Es ist dunkel. Es ist kalt. Und es ist still in Berlin-Lichterfelde. Zu still. Seit einem gezielten Brandanschlag auf die kritische Infrastruktur sind rund 38.000 Haushalte von der Stromversorgung abgeschnitten. Bei Außentemperaturen von minus 6 Grad kühlen die Wohnungen rapide aus. Kein Licht, keine Heizung, kein warmes Wasser. Eine Stadt im Ausnahmezustand. Doch während die Bürger zittern und Notdienste am Limit arbeiten, sorgt eine Nachricht aus dem Roten Rathaus für Fassungslosigkeit, die das Potenzial hat, eine handfeste Regierungskrise auszulösen.

Die Wut der Berliner wächst mit jeder Stunde, die sie in der Kälte verbringen müssen. Doch sie richtet sich nicht mehr nur gegen die unbekannten Saboteure, sondern zunehmend gegen die, die eigentlich für Schutz und Ordnung sorgen sollten. Im Zentrum des Sturms: Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU).

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Der “Sofa-Krisenmanager”: Wo war Kai Wegner?

„Ich war zu Hause, aber ich habe nicht die Füße hochgelegt“, so wird Kai Wegner zitiert. Ein Satz, der in den Ohren derer, die in ihren kalten Wohnungen ausharren müssen, wie Hohn klingen muss. Wie Julian Reichelt von „NIUS“ aufdeckte, gibt es massive Ungereimtheiten in der Kommunikation des Senats.

Am Abend des Anschlags behauptete Wegners Sprecher noch vollmundig, der Bürgermeister sei im Krisenstab. Ein Bild von Tatkraft und Präsenz sollte vermittelt werden. Doch die Realität sah anders aus: Wegner gab später zu, den ganzen Tag zu Hause gewesen zu sein. Er sei dem Krisenstab „zugeschaltet“ gewesen. Per Telefon. Vom heimischen Schreibtisch aus. Während draußen die Infrastruktur der Hauptstadt brannte.

Diese Diskrepanz zwischen der offiziellen Verlautbarung und der tatsächlichen Aufenthaltsortes des Regierungschefs wirft schwerwiegende Fragen auf: Hat der Sprecher bewusst die Unwahrheit gesagt, um den Bürgermeister in ein besseres Licht zu rücken? Oder wusste man im Roten Rathaus selbst nicht, wo der Chef steckt? „So seltsam wie Kai Wegner antwortet, wirkt es so, als wäre er nicht mal in Berlin gewesen und würde versuchen, das zu verschleiern“, analysiert der YouTuber „Oli investiert“ die Situation treffend.

Das Trauma der Ahrtal-Flut: Ein Déjà-vu?

Das Verhalten erinnert fatal an vergangene politische Skandale, die Karrieren beendeten. Man denke an Anne Spiegel, die ehemalige Familienministerin, die kurz nach der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal in einen vierwöchigen Urlaub aufbrach. Auch sie entschuldigte sich später mit „persönlichen Gründen“ und „hoher Belastung“.

Ist es in Berlin nun ähnlich? Ein Bürgermeister, der in einer Terrorlage, die zehntausende Bürger direkt betrifft, es nicht für nötig hält, physisch Präsenz zu zeigen? Führung bedeutet Sichtbarkeit. Führung bedeutet, vor Ort zu sein, den Menschen das Gefühl zu geben: „Ich bin hier, ich kümmere mich.“ Ein Bürgermeister im Homeoffice sendet das fatale Signal: Euer Leid ist mir keine Fahrt ins Büro wert. In einer Zeit, in der das Vertrauen in die Politik ohnehin auf einem historischen Tiefstand ist, ist dies ein kommunikativer Super-GAU.

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Die Kälte der Realität: Wenn die Energiewende scheitert

Während im politischen Berlin über Zuständigkeiten und Aufenthaltsorte gestritten wird, kämpfen die Menschen in Lichterfelde mit den ganz realen Folgen der viel gepriesenen Energiewende. Der Blackout offenbart gnadenlos die Schwachstellen einer modernen, voll elektrifizierten Gesellschaft.

