Es ist eine Nachricht, die inmitten der besinnlichen Weihnachtszeit wie ein Donnerschlag hallt und die deutsche Fernsehnation in tiefe Trauer stürzt. Peter Sattmann, einer der profiliertesten und vielseitigsten Schauspieler des Landes, ist tot. Der Mann, der in über 180 Film- und Fernsehrollen – vom “Tatort” bis zum “Traumschiff” – deutsche Geschichte schrieb, schloss seine Augen für immer am ersten Weihnachtsfeiertag. Die Tragik dieses Abschieds ist kaum in Worte zu fassen: Sattmann verstarb am 25. Dezember 2025, nur wenige Stunden, bevor er seinen 78. Geburtstag hätte feiern können.

Während in den Wohnzimmern der Republik die Kerzen brannten, erlosch das Lebenslicht eines Mannes, der wie kaum ein anderer die Höhen und Tiefen des Daseins durchmessen hatte. Er starb in seinem Haus in Brandenburg, gezeichnet von einer langen, schweren Krankheit, die ihm in den letzten Jahren zunehmend die Kraft raubte. Doch so leise sein Tod auch war, so laut ist das Echo, das er hinterlässt. Allen voran ist es seine langjährige Lebensgefährtin und Schauspielkollegin Katja Riemann (62), deren öffentlicher Abschied die Menschen zu Tränen rührt.

Katja Riemann: Ein Abschied voller Liebe und Schmerz

Es war keine förmliche Pressemitteilung, die das Ausmaß dieses Verlustes verdeutlichte, sondern ein Instagram-Post, der direkt ins Herz trifft. Katja Riemann, mit der Sattmann in den 90er Jahren das Traumpaar der deutschen Filmszene bildete, fand Worte von solcher Zartheit und Tiefe, dass sie den Schmerz fast greifbar machen.

“Du fehlst uns schon jetzt”, beginnt ihre Hommage an den Vater ihrer gemeinsamen Tochter Paula Riemann (32). “Der liebevolle Schalk in deinen Augen, deine permanente Zigarettenraucherei, deine Witze (keinen haben wir uns merken können), deine Sonnenbrillen, die wir in allen Ehren halten werden.”

Riemann zeichnet das Bild eines Mannes, der weit mehr war als der glatte TV-Star. Sie erinnert an den Menschen Peter Sattmann – unangepasst, humorvoll, lässig. “Du lebst in unseren Herzen, unseren Erinnerungen, in unserem Sein, in deinen bezaubernden Töchtern, deinen Filmen, deinem Schreiben, deiner Kunst”, schreibt sie weiter. Und dann dieser eine Satz, der das Endgültige so poetisch wie schmerzhaft zusammenfasst: “Am 25.12.25 hast du den letzten Zeitpfeiler deines Lebens gesetzt. Vorhang.”

Sattmann und Riemann waren von 1990 bis 1998 ein Paar. Kennengelernt hatten sie sich am Set des Films “Von Gewalt keine Rede”. Obwohl ihre Liebesbeziehung zerbrach, blieb eine tiefe, familiäre Verbundenheit, die bis zu seinem letzten Atemzug hielt. “Wir sind Eltern – und das ist für immer”, sagte Riemann einst in einem Interview. Dieser Zusammenhalt zeigt sich nun in der Stunde des Abschieds deutlicher denn je.

Ein Leben der Extreme: Vom “Gammler” zum Bühnenstar

Um die Persönlichkeit Peter Sattmanns zu verstehen, muss man in seine Vergangenheit blicken. Sein Weg auf den roten Teppich war alles andere als vorgezeichnet. Geboren 1947 im sächsischen Zwickau, zog seine Familie 1957 in den Westen nach Friedrichshafen. Doch die bürgerliche Enge erdrückte den jungen Peter. Seine Jugend war überschattet von traumatischen Erlebnissen: Als Vierjähriger musste er mitansehen, wie sein Vater versuchte, sich das Leben zu nehmen. Später, im Westen, wurde er Opfer von Missbrauch durch einen Geistlichen – Erlebnisse, die tiefe Narben auf seiner Seele hinterließen.

Mit Ende der 60er Jahre brach er aus. Er ging nach München, lebte als Obdachloser, als “Gammler”, wie man damals sagte. Er schlief in Abbruchhäusern, bettelte, musizierte auf der Straße. Es war eine Zeit der absoluten Freiheit, aber auch der existenziellen Not. Doch genau aus diesem Schmutz, aus diesem Leben am Abgrund, schöpfte er die Kraft für seine Kunst.

Seine Schauspielkarriere begann er ganz klassisch am Theater – und er stieg schnell auf. Unter der Regie des legendären Claus Peymann wurde er am Staatstheater Stuttgart zum Star. 1975 und 1977 kürte man ihn zum “Schauspieler des Jahres”. Er war der junge Wilde, das Genie auf der Bühne, dem die Feuilletons zu Füßen lagen.

