Es ist die Zeit des Jahres, in der die Wohnzimmer in warmes Licht getaucht sind, der Sekt kaltgestellt wird und Millionen von Menschen sich darauf freuen, das alte Jahr musikalisch und beschwingt zu verabschieden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gehört der Schlager zu Silvester wie das Feuerwerk um Mitternacht. Doch dieses Jahr mischt sich ein Wermutstropfen in die Vorfreude vieler Fans. Während sich die Elite der deutschen Unterhaltungsmusik bereit macht, die große Bühne der ARD zu stürmen, fehlt ein Name, der fast drei Jahrzehnte lang untrennbar mit guter Laune und musikalischer Qualität verbunden war: Francine Jordi.

Die sympathische Schweizerin, die mit ihrer strahlenden Art und ihrer unverwechselbaren Stimme die Herzen des Publikums im Sturm erobert hat, wird bei der großen Silvester-Show von Florian Silbereisen nicht dabei sein. Nun, nur wenige Stunden vor dem Jahreswechsel, bricht sie ihr Schweigen und verrät den wahren Grund für ihre Abwesenheit. Es ist eine Geschichte über die glitzernde, aber manchmal auch harte Welt des Showbusiness, über Professionalität und die Größe, auch in Momenten der Enttäuschung Haltung zu bewahren.

Der Kapitän und seine Crew – ohne die Schweizer Offizierin

Florian Silbereisen, der unangefochtene Kapitän des deutschen Schlagers, hat das Ruder fest in der Hand. Nach dem gigantischen Erfolg im vergangenen Jahr wird der 44-Jährige auch diesmal den Jahreswechsel im Ersten moderieren und den „Silvester-Schlager“ präsentieren. Die Erwartungen sind riesig, die Quoten werden voraussichtlich wieder durch die Decke gehen. Silbereisen hat eine Gästeliste zusammengestellt, die sich liest wie das “Who is Who” der Branche.

Der Grandseigneur Roland Kaiser (73) wird erwartet und plant einen Auftritt, der sicherlich wieder für Gänsehaut sorgen wird. Die Powerfrau Maite Kelly (46) wird die Bühne rocken, Unheilig sorgt für emotionale Tiefe und Howard Carpendale (79) beweist einmal mehr, dass wahre Klasse kein Alter kennt. Es ist ein Aufgebot der Superlative, eine Garantie für beste Unterhaltung. Doch genau bei dieser Aufzählung fällt auf: Die langjährige Silvester-Expertin Francine Jordi fehlt.

Für viele Fans ist das unverständlich. Francine Jordi ist nicht irgendeine Sängerin. Sie ist eine Institution. Fast zehn Jahre lang war sie selbst das Gesicht des Jahreswechsels, moderierte an der Seite von Schauspieler Hans Sigl die große „Silvestershow“, die als Eurovisionssendung in Deutschland, der Schweiz und Österreich ausgestrahlt wurde. Anfang 2024 endete diese Ära für sie. Viele hatten gehofft, sie nun als Stargast bei ihrem Kollegen Silbereisen zu sehen. Doch diese Hoffnung bleibt unerfüllt.

„Ich wurde nicht angefragt“ – Die brutale Ehrlichkeit

In einer Branche, in der oft um den heißen Brei geredet wird, in der Absagen oft mit „Terminschwierigkeiten“ oder „persönlichen Auszeiten“ kaschiert werden, wählt Francine Jordi den Weg der entwaffnenden Ehrlichkeit. In einem aktuellen Interview mit t-online legt die 48-Jährige die Karten auf den Tisch.

„Ich wurde nicht angefragt für die Show“, erklärt sie schlicht und ergreifend. Dieser Satz sitzt. Er ist frei von Eitelkeit, aber er offenbart auch die Härte des Geschäfts. Es gab kein langes Verhandeln, kein Ringen um Gagen oder Auftrittszeiten. Das Telefon klingelte einfach nicht, oder besser gesagt: Die entscheidende Einladung blieb aus.

Jordi liefert auch gleich die möglichen Gründe mit, ganz ohne Groll, aber mit einer realistischen Einschätzung der Situation. „Entweder hat ein Lied von mir nicht gepasst oder die Gästeliste war schon voll“, mutmaßt die Sängerin offen. Diese Aussage zeigt, wie sehr selbst etablierte Stars davon abhängig sind, in das dramaturgische Konzept einer Sendung zu passen. Eine Silvestershow ist wie ein riesiges Puzzle. Jedes Teil muss perfekt sitzen – von der Ballade bis zum Party-Hit, vom Newcomer bis zur Legende. Und dieses Jahr, so scheint es, war in diesem Puzzle einfach kein Platz für Francine Jordi vorgesehen.

Größe in der Zurückweisung

Was Francine Jordi in diesem Moment von vielen anderen unterscheidet, ist ihre Reaktion. Es wäre ein Leichtes gewesen, sich gekränkt zu zeigen, spitze Bemerkungen über die Auswahl der Kollegen fallen zu lassen oder sich als Opfer zu inszenieren. Doch Jordi beweist wahre Größe.

Grundsätzlich, so betont sie, hätte sie sich natürlich über einen Auftritt gefreut. Sie ist Profi genug, um zu wissen, welche Bedeutung Florian Silbereisens Bühne hat. „Schließlich hat Silbereisen eine enorme Reichweite“, erkennt sie neidlos an. Ein Auftritt in seiner Show ist oft gleichbedeutend mit steigenden Streaming-Zahlen, vollen Konzerthallen und einer massiven Medienpräsenz. Nicht dabei zu sein, ist also nicht nur emotional schade, sondern auch wirtschaftlich relevant.

