Erich Kempker war einer jener stummen Zeugen, die in Geschichtsbüchern leicht vergessen oder übersehen werden. Der Mechaniker aus der Arbeiterklasse hatte als Fahrer Zugang zu Hitlers innerem Zirkel. Vom Beifahrersitz aus beobachtete er, wie ein Provinzagitator zum Staatsoberhaupt aufstieg und diese scheinbar unzerstörbare Macht in den Tiefen der Kanzlei versank.
Was als Routinenjob begann, zog ihn in entscheidende Szenen hinein von endlosen Wahlkampfreisen bis zu seinen letzten Tagen im Bunker. Dort nahm seine Rolle einen düstereren Ton an. Er war einer derjenigen, die bei der Einäscherung der sterblichen Überreste Hitlers und Eva Brauns halfen und damit den letzten Befehl des Führers ausführten.
Dieser Dokumentarfilm lässt die Erinnerung an einen Chauffeur wieder aufleben, der ohne nach Prominenz zu streben, schließlich ein privilegierter Zeuge der Größe, des Untergangs und des letzten Epilogs des Dritten Reichs wurde. von Angesicht zu Angesicht mit Hitler die entscheidende technische und persönliche Prüfung.
Erich Kempker wurde 1910 in Oberhausen, einer Industriestadt im Ruhrgebiet, geboren. Er verbrachte seine Kindheit in einer kinderreichen Familie polnischer Abstammung, geprägt von der Bescheidenheit und Disziplin eines Arbeiterhaushalts. Schon früh zeigte er eine Vorliebe für die Welt der Motoren, eine aufkeimende Leidenschaft zu einer Zeit, als das Automobil begann, den Alltag zu verändern.
Er absolvierte seine Lehre beim DKW Autohaus in Essen und fand später eine Anstellung als Fahrer bei einer Lokalzeitung. Ohne es zu wissen, ebnete ihm dieser Beruf den Weg in die innersten Machtzirkel des zukünftigen Deutschlands. Am 1. April 1930 trat er der NSDP bei und wurde Mitglied Nummer 225,639. Bald wurde er Chauffeur des Essener Bezirksleiters Josef Terbofen und damit Teil der Parteistruktur.
Sein Leben schien ohne größere Rückschläge zu verlaufen, bis er im Februar 1932 ein unerwartetes Telegramm erhielt. In wenigen Zeilen wurde ihm befohlen, sich am nächsten Tag in Hitlers Privatkanzlei im Hotel Kaiserhof in Berlin zu melden. Die Nachricht schockierte ihn zutiefst und während der Zugfahrt fragte er sich unwillkürlich, was ihn hierher geführt hatte.
Die Reise war lang und mühsam. In einem Abteil der dritten Klasse, umgeben von Fremden, ging er im Geiste jeden möglichen Fehler seiner Vergangenheit durch. Doch da er keine Schuldgefühle verspürte, erlaubte er sich von der Möglichkeit zu träumen, dass diese Nachricht eine günstige Wendung in seinem Schicksal ankündigte.
Bei seiner Ankunft in der Hauptstadt war er von der Größe der Stadt beeindruckt, das geschäftige Treiben am Bahnhof, die Feierlichkeit des Wilhelmplatzes und vor allem die imposante Fassade des Hotels Kaiserhof, das inzwischen zum Treffpunkt der politischen Elite geworden war. Im Hotel stellte er fest, [musik] dass er nicht allein war.
Etwa 30 Männer, ebenfalls per Telegramm aus verschiedenen Regionen herbeigerufen, warteten auf Anweisungen. Bald begriff er, dass sie alle denselben Beruf ausübten. Sie waren Chauffeure führender Parteimitlieder. Dieses Treffen musste einen sehr wichtigen Zwecken. Die Atmosphäre war von Nervosität, aber auch von Ehrgeiz geprägt.
Jeder strebte ins Geheim danach, die Position zu besetzen. Als sie schließlich aufgerufen wurden, standen sie vor Hitler persönlich. Unter der Aufsicht seines Adjutanten Wilhelm Brückner bildeten sie einen Halbkreis. Kempker, der kleinste saß ganz links. Das Gespräch verlief mit technischen und persönlichen Fragen, die das überraschende technische Wissen des Anführers offenbarten.
Als er an die Reihe kam, antwortete Cempker schnell über Motoren, Manöver und riskante Situationen. Die Intensität der Befragung überraschte ihn, doch es gelang ihm, seinen Gesprächspartner zu überzeugen. Hitlers Handschlag genügte, um zu verstehen, dass er einen guten Eindruck gemacht hatte.
