Es war eine Nachricht, die die besinnliche Stille des Weihnachtsfestes mit einem Schlag zerriss und die deutsche Filmwelt in tiefe Trauer stürzte. Ausgerechnet am 25. Dezember 2025, dem ersten Weihnachtsfeiertag und nur wenige Stunden vor seinem 78. Geburtstag, schloss Peter Sattmann für immer die Augen. Der charismatische Schauspieler, Musiker und Autor starb in seinem Haus in Stahnsdorf bei Berlin nach langer Krankheit.

Doch inmitten der Flut an Beileidsbekundungen und Nachrufen sticht eine Stimme hervor, die leiser, aber eindringlicher ist als alle anderen. Es ist die Stimme von Katja Riemann. Die Frau, die fast ein Jahrzehnt an seiner Seite verbrachte, die Mutter seiner Tochter Paula und – wie sich nun zeigt – seine Seelenverwandte bis zum letzten Atemzug.

Ein Abschied, der unter die Haut geht

Auf Instagram teilte die 62-jährige Schauspielerin Worte, die nicht wie ein offizieller Nachruf klingen, sondern wie ein letztes, flüsterndes Gespräch zwischen zwei Liebenden. Sie spricht ihn direkt an, “Peter”. Nicht distanziert, sondern voller Wärme.

“Am 25. Dezember 2025 hast du den letzten Zeitpfeiler deines Lebens gesetzt. Vorhang”, schreibt Riemann. Eine Metapher, die so theatralisch wie endgültig ist und perfekt zu einem Mann passt, der sein Leben der Bühne gewidmet hat. Sie erinnert an seinen schelmischen Blick, seine ewige Zigarette im Mundwinkel und jene unverwechselbare Lässigkeit, mit der er durchs Leben ging. Es war ihm egal, was andere dachten – eine Eigenschaft, die ihn in einer Branche voller Eitelkeiten zu einem echten Unikat machte.

Riemanns Post macht deutlich: Ihre Beziehung mag 1998 offiziell geendet haben, doch die Liebe ist geblieben. In einem Interview hatte Sattmann einmal gesagt: “Wir sagen uns: Ich liebe dich, aber ich möchte nie wieder mit dir zusammenleben.” Er nannte es eine “gelungene Trennung”. Heute wissen wir, wie recht er hatte. Sie blieben Freunde, Vertraute, Eltern.

Der Mann, der das Scheitern liebte

Peter Sattmann war kein glatter TV-Star, auch wenn er in über 180 Produktionen wie dem “Tatort”, “Das Traumschiff” oder der ZDF-Reihe “Frühling” (als Klinikchef Prof. Gabriel) einem Millionenpublikum bekannt war. Er war ein Charakterkopf, ein “Schauspieler des Jahres” (1975 und 1977), der seine Wurzeln am Theater hatte und unter Legenden wie Claus Peymann spielte.

Doch was ihn wirklich auszeichnete, war seine Ehrlichkeit. In seiner 2019 erschienenen Autobiografie „Mein Leben ist kein Drehbuch“ schrieb er nicht über seine Triumphe. Er schrieb über das Scheitern. Über seine Drogenexperimente, seine Exzesse, seine Fehler. “Ich habe alles probiert, synthetische Drogen, Gewürzmischungen, sogar Heroin”, gestand er einst dem SPIEGEL. Dass er überlebte, verdankte er seiner Disziplin bei der Arbeit.

Katja Riemann würdigt genau diese Facette in ihrem Abschied. Er hatte keine Angst vor dem Tod, schreibt sie. Vielleicht, weil er das Leben in all seinen dunklen und hellen Farben so intensiv ausgekostet hatte wie kaum ein anderer.

Ein schwarzer Dezember für die Kultur

Der Tod von Peter Sattmann reiht sich ein in eine Serie tragischer Verluste, die das Ende des Jahres 2025 überschatten. Erst wenige Tage zuvor, an Heiligabend, verstarb der beliebte Schauspieler Uwe Kockisch. Auch Katerina Jacob zeigte sich in ihrer Reaktion auf Sattmanns Tod fassungslos: “Was ist denn im Moment los? Wieder ist ein Guter gegangen.”

Die Anteilnahme der Kollegen ist riesig. Simone Thomalla, die jahrelang mit Sattmann für die Serie “Frühling” vor der Kamera stand, postete ein schlichtes Schwarz-Weiß-Foto mit den Worten: “Gute Reise, lieber Peter.” Es sind stille Grüße an einen Kollegen, der am Set nicht nur spielte, sondern “fühlte”, wie viele beschreiben. Er brachte Humor und Leichtigkeit, auch wenn es in seinem Inneren oft stürmisch zuging.

Das Vermächtnis lebt weiter

Was bleibt, wenn der Vorhang fällt? Bei Peter Sattmann ist es mehr als nur eine beeindruckende Filmografie. Es ist seine Tochter Paula Riemann (32). Die junge Filmemacherin und Regisseurin, die in London lebt, trägt das künstlerische Erbe ihrer beiden berühmten Eltern weiter. In ihrem Abschiedspost erwähnt Katja Riemann ausdrücklich, dass Peter in seinen “bezaubernden Töchtern” (er hatte eine weitere Tochter aus einer früheren Beziehung) weiterleben wird.

Peter Sattmann war ein Mann, der aus Zwickau kam, im Westen Deutschlands seine Freiheit suchte und sie in der Kunst fand. Er war ein “Eigenbrötler und großer Egozentriker”, wie er sich selbst nannte, und doch fähig zu tiefer, beständiger Freundschaft.

Sein Tod an Weihnachten ist von einer fast schon poetischen Tragik. Während die Welt das Fest der Liebe feierte, ging ein Mann, der die Liebe in ihrer kompliziertesten und reinsten Form verstanden hatte. Katja Riemanns Worte “Unsere Liebe für dich wird dich wärmen” sind der schönste Beweis dafür.

Ruhe in Frieden, Peter Sattmann. Dein letzter Zeitpfeiler steht fest, aber die Erinnerung an dich wird nicht wanken.