Sie ist eine der größten Stimmen der europäischen Musikgeschichte. Mit Hits wie „Après toi“, „L’amour est bleu“ und natürlich der Hymne „Ich liebe das Leben“ hat sich Vicky Leandros in die Herzen von Millionen gesungen. Sie verkörperte stets Eleganz, Stärke und Lebensfreude. Doch nun, im Alter von 73 Jahren, offenbart die gebürtige Griechin eine Seite, die der Öffentlichkeit jahrzehntelang verborgen blieb. In einer bewegenden Lebensbeichte spricht sie über die Schattenseiten ihres Ruhms, zerbrochene Ehen und eine tiefe, stille Traurigkeit, die sie lange Zeit hinter ihrem strahlenden Lächeln versteckte.

Das Doppelleben eines Superstars

Geboren am 23. August 1952 auf Korfu, wuchs Vicky Leandros zwischen den Kulturen auf und wurde früh zum Weltstar. Doch der Preis für den Erfolg war hoch. Während sie auf der Bühne die gefeierte Diva war, fühlte sie sich privat oft zerrissen und einsam. „Ich habe lange Zeit Angst gehabt, nicht zu genügen“, gesteht sie heute in einer Offenheit, die überrascht.

Jahrelang spielte sie die Rolle der Perfektionistin. Sie wollte niemanden enttäuschen – weder ihr Publikum noch ihre Familie. Doch dieses ständige „Funktionieren-Müssen“ führte zu einer inneren Entfremdung. Während ihre Lieder Trost und Hoffnung spendeten, blieb für sie selbst oft nur die Einsamkeit des Hotelzimmers. Der ständige Wechsel zwischen Rampenlicht und Stille ließ kaum Raum für echte Wurzeln.

Enno von Ruffin und die stille Last

Besonders prägend – und schmerzhaft – waren ihre Ehen. Nach der Trennung von Ivan Zissiadis hoffte sie an der Seite von Enno von Ruffin auf das große private Glück. Von 1986 bis 2005 waren sie das Traumpaar der Gesellschaft. Doch hinter den Mauern von Gut Basthorst sah es anders aus.

Enno von Ruffin äußerte sich später reflektiert über diese Zeit. Er beschrieb Vicky als eine Frau, die „viel in sich trägt und selten klagt“. Genau diese Zurückhaltung machte ihr Leiden für Außenstehende unsichtbar. Er habe sie oft still und nachdenklich erlebt, Momente, in denen die Fassade bröckelte und Tränen flossen – nicht aus Wut, sondern aus purer Erschöpfung und dem Gefühl, nie ganz gesehen zu werden.

Vicky versuchte krampfhaft, die Harmonie zu bewahren. Sie stellte ihre eigenen Bedürfnisse zurück, ordnete sich dem Familienleben und den Erwartungen unter, bis sie sich selbst fast verloren hatte. Die Trennung im Jahr 2005 war für sie kein leichter Schritt, sondern das Ergebnis eines langen, qualvollen Prozesses. Es war das Eingeständnis, dass Liebe allein nicht reicht, wenn die Seele dabei auf der Strecke bleibt.

Der Wendepunkt: Als der Körper „Stopp“ sagte

Es gab keinen großen Skandal, der Vicky Leandros zum Umdenken zwang. Es war vielmehr eine stille, aber gewaltige Erkenntnis. Ein Moment der totalen Erschöpfung, in dem sie spürte: „Ich kann nicht mehr.“ Nach Jahrzehnten auf der Überholspur signalisierten Körper und Seele, dass die Grenzen erreicht waren.

Diese Phase der Krise wurde für sie zur Chance. Sie erkannte, dass Durchhalten um jeden Preis kein Zeichen von Stärke ist. „Ich hatte Angst, meine Stimme zu verlieren – nicht nur als Sängerin, sondern als Mensch“, erinnert sie sich. Sie begann, sich Zeit für sich zu nehmen, Auftritte zu reduzieren und – was am wichtigsten war – wieder auf ihre innere Stimme zu hören.

Die „wahre Liebe“: Eine neue Definition

Der Titel des Videos und die Gerüchteküche ließen vermuten, Vicky Leandros hätte eine neue, späte Liebe gefunden. Doch ihr Geständnis ist viel tiefgründiger. Wenn sie heute von „wahrer Liebe“ spricht, meint sie keine romantische Schwärmerei für einen neuen Partner.

Sie spricht von der Liebe zu sich selbst und der Akzeptanz des eigenen Lebenswegs. Ihre „wahre Liebe“ ist der Zustand des inneren Friedens, den sie heute erreicht hat. Sie hat gelernt, dass Liebe in einer Partnerschaft nur dann funktioniert, wenn man sich selbst nicht aufgibt. Ehrlichkeit, so ihre späte Erkenntnis, ist wichtiger als Harmonie.

„Liebe ist für mich heute ein stiller Zustand der Akzeptanz“, sagt sie. Sie muss niemandem mehr etwas beweisen. Sie genießt ihre Freiheit, ihre Unabhängigkeit und die Zeit mit ihren Kindern und Enkelkindern. Das ist für sie die reinste Form der Liebe, fernab von Drama und Erwartungsdruck.

Gesundheit und Reichtum neu bewertet

Mit 73 Jahren hat sich auch ihr Blick auf materielle Dinge gewandelt. Vicky Leandros ist wohlhabend, doch Luxus bedeutet ihr wenig. Ihr wahres Vermögen sieht sie in ihrer Gesundheit und ihrer Autonomie. Sie lebt zurückgezogen, liebt die Natur und die Einfachheit.

Sie achtet penibel auf ihre Gesundheit, plant Ruhephasen ein und respektiert die Grenzen ihres Körpers. Die wilden Jahre sind vorbei, und das ist gut so. „Gesundheit bedeutet nicht Perfektion, sondern Balance“, ist ihr neues Lebensmotto.

Fazit: Eine Diva wird menschlich

Vicky Leandros hat mit diesem Geständnis ihr Denkmal nicht beschädigt, sondern vergoldet. Sie zeigt uns, dass auch Ikonen verletzlich sind. Ihre Geschichte macht Mut, sich nicht in Erwartungen zu verlieren und rechtzeitig die Reißleine zu ziehen.

Sie hat den goldenen Käfig des Ruhms gegen die Freiheit der Ehrlichkeit getauscht. Und wenn sie heute „Ich liebe das Leben“ singt, dann glaubt man ihr das mehr denn je – weil sie jetzt weiß, was dieses Leben wirklich ausmacht: Nicht der Applaus der Masse, sondern der Frieden im eigenen Herzen. Wir verneigen uns vor einer großartigen Künstlerin und einer noch beeindruckenderen Frau.