Es sollte der glanzvolle Auftakt in das neue TV-Jahr 2026 werden. Die Erwartungen waren riesig, die Spannung greifbar, und die Summe verlockend wie nie: Die legendäre „3-Millionen-Euro-Woche“ bei „Wer wird Millionär?“ startete am Montagabend bei RTL. Doch statt Konfettiregen und Millionen-Träumen bekamen die Zuschauer eine Sendung serviert, die von Pannen, verzweifelten Kandidaten und einem sichtlich konsternierten Günther Jauch geprägt war. Der erfahrene Quizmaster sah sich mit Situationen konfrontiert, die ihn zu einer drastischen Drohung hinrissen: Mitten in der Sendung stellte er den Abbruch der Show in den Raum.

Die „3-Millionen-Euro-Woche“ ist mittlerweile eine feste Institution im deutschen Fernsehen. Traditionell begrüßt Günther Jauch die Zuschauer in der ersten Januarwoche zu diesem besonderen Event, bei dem die Regeln leicht modifiziert sind und der Jackpot in greifbare, aber doch so ferne Höhen geschraubt wird. Kandidaten müssen sich in den Vorrunden qualifizieren, um am Freitag im großen Finale um die Rekordsumme von drei Millionen Euro zu zocken. Der Druck ist immens, nicht nur für die Teilnehmer, sondern offensichtlich auch für die Redaktion, die Fragen bastelt, die über Schicksale entscheiden. Doch an diesem Montagabend schien der Wurm drin zu sein – und das gewaltig.

Das Drama um die 2.000-Euro-Frage

Der Abend begann vielversprechend, kippte jedoch schnell in pure Fassungslosigkeit, als Kandidat Konstantin Würch auf dem „heißen Stuhl“ Platz nahm. Bis zur 2.000-Euro-Marke schlug sich der Teilnehmer wacker, doch dann folgte eine Frage, die nicht nur ihn, sondern auch das gesamte Studio und den Moderator vor ein Rätsel stellte.

Die Frage lautete: „Was kann laut Duden so viel wie ‚sehr groß‘ oder ‚absolut‘ bedeuten?“ Die Antwortmöglichkeiten waren: A) hell B) dunkel C) laut D) leise

Auf den ersten Blick eine klassische Wortschatz-Frage, doch die Tücke lag im Detail. Konstantin Würch wirkte wie vom Donner gerührt. „Da stehe ich jetzt etwas auf dem Schlauch“, gestand er offen. Ein Gefühl, das er in diesem Moment nicht exklusiv hatte. Auch Günther Jauch, sonst der Fels in der Brandung des Allgemeinwissens, wirkte irritiert und konnte keine spontane Hilfestellung oder die übliche süffisante Andeutung geben.

In seiner Not griff Würch zum wohl mächtigsten Werkzeug, das einem Kandidaten in den unteren Gewinnstufen zur Verfügung steht: dem Publikumsjoker. Die Logik ist einfach: Die Schwarmintelligenz wird es schon richten, besonders bei Fragen, die sich auf den allgemeinen Sprachgebrauch beziehen. Doch was dann passierte, dürfte als einer der bittersten Momente in die Geschichte der Show eingehen.

Das Studiopublikum stimmte ab – und das Ergebnis war eindeutig, aber leider eindeutig falsch. Satte 64 Prozent der Anwesenden tippten auf Antwort B) „dunkel“. Ein fatales Signal für den Kandidaten. Konstantin Würch, der auf die Hilfe der Masse vertraute, loggte Antwort B ein. Ein Raunen, dann die schmerzhafte Auflösung durch den Computer: Die richtige Antwort wäre A) „hell“ gewesen.

