Es war einer der traurigsten Momente der Fernsehgeschichte: Zwei kleine Jungen, die Köpfe gesenkt, schreiten hinter dem Sarg ihrer Mutter durch die Straßen von London. Prinz William, damals 15, und Prinz Harry, gerade einmal 12 Jahre alt. Die Welt weinte mit ihnen, bewunderte ihre Haltung und Disziplin. Doch was wie eine würdevolle Entscheidung der Familie aussah, war in Wahrheit ein Akt der Grausamkeit, erzwungen durch Lügen und Manipulation. Charles Spencer, der Bruder von Prinzessin Diana, hat sein Schweigen gebrochen. Seine Enthüllungen werfen ein düsteres Licht auf die Mechanismen der britischen Monarchie und zeigen, wie sehr das System bereit war, zwei trauernde Kinder für das perfekte Bild zu opfern.

Jahrelang galt das Bild der beiden Prinzen als Symbol für die Stärke der Royals in ihrer schwersten Stunde. Doch Charles Spencer erzählt eine ganz andere Geschichte. Eine Geschichte von Machtmissbrauch, Ignoranz und einem Onkel, der verzweifelt versuchte, seine Neffen zu schützen – und scheiterte, weil man ihn belog.

Der Kampf um die Kinder: „Diana hätte das niemals gewollt“

Als Charles Spencer erfuhr, dass der Palast plante, William und Harry im öffentlichen Trauerzug mitlaufen zu lassen, reagierte er sofort. Sein Instinkt sagte ihm: Nein. „Es war grausam, unnötig und zutiefst unnatürlich“, erinnert er sich heute. Er kannte Diana besser als jeder andere im Königshaus. Er wusste, dass sie alles getan hätte, um ihre Söhne vor den Augen der Welt zu schützen, besonders in einem Moment solch intimer Verzweiflung.

Spencer konfrontierte die Hofbeamten. Er argumentierte, er flehte, er forderte. Doch seine Einwände prallten an einer Mauer aus eisiger Ablehnung ab. „Es ist bereits entschieden“, hieß es lapidar. Dann folgte der Moment, der alles veränderte und den Spencer bis heute bereut. Man sagte ihm, William und Harry wollten es selbst. Man suggerierte ihm, es sei der Wunsch der Kinder, ihrer Mutter die letzte Ehre zu erweisen. Spencer, der den Willen seiner Neffen respektieren wollte, zog sich widerwillig zurück.

Erst Jahre später erfuhr er die bittere Wahrheit. Prinz Harry gestand in Interviews, dass ihnen niemals eine Wahl gelassen wurde. Man hatte den Kindern schlicht befohlen, was sie zu tun hatten. Als Zwölfjähriger hatte Harry keine Kraft, sich gegen das Protokoll und die Anweisungen seines Vaters und Großvaters zu wehren. Charles Spencer war getäuscht worden. Er hatte einem Plan zugestimmt, der auf einer Lüge basierte. Diese Erkenntnis, so sagt er, verfolgt ihn bis heute.

Der Tag, an dem die Gefühle starben

Der 6. September 1997 brannte sich in das kollektive Gedächtnis ein. Doch für Harry war es der Tag, an dem er sich innerlich abschaltete. Er beschrieb den Gang hinter dem Sarg später als einen Moment der „völligen Leere“. Die Kameras, die Millionen weinenden Menschen, die Blumen – all das nahm er nur wie durch einen Nebel wahr. Er durfte nicht weinen, er musste funktionieren. Ein Kind, das seine Mutter verloren hat, wurde zur Requisite in einem königlichen Schauspiel degradiert.

Charles Spencer ging an ihrer Seite, wohlwissend, dass er den Kampf verloren hatte. Doch in der Westminster Abbey nutzte er die einzige Waffe, die ihm geblieben war: seine Stimme. Seine Trauerrede war ein Donnerschlag. Er sprach nicht über Diana, er sprach für sie. Er nannte sie die „meistgejagte Person der modernen Zeit“ und griff die Medien direkt an. Aber noch viel brisanter war seine Botschaft an die Königsfamilie.

