Es sollte der perfekte Ausklang eines ereignisreichen Jahres werden. Weiße Pisten, frische Bergluft und kostbare Zeit mit der Familie. Doch für Anna Kraft, das beliebte Gesicht der RTL-Sportberichterstattung, endete der lang ersehnte Skiurlaub in einem absoluten Albtraum. Wo normalerweise Jubel über Tore und sportliche Höchstleistungen ihren Alltag bestimmen, herrschen nun Schmerzen, Geduld und eine dicke Beinschiene vor. Die Nachricht von ihrem schweren Skiunfall schlug kurz nach den Feiertagen wie eine Bombe in der Medienwelt ein und versetzte ihre riesige Fangemeinde in Sorge.

60 Minuten, die alles veränderten

Manchmal reicht ein einziger unglücklicher Moment, um alle Pläne über den Haufen zu werfen. Für Anna Kraft dauerte das Wintervergnügen gerade einmal eine Stunde. „60 Minuten auf der Piste und umgefahren“, fasste die 38-Jährige das Drama in ihrer Instagram-Story zusammen. Die Wortwahl lässt erahnen, wie machtlos sie der Situation gegenüberstand. Offenbar war es kein eigener Fahrfehler, der zu dem Unglück führte, sondern eine Fremdeinwirkung – ein Szenario, vor dem sich jeder Wintersportler fürchtet.

Das Resultat ist niederschmetternd, besonders für jemanden, dessen Leben so eng mit Bewegung und Sport verknüpft ist: Kreuzbandriss. Eine Diagnose, die jedem Athleten das Blut in den Adern gefrieren lässt. Das Knie ist kaputt, die Mobilität dahin. „Nerven kaputt, ich kaputt“, schrieb sie weiter. Worte, die ungewohnt verletzlich klingen von der Frau, die wir sonst als strahlende, energiegeladene Powerfrau vom Spielfeldrand kennen.

Galgenhumor unterm Weihnachtsbaum

Doch wer Anna Kraft kennt – sei es aus ihrer Zeit als Leichtathletin oder als souveräne Moderatorin bei Sky, ZDF und nun RTL –, der weiß: Aufgeben ist keine Option. Selbst in dieser misslichen Lage blitzt ihr unverwüstlicher Humor durch, der sie so sympathisch macht.

Auf Instagram teilte die zweifache Mutter zwei Bilder, die den drastischen Kontrast ihrer aktuellen Situation verdeutlichen. Auf dem einen Foto sieht man sie strahlend, vielleicht aus einem früheren Moment oder nur für die Kamera lächelnd, in einem eleganten roten Spitzenkleid vor einem prächtig geschmückten Weihnachtsbaum. Ein Bild purer Festtagsfreude. Doch der “Swipe” zum nächsten Foto holt den Betrachter brutal auf den Boden der Tatsachen zurück: Ein dick verpacktes Bein, fixiert in einer massiven Schiene, ruht vor demselben Baum.

Ihr Kommentar dazu ist typisch Anna: „Legt euch schönere Geschenke unter den Baum.“ Ein Satz, der trotz der Schmerzen ein Schmunzeln provoziert und zeigt, dass sie sich ihre positive Grundeinstellung nicht nehmen lässt. Sie versucht, das Beste aus der Situation zu machen, auch wenn das diesjährige Weihnachtsgeschenk des Schicksals wohl dasjenige ist, auf das sie am liebsten verzichtet hätte.

Ein Leben im Sprint – auch gegen Widerstände

Um zu verstehen, warum Anna Krafts Umgang mit dieser Verletzung so bemerkenswert ist, lohnt sich ein Blick auf ihren Werdegang. Anna Kraft ist eine Kämpferin. Geboren in Haan und aufgewachsen in Leverkusen, war sie früher selbst Leistungssportlerin. Als Sprinterin bei Bayer 04 Leverkusen wurde sie mehrfache Deutsche Meisterin mit der Staffel. Schnelligkeit, Disziplin und der Wille, sich durchzubeißen, liegen ihr im Blut. Diese Eigenschaften halfen ihr auch, als sie die Spikes gegen das Mikrofon tauschte und eine steile Karriere im Sportjournalismus hinlegte – von „ran“ über „Sky Sport News HD“ bis hin zur UEFA Europa League bei RTL.

