Es sind Szenen, die man im wohlgeordneten deutschen Fernsehen eigentlich für unmöglich hielt. Der Donnerstagabend im ZDF, traditionell reserviert für den gepflegten Talk bei Markus Lanz, verwandelte sich in eine Arena der offenen Feindseligkeit. Was als kulturelles Gespräch geplant war, endete in einem Fiasko, das die Grenzen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sprengte. Maria Furtwängler, gefeierte Schauspielerin, Ärztin und eine der intellektuellen Stimmen des Landes, wurde nach einem beispiellosen Wortgefecht aus dem Studio begleitet. Ein leerer Stuhl, ein sichtlich erschütterter Moderator und eine fassungslose Nation bleiben zurück.
Der Funke im Pulverfass
Dabei begann alles so harmonisch. Furtwängler, elegant und eloquent wie immer, sprach über ihr neues Herzensprojekt: eine Historienverfilmung über Hildegard von Bingen. Doch die Idylle trügte. Als Markus Lanz das Gespräch routiniert auf die aktuelle Medienlandschaft lenkte, veränderte sich die Atmosphäre schlagartig. Es ging um die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – ein Thema mit Sprengkraft.

“Es gibt keine Neutralität, wenn es um Grundwerte geht”, positionierte sich Furtwängler ruhig, aber bestimmt. Sie forderte eine klare Kante gegen Hass und Hetze. Lanz, in seiner Rolle als advocatus diaboli, hielt dagegen: “Aber wo endet Haltung und wo beginnt Aktivismus?” Er zitierte Kritiker, die dem ZDF mangelnde Ausgewogenheit vorwerfen.
“Gefährliches Narrativ”: Die Eskalation
Dieser Einwurf wirkte wie ein Brandbeschleuniger. Furtwänglers Gesichtszüge versteinerten. Sie warf Lanz vor, ein “gefährliches Narrativ” zu bedienen. Wer Rechtsextremismus und demokratische Positionen als gleichwertige Meinungen darstelle, betreibe bereits Relativierung.
Was folgte, war kein Austausch von Argumenten mehr, sondern ein offener Schlagabtausch. Lanz unterstellte ihr den Wunsch nach einer “Gesinnungspolizei”. Ein Wort, das Furtwängler zur Weißglut brachte. Ihre Stimme erhob sich, ihre Gesten wurden heftiger. “Sie machen es sich zu leicht, Markus! Sie inszenieren hier eine falsche Ausgewogenheit, während draußen die Demokratie tatsächlich unter Druck steht!”
Der persönliche Angriff
Der Streit erreichte seinen Siedepunkt, als es persönlich wurde. Lanz, sichtlich gereizt, verbat sich den Vorwurf, die Demokratie zu gefährden – das sei unter seiner Würde. Furtwängler konterte gnadenlos: “Wissen Sie, was unter meiner Würde ist? Dass jemand mit Ihrer Reichweite so tut, als seien demokratische Grundprinzipien verhandelbar.”
Dann zog sie den historischen Vergleich, der den Moderator sichtlich traf. Sie verwies auf ihren Vater, den Dirigenten Wilhelm Furtwängler, und die Zeit des Nationalsozialismus. “Daraus habe ich gelernt: Schweigen ist Komplizenschaft.” Für Lanz war dies eine “unzulässige persönliche Attacke”. Doch Furtwängler war nicht mehr zu bremsen. Sie griff nun das Format selbst an: Talkshows, die Komplexität auf Schlagworte reduzieren, seien “Teil des Problems”.

Der Rauswurf
Um 22:30 Uhr geschah das Unfassbare. Aus dem Off ertönte die Stimme der Regie: “Markus, wir müssen eingreifen.” Lanz, mit zitternder Stimme, brach die Diskussion ab: “Die Grenzen eines respektvollen Gesprächs wurden deutlich überschritten.”
Die Kamera schwenkte in die Totale. Im Hintergrund sah man zwei Produktionsmitarbeiter auf Furtwängler zutreten. Nach einem kurzen, für die Zuschauer unverständlichen Wortwechsel, nahm sie ihre Tasche und verließ das Studio – das Gesicht eine Maske aus Zorn und Enttäuschung. Es folgte eine fast achtminütige Pause, bevor die Sendung fortgesetzt wurde. Neben Lanz klaffte eine Lücke – der leere Stuhl als Mahnmal des Scheiterns.
Die Nation ist gespalten
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. In den sozialen Medien tobt ein Kulturkampf. Für die einen ist Furtwängler eine Heldin, die den Mut hatte, die Mechanismen der Talkshow-Industrie bloßzustellen. Für die anderen ist sie eine moralisch überhöhte Akteurin, die den Dialog verweigert.

Das ZDF stellte sich in einer ersten Reaktion hinter seinen Moderator, kündigte aber eine interne Aufarbeitung an. Aus Furtwänglers Umfeld heißt es, sie bereue nichts. Sie habe aus “historischer und ethischer Verantwortung” gehandelt.
Dieser Abend wird Folgen haben. Er wirft die Frage auf, wie viel Streit unsere Debattenkultur verträgt und ob die Rituale unserer Talkshows noch zeitgemäß sind. Der leere Stuhl bei Markus Lanz ist mehr als nur ein fehlender Gast – er ist das Symbol einer Gesellschaft, die verlernt hat, miteinander zu reden.
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