Es ist die Nachricht, die die Welt der Volksmusik kurz vor dem Fest der Liebe erschüttert hat: Norbert Rier, die unverwechselbare Stimme und das Herz der Kastelruther Spatzen, kann bei der diesjährigen Weihnachtstournee nicht dabei sein. Ein gesundheitlicher Rückschlag zwingt den 65-Jährigen zur Ruhe, während sein Sohn Alexander Rier (40) sich einer der größten Herausforderungen seiner Karriere stellt. Zwischen Hoffen, Bangen und familiärem Pflichtgefühl spielt sich derzeit ein emotionales Drama ab, das Fans und Familie gleichermaßen bewegt.

Die Adventszeit sollte eigentlich ein Triumphzug für die erfolgreichste Volksmusikgruppe aller Zeiten werden. Doch statt im Scheinwerferlicht zu stehen, kämpft Frontmann Norbert Rier abseits der Bühne um seine Gesundheit. Wie nun bekannt wurde, musste sich der Sänger einer erneuten, schweren Herzoperation unterziehen. Eine Situation, die Erinnerungen an das Jahr 2017 wachruft und die Band vor eine Zerreißprobe stellte.

Der ernste Hintergrund: Wenn das Herz den Takt vorgibt

Die Hiobsbotschaft kam nicht völlig aus dem Nichts, traf die Fans aber dennoch hart. Bereits im Juli 2025 erlitt Norbert Rier einen leichten Schlaganfall, von dem er sich zunächst gut erholt zu haben schien. Doch bei Folgeuntersuchungen stellten die Ärzte fest, dass eine seiner Herzklappen – die ihm bereits vor acht Jahren implantiert worden war – nicht mehr ordnungsgemäß funktionierte. Ein sofortiger Austausch war unumgänglich.

„Die Situation ist eben, wie sie ist“, kommentiert Alexander Rier im aktuellen Interview die Lage. Seine Worte klingen gefasst, doch man spürt die emotionale Last, die auf seinen Schultern liegt. Während Norbert in der Klinik und nun in der Rehabilitation um seine Genesung kämpft, müssen die Konzerte weitergehen. Die Entscheidung, wer den „Spatzen-Papa“ vertreten könnte, war dabei alles andere als ein Alleingang.

Eine Entscheidung der Familie und der Band

Wie Alexander Rier gegenüber Tratsch TV enthüllte, war die Nachfolge für die Weihnachtstour keine spontane Notlösung, sondern ein wohlüberlegter demokratischer Prozess innerhalb der Gruppe. „Das war eine gemeinschaftliche Entscheidung. Die Spatzen haben sich da zuerst beraten. So etwas wird gemeinsam beschlossen“, erklärt der 40-Jährige. Erst als alle Bandmitglieder und die Veranstalter ihr „Go“ gaben, wurde Alexander offiziell gefragt.

Seine Antwort kam ohne Zögern: „Da habe ich natürlich gleich zugesagt, das ist für mich selbstverständlich.“ Es ist der Beweis für den engen Zusammenhalt der Familie Rier und der Band, die seit Jahrzehnten wie eine zweite Familie agiert. Doch bei aller Professionalität lässt Alexander tief in seine Seele blicken: „In erster Linie ist das für mich eine riesengroße Ehre. Mir wäre allerdings lieber, wenn mein Papa mit seinen Spatzen auf der Bühne stehen würde.“

Der Druck des Erbes: Alexander im Rampenlicht

Für Alexander Rier, der selbst seit 2010 als erfolgreicher Schlagersänger auf der Bühne steht, ist diese Vertretung kein einfacher Job. Es geht nicht nur darum, ein paar Lieder zu singen. Es geht darum, eine Legende zu vertreten. „Das Liederlernen ist ehrlicherweise schon viel Arbeit“, gesteht er. Während er normalerweise als Solist unterwegs ist, muss er sich nun in das präzise Zusammenspiel der Band einfügen.

Die Proben waren intensiv. Innerhalb kürzester Zeit musste Alexander das Repertoire der Weihnachtstournee verinnerlichen – Texte, die Fans in- und auswendig kennen und die untrennbar mit der Stimme seines Vaters verbunden sind. Städte wie Grimma, Dresden und Chemnitz warten auf die Spatzen, und die Erwartungshaltung ist gigantisch. Doch Alexander hat bereits bewiesen, dass er dem Druck standhalten kann. Schon beim Spatzenfest erhielt er positives Feedback für seine Auftritte. „Ich hoffe, dass es die Fans genießen können“, sagt er bescheiden.

Norberts Kampfgeist: „Energie eines Wildschweins“

Während Alexander die Bühnen rockt, arbeitet Norbert Rier an seinem Comeback. Die Operation im Oktober ist gut verlaufen, und der Sänger zeigt sich gewohnt kämpferisch. Gegenüber der Presse scherzte er bereits kurz nach dem Eingriff: „Ich hoffe, dass ich danach die Energie von einem kräftigen Wildschwein habe.“ Ein typischer Rier-Satz, der zeigt: Der Humor ist ihm nicht vergangen.

Aktuell gehe es ihm „den Umständen entsprechend gut“, berichtet Alexander. Norbert erholt sich dort, wo er am meisten Kraft schöpft – in seiner Heimat Südtirol, umgeben von der Natur und seinen geliebten Haflingern. Das Ziel ist klar definiert: Spätestens im Februar 2026 will der Grandseigneur der Volksmusik wieder selbst am Mikrofon stehen. Bis dahin ist Ruhe die wichtigste Medizin.

Ein Weihnachten der besonderen Art

Für die Fans der Kastelruther Spatzen wird diese Weihnachtstournee unvergesslich bleiben – wenn auch aus einem traurigen Anlass. Sie erleben eine Band, die zusammenrückt, und einen Sohn, der aus Liebe zum Vater über sich hinauswächst. Es ist vielleicht nicht das Szenario, das sich alle gewünscht haben, aber es ist ein beispielloser Beweis für Loyalität und Zusammenhalt in der Welt der Volksmusik.

Wenn Alexander Rier in diesen Tagen „Eine weiße Rose“ oder die großen Weihnachtshits anstimmt, singt er nicht nur für das Publikum. Er singt für seinen Vater, in der Hoffnung, dass dieser bald wieder an seiner Seite steht. Und genau diese Emotion ist es, die die Konzerte in diesem Jahr so einzigartig und berührend macht. Gute Besserung, Norbert!