Doch ihr härtester Gegner ist kein anderer Läufer und kein Interviewpartner, sondern ihr eigener Körper. Seit 2015 lebt Anna Kraft mit der Diagnose Multiple Sklerose (MS). Jahrelang behielt sie diese Nachricht für sich, wollte nicht als „die Kranke“ wahrgenommen werden, sondern durch Leistung überzeugen. Erst 2021 ging sie damit an die Öffentlichkeit, um anderen Betroffenen Mut zu machen. Sie nennt ihre Krankheitstage „Dämonen-Tage“. Dass sie nun, zusätzlich zu dieser chronischen Belastung, durch einen Kreuzbandriss physisch so stark eingeschränkt wird, ist eine bittere Ironie.

Die medizinische Herausforderung: Was ein Kreuzbandriss bedeutet

Ein Kreuzbandriss ist keine Bagatelle. Für einen Menschen wie Anna, der immer „auf Achse“ ist, bedeutet dies eine Vollbremsung. Medizinisch gesehen ist das vordere Kreuzband einer der wichtigsten Stabilisatoren im Kniegelenk. Reißt es, verliert das Knie seinen Halt. Die Heilung ist ein Marathon, kein Sprint.

Normalerweise folgt auf die Diagnose eine Operation, gefolgt von monatelanger Rehabilitation. In den ersten Wochen ist an normales Gehen kaum zu denken; Krücken und Schienen werden zu ständigen Begleitern. Muskeln bauen in rasender Geschwindigkeit ab und müssen mühsam wieder trainiert werden. Für eine Sportmoderatorin, die oft stundenlang in High Heels im Studio steht oder durch Stadien läuft, ist das eine berufliche Katastrophe auf Zeit.

Experten rechnen bei einer solchen Verletzung mit einer Ausfallzeit von sechs bis neun Monaten, bis volle sportliche Belastung wieder möglich ist. Für Anna bedeutet das: Physiotherapie statt Piste, Lymphdrainage statt Live-Schalte – zumindest vorerst. Doch ihre Vergangenheit als Leistungssportlerin könnte ihr hier zugutekommen. Sie kennt ihren Körper, sie kennt den Schmerz im Training und sie weiß, wie man sich nach Niederlagen zurückkämpft.

Welle der Solidarität

Die Reaktionen auf ihr „Unglücks-Posting“ ließen nicht lange auf sich warten. Innerhalb kürzester Zeit sammelten sich unter ihrem Beitrag tausende von Genesungswünschen. Kollegen, Freunde und vor allem ihre rund 100.000 Follower sprachen ihr Mut zu. Diese digitale Umarmung ist in solchen Momenten oft Balsam für die Seele. Es zeigt, dass sie nicht nur als Fachfrau geschätzt wird, sondern auch als Mensch, der mit seiner offenen und nahbaren Art die Herzen berührt.

In einer Zeit, in der soziale Medien oft nur die glatten, perfekten Seiten des Lebens zeigen, ist Anna Krafts Ehrlichkeit erfrischend. Sie zeigt nicht nur das rote Kleid, sondern auch die Schiene. Sie spricht nicht nur vom „Happy Holiday“, sondern auch vom „Nerven kaputt“. Das macht sie greifbar.

Der Blick nach vorn

Wie geht es nun weiter? Vorerst wird Anna Kraft wohl die Füße stillhalten müssen – so schwer es ihr auch fallen mag. Ihr Partner, der bekannte Fußballkommentator Wolff-Christoph Fuss, und ihre zwei Töchter werden sicher dafür sorgen, dass es der Mama an nichts fehlt und sie die nötige Ruhe bekommt.

Vielleicht ist diese Zwangspause, so schmerzhaft sie auch ist, eine Chance, einmal tief durchzuatmen. Das Jahr war intensiv, und Anna Kraft hat oft genug bewiesen, dass sie ein Stehaufmännchen ist. Ihre MS-Erkrankung hat sie gelehrt, auf ihren Körper zu hören und jeden guten Tag zu schätzen. Dieser Unfall ist ein weiterer Stein in ihrem Weg, aber sicher keine Sackgasse.

Wir werden Anna Kraft wiedersehen – wahrscheinlich schneller, als manch einer denkt. Vielleicht zunächst sitzend im Studio, aber mit dem gleichen strahlenden Lächeln und der gleichen Leidenschaft für den Sport wie eh und je. Bis dahin wünschen wir ihr gute Besserung, viel Geduld und dass die „schöneren Geschenke“, die sie sich gewünscht hat, bald in Form von kleinen Heilungsfortschritten eintreffen.

Kopf hoch, Anna! Du schaffst auch diesen „Kraftakt“.