Die Rede, die den Palast erschütterte

Vor den Augen der Queen und Prinz Charles versprach Spencer, dass Dianas „Blutsfamilie“ alles tun werde, um William und Harry zu schützen. Er kündigte offen an, dass er nicht zulassen werde, dass die Seelen der Jungen allein durch die Pflicht und Tradition der Monarchie erstickt würden. Es war eine Kampfansage. Dass daraufhin in der Kirche Applaus ausbrach – ein absolutes Novum bei einer königlichen Beerdigung – zeigte, wie sehr er den Nerv der Menschen getroffen hatte. Draußen jubelte das Volk, drinnen saßen die Royals versteinert.

Spencer hatte ausgesprochen, was viele fühlten: Die Monarchie hatte versagt. Sie hatte Diana im Stich gelassen, als sie lebte, und sie instrumentalisierte ihre Kinder, als sie tot war. Seine Worte waren der erste Riss in der Fassade, der später durch Harrys eigenen Ausstieg zum Bruch werden sollte.

Die Kälte der Krone

Spencers Enthüllungen beschränken sich nicht nur auf die Beerdigung. Er wirft ein Schlaglicht auf die Tage unmittelbar nach dem Unfall in Paris. Während die Welt unter Schock stand und Diana betrauerte, herrschte im Hause Windsor eine beklemmende Stille. Die Queen blieb in Balmoral, die Flagge am Buckingham Palace wurde nicht auf Halbmast gesetzt. Charles Spencer, der in Südafrika die Nachricht vom Tod seiner Schwester erhielt, spürte sofort, dass hier zwei Welten aufeinanderprallten: Die echte, menschliche Trauer und das starre Protokoll einer veralteten Institution.

Die Wut der Öffentlichkeit zwang die Queen schließlich zum Einlenken, doch für viele war es zu spät. Das Bild der „kalten Royals“ hatte sich verfestigt. Spencer bestätigt dieses Bild: Diana sei in ein System geraten, das sie isolierte und ihr nicht zuhörte. Sie habe ihn oft weinend angerufen, verzweifelt über ihre Einsamkeit. Doch im Palast stieß sie auf taube Ohren.

Das Erbe des Schmerzes

Die Geschichte endet nicht im Jahr 1997. Charles Spencer sieht eine direkte Linie von damals bis heute. Das Trauma, das Harry zugefügt wurde, als man ihn zwang, seine Trauer öffentlich zur Schau zu stellen, legte den Grundstein für seinen späteren Bruch mit der Familie. Harry selbst hat gesagt, dass jedes Klicken einer Kamera ihn zurück in jenen Tunnel in Paris versetzt.

Als Harry sah, wie sich die Geschichte bei seiner Frau Meghan zu wiederholen drohte – die Hetze der Presse, der fehlende Schutz durch den Palast –, zog er die Reißleine. Charles Spencer hat sich dazu öffentlich kaum geäußert, doch seine Haltung ist klar: Er versteht Harry. Er sieht in Harrys Flucht in die USA die Einlösung jenes Versprechens, das er selbst am Grab seiner Schwester gab. Harry hat sich und seine Familie geschützt, so wie es Diana gewollt hätte.

Charles Spencers Wahrheit ist unbequem. Sie entzaubert den Mythos der Monarchie und zeigt die Menschen dahinter – mit all ihren Fehlern, ihrer Kälte und ihren Lügen. Es ist eine späte Gerechtigkeit für Diana, die Frau, die an diesem System zerbrach, aber deren Geist in ihren Söhnen weiterlebt. Und es ist eine Mahnung: Dass Tradition niemals wichtiger sein darf als das Herz eines Kindes.