Es sind Worte, die aufhorchen lassen und bei vielen Fans für Wehmut sorgen dürften. Einer der profiliertesten Charakterdarsteller des deutschen Fernsehens, Herbert Knaup, spielt offen mit dem Gedanken, Deutschland den Rücken zu kehren. Im Alter von 69 Jahren, einem Zeitpunkt, an dem viele über den wohlverdienten Ruhestand nachdenken, scheint den Schauspieler eine tiefe Sehnsucht nach Veränderung zu treiben. Doch es ist nicht nur die bloße Abenteuerlust, die Knaup umtreibt – es ist eine Flucht vor der Dunkelheit und der Suche nach einem Lebensabend im Licht.

Herbert Knaup, der seit einem Vierteljahrhundert in der pulsierenden Hauptstadt Berlin lebt, ist für Millionen Fernsehzuschauer eine feste Konstante. Als scharfzüngiger Rechtsanwalt Markus Gellert in der ARD-Erfolgsserie „Die Kanzlei“ kämpft er wöchentlich für Gerechtigkeit. Doch privat kämpft der Mime offenbar mit dem deutschen Wetter und der Enge, die ihn hierzulande manchmal beschleicht. In einem bemerkenswert offenen Interview mit dem Nachrichtenportal t-online ließ er nun die Bombe platzen: Eine Auswanderung ist für ihn keinesfalls abwegig.

Die Sehnsucht nach dem Süden: „Raus aus Deutschland“

„Raus aus Deutschland und ab in die Sonne“, so könnte man das aktuelle Lebensmotto des gebürtigen Allgäuers zusammenfassen. Für Knaup ist dieser Gedanke kein flüchtiges Hirngespinst, sondern eine ernsthafte Option für die Zukunft. „Man soll niemals nie sagen“, erklärte er vielsagend. Sein Blick richtet sich dabei gen Süden. Italien oder Spanien – das sind die Sehnsuchtsorte, die den Schauspieler locken.

Der Grund für diese drastischen Überlegungen ist so menschlich wie nachvollziehbar: das Licht. Besonders in den grauen Wintermonaten, wenn in Berlin die Sonne bereits am frühen Nachmittag hinter den Häuserschluchten verschwindet, wächst der Wunsch nach Helligkeit und Wärme. „Auch der frühe Sonnenuntergang ist für ihn ein Störfaktor“, heißt es aus seinem Umfeld. Für einen kreativen Geist wie Knaup, der von Inspiration und Energie lebt, kann die dauerhafte Dunkelheit zur Belastung werden. Die Vorstellung, den Lebensabend unter der strahlenden Sonne der Toskana oder an den Küsten Andalusiens zu verbringen, erscheint da wie ein befreiender Traum.

Eine klare Absage an die alte Heimat

Wer nun vermutet, dass den Schauspieler im Alter die Nostalgie packt und er zu seinen Wurzeln zurückkehren möchte, der irrt gewaltig. Herbert Knaup wurde 1956 in Sonthofen im Allgäu geboren, einer Region, die für viele der Inbegriff von Heimatidylle ist. Doch für Knaup ist eine Rückkehr ausgeschlossen. „Ein Rückzug in die alte Heimat ist allerdings keine Option“, stellte er unmissverständlich klar.

Die Gründe hierfür liegen tief in seiner Biografie verwurzelt. Es war die „Hippie-Zeit“, wie er es nennt, die ihn einst aus der ländlichen Enge „herauskatapultiert“ hat. Der junge Knaup suchte die Weite, die Kunst, das Leben – Dinge, die er im beschaulichen Sonthofen damals nicht fand. Auch heute, Jahrzehnte später, kann er sich ein Leben dort nicht mehr vorstellen. „Wieder dort zu leben fände ich schwierig“, gestand er im Interview. Ganz pragmatisch fügte er hinzu: „Ich wüsste gar nicht, wie ich dort meinen Lebensunterhalt verdienen sollte.“

Diese Aussage verdeutlicht, wie sehr sich Knaup mittlerweile als urbaner Mensch definiert. „Noch bin ich Städter“, betonte er. Berlin ist zu seinem Lebensmittelpunkt geworden, hier hat er seine Netzwerke, seine Freunde, seine Arbeit. Doch wie lange noch? Die Betonung auf dem Wörtchen „noch“ lässt Raum für Spekulationen. Ist der Abschied aus der Hauptstadt nur eine Frage der Zeit?

