Es war ein Abend voller Emotionen, herzhaftem Lachen und knisternder Spannung, wie ihn wohl nur das Weihnachtsspecial von “Wer wird Millionär?” bieten kann. Am zweiten Weihnachtsfeiertag saßen Millionen Deutsche vor den Bildschirmen, um mitzufiebern, wenn Günther Jauch seine Kandidaten auf den heißen Stuhl bat. Doch was sich bei Kandidat Nektarakis Konstantinidis abspielte, war mehr als nur ein gewöhnliches Quiz – es war ein regelrechter Nervenkrimi, bei dem der Moderator höchstpersönlich zum Schutzengel avancierte.

Ein Kandidat mit Herz und harter Schale

Schon der Einzug von Nektarakis Konstantinidis sorgte für Aufsehen. Der Mann mit dem klangvollen, fast schon poetischen Namen brachte eine Lebensgeschichte mit, die sofort die Sympathien des Publikums und des Moderators weckte. Nektarakis ist nicht nur irgendein Kandidat; er ist ein stolzer Patchwork-Familienvater von unglaublichen sieben Kindern. Sechs Jungen und ein Mädchen zählen zu seiner Rasselbande, wie er auf Jauchs ungläubige Nachfrage mit einem breiten, stolzen Lächeln bestätigte. Allein diese Information ließ erahnen, dass jeder Euro, den er an diesem Abend erspielen würde, zu Hause mehr als willkommen wäre.

Doch nicht nur sein Privatleben ist außergewöhnlich, auch sein Berufsalltag hat es in sich. Der 45-Jährige arbeitet als Justizvollzugsbeamter, im Volksmund oft einfach “Schließer” genannt. Ein Job, der nichts für zarte Gemüter ist. Als Günther Jauch, immer neugierig auf die Menschen hinter den Kandidatenpulten, nachhakte, ob es im Gefängnis schon einmal brenzlige Situationen oder gar Aufstände gegeben habe, antwortete Konstantinidis mit einer beneidenswerten Trockenheit. “Aufstände gibt es ja immer mal wieder, nichts Großes”, winkte er ab, um dann fast beiläufig hinzuzufügen: “Aber mir hat schon mal jemand die Nase gebrochen.” Diese Mischung aus harter Realität und gelassener Freundlichkeit machte ihn sofort zu einem der spannendsten Kandidaten des Abends.

Die Wunschliste des Grauens

Bevor das Quiz richtig Fahrt aufnehmen konnte, präsentierte Konstantinidis seine ganz persönliche “No-Go-Liste”. Er hatte klare Vorstellungen davon, welche Themenbereiche ihm gar nicht lagen. “Bitte keine Fußballfragen, keine Musikfragen und auch keine Literatur”, flehte er fast schon. Ein Wunschzettel, der bei einer Quizshow, die für ihre Bandbreite bekannt ist, natürlich wie eine Einladung zum Trollen wirkt. Und wer Günther Jauch kennt, der weiß: Wenn ein Kandidat eine Schwäche offenbart, dann bohrt der Quizmaster gerne genau dort nach – natürlich immer mit einem Augenzwinkern.

Es dauerte nicht lange, bis das Schicksal – oder die Redaktion – zuschlug. Bereits bei der 2.000-Euro-Frage geriet der Familienvater ins Straucheln, und das ausgerechnet bei einem seiner Angstthemen: Musik. Die Frage drehte sich um die deutschen Single-Charts vom Oktober 2025 und eine dominierende Künstlerin.

Das Taylor-Swift-Dilemma

“Da haben Sie mich mit Musik, das ist so gar nicht meins”, stöhnte Konstantinidis auf, als er die Frage las. Acht Songs in den Top 10 von derselben Künstlerin? Für jemanden, der Musikfragen explizit ausgeschlossen hatte, ein Albtraum. Selbst als der Publikumsjoker ihm zur Hilfe eilte und die richtige Antwort “von derselben Künstlerin” einloggte, stand der Kandidat noch völlig auf dem Schlauch. Wer war diese ominöse Sängerin?

Die Szene, die folgte, war pures Comedy-Gold. “Das kann ja nur die Dame sein mit dem Weinlele… selgt dings bums ne”, stammelte er und sorgte für schallendes Gelächter im Studio. Jauch, sichtlich amüsiert, versuchte zu interpretieren: “Ich fürchte, er meint Nina Schuber… schon falsch. Wir sollten uns auf Taylor Swift einigen.” “Habe ich schon mal gehört”, gab der Kandidat kleinlaut zu. Es war der erste Moment des Abends, an dem klar wurde: Ohne Hilfe wird das hier eine ganz kurze Reise.

Jauch lauert auf den Fehler

Nach diesem musikalischen Stolperstein hoffte der Mann aus Lamsheim wohl auf ruhigeres Fahrwasser. Er erinnerte Jauch noch einmal eindringlich an seine Abneigung gegen Fußballfragen, besonders da der Moderator dafür bekannt ist, Kandidaten in diesem Bereich gerne aufs Glatteis zu führen. Doch bei der 8.000-Euro-Hürde kannte die Regie keine Gnade.

