Es gibt Nachrichten, die treffen einen mitten ins Herz, gerade weil sie so leise daherkommen. Während draußen die Lichter des Weihnachtsfestes glitzerten und Familien zusammenkamen, fiel in einer Berliner Altbauwohnung der letzte Vorhang für einen ganz Großen. Peter Sattmann, der charismatische Schauspieler, Musiker und Lebemann, schloss am 25. Dezember 2025 für immer die Augen. Er ging, wie er zuletzt lebte: still, selbstbestimmt und mit einer Haltung, die in unserer lauten Welt selten geworden ist.
Wer an Peter Sattmann denkt, hat oft sofort ein Bild aus den 90er Jahren im Kopf. Er und die feurige Katja Riemann – sie waren das deutsche Traumpaar schlechthin. Wild, intellektuell, unkonventionell. Sie strahlten auf den roten Teppichen eine Energie aus, die das bürgerliche Deutschland faszinierte. Doch Märchen enden, und als ihre Beziehung 1998 zerbrach, befürchteten viele einen Rosenkrieg. Doch was folgte, war vielleicht Sattmanns größte menschliche Leistung: Aus der Asche der Liebe entstand eine tiefe Freundschaft.

Die “Wahlverwandtschaft” mit Katja
Die Wahrheit über sein Verhältnis zu Katja Riemann ist weit entfernt von den üblichen Klatschspalten-Dramen. Es gab keinen Hass, keine Schlammschlacht. Sie blieben verbunden, nicht nur durch ihre gemeinsame Tochter Paula, die heute selbst eine bemerkenswerte Frau ist, sondern durch eine geistige Nähe, die Sattmann als “Wahlverwandtschaft” bezeichnete. Das ist vielleicht der größte Luxus, den man sich zwischenmenschlich leisten kann: einen Ex-Partner nicht als Feind zu sehen, sondern als Zeugen des eigenen Lebens zu bewahren. Katja blieb ein Teil seines “Clans”, auch wenn er abends die Tür zu seiner Wohnung allein abschloss.
Alleinsein als “Quiet Luxury”
Und genau dieses Alleinsein war das große Rätsel, das viele beschäftigte. Warum band sich ein Mann von seinem Charme, seiner Eloquenz und seinem Erfolg nie wieder fest? War es die Trauer um die verflossene Liebe? Mitnichten. Peter Sattmanns Leben nach der Trennung war kein Dasein im Mangel, sondern im Überfluss – im Überfluss an Zeit und Freiheit.
Er entschied sich bewusst für das, was er “Quiet Luxury” nannte, den stillen Luxus der Seele. In seiner Berliner Wohnung, die kein steriles Designer-Loft war, sondern ein lebendiges Archiv aus knarrendem Parkett, Tabakduft und bis unter die Decke reichenden Bücherregalen, fand er sein wahres Glück. Sein wertvollster Besitz war keine teure Uhr und kein Sportwagen, sondern sein Flügel. Dieses Instrument war sein Therapeut, sein Beichtstuhl und sein bester Freund in den Nächten, in denen er komponierte – oft nur für die Schublade, nur für sich selbst.

Ein Leben gegen den Strom
Sattmann lehrte uns eine Lektion, die in einer Gesellschaft, die das “Paar-Sein” oft als einzigen Schlüssel zum Glück verkauft, fast revolutionär wirkt: Ein Mensch kann auch allein vollständig sein. Er genoss es, Herr über seine Zeit zu sein, morgens langsam seinen Kaffee zu trinken, Menschen zu beobachten und Notizen in echte Notizbücher zu schreiben – ganz analog in einer digitalen Welt. Er musste sich nicht verbiegen, um Regisseuren zu gefallen, denn er hatte sich finanziell und geistig unabhängig gemacht. Er schrieb Opern, verfasste Bücher und lebte seine Kunst, statt sie nur zu verkaufen.
Natürlich gab es Momente der Melancholie. Aber Sattmann leugnete diese nicht, er umarmte sie. Er wusste, dass Traurigkeit manchmal mehr Tiefe besitzt als oberflächliche Fröhlichkeit. Er trug seine Falten wie Auszeichnungen und sein graues Haar wie eine Krone, während andere versuchten, die Zeit mit Botox anzuhalten.
Der letzte Akt
Sein Tod am Weihnachtstag wirkt fast symbolisch, wie eine letzte Regieanweisung eines Mannes, der sein Leben selbst inszenierte. Er ging nicht tragisch, sondern weil die Geschichte auserzählt war. Er hinterlässt keine leere Hülle, sondern ein reiches Erbe an Filmen, Musik und vor allem an Haltung.
Peter Sattmann hat uns gezeigt, dass wahrer Reichtum nicht auf dem Bankkonto liegt, sondern in der Freiheit, “Nein” sagen zu können. Er tauschte die Sicherheit einer bürgerlichen Existenz gegen die Intensität eines Künstlerlebens und die Geborgenheit einer konventionellen Familie gegen die absolute kreative Freiheit. Er ging allein, aber er ging als freier Mann. Und wenn wir ehrlich sind: Ist das nicht der beneidenswerteste Reichtum von allen?
Ruhe in Frieden, Peter Sattmann. Du hast uns gezeigt, wie man mit Würde lebt – und wie man mit Würde geht.
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