„Danke Diesel, du rettest Leben“, schreibt ein Kommentator zynisch, aber treffend. Denn was funktioniert noch, wenn der Strom weg ist? Die hochmoderne Wärmepumpe? Tot. Das Elektroauto in der Garage? Ein nutzloser Klotz aus Metall und Plastik, der sich nicht laden lässt. Wer jetzt fliehen oder sich aufwärmen möchte, aber auf E-Mobilität gesetzt hat, sitzt in der Falle.

„Du kannst dein Handy nicht mehr laden, keine Nachrichten schauen, keinen Tee kochen“, beschreibt „Oli investiert“ die beklemmende Situation. Die Abhängigkeit vom Strom ist total. Und die Ausfallsicherheit? Offenbar nicht existent. Es sind die verpönten Diesel-Notstromaggregate, die jetzt in den Krankenhäusern und bei der Feuerwehr die letzte Bastion gegen das Chaos bilden. Die Ironie könnte nicht größer sein: Die Technologie, die politisch bekämpft wird, ist im Ernstfall die einzige, die verlässlich funktioniert.

Wer vorbereitet ist, wird belächelt – bis das Licht ausgeht

Jahrelang wurden sogenannte „Prepper“ – Menschen, die sich auf Katastrophen vorbereiten – als Spinner, Verschwörungstheoretiker oder gar „Reichsbürger“ diffamiert. Heute sind sie die Einzigen, die in Lichterfelde noch lachen können. Sie haben die Powerstations, die Gaskocher, die Vorräte.

„Die Leute, die sich seit Jahren auf solche Situationen vorbereiten, sind definitiv besser ausgestattet“, muss man neidlos anerkennen. Der Staat hat sich als unfähig erwiesen, seine Bürger vor solchen Ausfällen zu schützen. Die Konsequenz: Jeder ist sich selbst der Nächste. Der YouTuber kündigt bereits an, sich nun selbst ein Balkonkraftwerk mit Speicher zuzulegen. Das Vertrauen in die Versorgungssicherheit ist erschüttert.

Politische Warnungen ignoriert: Hatte die AfD recht?

Ein besonders bitterer Aspekt der Krise ist die politische Dimension. Es war die AfD, die bereits im November 2021 und erneut 2024 Anträge im Bundestag einbrachte, um die Energieversorgung sicherzustellen und vor Blackouts zu warnen. „Blackout und Brownout verhindern“, hieß es da.

Die etablierten Parteien wischten diese Warnungen oft als Panikmache vom Tisch. Anträge wurden abgelehnt, Arbeitsgemeinschaften wie die „AG Blackout“ des Berliner AfD-Politikers Karsten Wolde belächelt oder als rechtsradikale Angstmacherei diffamiert. Nun, da die Katastrophe eingetreten ist, müssen sich CDU, SPD und Grüne fragen lassen: Haben sie aus ideologischer Verblendung Warnungen in den Wind geschlagen?

„Wenn die AfD hingeht und Anträge einbringt, dann werden sie natürlich immer und immer wieder torpediert“, kritisiert der Kommentator. Doch Physik und Infrastruktur interessieren sich nicht für Parteibücher. Wenn Kabel brennen, ist es egal, wer vor dem Feuer gewarnt hat – wichtig ist nur, dass man vorbereitet ist. Und Berlin war es offensichtlich nicht.

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Ein Rattenschwanz an Problemen

Der Stromausfall ist dabei erst der Anfang. Die Folgen werden noch Wochen spürbar sein. Gefrorene Leitungen im Boden, Wasserschäden, verdorbene Lebensmittel, wirtschaftliche Ausfälle. „Das wird noch ein riesengroßer Rattenschwanz sein“, warnt „Oli investiert“.

Berlin steht vor einem Scherbenhaufen. Die Sicherheit der Hauptstadt ist kompromittiert, der Regierende Bürgermeister beschädigt, und das Versprechen einer sicheren, grünen Energiezukunft wirkt in den kalten, dunklen Straßen von Lichterfelde wie ein schlechter Witz. Die Bürger werden Antworten verlangen – und diesmal werden sie sich nicht mit einer Zuschaltung per Telefon zufrieden geben.