Brüssel, 19. Dezember 2025 – Der heutige EU-Gipfel in Brüssel markiert einen der spannungsgeladensten Momente in der jüngeren Geschichte der Europäischen Union. Im Zentrum des Sturms steht ein erbitterter Machtkampf zwischen dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán und der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die Schlagzeile „Orbán wirft von der Leyen hinaus“ mag zwar im wörtlichen Sinne übertrieben sein, doch politisch ist das Tischtuch zwischen Budapest und Brüssel endgültig zerrissen.

Hintergrund der Eskalation ist der Streit um ein massives 90-Milliarden-Euro-Finanzpaket für die Ukraine, das die Unterstützung bis Ende 2027 sichern soll. Während Kommissionspräsidentin von der Leyen das Konzept vorstellte, das unter anderem auf der Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte basiert, erteilte Orbán dem Vorhaben eine schroffe Absage. „Geld zu geben, bedeutet Krieg“, polterte der ungarische Regierungschef vor Journalisten. Er werfe der Kommission vor, die EU in einen bewaffneten Konflikt zu ziehen und dabei europäisches Recht systematisch zu missachten.
Die politische Rhetorik hat eine Schärfe erreicht, die viele Beobachter an der Handlungsfähigkeit der Union zweifeln lässt. Orbán, der sich zunehmend als Sprecher einer „Souveränitätsbewegung“ innerhalb Europas inszeniert, fordert offen den Rücktritt von der Leyens oder zumindest eine radikale Neuausrichtung der Kommission. Für ihn ist die aktuelle Führung in Brüssel nicht mehr tragbar.
Doch bricht die EU deshalb auseinander? Trotz des ungarischen Widerstands zeichnet sich ein anderes Bild ab. Nach marathonartigen Verhandlungen über 18 Stunden hinweg gelang es den restlichen 26 Mitgliedstaaten, einen Kompromiss zu finden. Bundeskanzler Friedrich Merz sprach nach dem Gipfel von einer „Demonstration europäischer Souveränität“. Die Botschaft ist klar: Die EU lernt, auch ohne Einstimmigkeit oder gegen den massiven Widerstand einzelner Mitglieder zu agieren.

Dennoch bleibt der „Flurschaden“, wie Diplomaten es nennen, immens. Ungarn hat bereits zum Jahreswechsel 2024/2025 den Anspruch auf über eine Milliarde Euro an EU-Fördergeldern verloren, da notwendige Rechtsstaatsreformen ausblieben. Budapest reagierte darauf mit einer noch stärkeren Hinwendung zu Investoren aus China und Russland, was die geopolitische Spaltung innerhalb des Blocks vertieft.
Die EU steht vor einer Zerreißprobe, aber ein Auseinanderbrechen im Sinne eines Austritts Ungarns oder eines Zusammensturzes der Institutionen ist aktuell nicht in Sicht. Vielmehr entwickelt sich eine „Union der zwei Geschwindigkeiten“, in der Ungarn zunehmend isoliert agiert, während der Rest des Blocks versucht, die Integration in Sicherheits- und Finanzfragen voranzutreiben. Das Duell zwischen Orbán und von der Leyen ist dabei nur die Spitze eines Eisbergs aus tiefgreifenden ideologischen Differenzen über die Zukunft des Kontinents.
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