Warum „hell“? Die Erklärung

Die Auflösung sorgte für kollektives Kopfschütteln. Der Duden kennt tatsächlich Bedeutungen für das Adjektiv „hell“, die synonym für „sehr groß“ oder „absolut“ verwendet werden. Man denke an feststehende Begrifflichkeiten wie „helle Begeisterung“ (absolute Begeisterung) oder „der helle Wahnsinn“ (der absolute Wahnsinn). In diesem Kontext verstärkt das Wort „hell“ die nachfolgende Aussage ins Extreme. Eine sprachliche Feinheit, die an diesem Abend 64 Prozent des Publikums und dem Kandidaten zum Verhängnis wurde.

Für Konstantin Würch bedeutete dies das bittere Aus und einen Rückfall auf 500 Euro. Der Traum vom großen Geld war geplatzt, bevor er richtig begonnen hatte. Günther Jauch zeigte sich empathisch, aber auch schockiert über das Versagen des Kollektivs: „Ich finde das hart“, kommentierte er die Situation trocken. Dass ein Publikum so daneben liegt, ist selten und trug zur spürbar angespannten Atmosphäre bei.

Die „unlösbare“ Auswahlfrage: Jauch platzt der Kragen

Kaum hatte sich das Studio von diesem Schock erholt, steuerte die Sendung auf den nächsten Eklat zu. Es galt, einen neuen Kandidaten für den Stuhl zu finden. Die sogenannte Auswahlfrage entscheidet darüber, wer die Chance auf die Millionen bekommt. Doch was die Redaktion sich hier ausgedacht hatte, brachte das Fass für Günther Jauch zum Überlaufen.

Die Aufgabe lautete: „Gehen Sie als Kuh, Hündin, Sau und Ente in den folgenden Begriffen buchstäblich auf Partnersuche!“ Die Begriffe waren:

Blutsbrüder

Leberkäse

Winterpelz

Meerestiere

Die Kandidaten hatten wie immer 20 Sekunden Zeit, die Begriffe in die richtige Reihenfolge zu bringen. Doch die Logik hinter der Frage war so komplex und „um die Ecke gedacht“, dass selbst erfahrene Rätselfüchse kapitulierten.

Die Lösung erforderte mehrere gedankliche Schritte in Sekundenbruchteilen: Man musste das männliche Pendant (den Partner) des Tieres finden und diesen Begriff dann versteckt in den Antwortwörtern entdecken.

Zur Kuh gehört der Stier. Dieser verbirgt sich im Wort „Meerestiere“.

Zur Hündin gehört der Rüde. Zu finden in „Blutsbrüder“.

Zur Sau gehört der Eber. Versteckt in „Leberkäse“.

Zur Ente gehört der Erpel. Enthalten in „Winterpelz“.

Die korrekte Reihenfolge wäre also gewesen: Meerestiere, Blutsbrüder, Leberkäse, Winterpelz (bzw. die Zuordnung der Tiere zu den Begriffen).

Als die Zeit abgelaufen war und die Auflösung auf dem Bildschirm erschien, konnte Jauch nicht mehr an sich halten. „Hä? Leute, was ist denn hier los?“, entfuhr es ihm. Die Komplexität der Frage, kombiniert mit dem Zeitdruck, erschien ihm völlig unverhältnismäßig. „Das kann keiner in 20 Sekunden hinbekommen“, stellte er fest – und er sollte Recht behalten. Die Kandidatenreihen blieben weitgehend ratlos.

Die Drohung: „Wer gewinnt hier im Ausnahmefall 100 Euro?“

Es war dieser Moment der Frustration, der zu dem Zitat des Abends führte. Nach dem Debakel mit der Duden-Frage und dieser als unlösbar empfundenen Auswahlrunde, richtete sich Jauch direkt an sein Team und die Zuschauer. Mit einer Mischung aus Galgenhumor und ernsthafter Verärgerung über die redaktionelle Leistung polterte er: „Wenn jetzt noch einmal so etwas kommt, brechen wir die Sendung ab.“

Es war eine Drohung, die zwar im Kontext einer Unterhaltungsshow fiel, aber tief blicken ließ. Jauch, der Perfektionist, fühlte sich von seiner eigenen Redaktion im Stich gelassen. Er schlug sarkastisch vor, den Sendungstitel angesichts der absurden Schwierigkeit doch gleich zu ändern: „Wer gewinnt hier im Ausnahmefall 100 Euro?“ wäre wohl passender als „Wer wird Millionär?“, witzelte er bissig.