An diesem Tag wurde kein Ergebnis bekannt gegeben. Die Kandidaten erhielten eine symbolische Aufwandsentschädigung und wurden entlassen in Ungewissheit gestürzt. Dennoch hinterließ das Treffen einen unauslöschlichen Eindruck bei Kempker, das Gefühl in der Gegenwart eines Menschen gewesen zu sein, der im Guten wie im Schlechten dazu bestimmt war, die deutsche Geschichte zu prägen.
Zurück in Essen zweifelte er noch immer an seinem Schicksal. Wenige Tage später zerstreute ein zweites Telegramm alle Bedenken. Er sollte sich bei Rudolf Hess in München melden. Er war ausgewählt worden, den Mann zu begleiten und zu fahren, über den alle sprachen Adolf Hitler. Nach Erhalt der Vorladung nach München machte sich Kempker mit der Unsicherheit eines jungen Mannes auf den Weg, der gerade erst begann, die Tragweite der ihn erwartenden Aufgabe zu begreifen.
Sein Ziel war die Daimler Benzentrale in der Dachauer Straße, wohin er sich unverzüglich begeben sollte. Julius Schreck, Hitlers persönlicher Chauffeur und Vertrauter, erwartete ihndort und empfing ihn herzlich. Schon bei ihrem ersten Treffen wollte Schreck ihn auf die Probe stellen. Er fragte ihn, ob er schon einmal einen Mercedes mit 6 Liter Kompressor gefahren sei.
Als er dies verneinte, führte er ihn in eine Werkstatt und zeigte ihm ein imposantes, leistungsstarkes Auto mit offener Karosserie. Kempker war beeindruckt. So etwas hatte er noch nie gesehen. Wegen seiner Körpergröße wurde der Sitz improvisiert angepasst, damit er während der Fahrt gut sehen konnte. Nachdem er Öl und Wasserstand überprüft hatte, manövrierte er das Fahrzeug nach draußen und machte sich auf den Weg.
Mit Schreck und anderen Teammitgliedern an Bord fuhr er nach Berlin, wo er Hitler erneut traf. Diesmal nahm das Gespräch eine intimere Wendung. Der Anführer wollte Einzelheiten über seine Familie, seine Ausbildung und sein Berufsleben erfahren. Während dieses Gesprächs entstand ein Vertrauensverhältnis, das ihre Beziehung mit der Zeit prägen sollte.
Der Wahlkampf um das Reichspräsidentenamt begann bald. Kempka wurde dem Gästewagen zugeteilt, der Tag und Nacht tausende von Kilometern zurücklegte. Das Tempo war unerbittlich. Pünktliche Ankunft in Städten, Reden vor Menschenmengen und sofortige Abfahrt zum nächsten Ziel. Hitler selbst war für die Berechnung der Routen und Fahrpläne zuständig, stets mit einer Karte auf dem Schoß, während er kurze Gespräche mit den Fahrern führte und sogar Snacks zubereitete, um ihnen unterwegs gegen die Müdigkeit zu helfen.
Während dieser Fahrten beobachtete Kempker mit einigem Neid die Nähe, die Schreck zu seinem Chef pflegte, obwohl auch er bald Gelegenheit haben würde, den Führer zu begleiten. Einmal, als Schreck an einer Lebensmittelvergiftung erkrankte, übernahm Hermann Göring seinen Platz am Steuer. Hitler befahl Kemker jedoch sich mit dem Fahrzeug vertraut zu machen und es eine Nachtstrecke nach Landsberg an der Warte zu fahren.
Diese Fahrt bestätigte, dass er kein bloßer Lehrling mehr war. Nach Abschluss des Wahlkampfs, bei dem sie mehr als z000end Kilometer zurücklegten, gestand Schreck, dass die Reise eigentlich eine Probezeit gewesen sei. Hitler war mit seiner Leistung zufrieden und beschloss, ihn dauerhaft in seinen inneren Kreis aufzunehmen.
In diesem Jahr sammelte Kemker beispiellose Erfahrungen. Er durchquerte Deutschland von Nord nach Süd und legte dabei mehr als hundertend Kilometer zurück. Obwohl sie selten über Politik sprachen, behandelte Hitler ihn mit einer engen fast väterlichen Haltung. Er bestand darauf, dass die Chauffeure und Piloten die Männer waren, denen er am meisten vertraute, da er sein eigenes Leben in ihre Hände legte.
Als die Feldzüge intensiver wurden, wurde das deutsche Gebiet aufgeteilt. Schreck war für den Nordwesten zuständig und Kempker für den Rest, was seine Bekanntheit steigerte. Am 16. Mai 1936 erhielt er unerwartete Neuigkeiten. Als er Hitlers Wohnung in München aufsuchte, fand er ihn niedergeschlagen vor. Schreck war plötzlich an einer fulminanten Meningitis gestorben.
