Ein Jahr voller Höhen und Tiefen, voller Angst, Hoffnung und bedingungslosem Zusammenhalt liegt hinter den Kastelruther Spatzen. Es war wohl eines der emotionalsten Jahre in der über 40-jährigen Bandgeschichte der Südtiroler Volksmusik-Legenden. Nun, zu Beginn des neuen Jahres 2026, wendet sich die Band mit einer rührenden Botschaft an ihre treuesten Begleiter: ihre Fans. Doch hinter den Zeilen des Dankes verbirgt sich ein Drama, das Frontmann Norbert Rier und seine Familie an ihre Grenzen brachte.

Ein Dankeschön, das von Herzen kommt

„Von Herzen danke für eure Unterstützung, eure Treue, eure lieben Worte und all die gemeinsamen Momente in diesem Jahr“, schreiben die Kastelruther Spatzen in einem emotionalen Facebook-Post, der tausende Fans zu Tränen rührte. Die Botschaft ist klar: Ohne den Rückhalt ihrer Anhänger wäre das vergangene Jahr kaum zu bewältigen gewesen. „Ihr habt uns gezeigt, dass wir auch in schweren Zeiten zusammenhalten, denn wir sind alle eine große Familie“, heißt es weiter.

Diese Worte sind keine leere Floskel. Sie sind das Fazit eines Jahres, das der Band, und vor allem ihrem Sänger Norbert Rier, alles abverlangte. Was viele Fans nur aus den Schlagzeilen kennen, war für die Musiker und ihre Angehörigen eine Zerreißprobe zwischen Hoffen und Bangen.

Der Schock im September: Wenn das Herz stolpert

Alles begann im Spätsommer 2025. Die Nachricht schlug ein wie ein Blitz: Norbert Rier, die unverkennbare Stimme der Spatzen, musste ins Krankenhaus. Zunächst berichteten Medien von einem leichten Schlaganfall oder einer Vorstufe dazu. Doch bei den eingehenden Untersuchungen in der Klinik folgte die nächste Hiobsbotschaft. Die Herzklappe, die dem 65-Jährigen bereits vor acht Jahren eingesetzt worden war, funktionierte nicht mehr einwandfrei. Eine erneute, schwere Operation war unumgänglich.

Für Norbert Rier, der auf der Bühne stets Stärke und Lebensfreude ausstrahlt, war dies ein Moment der Verletzlichkeit. Die Diagnose zwang ihn zu einer Vollbremsung. Während die Band ihre Herbsttournee verschieben musste, bereitete sich der Sänger auf den Eingriff in der Universitätsklinik Innsbruck vor. Doch selbst in dieser kritischen Phase zeigte Rier seinen sprichwörtlichen Kampfgeist: Das legendäre „Spatzenfest“ im Oktober wollte er sich nicht nehmen lassen und stand, kurz vor der OP, noch einmal auf der Bühne, um sich von „seinen“ Leuten Kraft zu holen.

Weihnachten ohne Norbert – Ein Sohn tritt das Erbe an

Die Operation im Oktober verlief gut, doch die Genesung forderte ihren Tribut. Schnell wurde klar: Die geplante Weihnachtstournee würde ohne den Chef stattfinden müssen. Eine Absage kam für die Band jedoch nicht in Frage – zu wichtig ist ihnen die Tradition und die Freude, die sie ihren Fans bereiten. In diesem Moment der Not zeigte sich, was der Begriff „Familie“ bei den Riers wirklich bedeutet.

Alexander Rier, Norberts Sohn und selbst erfolgreicher Musiker, zögerte keine Sekunde. „Das war eine gemeinschaftliche Entscheidung“, erklärte Alexander später im Interview. „Die Spatzen haben sich da zuerst beraten. So etwas wird gemeinsam beschlossen, dann werden noch Veranstalter ins Boot geholt.“ Als alle einig waren, kam der Anruf beim Sohn. „Als ich gefragt wurde, ob ich Zeit hätte, den Papa zu vertreten, da habe ich natürlich gleich zugesagt. Das ist für mich selbstverständlich.“

Es war mehr als nur eine Vertretung; es war ein Beweis für den tiefen Zusammenhalt zwischen Vater und Sohn. Alexander, der die Lieder seines Vaters seit Kindertagen in- und auswendig kennt, meisterte die Aufgabe mit Bravour. Er brachte nicht nur die Musik auf die Bühne, sondern auch die beruhigende Gewissheit für die Fans: Das Erbe der Spatzen ist in sicheren Händen.

„Ich habe die Hölle gesehen und den Himmel“

Während Alexander auf der Bühne stand, kämpfte Norbert sich zurück ins Leben. Die Zeit nach der Operation war kein Spaziergang. „Es war eine ziemlich schwierige Sache“, gestand Rier kürzlich im Gespräch mit dem Südtiroler Portal stol.it. Seine Worte lassen erahnen, wie ernst die Lage wirklich war. „Ich hatte das Gefühl, dass ich die Hölle gesehen habe und den Himmel.“ Ein Satz, der unter die Haut geht und zeigt, dass auch ein gefeierter Star vor den existenziellen Ängsten des Lebens nicht gefeit ist.

Doch Norbert Rier wäre nicht er selbst, wenn er nicht auch in dieser Situation seinen Optimismus bewahren würde. „Es geht mir den Umständen entsprechend recht gut“, lässt er seine Fans wissen. „Ich bin recht zuversichtlich, es geht schön langsam aufwärts.“ Die neue Herzklappe verrichtet ihren Dienst, und der Körper erholt sich. Doch die psychische Belastung, das Wissen um die eigene Sterblichkeit, hallt nach.

Der Blick nach vorn: Gemeinsam in ein neues Jahr

Die Unterstützung der Fans war in dieser Zeit die beste Medizin. Jede Genesungskarte, jeder Kommentar im Netz, jedes Gebet hat Norbert Rier erreicht und ihm Kraft gegeben. „Man muss Vertrauen haben und es geht aufwärts“, sagt er heute.

Das Posting der Band zum Jahreswechsel ist daher auch ein Versprechen: Wir sind noch da. Und wir kommen wieder. „Nun lassen die Kastelruther Spatzen das Jahr hinter sich“, schließt der Beitrag. „Danke, dass ihr da seid. Auf ein neues Jahr gemeinsam.“

Für 2026 stehen die Zeichen auf Neuanfang. Mit einem genesenden Frontmann, einem Sohn, der bewiesen hat, dass auf ihn Verlass ist, und einer Fan-Basis, die loyaler nicht sein könnte, blicken die Kastelruther Spatzen in die Zukunft. Die „DolomitenSchatz“-Tour und viele weitere Konzerte warten. Und wenn Norbert Rier dann wieder selbst am Mikrofon steht, wird der Applaus wohl noch ein bisschen lauter sein als sonst – aus Dankbarkeit, dass die große Spatzen-Familie wieder komplett ist.