In der Welt der Politik sind Allianzen oft flüchtig, doch kaum ein Zerwürfnis hat die Vereinigten Staaten so tief gespalten wie der Bruch zwischen Donald Trump und Liz Cheney. Die Tochter des ehemaligen Vizepräsidenten Dick Cheney galt einst als personifizierte Kontinuität des konservativen Establishments und als verlässliche Stütze der republikanischen Agenda. Heute jedoch wird sie von Trump als „Kriegstreiberin“ beschimpft, während sie ihn als „instabilen Tyrannen“ bezeichnet, der die Verfassung der USA aushebeln will.

Der Wendepunkt dieser Beziehung war der 6. Januar 2021. Während viele ihrer Parteikollegen nach dem Sturm auf das Kapitol den Schulterschluss mit Trump suchten oder schwiegen, wählte Cheney einen radikal anderen Weg. Sie weigerte sich, die Behauptungen über Wahlbetrug zu unterstützen, und wurde zur führenden Stimme im Untersuchungsausschuss zum Kapitol-Sturm. Für Cheney war dies keine Frage der Parteiloyalität, sondern eine Frage des Amtseids. Für Trump hingegen war es der ultimative Verrat.

Die Konsequenzen für Cheney waren brutal. Innerhalb kürzester Zeit wurde sie aus der Führungsriege der Republikaner im Repräsentantenhaus entfernt und verlor schließlich bei den Vorwahlen in ihrem Heimatstaat Wyoming ihren Sitz an eine von Trump unterstützte Herausforderin. Doch anstatt sich ins Privatleben zurückzuziehen, intensivierte Cheney ihren Kampf. Im Jahr 2025, während Trump seine zweite Amtszeit festigt, ist sie zur Symbolfigur des konservativen Widerstands geworden.

Interessanterweise ist Cheney nicht die einzige Frau aus Trumps früherem Umfeld, die kritische Töne anschlägt. Jüngst sorgten Aussagen von Trumps Stabschefin Susie Wiles für Schlagzeilen, die in privaten Gesprächen von einer „Persönlichkeit eines Alkoholikers“ bei ihrem Chef gesprochen haben soll. Während Wiles später zurückruderte, bleibt der Eindruck bestehen, dass die Loyalität im inneren Zirkel des Weißen Hauses brüchiger ist, als es nach außen hin scheint.

Cheney geht jedoch weiter als jede andere. Sie warnt davor, dass die USA unter Trump in eine Diktatur „schlafwandeln“. Ihre Unterstützung für die Demokratin Kamala Harris im Wahlkampf 2024 war ein Tabubruch, der zeigt, wie sehr sich die Fronten verhärtet haben. Für Cheney ist die Gefahr, die von Trump ausgeht, so groß, dass parteipolitische Differenzen zweitrangig werden.

Die Geschichte von Liz Cheney ist die Geschichte einer Frau, die alles verlor, um – in ihren Augen – ihre Integrität und die Verfassung zu retten. In einem politischen System, das zunehmend von bedingungsloser Gefolgschaft geprägt ist, bleibt sie die mahnende Stimme einer konservativen Welt, die es so vielleicht nicht mehr gibt. Ob ihr Widerstand Früchte tragen wird oder ob sie als tragische Figur der US-Geschichte endet, wird die Zukunft zeigen. Eines ist jedoch sicher: Der Kampf zwischen der ehemaligen Verbündeten und dem mächtigsten Mann der Welt ist noch lange nicht vorbei.