“Sie haben es provoziert”, kommentierte Jauch süffisant, als die Frage auf dem Monitor erschien. Gesucht wurde ein Land, dessen nationaler Fußballmeister 2025 aus einem Ort mit weniger als 1.500 Einwohnern stammt. Zur Auswahl standen Schweden, Polen, Portugal und die Niederlande.

Für Fußballfans mag das Allgemeinwissen sein, doch für Konstantinidis war es ein Buch mit sieben Siegeln. “Das weiß jeder”, stichelte Jauch, wohlwissend, dass sein Gegenüber keinen blassen Schimmer hatte. Um die Situation aufzulockern – oder vielleicht um ihn noch mehr zu verunsichern – fragte Jauch: “Ich stelle Ihnen zwischendurch mal eine Frage, um zu erfahren, ob Sie der einzige Grieche sind, der das nicht beantworten kann.” Konstantinidis konterte schlagfertig: “Ich sage Ihnen gleich, ich war noch nie in Griechenland, bevor Sie sich jetzt noch mehr wundern.” Selbst Otto Rehhagel kannte er nur vage als “den Trainer der Europameisterschaft”. Ein Restwissen war da, aber reichte das für 8.000 Euro?

Der erste Rettungsversuch: Bauchgefühl vs. Realität

Der Kandidat stand vor einer klassischen Zocker-Entscheidung. Er wollte nicht mit leeren Händen nach Hause gehen. Er rechnete laut vor: “4.000 durch 9, da bleibt nichts übrig. Bei 500 kann ich wenigstens sagen, es ist nichts übrig geblieben.” Eine Logik, die Jauch dazu veranlasste, helfend einzugreifen.

Jauch fragte nach dem Bauchgefühl des 45-Jährigen. Dieser tippte prompt auf Portugal. Ein fataler Fehler, denn die richtige Antwort war Schweden. Hier zeigte sich die Klasse von Günther Jauch. Anstatt den Kandidaten ins offene Messer laufen zu lassen, stellte er die entscheidende Gegenfrage: “Wie oft trügt Sie Ihr Bauchgefühl?”

Konstantinidis, der den Wink mit dem Zaunpfahl sofort verstand, antwortete grandios: “Ich habe sechs Jungs. Was denken Sie, wie oft mich mein Bauchgefühl trügt?” Das Publikum johlte. Er verwarf Portugal, entschied sich gegen seine Intuition und loggte – wohl eher durch Jauchs subtilen Druck geleitet – Schweden ein. Durchatmen. 8.000 Euro waren gesichert. Jauch hatte ihn vor dem Absturz auf 500 Euro bewahrt.

Die zweite Rettung: Die Stimme der Vernunft

Doch die Gefahr war noch nicht gebannt. Wer einmal Blut geleckt hat, will oft mehr. Als die nächste Frage erschien und Konstantinidis erneut völlig ratlos wirkte, drohte er, sein Glück überzustrapazieren. Er liebäugelte wohl damit, weiterzuzocken oder zumindest laut über Optionen nachzudenken, die ihn in Teufels Küche hätten bringen können.

Hier schritt Günther Jauch endgültig ein. Er legte seine Rolle als neutraler Quizmaster ab und wurde zum fürsorglichen Realisten. Mit einer unmissverständlichen Ansage brachte er den Kandidaten auf den Boden der Tatsachen zurück: “Sie haben sieben Kinder und eine Frau zu Hause, die sich über 8.000 Euro deutlich mehr freuen als über 500. Können wir uns darauf einigen?”

Es war ein Moment der Klarheit. Jauch wusste, dass das Risiko in keinem Verhältnis zum möglichen Gewinn stand, besonders für einen Familienvater, der das Geld gut gebrauchen konnte. Nektarakis Konstantinidis sah ein, dass sein Glück für diesen Abend aufgebraucht war. “Sie haben recht”, stimmte er zu.

Ein Happy End mit Vernunft

Der Ausstieg war beschlossene Sache. Doch Nektarakis wäre nicht er selbst, wenn er nicht das letzte Wort behalten hätte. Mit einem Lachen erklärte er seine ursprüngliche Strategie: “Ich habe gesagt, ab 16.000 Euro kann sich jeder zu Hause was aussuchen, deswegen ist das okay, wenn wir jetzt hier aufhören.”

Mit 8.000 Euro in der Tasche verließ der Justizvollzugsbeamte das Studio. Es war vielleicht nicht der Millionengewinn, aber es war ein Sieg der Vernunft – orchestriert von einem Moderator, der genau spürte, wann es Zeit war, einen Kandidaten vor sich selbst zu schützen. Für die Familie Konstantinidis wurde das Weihnachtsfest dank Jauchs doppelter Rettungstat sicherlich ein ganzes Stück fröhlicher. Und für die Zuschauer war es der Beweis, dass bei “Wer wird Millionär?” nicht nur Wissen zählt, sondern manchmal auch einfach ein Moderator mit einem großen Herz für Väter.