in seinen Augen keine Ordnungshüter, sondern Bremsklötze.
Natürlich weiß Markus Krall, dass er mit solchen Aussagen polarisiert. Er legt es darauf an. Er weiß, dass ihm der Vorwurf des Sozialdarwinismus gemacht wird, der Herzlosigkeit. Wie kann man fordern, Menschen ihre sicheren Jobs wegzunehmen? Doch Krall dreht den Spieß um. Für ihn ist das aktuelle System das eigentlich unsoziale. Unsozial gegenüber den fleißigen Arbeitern, Handwerkern und Unternehmern, die jeden Morgen aufstehen, Werte schaffen und zusehen müssen, wie ihnen mehr als die Hälfte ihres Ertrages weggenommen wird, um ein System zu füttern, das nicht funktioniert. Er sieht sich als Anwalt der “Leistungsträger”, jener schweigenden Mehrheit, die den Karren zieht und dafür noch beschimpft wird. Seine “bittere Medizin” sei notwendig, um den Patienten Deutschland vor dem sicheren Tod zu retten. Denn wenn der Kollaps kommt – und Krall ist sich sicher, dass er kommt –, dann werden die Entlassungen nicht geordnet und politisch gesteuert ablaufen, sondern chaotisch und durch den harten Zwang der ökonomischen Realität diktiert werden.
Ein weiterer zentraler Punkt in Kralls Argumentation ist die politische Verantwortungslosigkeit. Er beklagt eine “Negativauslese” in der Politik. Seiner Meinung nach sitzen in den Parlamenten und Ministerien zu viele Menschen, die in ihrem Leben noch nie außerhalb der geschützten Werkstatt der Partei oder des öffentlichen Dienstes gearbeitet haben. Kreissaal, Hörsaal, Plenarsaal – das ist die Biografie, die er verachtet. Diese Menschen, so Krall, hätten keinerlei Verständnis für die Konsequenzen ihrer Entscheidungen, weil sie diese Konsequenzen nie persönlich tragen müssten. Wenn ein Unternehmer eine Fehlentscheidung trifft, geht er pleite. Wenn ein Politiker eine Fehlentscheidung trifft, wird er befördert oder in den vorzeitigen Ruhestand mit üppiger Pension versetzt. Diesen Mechanismus will Krall durchbrechen. Er fordert Haftung für politische Fehlentscheidungen und eine drastische Begrenzung der Mandatszeiten, um das Berufspolitikertum zu beenden.

Die Reaktionen auf Kralls Vorstoß sind, wie zu erwarten, gespalten. Seine Anhänger feiern ihn als den einzigen, der den Mut hat, die Wahrheit auszusprechen. In den sozialen Medien, auf YouTube und in alternativen Nachrichtenkanälen werden seine Thesen millionenfach geklickt und geteilt. Er trifft einen Nerv. Viele Menschen spüren, dass etwas grundsätzlich nicht mehr stimmt im Land, dass das Verhältnis von Leistung und Gegenleistung aus dem Lot geraten ist. Sie sehen die aufgeblähten Parlamente, den Neubau des Kanzleramts für hunderte Millionen, während gleichzeitig Kitas geschlossen werden und Schwimmbäder verfallen. Für diese Menschen ist Krall kein Hetzer, sondern ein Ventil für ihren aufgestauten Frust.
Auf der anderen Seite steht das Establishment, das Krall als Gefährder der Demokratie brandmarkt. Man wirft ihm Populismus vor, Panikmache und das Schüren von Ressentiments gegen Staatsbedienstete. Kritiker wenden ein, dass ein moderner Industriestaat eine funktionierende Verwaltung brauche und dass man komplexe Probleme nicht mit der Machete lösen könne. Sie warnen davor, dass Kralls Ideen zu sozialen Unruhen führen würden, zu einem Auseinanderbrechen der Gesellschaft. Doch diese Kritik prallt an ihm ab. Für Krall ist der soziale Frieden längst brüchig, nicht wegen Kritikern wie ihm, sondern wegen einer Politik, die den Wohlstand vernichtet, der diesen Frieden erst ermöglicht hat.

Markus Krall malt ein düsteres Bild, aber er sieht darin auch eine Chance. Ein “Neustart” ist sein Ziel. Ein Deutschland, das wieder atmen kann, befreit von den Fesseln der Überregulierung und der Steuerlast. Doch der Weg dorthin führt seiner Meinung nach nur durch das Tal der Tränen. Die “bittere Medizin” muss geschluckt werden. Das bedeutet: Konflikt. Das bedeutet: Widerstand gegen liebgewonnene Privilegien. Das bedeutet: Den Mut zu haben, unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Wenn er sagt, er würde sie “alle auf die Straße setzen”, dann ist das mehr als eine Drohung. Es ist ein Weckruf. Ein Ruf, der sagt: Die Party ist vorbei, das Geld ist alle, und jetzt müssen wir wieder anfangen zu arbeiten. Ob man Markus Krall nun als Visionär oder als Brandstifter sieht, eines kann man ihm nicht absprechen: Er zwingt uns, in den Spiegel zu schauen und uns zu fragen, wie lange das “Weiter so” noch gut gehen kann. Die Uhr tickt, und Krall steht daneben und zählt laut die Sekunden runter. Es bleibt abzuwarten, ob die Politik aufwacht, bevor der Zeiger die Zwölf erreicht, oder ob Kralls Prophezeiung sich auf die harte Tour erfüllt.
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