„Speisen Sie nur mit den Feinden Israels?“ – Andrea Kiewel rechnet in Wut-Brief mit Annalena Baerbock ab

Es ist ein Konflikt, der die sonst so strikte Trennung zwischen der heilen Welt der Unterhaltung und der harten Realität der Weltpolitik mit einem lauten Knall durchbricht. Andrea Kiewel, die Millionen Deutschen als das strahlende Gesicht des ZDF-Fernsehgartens bekannt ist, hat ihr Lächeln abgelegt. Stattdessen zeigt sich die 59-Jährige zutiefst verletzt, wütend und kämpferisch. In einem offenen Brief, der in der „Jüdischen Allgemeinen“ veröffentlicht wurde, geht sie hart mit Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) ins Gericht. Der Auslöser für diesen ungewöhnlichen Eklat: Ein vertrauliches Abendessen im Auswärtigen Amt, dessen Gästeliste für Entsetzen sorgt.

Das Dinner, das zum Skandal wurde

Im September 2024 lud Außenministerin Baerbock zu einem „vertraulichen Abendessen“ in Berlin ein. Was wohl als intellektueller Austausch gedacht war, entwickelte sich schnell zum politischen Bumerang. Unter den geladenen Gästen befanden sich die Journalistin Alena Jabarine und die Autorin Emilia Roig. Beide Frauen sind in der öffentlichen Debatte keine Unbekannten – allerdings nicht wegen ihrer diplomatischen Zurückhaltung, sondern wegen Positionen, die von Kritikern oft als radikal anti-israelisch eingestuft werden.

Genau hier setzt Andrea Kiewels Kritik an. Für die Moderatorin, die seit Jahren in Tel Aviv lebt und dort mit einem ehemaligen israelischen Elitesoldaten liiert ist, ist diese Einladung ein Affront. Sie wirft der Außenministerin vor, Personen eine Bühne zu bieten, die den Terror der Hamas relativieren und Israel dämonisieren.

„Wähle Deine Gäste mit Bedacht!“

Kiewels Brief ist mehr als nur eine Meinungsäußerung; er ist eine emotionale Anklage. „Speisen Sie, werte Frau Außenministerin, nur mit den Feinden Israels?“, fragt sie provokant. Sie wirft Baerbock vor, ihr Amt missbraucht zu haben: „Sie luden nämlich nicht als Annalena aus Hannover ein, sondern als Außenministerin der Bundesrepublik Deutschland.

Besonders schwer wiegt der Vorwurf der Täter-Opfer-Umkehr. Kiewel schreibt über die Gäste des Dinners: „Sie bezichtigen Israel spätestens seit dem 7. Oktober 2023 als Aggressor, ohne den tatsächlichen Hergang des Hamas-Massakers oder die ermordeten Israelinnen und Israelis zu erwähnen.“ Für Kiewel, die den Terrorangriff der Hamas in ihrer Wahlheimat hautnah miterlebte und deren Partner sofort an die Front musste, ist dies unerträglich. Sie zitiert eine alte jüdische Weisheit: „Du kannst nicht duschen und dabei nicht nass werden wollen!“ und fügt warnend hinzu: „Wähle Deine Gäste mit Bedacht!

Wer sind die umstrittenen Gäste?

Um die Wucht von Kiewels Worten zu verstehen, muss man einen Blick auf die Personen werfen, die Baerbock empfing. Alena Jabarine, eine freie Journalistin, geriet in die Kritik, weil sie Israel wiederholt Apartheid vorwarf und sich nach dem 7. Oktober in einer Weise äußerte, die von vielen als einseitig pro-palästinensisch empfunden wurde. Emilia Roig, bekannt für ihre Thesen zu intersektionaler Diskriminierung, hat ebenfalls Aussagen getätigt, die Israel als kolonialistisches Projekt brandmarken.

Dass ausgerechnet die deutsche Chefdiplomatin, die stets die Sicherheit Israels als „deutsche Staatsräson“ betont, in kleinem Kreis mit diesen Stimmen dinierte, wirkt auf Kiewel wie Hohn. „Finden Sie wirklich, dass Ihr Abendessen… etwas mit einem Austausch mit ‚in Teilen oder fundamental Andersdenkenden‘ zu tun hat?“, fragt sie die Ministerin direkt.

Zwischen Tel Aviv und Mainz: Kiewels Doppelleben

Andrea Kiewel ist längst nicht mehr nur die fröhliche „Kiwi“ vom Lerchenberg. Ihr Leben ist geteilt zwischen dem Showbusiness in Deutschland und der ständigen Bedrohung in Israel. Seit dem 7. Oktober 2023 hat sich ihr Ton verschärft. Sie berichtet von Raketenalarmen, von der Angst um ihren Lebensgefährten und von der Einsamkeit im Schutzraum.

Ihr Engagement gegen Antisemitismus ist persönlich motiviert und leidenschaftlich. Dass sie nun eine Grünen-Politikerin derart frontal angreift, zeigt, wie tief die Gräben mittlerweile sind. Kiewel sieht sich als Stimme derer, die sich von der deutschen Politik im Stich gelassen fühlen – jener Juden und Israel-Freunde, die fassungslos beobachten, wie radikale Positionen salonfähig werden.

Die Reaktion des Auswärtigen Amtes

Und was sagt Annalena Baerbock? Das Auswärtige Amt versuchte, die Wogen zu glätten, indem es auf die Notwendigkeit des Dialogs verwies. Es sei essentiell, auch mit Menschen zu sprechen, die „fundamental andere Meinungen“ vertreten, um den gesellschaftlichen Diskurs zu fördern. Man setze sich weiterhin gegen Antisemitismus, Hass und Hetze ein.

Doch diese Erklärung verhallt für Kritiker wie Kiewel als leere Phrase. Für sie gibt es rote Linien, die nicht überschritten werden dürfen – und die Legitimierung von Positionen, die das Existenzrecht Israels infrage stellen oder den Terror verharmlosen, gehört eindeutig dazu. Auch aus der CDU gab es scharfe Kritik an dem Dinner, was zeigt, dass Kiewel mit ihrer Empörung nicht alleine dasteht.

Ein Riss durch die Gesellschaft

Der Streit zwischen Kiewel und Baerbock ist symptomatisch für eine größere Debatte in Deutschland. Wie weit darf Toleranz gehen? Wann wird aus einem „anderen Blickwinkel“ purer Hass? Und welche Signale sendet die Regierung, wenn sie Kritiker Israels hofiert, während jüdisches Leben in Deutschland immer stärker bedroht wird?

Andrea Kiewel hat ihre Antwort gegeben. Sie hat ihre Prominenz genutzt, um laut zu werden. Ob Annalena Baerbock darauf reagieren wird, bleibt abzuwarten. Doch eines ist sicher: Das nächste „vertrauliche Dinner“ der Außenministerin wird wohl nicht mehr so geheim bleiben. Der politische Sturm, den „Kiwi“ entfacht hat, wird so schnell nicht abflauen.