Ein Karriere-Rückblick: Vom Tatort zum Anwaltsliebling

Um die Tragweite eines möglichen Abschieds zu verstehen, muss man sich die beeindruckende Karriere von Herbert Knaup vor Augen führen. Seit über vier Jahrzehnten prägt er die deutsche Film- und Fernsehlandschaft wie kaum ein anderer. Bereits 1984, also vor über 40 Jahren, war er erstmals in einem „Tatort“ zu sehen – der Ritterschlag für jeden deutschen Schauspieler.

Sein großer Durchbruch gelang ihm zehn Jahre später, 1994, in Dominik Grafs Actionthriller „Die Sieger“. Als SEK-Polizist Karl Simon zeigte er eine physische Präsenz und eine schauspielerische Intensität, die Kritiker und Publikum gleichermaßen begeisterte. Es folgten unzählige Rollen in Kino- und TV-Produktionen, darunter unvergessene Auftritte in „Lola rennt“ oder dem Oscar-prämierten Drama „Das Leben der Anderen“.

Doch für das breite Publikum ist er heute vor allem eines: Markus Gellert. Seit 2015 verkörpert er in der ARD-Serie „Die Kanzlei“ an der Seite von Sabine Postel den brillanten, aber oft eigenwilligen Anwalt. Er trat damals ein schweres Erbe an, als er die Nachfolge des verstorbenen Dieter Pfaff übernahm. Doch Knaup gelang das Kunststück, der Serie seinen ganz eigenen Stempel aufzudrücken und sie zu neuen Erfolgen zu führen.

Ironie des Schicksals: Die Rolle nimmt das Leben vorweg?

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet seine Paraderolle Markus Gellert in der kommenden Episode genau das durchlebt, wogegen sich der private Herbert Knaup so vehement wehrt. In der nächsten Ausgabe von „Die Kanzlei“, die am 2. Januar 2026 im Ersten ausgestrahlt wird, muss der überzeugte Großstadt-Anwalt raus aufs Land. „Widerwillig wird er aufs Land getrieben“, heißt es in der Vorschau.

Während die fiktive Figur Markus Gellert also mit der ländlichen Idylle hadert und sich vermutlich nach dem Lärm und Dreck der Großstadt sehnt, träumt der echte Herbert Knaup vom genauen Gegenteil – oder zumindest von einer anderen Art von Weite. Es ist dieses Spannungsfeld zwischen Rolle und Realität, das Schauspieler wie Knaup so faszinierend macht. Sie durchleben auf dem Bildschirm Szenarien, die ihr eigenes Leben spiegeln, konterkarieren oder manchmal sogar vorwegnehmen.

Ein Trend unter Prominenten?

Herbert Knaup steht mit seinen Auswanderungsgedanken nicht alleine da. Immer mehr deutsche Prominente scheinen der Heimat überdrüssig zu werden. Auch die beliebte „Bauer sucht Frau“-Moderatorin Inka Bause äußerte sich kürzlich ähnlich und verriet ihre eigenen Pläne, Deutschland möglicherweise zu verlassen. Es scheint, als ob eine gewisse Unruhe, gepaart mit der Sehnsucht nach einer höheren Lebensqualität im Alter, viele Stars umtreibt.

Ob es die politische Stimmung, das Wetter oder einfach der Wunsch nach einem letzten großen Abenteuer ist – die Motive sind vielfältig. Für die Fans bedeutet dies jedoch eine Zitterpartie. Müssen wir uns darauf einstellen, unsere Lieblinge bald nur noch via Instagram aus der Ferne zu grüßen?

Fazit: Ein Abschied auf Raten?

Noch sind keine Umzugskartons gepackt. Herbert Knaup ist (noch) in Berlin, dreht (noch) für das deutsche Fernsehen und ist (noch) Teil unseres kulturellen Alltags. Seine Aussage „Man soll niemals nie sagen“ ist jedoch mehr als nur eine Floskel. Es ist eine offene Tür, ein Spaltbreit Hoffnung auf ein anderes Leben.

Für seine Fans bleibt die Hoffnung, dass der Schauspieler den Spagat zwischen südlicher Sonne und deutschem Filmset meistern wird. Vielleicht wird aus dem kompletten Auswandern ja ein zeitweises Pendeln. Denn eines ist sicher: Ein deutsches Fernsehen ohne Herbert Knaup wäre deutlich grauer – ganz egal, wie sehr die Sonne in Italien scheint.

Wir werden genau beobachten, ob aus den gedanklichen Spielen bald Realität wird. Bis dahin genießen wir seine Auftritte, wohlwissend, dass jeder von ihnen ein Stückchen kostbarer wird, wenn der Abschied im Raum steht. Am 2. Januar 2026 können wir ihn zumindest wieder dort sehen, wo er für viele hingehört: auf dem Bildschirm, brillant und unverwechselbar, auch wenn es ihn in der Rolle widerwillig aufs Land verschlägt.