Das Schweigen ist gebrochen: Nina Hagen enthüllt mit 70 Jahren ihr größtes Trauma – Die dramatische Nacht, in der ihre Seele den Tod roch

Die Rebellin und der göttliche Clown: Nina Hagens Suche nach der Wahrheit hinter der Maske

Es gibt Künstlerinnen, die das Publikum unterhalten, und es gibt solche, die eine Ära definieren. Nina Hagen, geboren 1955 in Ost-Berlin, gehört zweifellos zur letzteren Kategorie. Sie war und ist mehr als eine Sängerin; sie ist ein kulturelles Phänomen, ein lebendiges Symbol für Widerstand, grenzenlose Freiheit und kompromissloses Anderssein. Ihre Stimme, die mühelos zwischen Operngesang, Punk-Geschrei und tiefstem Gebet changiert, war von Anfang an ein Ausdruck des Widerstands – zu wild für den Sozialismus, zu politisch für den Mainstream, zu rebellisch für die Dogmen der Religion, aber zugleich zutiefst gläubig.

Ihre Karriere ist ein Kaleidoskop aus Exil, Provokation und Genialität, die das Fundament des deutschen Punk und Pop legte. Doch hinter dem schrillen Make-up, den leuchtenden Haaren und der exzentrischen Bühnenpräsenz verbirgt sich eine Frau, die ebenso leidenschaftlich liebte, wie sie still litt. In ihrem fortgeschrittenen Alter, im zarten Alter von 70 Jahren, hat Nina Hagen nun beschlossen, ihr jahrzehntelanges Schweigen zu brechen. Sie enthüllt eine verborgene innere Landschaft, ein Trauma aus Verlust und Schuld, das sie so lange verschwieg, obwohl sie doch immer die Wahrheit in die Welt hinausschrie. „Ich bin ein göttlicher Clown“, sagte sie einmal, „ich lache, um nicht zu weinen.“ Nun zeigt sie die Tränen hinter dem Lachen.

Die Liebe, die zur Zerstörung führte: Das Drama um Lukas Breinholm

Nina Hagens Liebesleben war ebenso leidenschaftlich wie ihr künstlerischer Ausdruck – es war kein Märchen, sondern ein Feuer, das wärmte, aber auch verbrannte. Eine der zentralen, schmerzhaftesten Beziehungen in ihrem Leben war die zu Lukas Alexander Breinholm, dem dänischen Musiker, den sie in jungen Jahren heiratete. Die Chemie zwischen ihnen war elektrisierend, fast schicksalhaft. Sie war der „Sturm“, er der „sichere Hafen“. Doch zwei starke Seelen in einem Raum, zwei Naturgewalten der Kreativität, waren nie für die Ewigkeit bestimmt.

Ihre Liebe brannte zu heiß und wurde zu einem Akt der Selbstzerstörung. „Wir haben uns geliebt, bis wir uns zerstörten“, gestand sie später. Die Ehe zerbrach nicht nur an Eifersucht, Missverständnissen und Stolz. Sie zerbrach, weil Nina in dieser Zeit mit inneren Dämonen kämpfte, gefangen im Rausch von Alkohol, Drogen und der Überforderung durch den Ruhm. Der Verlust ihrer Ehe war nur der äußere Ausdruck eines viel tieferen Verlusts: Sie verlor das Vertrauen in sich selbst, ihre innere Mitte, ihre Heimat in der eigenen Seele.

Lukas Breinholm, der sie tief liebte, musste gehen, um zu überleben, wie er später erzählte. Er berichtete, wie Nina oft weinte, nachts nach Konzerten, wenn die Fans längst verschwunden waren und nur das Neonlicht blieb. Sie weinte nicht aus Sehnsucht nach ihm, sondern weil sie wusste, dass sie sich selbst verloren hatte. Dieser Verlust ihrer inneren Identität wurde zum Wendepunkt, der sie in eine tiefe seelische Krise stürzte. Sie sprach von Visionen, von der Suche nach göttlicher Führung, um die innere Leere zu füllen. Sie suchte überall Liebe – in Männern, in Liedern, in Drogen, in Gott –, fand die wahre Liebe jedoch erst, als sie aufhörte zu suchen.

Die zweite Geburt: Die Schreckensnacht in Los Angeles

Der dunkelste und zugleich entscheidendste Moment in Nina Hagens Leben ereignete sich an einem Sommertag im Jahr 1983 in Los Angeles. Sie war mitten in einer Tournee, umgeben von Lärm, grellen Lichtern, unzähligen Menschen – und doch so einsam wie nie zuvor. Ihr Körper war müde, die Seele ausgelaugt von Nächten voller Exzess und Gesprächen, die ins Leere mündeten.

In ihrer Garderobe, das Make-up verwischt, die Perücke halb heruntergerutscht, brach die Wirklichkeit für sie zusammen. Ihr Spiegelbild sah sie an und stellte die unbequeme Frage: „Wer bist du?“ Sie stürzte auf die Knie, wie in einem inneren Kollaps, und sagte später, sie habe in diesem Moment den Tod gerochen. Ihr Herz schlug unregelmäßig, die Luft wurde knapp, ein Gefühl von Schwindel, Dunkelheit und Auflösung überwältigte sie.