Dennoch verfällt sie nicht in Bitterkeit. Im Gegenteil, sie äußert sich voller Dankbarkeit über ihre aktuelle Situation. Sie sei dankbar, „weiterhin regelmäßig im Fernsehen präsent zu sein und in vielen unterschiedlichen Formaten stattfinden zu können“. Das ist die Einstellung einer Künstlerin, die mit sich im Reinen ist. Sie weiß um ihren Wert, unabhängig von einer einzelnen Sendung. Sie definiert sich nicht über eine Absage, sondern über die vielen Zusagen und Möglichkeiten, die sie nach wie vor hat.

Lob statt Lästerei: Ein Hoch auf den Kollegen

Besonders bemerkenswert ist, wie Francine Jordi über Florian Silbereisen spricht. Der Moderator musste in der jüngsten Vergangenheit durchaus auch Kritik einstecken, nicht jedem gefällt der Stil seiner Feste. Doch von Jordi kommt kein böses Wort. Ganz im Gegenteil, sie schwärmt regelrecht von seiner Arbeit.

„Florian Silbereisen macht einen großartigen Job und seine Formate kommen super an“, erklärt sie. Das ist mehr als nur kollegiale Höflichkeit; es ist eine Anerkennung der harten Arbeit, die hinter solchen Mega-Events steckt. Jordi weiß, wovon sie spricht. Durch ihre jahrelange Erfahrung als Moderatorin der „Silvestershow“ kennt sie den Druck, die Verantwortung und die Herausforderung, ein Millionenpublikum über Stunden hinweg bei Laune zu halten.

Dass nun Silbereisen den Silvesterabend im öffentlich-rechtlichen Fernsehen quasi im Alleingang dominiert und ihre ehemalige Sendung in dieser Form nicht mehr existiert, stört die 48-Jährige keineswegs. Sie sieht das große Ganze. „Für uns Künstler und für die Zuschauer zu Hause ist es wichtig, dass es möglichst viele Shows gibt, die unsere Musik ins Wohnzimmer bringen“, fügt sie hinzu. Damit stellt sie ihre persönlichen Befindlichkeiten hintenan und rückt das Wohl des Genres in den Mittelpunkt. Schlager lebt von der Sichtbarkeit, und Silbereisen ist derzeit der wichtigste Botschafter dieser Musik.

Ein Blick zurück und nach vorn

Der Abschied von der großen Silvester-Bühne Anfang 2024 war für Francine Jordi sicherlich ein Einschnitt. Fast ein Jahrzehnt lang begleitete sie die Zuschauer ins neue Jahr, plauderte charmant, sang und tanzte. An der Seite von „Bergdoktor“ Hans Sigl bildete sie ein Duo, das Charme und Bodenständigkeit vereinte. Dass dieses Kapitel geschlossen ist, bedeutet jedoch nicht das Ende ihrer Karriere.

Fast drei Jahrzehnte steht sie nun auf der Bühne. Sie hat den Grand Prix der Volksmusik gewonnen, beim Eurovision Song Contest teilgenommen und sich immer wieder neu erfunden. Ihre Fans lieben sie für ihre Authentizität. Dass sie nun auch offen über die Gründe ihres Fehlens bei Silbereisen spricht, wird diese Bindung nur noch stärken. Es macht sie nahbar. Es zeigt, dass auch Stars nicht vor Enttäuschungen gefeit sind und dass es im Leben immer darum geht, wie man mit solchen Situationen umgeht.

Während also Roland Kaiser, Maite Kelly und Co. den Countdown ins Jahr 2026 einläuten werden, wird Francine Jordi vielleicht selbst als Zuschauerin vor dem Fernseher sitzen – oder den Abend ganz privat genießen. Ihre Fans werden sie in der ARD-Show vermissen, ihre Lieder werden trotzdem auf vielen Silvesterpartys laufen.

Das Fazit: Eine Branche im Wandel

Die Geschichte um Francine Jordis Fehlen ist mehr als nur eine Randnotiz im Showgeschäft. Sie zeigt, wie dynamisch und auch unberechenbar die Unterhaltungsbranche ist. Plätze in den Top-Shows sind rar und heiß begehrt. Dass selbst eine etablierte Größe wie Jordi einmal „pausieren“ muss, weil sie schlicht nicht gefragt wurde, ist ein Realitätscheck.

Doch die Botschaft, die Francine Jordi sendet, ist eine positive: Es geht weiter. Eine Absage ist kein Weltuntergang. Und wer weiß, vielleicht passt im nächsten Jahr das Lied wieder besser, oder die Gästeliste hat genau noch diesen einen Platz frei – für die strahlende Schweizerin, die sich ihre gute Laune nicht verderben lässt. Bis dahin wünschen wir ihr und auch Florian Silbereisen mit seiner Show einen fantastischen Rutsch und ein erfolgreiches neues Jahr. Die Schlagerwelt ist groß genug für alle, auch wenn an diesem einen Abend nicht alle auf derselben Bühne stehen können.

Die Ehrlichkeit von Francine Jordi ist in jedem Fall der erste große Hit des kommenden Jahres – ein Hit der Menschlichkeit.