In einer weiteren Anwandlung von Resignation scherzte er darüber, das Prozedere ganz abzukürzen: Er wolle den Kandidaten einfach das Bargeld, das dekorativ zwischen den Ratestühlen im Studioboden eingelassen ist, auszahlen und sie nach Hause schicken. Ein symbolischer Akt der Kapitulation vor den Tücken der Fragensteller.

Ein Blick zurück: Der Schatten von Nadja Sidikjar

Die Ironie dieses verkorksten Abends wird besonders deutlich, wenn man ihn mit den Sternstunden der Show vergleicht. Die „3-Millionen-Euro-Woche“ soll eigentlich Rekorde ermöglichen, doch an diesem Montag wirkte der Gipfel unerreichbarer denn je. Dabei hat die Geschichte gezeigt, dass es möglich ist – wenn auch extrem selten.

Bis heute schwebt der Geist von Nadja Sidikjar über dem Studio in Hürth. Die Dresdnerin ist die einzige Kandidatin in der über 25-jährigen Geschichte der deutschen Ausgabe, die tatsächlich mehr als die klassische eine Million Euro mit nach Hause nahm. Im Jahr 2015, während eines „Jackpot-Specials“, gewann sie die unglaubliche Summe von 1.538.450 Euro.

Damals kam es zu einem dramatischen Stechen gegen einen anderen Kandidaten. Die Entscheidung fiel durch eine Frage, die im Vergleich zu den „Blutsbrüdern“ und „Winterpelzen“ fast schon human wirkte: „Bei dem Namen welches Instruments handelt es sich um eine Kurzform?“ Nadja Sidikjar tippte intuitiv und korrekt auf das Cello (Kurzform von Violoncello) und schrieb TV-Geschichte.

Dieser historische Kontext macht das Scheitern der aktuellen Kandidaten umso schmerzhafter. Während Sidikjar mit Intuition und Wissen triumphierte, stolperte Konstantin Würch über eine sprachliche Falle und die Unwissenheit der Masse.

Fazit: Ein Fehlstart mit Unterhaltungswert

Was bleibt von diesem Montagabend? Sicherlich kein neuer Millionär, aber dafür jede Menge Gesprächsstoff. Günther Jauch hat einmal mehr bewiesen, dass er das Herz der Show ist – nicht nur als Moderator, sondern als Anwalt der Kandidaten und kritischer Geist gegenüber seinem eigenen Sender. Seine Drohung, die Sendung abzubrechen, war der emotionale Höhepunkt einer Folge, die als „Pannen-Show“ in Erinnerung bleiben wird.

Für die verbleibenden Tage der „3-Millionen-Euro-Woche“ liegt die Messlatte nun paradoxerweise sowohl höher als auch tiefer. Die Redaktion wird sich fragen lassen müssen, ob sie den Bogen überspannt hat, während die kommenden Kandidaten wohl beten werden, dass der Duden im Schrank bleibt und die Tiere im Stall – und nicht in Wortspielen versteckt.

Es bleibt abzuwarten, ob sich die Wogen glätten oder ob Jauch im Laufe der Woche noch einmal Grund zur „Drohung“ hat. Eines ist sicher: Langweilig wird es bei „Wer wird Millionär?“ auch nach all den Jahren nicht. Wer die Sendung verpasst hat, sollte sich die Wiederholung ansehen – allein schon, um Jauchs Gesichtsausdruck bei der Auflösung der „Winterpelz“-Frage zu genießen. Es war, um im Jargon der Sendung zu bleiben, der „helle Wahnsinn“.