Tatort"-Schauspieler Peter Sattmann verstorben | Kurier

Das Gesicht des deutschen Fernsehens

Doch Sattmann wollte nicht im Elfenbeinturm des Theaters bleiben. In den 80er Jahren wechselte er zum Fernsehen und wurde zu einem der meistbeschäftigten Schauspieler Deutschlands. Seine Filmografie liest sich wie eine Chronik der deutschen TV-Geschichte. Unvergessen ist seine Rolle als “Carruthers” in dem abenteuerlichen Mehrteiler “Das Rätsel der Sandbank” (1985), der ihn einem Millionenpublikum bekannt machte.

Er spielte in “Der Alte”, “Derrick”, “Ein Fall für zwei” und “Polizeiruf 110”. Er war der undurchsichtige Bösewicht im “Tatort” und der charmante Herzensbrecher auf dem “Traumschiff”. In den letzten Jahren sah man ihn oft in den großen ZDF-Reihen wie “Inga Lindström”, “Rosamunde Pilcher” oder als Professor Gabriel in der Serie “Frühling”.

Sattmann hatte keine Berührungsängste mit dem sogenannten “Herzkino”. Er stand dazu, dass er diese Rollen auch spielte, um Geld zu verdienen. “Ich war gut im Geschäft, kann aber nicht sparen”, gab er offen zu. “Ich habe immer Gefallen am Geld, wenn ich es ausgeben kann.” Diese entwaffnende Ehrlichkeit unterschied ihn von vielen seiner Kollegen, die ihre Arbeit im Unterhaltungsfernsehen oft nur als lästige Pflicht ansahen. Für Sattmann war jede Rolle ein Handwerk, das er mit Präzision und Hingabe ausfüllte.

“Ich finde es scheiße, alt zu werden”

Hinter den Kulissen führte Peter Sattmann jedoch einen Kampf, den die wenigsten Zuschauer ahnten. Er hatte keine Angst vor dem Tod, aber er hasste das Altern. In einem aufsehenerregenden Spiegel-Interview im Jahr 2019 sprach er so offen wie nie zuvor über seinen körperlichen Verfall.

“Ich finde es scheiße, alt zu werden. Dieser Leistungsschwund ist schrecklich”, sagte er damals schonungslos. Sein Körper forderte Tribut für ein Leben auf der Überholspur. Er litt an Bluthochdruck mit lebensgefährlichen Spitzenwerten, an Altersdiabetes und Vorhofflimmern. “Seit ich 50 bin, nehme ich alle 12 Stunden 10 Tabletten zum Überleben”, gestand er. Ohne diese chemische Unterstützung, so war er überzeugt, wäre er schon längst nicht mehr am Leben gewesen.

Er machte auch keinen Hehl aus seinen Lastern. Er rauchte Kette, trank gern und hatte Erfahrungen mit Drogen. “Ich liebe meine Süchte”, sagte er provokant. “Lieber rauche ich, als zehn Jahre länger zu leben.” Es war die Philosophie eines Mannes, der die Intensität dem bloßen Dasein vorzog. Er wollte brennen, nicht verglimmen.

Trauer um Peter Sattmann: "Wieder ist ein Guter gegangen" | WEB.DE

Das Vermächtnis an seine Töchter

Peter Sattmann hinterlässt drei Töchter von drei verschiedenen Frauen. Neben der Schauspielerin Paula Riemann gibt es noch Katrin, geboren in den frühen 70ern, und Claudia, die in Südamerika lebt und die er persönlich nie traf, aber finanziell unterstützte. Zu Paula und Katrin hatte er ein inniges Verhältnis.

Seinen Kindern wollte er die Last der Trauer nehmen. Seine Haltung zum Tod war fast stoisch, geprägt von einer tiefen Dankbarkeit, es überhaupt so weit geschafft zu haben. “Meinen Töchtern sage ich immer: Trauert nicht, wenn ich mal sterbe! Seid froh, dass ich es geschafft habe”, verriet er einmal. Er war überzeugt, schon mit Mitte 50 zu sterben. Dass er fast 78 Jahre alt wurde, empfand er als “Geschenk des Schicksals”.

Ein letzter Vorhang

Nun ist dieser unverwüstliche Charakterdarsteller gegangen. Die Filmwelt verliert einen ihrer Großen, einen Mann mit Ecken und Kanten, der sich in keine Schublade pressen ließ. Er war Musiker, Komponist, Autor und Schauspieler. Er war ein Überlebenskünstler.

Die Anteilnahme in den sozialen Netzwerken ist riesig. Kollegen, Weggefährten und Fans verneigen sich vor einem Lebenswerk, das seinesgleichen sucht. Doch am Ende bleiben vor allem die Worte von Katja Riemann, die uns daran erinnern, dass hinter dem Star ein geliebter Mensch steckte. Peter Sattmann mag die Bühne verlassen haben, aber in seinen Filmen und in den Herzen seiner Familie wird er weiterleben.

Möge er dort, wo er jetzt ist, eine Zigarette rauchen, Witze erzählen und die Musik spielen, die er so liebte. Gute Reise, Peter Sattmann.