Deutschland, einst das Land der Dichter und Denker, der Ingenieure und Tüftler, scheint sich von seinem eigenen Anspruch auf Exzellenz zu verabschieden. Eine Nachricht aus Niedersachsen sorgt derzeit für ungläubiges Kopfschütteln und nacktes Entsetzen bei Eltern, Lehrern und Wirtschaftsvertretern: Das Kultusministerium plant, das schriftliche Dividieren ab dem Schuljahr 2026/27 aus dem Kerncurriculum der Grundschulen zu streichen. Der Grund? Es sei zu komplex. Diese Entscheidung ist mehr als nur eine didaktische Anpassung – sie wirkt wie der finale Offenbarungseid eines Bildungssystems, das vor den Herausforderungen der Realität kapituliert.
In seinem aktuellen Video analysiert der Youtuber und Kommentator “Oli redet” diese Entwicklung messerscharf und nimmt kein Blatt vor den Mund. Seine Diagnose ist vernichtend: Unser Bildungssystem geht “vollständig vor die Hunde”. Was auf den ersten Blick wie eine kleine Änderung im Lehrplan wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Symbol für eine tiefgreifende Krise, die unsere Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttert.
Die Flucht vor der Anstrengung
“Das schriftliche Kommarechnen wird an den Schulen in Niedersachsen jetzt abgeschafft”, leitet Oli sein Video ein und man spürt förmlich die Fassungslosigkeit. Jahrzehntelang war das Beherrschen der Grundrechenarten das Fundament jeder schulischen Laufbahn. Wer dividieren konnte, lernte nicht nur das Rechnen, sondern auch logisches Denken, Struktur und Genauigkeit. Doch das niedersächsische Kultusministerium setzt nun andere Prioritäten.

Die offizielle Begründung klingt wie Hohn in den Ohren vieler Kritiker: Das Verfahren sei das “komplexeste schriftliche Rechenverfahren”, es erfordere das Zusammenspiel mehrerer Schritte wie Teilen, Multiplizieren und Subtrahieren und sei daher “besonders fehleranfällig”. Anstatt also die Lehrmethoden zu verbessern, mehr Zeit zu investieren oder die Kinder gezielter zu fördern, wählt man den Weg des geringsten Widerstands: Man schafft die Hürde einfach ab.
“Ja, Heidewitzka”, kommentiert Oli sarkastisch. Natürlich war Schule schon immer eine Herausforderung. Aber genau darum geht es doch: Kinder zu befähigen, Herausforderungen zu meistern, anstatt sie vor jeder Anstrengung zu bewahren. Wenn wir anfangen, alles zu streichen, was “schwierig” ist, wo enden wir dann? Bei einem Schulabschluss, der das Papier nicht mehr wert ist, auf dem er gedruckt steht?
“Halbschriftliches Rechnen” als Mogelpackung?
Statt der bewährten Methode soll nun das “Verstehensorientierte” im Vordergrund stehen. Kinder sollen Division als “Aufteilen und Verteilen” begreifen. Künftig soll vor allem “halbschriftliches Dividieren” vermittelt werden, bei dem Aufgaben in Teilrechnungen zerlegt werden. Was in der Theorie pädagogisch wertvoll klingen mag, entpuppt sich in der Praxis oft als Umweg, der bei komplexeren Zahlen schnell an seine Grenzen stößt.
Oli bringt es auf den Punkt: Es sind “elementarste Grundrechenarten”, die man beherrschen muss, um im realen Leben klarzukommen. Ob als Handwerker, der Flächen berechnen muss, oder als Bürger, der seine Finanzen im Griff haben will – Mathematik ist kein Selbstzweck, sondern eine Überlebenstechnik. Wer die Grundlagen nicht beherrscht, dem fehlt das Fundament für alles Weitere. “Das baut ja alles aufeinander auf”, warnt der Youtuber. Wenn in der Grundschule die Basis fehlt, wird das Loch in der Sekundarstufe nur noch größer.
PISA-Schock und Noteninflation: Der schöne Schein trügt
Besonders brisant wird die Analyse, wenn man sie in den größeren Kontext stellt. Deutschland erlebt derzeit eine paradoxe Entwicklung: Die Schülerleistungen sinken dramatisch, wie die jüngste PISA-Studie 2022 belegt hat – das schlechteste Ergebnis, das deutsche Schüler je erzielt haben. Gleichzeitig aber gibt es eine “Flut an Einser-Abis”.
