Es sollte der strahlende Auftakt in ein neues, hoffnungsvolles Jahr werden. Die Sektkorken sollten knallen, die Musik die Herzen erwärmen und Millionen von Zuschauern vor den Bildschirmen und vor Ort in einen kollektiven Freudentaumel versetzen. Doch was sich in der Silvesternacht 2025/2026 in der Hamburger HafenCity abspielte, glich eher einem Trauerspiel als einer rauschenden Ballnacht. Die ZDF-Show „Willkommen 2026“, moderiert von den TV-Veteranen Andrea Kiewel und Johannes B. Kerner, entwickelte sich zu einem wahren Stimmungskiller, der nicht nur das Publikum vor Ort, sondern auch die Netzgemeinde fassungslos zurückließ.

Der Kampf gegen die Elemente: Eine nasse Enttäuschung

Wer an Silvester denkt, hat oft Bilder von glitzerndem Konfetti, warmem Licht und ausgelassenen Menschenmassen im Kopf. Doch die Realität in Hamburg sah düster aus – im wahrsten Sinne des Wortes. Strömender Regen, peitschender Wind und Temperaturen um die ungemütliche 3-Grad-Marke verwandelten die geplante Open-Air-Party in eine feuchte Zitterpartie. Es ist eine Frage, die sich viele Zuschauer noch lange stellen werden: Wer beim ZDF oder den Veranstaltern hielt es für eine brillante Idee, eine mehrstündige Live-Show unter freiem Himmel im norddeutschen Dezemberregen zu planen?

Schon in den ersten Minuten der Übertragung wurde deutlich, dass hier etwas nicht stimmte. Während Andrea Kiewel und Johannes B. Kerner gewohnt professionell versuchten, gute Laune zu versprühen, sprach die Kulisse eine andere Sprache. Die Moderatoren, eingepackt in Winterkleidung, wirkten zeitweise selbst so, als würden sie unter den widrigen Bedingungen leiden. Das ständige Bemühen, die Situation schönzureden – sei es durch das Herbeireden einer Wetterwende oder das überschwängliche Loben des verbliebenen Publikums für dessen „Durchhaltevermögen“ – wirkte beinahe verzweifelt. Es war der Versuch, ein Feuer zu entfachen, wo alles nass war.

Geisterstadt statt Hexenkessel: Der Blick hinter die Kulissen

Was der Fernsehzuschauer zu Hause auf dem Sofa oft nicht mitbekommt, ist die Magie der Regie. Geschickte Kamerawinkel, schnelle Schnitte und Nahaufnahmen können darüber hinwegtäuschen, wie es vor Ort tatsächlich aussieht. Doch im Zeitalter von Social Media bleibt nichts verborgen. Parallel zur TV-Ausstrahlung machten Berichte und Fotos auf der Plattform X (ehemals Twitter) die Runde, die ein vernichtendes Bild zeichneten.

„Alles tot hier“, schrieb eine Frau, die offenbar live vor Ort war. Ihre Schilderungen waren so ernüchternd wie glaubwürdig. Sie berichtete von einem Areal, das „absolut leer“ sei, falls es im Fernsehen anders wirken sollte. Diese Diskrepanz zwischen dem, was der Sender transportieren wollte, und der nackten Realität vor der Bühne, sorgte für Spott und Häme im Netz. Selbst bei den Live-Aufnahmen aus der Vogelperspektive, die eigentlich die Größe des Events demonstrieren sollten, ließen sich die riesigen Lücken im Publikum nicht verbergen. Wo eigentlich ein Meer aus Menschen wogen sollte, sah man nasse Pflastersteine und vereinzelte Regenschirme.

Ein besonders Mitleid erregender Aspekt, den die Augenzeugin hervorhob, galt den Mitarbeitern hinter den Kameras. „Mir tun die Kameramänner leid“, postete sie. „Die laufen hier durch das Publikum und einfach alles tot.“ Man stelle sich die Situation vor: Ein Kameramann, dessen Job es ist, jubelnde, tanzende Menschen einzufangen, muss durch gähnende Leere navigieren und verzweifelt nach den wenigen Clustern von Zuschauern suchen, die noch nicht vor der Nässe geflüchtet sind. Es ist eine Sysiphos-Arbeit, die Stimmung zu inszenieren, wenn keine da ist.

Das TV-Duell: Silbereisen stiehlt die Show

Während in Hamburg die Welt unterging, schalteten viele Zuschauer, enttäuscht von der tristen Kulisse im Zweiten, hinüber ins Erste. Dort feierte Florian Silbereisen seine große Schlagerparty, und der Kontrast hätte nicht größer sein können. Während bei Kiewel und Kerner das Wasser in die Krägen lief, herrschte bei der ARD augenscheinlich jene Wärme und Ausgelassenheit, die man sich für den Jahreswechsel wünscht.

