Es gibt Reden, die plätschern dahin, und es gibt Reden, die schlagen ein wie eine Bombe. Was sich kürzlich im Deutschen Bundestag ereignete, gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. In einer Atmosphäre, die aufgeladener nicht hätte sein können, konfrontierte die AfD-Fraktion die Bundesregierung mit einer Realität, die in den klimatisierten Büros der Ministerien gerne ausgeblendet wird: Der brutale Alltag in deutschen Jobcentern.
Der Anlass war eine Debatte über die Sicherheit von Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Doch statt höflicher Floskeln und gegenseitiger Schulterklopfer lieferte der Redner der Opposition eine “Liste des Grauens”, die das Hohe Haus in seinen Grundfesten erschütterte. Die Reaktion? Tumulte, Zwischenrufe und eine Stimmung, die so aggressiv war, dass Beobachter von einer totalen Eskalation sprachen.
Eine Chronologie des Schreckens
“Wer es glaubt, wird selig”, leitete der Abgeordnete seine Generalabrechnung mit den offiziellen Statistiken ein. Was dann folgte, war keine politische Polemik, sondern eine eiskalte Aufzählung blutiger Fakten. Fall für Fall, Datum für Datum, arbeitete er sich durch die jüngste deutsche Geschichte.

Er erinnerte an den 27. September 2012 in Neuss, wo ein marokkanischer Langzeitarbeitsloser seine Sachbearbeiterin mit vier Messerstichen hinrichtete – nur weil er mit einer Datenschutzerklärung nicht einverstanden war. Er erinnerte an den Dezember 2014 in Rothenburg ob der Tauber, wo ein Psychologe erstochen wurde. Er nannte die Hammer-Attacke von Witzenhausen, den Messerangriff von Hattingen, die Bluttat von Rottweil.
Jeder dieser Fälle steht für ein zerstörtes Leben, für traumatisierte Kollegen und für Familien, die ihre Angehörigen verloren haben. Die Dichte, mit der diese Taten vorgetragen wurden, erzeugte eine beklemmende Stille, die nur durch wütende Zwischenrufe der anderen Fraktionen unterbrochen wurde. Es war, als würde jemand den Vorhang wegziehen, hinter dem sich die hässliche Fratze der gescheiterten Integration verbirgt.
Die Lüge mit der Statistik
Der Kernvorwurf der Rede wog schwer: Vertuschung. Während die Bundesregierung in ihrer offiziellen Antwort von lediglich 81 schwerwiegenden Übergriffen in den letzten 14 Jahren spricht, zeichnete der Redner ein gänzlich anderes Bild. “Einschlägigen Studien zufolge wurde bereits jeder vierte Jobcenter-Mitarbeiter schon einmal gewaltsam angegriffen”, donnerte er ins Plenum.
Wie kann diese Diskrepanz sein? Die Antwort der Opposition ist klar: Es wird nicht erfasst, was nicht sein darf. Fälle würden unter den Teppich gekehrt, um den “guten Ruf” der Behörden nicht zu gefährden oder aus Angst vor Racheakten der Täter. Wenn allein das Jobcenter Rostock neun betroffene Mitarbeiter in einem Jahr meldet, wie können dann für ganz Hessen und NRW in 14 Jahren angeblich nur zwei Fälle existieren? Diese rhetorische Frage entlarvte die Regierungszahlen als das, was sie wohl sind: eine statistische Farce.
Der Elefant im Raum: Die Täterherkunft
Es war der Moment, in dem die Stimmung endgültig kippte. Der Abgeordnete benannte das, was in politisch korrekten Runden oft verschwiegen wird: die Herkunft der Täter. “Die Täter – wer hätte es gedacht – 31,5 Prozent, also fast ein Drittel, ausländische Staatsangehörige”, zitierte er. Angesichts des Bevölkerungsanteils eine massive Überrepräsentation.
Kommentare wie “Danke für die kulturelle Bereicherung” gossen zusätzlich Öl ins Feuer. Doch hinter der Zuspitzung verbirgt sich ein ernstes Problem. Viele der geschilderten Taten wurden aus nichtigen Anlässen begangen – wegen einer gekürzten Leistung, eines nicht genehmigten Antrags oder schlicht aus Wut über bürokratische Abläufe. Die Hemmschwelle zur Gewalt, so die Botschaft, ist dramatisch gesunken, und oft trifft es diejenigen, die nur ihren Job machen.
Frauen als Zielscheibe
Ein Aspekt, der in der hitzigen Debatte oft untergeht, wurde besonders hervorgehoben: 72 Prozent der Beschäftigten in den Jobcentern sind Frauen. Sie sind es, die an der Frontlinie stehen. Sie sind es, die den Frust, die Aggression und die Gewalt abbekommen.
Der Redner warf den Regierungsparteien, die sich sonst so gerne als Anwälte der Frauenrechte aufspielen, Heuchelei vor. “Herzlichen Dank für diese Postenspielchen”, rief er in Richtung der Ministerbank und zerpflückte die sogenannten “Schutzpakte” der Landesregierungen als wertlose PR-Aktionen. Ein Satz auf einem Papier hält kein Messer auf. Ein “Runder Tisch” schützt nicht vor einem Hammer. Die Mitarbeiter fühlen sich im Stich gelassen, und die hohen Krankenstände sprechen eine deutliche Sprache der Verzweiflung.
Wenn der Staat die Kontrolle verliert
Die Rede war mehr als nur eine Kritik an der Sicherheitslage in Arbeitsämtern. Sie war eine Anklage gegen das Staatsversagen an sich. Wenn Behördenmitarbeiter ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen können, weil sie Angst um ihr Leben haben müssen, dann ist der Rechtsstaat am Ende. Wenn Hilfeleistungen nicht mehr gewährt werden können, weil die Strukturen unter der Gewalt zusammenbrechen, dann ist der Sozialstaat gescheitert.
“Ich bringe dich um, ich bringe euch alle um” – Zitate wie diese, die im Plenum verlesen wurden, sind keine Filmszenen, sondern deutscher Behördenalltag im Jahr 2025. Die Eskalation im Bundestag, die laut Berichten sogar die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich zog, ist nur ein Spiegelbild der Eskalation draußen im Land.

Fazit: Ein Weckruf, der wehtut
Diese Rede hat niemanden kaltgelassen. Sie hat provoziert, sie hat polarisiert, aber vor allem hat sie eines getan: Sie hat eine Realität ans Licht gezerrt, die viel zu lange im Dunkeln blieb. Die Mitarbeiter der Jobcenter und Arbeitsagenturen halten den Laden unter widrigsten Umständen am Laufen. Sie verdienen mehr als warme Worte und geschönte Statistiken. Sie verdienen echten Schutz und eine Politik, die die Ursachen der Gewalt benennt und bekämpft, statt sie zu verwalten.
Der Tumult im Bundestag mag sich legen, aber die Probleme bleiben. Und solange die Regierung die Augen vor den Tatsachen verschließt, wird die “Liste des Schreckens” leider weiterwachsen. Es ist an der Zeit, dass wir uns fragen: In was für einem Land wollen wir leben? In einem, wo derjenige, der hilft, um sein Leben fürchten muss? Die Antwort sollte uns alle umtreiben.
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