Es ist eine Tradition, die für Millionen Deutsche untrennbar mit dem Weihnachtsfest verbunden ist: Der Gänsebraten, der geschmückte Baum und am Abend des ersten Weihnachtstages die große „Helene Fischer Show“ im ZDF. Doch im Jahr 2025 war alles anders. Die Königin des Schlagers glänzte durch Abwesenheit, und das Ergebnis für ihren Haussender hätte kaum dramatischer ausfallen können. Was als besinnlicher Fernsehabend geplant war, endete für die Programmverantwortlichen auf dem Lerchenberg in einem wahren Albtraum aus sinkenden Kurven und enttäuschten Erwartungen.

Der “Helene-Faktor”: Eine Lücke, die nicht zu schließen ist

Seit 2011 war der 25. Dezember im Zweiten Deutschen Fernsehen praktisch für Helene Fischer reserviert. Ihre Show war mehr als nur eine Musiksendung; sie war ein generationenübergreifendes Lagerfeuer, das Jung und Alt vor den Bildschirmen vereinte. Internationale Gaststars, atemberaubende Akrobatik und natürlich die Hits der Gastgeberin garantierten Jahr für Jahr Traumquoten.

Doch in diesem Jahr standen die Zeichen auf Veränderung. Vor wenigen Monaten wurde Helene Fischer zum zweiten Mal Mutter. Eine Nachricht, die ihre Fans mit großer Freude aufnahmen, die aber auch Konsequenzen für ihre beruflichen Verpflichtungen hatte. Um sich voll und ganz ihrer kleinen Familie und dem neuen Erdenbürger widmen zu können, sagte die Schlagerkönigin ihre traditionelle Weihnachtsshow schweren Herzens ab. Eine Entscheidung, die menschlich absolut nachvollziehbar und sympathisch ist, für das ZDF jedoch strategisch einem Super-GAU gleichkam.

Die Hoffnung, das Publikum auch ohne den blonden Superstar halten zu können, hat sich als Trugschluss erwiesen. Die nackten Zahlen, die am Morgen nach dem Fest auf den Tischen der Intendanten landeten, sprechen eine deutliche Sprache: Ohne Helene fehlt dem ZDF an Weihnachten das Herzstück.

Das Ersatzprogramm: Ein Kampf gegen Windmühlen

Statt der gewohnten glamourösen Show setzte das ZDF auf Fiction. Um 20:15 Uhr schickte der Sender die Komödie „Weihnachten im Olymp“ ins Rennen. In der Hauptrolle: Marie Millowitsch. Ein solider Name, eine gefällige Geschichte – doch gegen die geballte Macht der Gewohnheit und die starke Konkurrenz hatte dieser Film keine Chance.

Lediglich 2,44 Millionen Menschen schalteten ein. Was für einen normalen Dienstagabend vielleicht noch als akzeptabel durchgehen würde, ist für den prestigeträchtigen ersten Weihnachtstag eine herbe Enttäuschung. Der Marktanteil dümpelte bei schwachen 11,0 Prozent. Es scheint, als hätten viele Zuschauer beim Blick in die Fernsehzeitschrift resigniert abgewinkt, als sie feststellten, dass ihr gewohntes Highlight fehlte.

Noch düsterer sah es im Anschluss aus. Eine 90-minütige Folge der ansonsten so beliebten „Rosenheim-Cops“ konnte den Abwärtstrend nicht stoppen, sondern beschleunigte ihn sogar noch. Die Zuschauerzahl sank auf 1,72 Millionen, der Marktanteil fiel in den einstelligen Bereich auf 8,7 Prozent. Besonders schmerzhaft: Auch bei der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen, die für die Werbeeinnahmen so wichtig ist, verharrten beide Formate im Bereich zwischen drei und vier Prozent. Ein Desaster auf ganzer Linie.

Die Konkurrenz triumphiert: ARD und RTL ziehen vorbei

Während man in Mainz Wunden leckte, knallten in anderen Sendezentralen die Sektkorken. Der große Gewinner des Abends war eindeutig das Erste. Die ARD setzte auf bewährte Krimi-Kost und landete damit einen Volltreffer. Der Film „Harter Brocken“ erwies sich als genau das: Ein Quoten-Schwergewicht, an dem niemand vorbeikam.