Und dann kam das Licht. Sie sah sich selbst von oben, schwebte über ihrem Körper und betrachtete ihr Leben, die Bühne, die Menschen – „Es war, als hätte jemand einen Vorhang weggezogen.“ In dieser sogenannten Nahtoderfahrung fühlte sie keine Angst, keine Panik, nur tiefen Frieden. Sie sah ein helles, warmes, liebevolles Licht. Und eine Stimme, ob ihre eigene oder die eines Engels, sagte: „Du bist noch nicht fertig.“

Als sie wieder zu sich kam, war sie nicht mehr dieselbe. Dieser Moment, den sie später als ihre „zweite Geburt“ bezeichnete, markierte den Beginn ihrer spirituellen Reise. Sie stürzte sich in die Theologie, Mystik und Esoterik. Sie las die Bibel, aber auch indische Schriften, sprach mit Priestern, Yogis und Schamanen. „Ich wollte wissen, warum ich leben darf“, erklärte sie. Aus dieser intensiven Suche entstand ihr Werk Nonsex Monkrock – eine bizarre, geniale Mischung aus Wahnsinn, Punk und Gebet. Kritiker verstanden das Album nicht, doch für Nina war es „meine Beichte“, in der sie ihre Schuld, ihre Suche und ihren Schmerz herausschrie.

Der Reichtum der Gelassenheit: Gesundheit und Vermögen im Alter

Mit 70 Jahren blickt Nina Hagen mit einer neuen, tiefen Ruhe auf ihr Leben zurück. Die Jahre voller Chaos, Schlagzeilen und emotionaler Extreme haben Spuren hinterlassen. Sie spricht offen über ihre Gesundheit, über chronische Erschöpfung, Gelenkschmerzen und eine Herzrhythmusstörung, die sie 2019 zwang, eine Tournee zu unterbrechen. „Ich bin alt geworden“, sagt sie lachend, „aber das ist okay. Ich habe genug getan, um müde zu sein.“

Doch ihre spirituelle Haltung lässt sie diese Herausforderungen mit Demut annehmen. Sie lebt vegetarisch, meditiert täglich und glaubt an die Heilung durch Energie. „Ich glaube, der Körper heilt, wenn die Seele Frieden hat.“ Sie geht heute langsamer, redet bedächtiger, aber ihr Blick ist klar, ihre Augen leuchten noch immer wild und sanft zugleich. „Mein Körper ist alt, aber mein Geist tanzt noch“, sagt sie.

Finanziell ist Nina Hagen eine kluge und unabhängige Frau, deren geschätztes Vermögen zwischen 10 und 12 Millionen Euro liegt. Doch Reichtum war für sie nie eine Frage von Gold und Juwelen. Sie lebt bescheiden. Ihr Hauptwohnsitz ist ein altes Haus in Brandenburg, ein kleiner Bauernhof, den sie ihr „Paradies“ nennt, umgeben von Natur, Tieren und Stille. Sie fährt einen alten VW-Bus, trägt Secondhand-Kleidung und verschenkt oft Lebensmittel und Kleidung an Bedürftige. Ihre Gelassenheit im Umgang mit Geld ist entwaffnend: „Geld ist eine Prüfung“, sagte sie. „Wenn du es hast, zeigt sich, wer du bist. Wenn du es verlierst, zeigt sich, was du bist.“ Ihr größter Besitz ist die „Freiheit loszulassen.“

Das Vermächtnis des Wunders

Nina Hagens Vermächtnis reicht weit über ihre Musik hinaus. Sie war die Pionierin, die den Punk in deutscher Sprache sang, die das Sakrale mit dem Subversiven verband. Ihr wahres Erbe ist jedoch spiritueller Natur. Ab den 90er Jahren wandelte sie sich von der Provokateurin zur Verkünderin. Sie sprach in Talkshows über Gott, Liebe und Nächstenliebe und verkörperte eine Haltung der Angstfreiheit. „Ich wollte nie berühmt sein“, sagte sie, „ich wollte nur echt sein.“

Ihre Beziehung zu ihrem Ex-Mann Lukas Alexander Breinholm hat sich in eine von Vergebung und tiefem Respekt getragene Freundschaft gewandelt. „Wir waren füreinander Lehrer“, sagte sie. „Er hat mich gelehrt, dass Liebe nicht immer glücklich macht, aber immer echt ist.“

Ihr Leben ist heute ein Gebet in Form von Musik, Schmerz und Versöhnung. Sie weiß, dass die Zeit endlich ist, aber sie fürchtet sie nicht. „Ich habe schon einmal Licht gesehen, und ich weiß, ich werde es wiedersehen.“ Wenn man sie heute fragt, was Liebe für sie bedeutet, antwortet sie sanft: „Liebe ist, jemandem in die Augen zu sehen und zu sagen: ‘Ich sehe dich mit allem, was du bist.’“

Nina Hagen möchte, dass man sich an sie erinnert als die Frau, die nie aufgehört hat zu glauben, zu suchen und zu lieben. Ihr tiefster Wunsch ist eine Botschaft der Hoffnung: „Ich möchte, dass man sich erinnert, dass jeder Mensch ein Wunder ist.“ Mit 70 Jahren blickt sie dankbar zurück: „Ich hatte ein wildes Leben, und ich würde es wiederleben, genauso.“ Damit zeigt sie, dass Freiheit immer einen Preis hat, aber dass dieser Preis sich lohnt, wenn man lernt, im Sturm zu tanzen und im Chaos Frieden zu finden.