Die Kommentare im Netz waren eindeutig. Viele Nutzer berichteten vom „Zappen“ zwischen den Programmen, nur um dann festzustellen, dass der Stimmungsbarometer bei der Konkurrenz deutlich höher ausschlug. „Stimmungssieger ganz klar der Schlagerbooom im Ersten“, resümierte ein Ex-Kommentator trocken. Es ist ein bitteres Urteil für das ZDF, das mit seinen Top-Moderatoren und großem Budget angetreten war, um die Marktführerschaft in der Silvesternacht zu sichern. Doch gegen die Kombination aus schlechter Planung (Location) und dem Faktor Wetter waren selbst Profis wie „Kiwi“ und „JBK“ machtlos. Das Publikum sehnte sich nach Geborgenheit, Licht und Party – und fand dies eher im geschützten Studio-Ambiente der Konkurrenz als im Hamburger Nieselregen.

Kritik an der Planung: War das Scheitern vorprogrammiert?

Nach dem Kater kommt die Aufarbeitung, und die dürfte beim Mainzer Sender intensiv ausfallen. Die Kritik im Netz konzentriert sich nicht nur auf die Durchführung, sondern vor allem auf die grundlegende Planung. Hamburg ist eine wunderschöne Stadt, aber sie ist im Dezember auch berüchtigt für ihr „Schmuddelwetter“. Dass 3 Grad, Wind und Nieselregen eher die Regel als die Ausnahme sind, hätte jedem Veranstaltungsprofi klar sein müssen.

„Das ist fast schon bizarr“, meckerte ein Kommentator auf X und brachte damit die Absurdität der Situation auf den Punkt. Kaum Zuschauer vor Ort, aber auf der Bühne wird von einer riesigen Party gesprochen – diese kognitive Dissonanz war für viele schwer zu ertragen. Es wirkte unecht, inszeniert und am Ende einfach nur traurig. Das ZDF hat sich, so der Tenor vieler Kritiker, mit dieser Show keinen Gefallen getan. Statt eines modernen, weltoffenen Events in der Hafencity lieferte man Bilder, die eher zum Fremdschämen einluden.

Die Rolle der Moderatoren: Helden oder tragische Figuren?

Man muss eine Lanze für Andrea Kiewel und Johannes B. Kerner brechen. Sie sind Vollblut-Profis. Sie wissen, wie man eine Kamera anlächelt, auch wenn einem das Wasser in den Schuhen steht. Sie haben gekämpft. Sie haben versucht, die Bands und Interpreten, die auf der schwimmenden Bühne alles gaben, zu unterstützen und das Publikum zu animieren. Doch es gibt Momente, in denen selbst das beste Handwerk nicht mehr gegen die äußeren Umstände ankommt.

Es gab Momente in der Show, in denen die Fassade zu bröckeln schien, in denen man in den Augen der Moderatoren nicht die pure Freude, sondern eher das Durchhaltevermögen eines Marathonläufers kurz vor dem Ziel sah. Sie litten mit ihrem Publikum, und vielleicht litten sie auch an der Situation selbst. Es ist schwer, Partystimmung zu vermitteln, wenn man friert und vor einer leeren Fläche steht. Insofern sind sie vielleicht die tragischen Helden dieses Abends – im Stich gelassen von einer riskanten Planung und einem unbarmherzigen Wettergott.

Fazit: Ein Reinfall mit Lehre?

Was bleibt also von „Willkommen 2026“? Sicherlich keine Bilder, die man sich in Jahresrückblicken gerne ansehen wird – es sei denn, es geht um Pannen und Kuriositäten. Der Begriff „Reinfall“ dominiert die Schlagzeilen und die Diskussionen in den sozialen Medien. Es war der Beweis, dass man Atmosphäre nicht erzwingen kann.

Für die Zukunft wird sich das ZDF fragen müssen, ob das Konzept der gigantischen Open-Air-Shows im Winter noch tragfähig ist, oder ob man nicht doch lieber auf die Sicherheit einer Halle setzen sollte. Der Zuschauer möchte unterhalten werden, er möchte träumen und feiern. Er möchte nicht daran erinnert werden, wie nass, kalt und grau der deutsche Winter sein kann.

Während Florian Silbereisen in der ARD den Sieg nach Punkten und Stimmung einfuhr, bleibt für Kiewel und Kerner nur der Trost, dass auch dieser Abend irgendwann vorbei war. Die „Flaute im ZDF“, wie es viele nannten, war ein Lehrstück darüber, wie wichtig die richtige Location und das richtige Ambiente für eine Fernsehshow sind. Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen ihre Lehren daraus ziehen. Denn ein Start ins neue Jahr sollte mit einem Knall beginnen, nicht mit einem Plätschern. Bis dahin bleiben uns die Memes und die Kommentare im Netz, die diesen Abend auf ihre ganz eigene, sarkastische Weise unsterblich gemacht haben. Willkommen 2026 – wir sind gespannt, was du noch bringst, denn schlimmer als der Start kann es eigentlich kaum werden.