Es sind Momente, die man im deutschen Fernsehen eigentlich für unmöglich hält. Doch am Donnerstagabend wurden Millionen Zuschauer Zeugen einer Eskalation, die in die Geschichte der deutschen Talkshows eingehen wird. In einer beispiellosen Szene wurde die renommierte Schauspielerin und Ärztin Maria Furtwängler aus der Sendung von Markus Lanz verwiesen. Was als intellektueller Austausch begann, endete im Chaos, mit Sicherheitskräften im Studio und einem leeren Stuhl, der wie ein Mahnmal der gescheiterten Kommunikation zurückblieb.
Die Sendung begann noch friedlich. Maria Furtwängler, bekannt für ihre differenzierten und klugen Analysen, war eigentlich gekommen, um über ihr neues Filmprojekt zu sprechen – eine Historienproduktion über Hildegard von Bingen. Doch der Abend nahm eine dramatische Wendung, als Moderator Markus Lanz das Gespräch auf die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks lenkte. Ein Thema, das sich als hochexplosiv erweisen sollte.
Der Funke, der das Feuer entfachte
Der Streit entzündete sich an der Frage nach der “Neutralität” der Medien. Furtwängler, deren Familiengeschichte – sie ist die Großnichte des berühmten Dirigenten Wilhelm Furtwängler – sie sensibel für historische Verantwortung macht, bezog klar Stellung. “Es gibt keine Neutralität, wenn es um Grundwerte geht”, erklärte sie mit ruhiger, aber fester Stimme. Sie forderte, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk Haltung zeigen müsse gegen Hass und Hetze.

Markus Lanz, in seiner Rolle als “Anwalt des Teufels”, hielt dagegen. Er fragte provokant, wo Haltung ende und Aktivismus beginne, und griff damit einen Vorwurf auf, den viele Kritiker den Sendern ARD und ZDF machen. Doch genau dieser Einwurf brachte Furtwängler in Rage.
“Gefährliches Narrativ” und “Gesinnungspolizei”
Die Schauspielerin, deren Gesichtszüge sich zunehmend verhärteten, warf Lanz vor, ein “gefährliches Narrativ” zu bedienen. Wer Rechtsextremismus als normale Meinung darstelle, betreibe bereits eine Relativierung. Lanz konterte scharf und warf ihr vor, eine “Gesinnungspolizei” etablieren zu wollen.
Ab diesem Punkt gab es kein Zurück mehr. Die Lautstärke im Studio stieg, die Gesten wurden heftiger. “Sie machen es sich zu leicht, Markus!”, rief Furtwängler. “Sie inszenieren hier eine falsche Ausgewogenheit, während draußen die Demokratie tatsächlich unter Druck steht!”
Der persönliche Angriff und der Rauswurf
Der endgültige Bruch geschah, als Lanz versuchte, die Kontrolle zurückzugewinnen. Er verbat sich den Vorwurf, die Demokratie zu gefährden – das sei “unter seiner Würde”. Furtwängler stand halb auf und schleuderte ihm entgegen: “Wissen Sie, was unter meiner Würde ist? Dass jemand mit Ihrer Reichweite so tut, als seien demokratische Grundprinzipien verhandelbar!”

Sie zog eine Parallele zu ihrem Vater und der NS-Zeit: “Schweigen ist Komplizenschaft.” Dieser Satz traf Lanz sichtbar. Er wurde blass und bezeichnete dies als “unzulässige persönliche Attacke”. Doch Furtwängler war nicht mehr zu bremsen. Sie griff das Format der Talkshow an sich an: “Diese ganze Inszenierung von Streit… Sie sind Teil des Problems!”
Dann geschah das Unfassbare. Aus dem Off hörte man die Regie: “Markus, wir müssen eingreifen.” Lanz unterbrach die Sendung mit zitternder Stimme. Die Kameras schwenkten in die Totale. Im Hintergrund sah man zwei Produktionsmitarbeiter auf Furtwängler zugehen. Nach einem kurzen, heftigen Wortwechsel nahm sie ihre Tasche und wurde aus dem Studio begleitet – ihr Gesicht eine Maske aus Zorn und Enttäuschung.
Ein leerer Stuhl und viele Fragen
Nach fast acht Minuten Unterbrechung kehrte Lanz zurück. Der Stuhl neben ihm war leer. Sichtlich erschüttert entschuldigte er sich beim Publikum. “Manchmal führen hitzige Diskussionen zu Situationen, in denen eine sachliche Gesprächsführung nicht mehr möglich ist”, erklärte er.
Doch die Diskussion war damit nicht beendet, sie verlagerte sich ins Netz. Dort tobt seitdem ein Kulturkampf. Die einen feiern Furtwängler als mutige Heldin, die endlich ausgesprochen habe, was viele denken. Andere werfen ihr Arroganz und mangelnde Dialogfähigkeit vor.

Was bleibt?
Der Vorfall wirft ein grelles Schlaglicht auf den Zustand unserer Debattenkultur. Wenn selbst Profis wie Furtwängler und Lanz nicht mehr miteinander reden können, ohne dass Sicherheitskräfte eingreifen müssen, wie soll dann die Gesellschaft im Gespräch bleiben? Das ZDF hat sich hinter seinen Moderator gestellt, doch der Schaden ist angerichtet. Der leere Stuhl bei Markus Lanz ist mehr als nur eine Requisite – er ist ein Symbol für eine tiefe Spaltung, die mitten durch unser Land geht. Es wird noch lange dauern, bis sich der Rauch über dem Lerchenberg verzogen hat.
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