Sie ist das Gesicht des deutschen Films, eine Ikone, die Generationen geprägt hat. Uschi Glas, das „Schätzchen“ der Nation, steht seit Jahrzehnten im Rampenlicht. Doch nun, kurz vor ihrem 82. Geburtstag, zeigt sie uns eine Seite, die wir so nicht kannten. In einer beispiellosen Offenheit spricht die Schauspielerin über die Schattenseiten ihres Ruhms, über Nächte voller Tränen und den langen Weg zu sich selbst. Es ist die Geschichte einer Frau, die lernen musste, dass wahre Stärke darin liegt, Schwäche zuzulassen.

Der Preis der Perfektion: Ein Leben hinter der Maske

Geboren 1944 in Landau an der Isar, kämpfte sich Uschi Glas aus einfachen Verhältnissen ganz nach oben. Mit Filmen wie „Zur Sache, Schätzchen“ und „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“ wurde sie zum Superstar. Sie verkörperte oft starke, unabhängige Frauen – Rollen, die auch ihr privates Selbstbild prägten. Doch der Schein trügte.

„Ich habe lange Zeit versucht, nach außen Stärke zu zeigen, während ich innerlich mit Unsicherheit und Angst kämpfte“, gesteht Uschi Glas heute. Der Druck, den Erwartungen der Öffentlichkeit, aber auch den eigenen Ansprüchen als Mutter und Ehefrau gerecht zu werden, war immens. Sie funktionierte, lächelte für die Kameras und verbarg ihre Zweifel tief in sich. Dieses Versteckspiel, so erkennt sie rückblickend, war der größte Fehler ihres Lebens. Es kostete sie Kraft, die sie eigentlich für sich selbst gebraucht hätte.

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Der tiefe Fall: Wenn das Familienglück zerbricht

Der schmerzhafteste Einschnitt in ihrem Leben war zweifellos das Scheitern ihrer ersten Ehe mit Bernd Tewaag. Was als Traum begann – eine glückliche Familie mit drei Kindern (Ben, Julia, Alex) – endete in einem Albtraum aus Enttäuschung und Schuldgefühlen. Uschi Glas litt extrem darunter, ihren Kindern die heile Welt nicht bewahren zu können.

„Ich habe mich oft gefragt, ob ich als Mutter und Partnerin versagt habe“, gibt sie zu. Diese quälenden Fragen raubten ihr den Schlaf. Während sie tagsüber am Set stand und ihre Texte sprach, fühlte sie sich abends oft einsam und leer. Die Trennung im Jahr 2003 war nicht nur ein bürokratischer Akt, sondern der Zusammenbruch ihres Lebensentwurfs. Sie stand vor den Scherben ihres Glücks und musste doch weitermachen – für ihre Kinder, für ihre Karriere, für den schönen Schein.

Dieter Hermann: Der Fels in der Brandung

Es dauerte lange, bis Uschi Glas wieder Vertrauen fassen konnte. Doch das Schicksal meinte es gut mit ihr. In dem Unternehmer Dieter Hermann fand sie einen Mann, der hinter die Fassade blickte. Er sah nicht den Star, sondern die verletzliche Frau, die sich nach Halt sehnte.

Hermann beschreibt seine Frau als jemanden, der „viel trägt, ohne zu klagen“. Doch er erlebte auch die Momente, in denen die Last zu schwer wurde. „Es gab Augenblicke, in denen die Traurigkeit sie überwältigte“, erzählt er. Seine ruhige, unaufgeregte Art gab Uschi den Raum, den sie brauchte, um zu heilen. Er drängte sie nicht, sondern war einfach da. Diese späte Liebe, die 2005 in einer zweiten Ehe mündete, basiert nicht auf leidenschaftlichem Sturm und Drang, sondern auf tiefem Verständnis und Respekt.

Der Wendepunkt: Die stille Erkenntnis

Es gab keinen großen Knall, der Uschi Glas zum Umdenken bewegte. Es war eine stille, aber unumkehrbare Erkenntnis. Eines Tages spürte sie, dass sie nur noch eine Rolle spielte – auch abseits der Kameras. Sie hatte sich selbst verloren in dem Versuch, es allen recht zu machen.

Uschi Glas - Eine Film- und TV-Legende (Offizieller Trailer)

„Ich hatte Angst, die Kontrolle zu verlieren“, erinnert sie sich. Doch genau dieser Kontrollverlust war der erste Schritt zur Heilung. Sie begann, Hilfe anzunehmen, Grenzen zu setzen und „Nein“ zu sagen. Sie lernte, dass ihre Gesundheit und ihr seelisches Wohlbefinden wichtiger sind als jede Rolle und jede Erwartung von außen.

Gesundheit und Reichtum: Eine neue Perspektive

Mit 81 Jahren hat sich Uschi Glas‘ Blick auf das Leben gewandelt. Gesundheit ist für sie kein selbstverständliches Gut mehr, sondern ein Geschenk, das Pflege braucht. Sie achtet auf ihre Ernährung, bewegt sich regelmäßig und gönnt sich Pausen. „Gesundheit bedeutet nicht Jugendlichkeit, sondern Würde“, sagt sie weise.

Auch materieller Besitz hat an Bedeutung verloren. Uschi Glas ist vermögend, doch Luxus definiert sie nicht. Ihr Zuhause ist ein Rückzugsort, kein Showroom. Sie schätzt finanzielle Sicherheit, weil sie Unabhängigkeit bedeutet, aber sie weiß heute besser denn je, dass Geld keine inneren Wunden heilen kann. Ihr wahrer Reichtum sind ihre Familie, ihr Mann Dieter und der innere Frieden, den sie sich hart erkämpft hat.

Ein Vermächtnis der Menschlichkeit

Uschi Glas blickt heute ohne Bitterkeit zurück. Der Schmerz ist Teil ihrer Geschichte, aber er bestimmt sie nicht mehr. Sie hat sich aus der Rolle der immer perfekten Ikone befreit und zeigt sich als das, was sie ist: ein Mensch mit Ecken und Kanten, mit Narben und Falten, die von einem gelebten Leben erzählen.

Ihre Geschichte macht Mut. Sie zeigt, dass es nie zu spät ist, sein Leben zu ändern, dass nach jedem Tief ein Hoch kommen kann und dass Liebe im Alter vielleicht leiser, aber dafür umso tiefer ist. Uschi Glas ist heute mehr als nur ein „Schätzchen“. Sie ist eine Grande Dame, vor der man sich verneigen muss – nicht wegen ihrer Filme, sondern wegen ihrer Lebensleistung. Wir wünschen ihr noch viele glückliche Jahre an der Seite ihres Mannes und im Kreis ihrer Familie.