Oli spricht von einer “Noteninflation”. Die Ansprüche werden so weit nach unten geschraubt, dass man “mit den Ohren schlackert”. Auf dem Papier haben wir immer mehr Abiturienten mit Bestnoten, doch in der Realität sinken die akademischen Fähigkeiten in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesekompetenz. Es ist ein Betrug an den Kindern, denen vorgegaukelt wird, sie seien exzellent vorbereitet, während sie im internationalen Vergleich den Anschluss verlieren. “Man kann mittlerweile mit dem geringsten Aufkommen zu besten Noten kommen”, kritisiert Oli. Das Erwachen kommt dann spätestens an der Uni oder im Ausbildungsbetrieb, wenn die Defizite nicht mehr zu verbergen sind.
Der Elefant im Raum: Sprachbarrieren und Migration
Doch woran liegt dieser Leistungsabfall wirklich? Ist das schriftliche Dividieren plötzlich schwerer geworden? Nein. Oli benennt einen Faktor, um den die Politik oft einen großen Bogen macht: Die dramatischen Veränderungen in der Schülerstruktur. “Es ändert sich gerade in unserer Gesellschaft wirklich vollständig alles”, sagt er.
Er zitiert Berichte über “Sprachbarrieren in der Grundschule”, über Klassen, in denen “die halbe Klasse kein Deutsch spricht”. In Brennpunktschulen sitzen teilweise 30 Kinder, von denen die meisten der Unterrichtssprache nicht folgen können. “Wenn die armen Kinder natürlich der deutschen Sprache nicht mächtig sind… wie sollen die denn dann Aufgaben bewältigen?”, fragt Oli zurecht.
Wer die Textaufgabe nicht lesen kann, kann sie auch nicht rechnen. Wer die Erklärung des Lehrers nicht versteht, kann das Verfahren nicht lernen. Die Abschaffung anspruchsvoller Rechenmethoden wirkt vor diesem Hintergrund nicht wie eine pädagogische Innovation, sondern wie eine Kapitulation vor den Folgen einer gescheiterten Integrationspolitik. Man passt das Niveau dem Durchschnitt an – und der sinkt, wenn die sprachlichen Voraussetzungen fehlen.
Ein System am Limit
Die Lehrer sind überlastet, die Klassen überfüllt, und statt echter Unterstützung gibt es Kosmetik am Lehrplan. Wenn “44 Erstklässler sitzen bleiben”, wie in einem zitierten Bericht aus Rheinland-Pfalz, oder “fast 20% der Vorschulkinder kaum Deutsch können”, dann ist das schriftliche Dividieren das geringste Problem dieser Kinder. Doch anstatt die Ursachen zu bekämpfen – durch verpflichtende Sprachtests, Vorschulen und kleinere Klassen –, senkt man die Hürden.
Das Signal, das hier gesendet wird, ist fatal: Leistung lohnt sich nicht, und Anstrengung ist nicht nötig. Wir gewöhnen uns an das Mittelmaß. Doch in einer globalisierten Welt wartet niemand auf Deutschland. Andere Nationen investieren massiv in Bildung, in MINT-Fächer, in Disziplin. Wir hingegen diskutieren darüber, ob das Teilen von Zahlen zu viel verlangt ist.
Fazit: Wir sägen am Ast, auf dem wir sitzen
Die Entscheidung aus Niedersachsen ist ein Weckruf. Sie zeigt exemplarisch, wie wir die Zukunft unserer Kinder verspielen. Ein Bildungssystem, das sich nur noch am Schwächsten orientiert, fördert niemanden mehr. Es lässt die Starken unterfordert und die Schwachen ohne echte Hilfe zurück.
“Wir wissen doch, wie es in der Realität aussieht”, resümiert Oli. Und die Realität ist, dass wir sehenden Auges in einen Bildungsnotstand steuern, der unseren Wohlstand und sozialen Frieden gefährdet. Wenn wir nicht umkehren, wenn wir nicht wieder Leistung fordern und fördern, wenn wir Integrationsprobleme nicht offen benennen und lösen, dann wird das “verlorene Einmaleins” bald unser kleinstes Problem sein. Es ist Zeit, dass Eltern, Lehrer und Bürger aufstehen und sagen: Stopp! Unsere Kinder haben Besseres verdient als eine Bildungspolitik des “Weiter-so-nach-unten”.
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