Mit durchschnittlich 4,50 Millionen Zuschauern dominierte der Krimi den Abend nach Belieben. Ein Marktanteil von 20,4 Prozent beim Gesamtpublikum bedeutet, dass mehr als jeder fünfte Fernsehzuschauer an diesem Abend das Erste eingeschaltet hatte. Das ist fast doppelt so viel wie das ZDF mit seinem Ersatzprogramm erreichen konnte. Auch die anschließende Wiederholung von „Nord Nord Mord“ hielt das Niveau hoch und fesselte noch immer 2,81 Millionen Menschen.

Doch nicht nur die öffentlich-rechtliche Schwester machte dem ZDF das Leben schwer. Auch der Privatsender RTL zog in der Hauptsendezeit spielend vorbei. Das Weihnachtsspecial von „Wer wird Millionär?“ mit dem ewigen Quiz-Onkel Günther Jauch lockte 2,85 Millionen Ratefüchse vor die Bildschirme. Mit 14,9 Prozent Marktanteil insgesamt und starken 13,9 Prozent in der klassischen Zielgruppe bewies Jauch einmal mehr, dass er auch an Feiertagen eine sichere Bank ist. Besonders ein dramatischer Moment, in dem eine Kandidatin „brutal abstürzte“, sorgte für Gesprächsstoff und hielt die Zuschauer bei der Stange.

Ein Tag zum Vergessen für das ZDF

Die Misere beschränkte sich nicht nur auf die Primetime. Der gesamte erste Weihnachtstag war für das ZDF ein Tag zum Vergessen. Während die ARD schon tagsüber mit unverwüstlichen Klassikern wie „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ und „Der kleine Lord“ punktete und beim jungen Publikum zweistellige Marktanteile einfuhr, fand das Zweite kaum statt.

In der Endabrechnung des Tagesmarktanteils landete das ZDF bei mageren 9,4 Prozent. Ein Wert, der weit unter dem Senderschnitt liegt und den Anspruch des Senders, Marktführer zu sein, Lügen straft. Im direkten Vergleich dazu thronte das Erste mit stolzen 13,9 Prozent Tagesmarktanteil unangefochten an der Spitze.

Auch die anderen Privatsender sicherten sich ihre Stücke vom Kuchen. ProSieben, Sat.1, VOX und Kabel Eins setzten auf Hollywood-Blockbuster und Spielfilme, womit sie solide Marktanteile zwischen 3,6 und 6,9 Prozent in der Zielgruppe erreichten. Das neue Format „Promis unterm Weihnachtsbaum“ bei RTL tat sich am Vorabend zwar noch etwas schwer (6,2 Prozent), fiel aber im Gesamtkontext nicht so stark ins Gewicht wie der Ausfall des ZDF-Flaggschiffs.

Fazit: Helene Fischer ist unersetzbar

Was lehrt uns dieser Fernsehabend? Er ist ein eindrucksvoller Beleg für die Ausnahmestellung, die Helene Fischer in der deutschen Unterhaltungslandschaft genießt. Sie ist nicht nur eine Sängerin, sie ist eine Institution, ein Garant für Erfolg und Reichweite. Wenn sie fehlt, entsteht ein Vakuum, das – zumindest aktuell – durch kein anderes Format gefüllt werden kann.

Für Helene Fischer selbst ist die Entscheidung, die Familie an erste Stelle zu setzen, goldrichtig. Sie genießt ihr Glück als zweifache Mutter, fernab vom Scheinwerferlicht und Quotendruck. Ihre Fans gönnen es ihr von Herzen, auch wenn die Sehnsucht nach ihrer Rückkehr auf die große Bühne riesig ist.

Für das ZDF hingegen dürften nach diesem 25. Dezember 2025 die Alarmglocken schrillen. Man wird sich in Mainz ernsthafte Gedanken machen müssen, wie man künftig auf solche Ausfälle reagiert. Denn eines hat dieser Abend schmerzlich bewiesen: Ohne seine Königin wirkt das Programm des Senders an Weihnachten seltsam blass und chancenlos. Man darf gespannt sein, ob die Verantwortlichen im nächsten Jahr alles daran setzen werden, Helene Fischer zurückzuholen, oder ob sie ein neues Konzept entwickeln müssen, um nicht erneut das Nachsehen zu haben. Bis dahin bleibt nur die Erkenntnis: Weihnachten ohne Helene ist möglich, aber für das ZDF sinnlos.