Kemker wurde sofort zu seinem Nachfolger ernannt und zum Leiter der Automobileinheit des Führers ernannt mit dem Rang eines SS Sturmbandführers. Für einen jungen Mann bedeutete dies eine enorme Verantwortung. Werkstätten organisieren, Garagen erweitern, Mechaniker beaufsichtigen und ständig über den Status aller Fahrzeuge informieren.
Bei der Erfüllung dieser Aufgaben war Kemker auch derjenige, der trotz Hitlers anfänglichem Zögern die Herstellung eines Panzerwagens vorantrieb. Nach dem gescheiterten Anschlag auf die Münchner Bierhalle im Jahr gelang es ihm, Hitler von dessen Nutzen zu überzeugen. Das mit Stahlplatten und außergewöhnlich dickem Glas verstärkte Fahrzeug wurde in den Routinegebrauch des Führers integriert.
Von da an wurde der Bau weiterer Exemplare in Auftrag gegeben, von denen Kempker einige persönlich als diplomatische Geschenke übergab. Zu den Empfängern dieser Wagen zählten Staatsoberhäupter wie Marshall Mannerheim in Finnland. Ion Antonesku in Rumänien und Boris II in Bulgarien. Jede Auslieferung war von einer Zeremonie begleitet, die die politischen Bindungen Naziutschlands zu seinen Verbündeten und Satelliten bekräftigte.
Kemker, der als Zeitungsfahrer in Essen angefangen hatte, reiste nun als persönlicher Gesandter des Diktators durch Europa und wurde Zeuge von Szenen, die die Faszination der Technik mit der Diplomatie jener Jahre verbanden. Der Sturz von Hess und die Weihe von Bormanns Macht. Erich Kempkers Ernennung zu Hitlers persönlichem Chauffeur brachte ihn nicht nur näher an die Nervenzentren Berlins und Münchens, sondern auch an einen unerwarteten Ort, den Obersalzberg.
Seine erste Begegnung mit diesem Ort zu Ostern 1932 erschien ihm eher wie ein einfacher Rückzugsort als eine Enklave der Macht. Nach dem Schneefall mußte man für den Aufstieg das Gepäck auf Schlitten über schmale Pfade schleppen und das Haus Wachenfeld, das Besucherempfing, war nicht mehr als ein bescheidenes Landhaus.
Es bot kaum Platz für wenige Gäste. Der Rest mußte in nahe gelegenen Gasthäusern übernachten. Dennoch sollte Kempker sich an die Ruhe der Alpenlandschaft und die Wärme erinnern mit der Angela Raubahl Hitlers Halbschwester die ankommenden empfing. In dieser einfachen Umgebung fand der zukünftige Diktator eine Ruhe, die im Kontrast zum politischen Chaos der Städte stand.
Die steigenden Verkaufszahlen von “Mein Kampf” ermöglichten den Erwerb und den Umbau des Anwesens, das bald zum Berghof wurde. Für Kempker war die Verwandlung des Hauses in ein elegantes Gebäude, zugleich ein greifbarer Ausdruck des kometenhaften Aufstiegs seines Chefs. Innerhalb weniger Jahre wurde aus dem einst abgelegenen Rückzugsort ein Ort, an dem Monaren, Diplomaten und Außenminister empfangen wurden.
Hitler, wie er selbst sagte, betrachtete diese Residenz als sein wahres Zuhause, einen Ort, der Entspannung und Politik vereinte. Tagelange Bergtouren wechselten sich mit Staatstreffen ab und diese Dualität wurde zu einem wesentlichen Bestandteil des Lebens dort. Die Ankunft Martin Bormanns Mitte der 1930er Jahre veränderte das Gleichgewicht des Ortes grundlegend.
Bis dahin ein kleiner Beamter in den Diensten von Rudolf Hess fand er auf dem Oberalzberg eine Gelegenheit, seinen Ambitionenfreien Lauf zu lassen. Durch den systematischen Ankauf von Land von lokalen Bauern, oft zu preisen weit über ihrem Wert, legte er nach und nach einen Gürtel von Grundstücken um den Berhof an.
Dank seiner Manöver geriet innerhalb kurzer Zeit ein Großteil des Gebiets unter die Kontrolle der Partei. Diese Aktion, die für die Bewohner Entwurzelung bedeutete, wurde für Bormann zur Grundlage seiner Macht. Kemker beobachtete, wie Bormann das Image eines unermüdlichen Arbeiters pflegte. Oft bat er darum, zu den Mahlzeiten eingeladen zu werden, entschuldigte sich dann aber mit der Begründung überbucht zu sein und verstärkte so den Eindruck, unentbehrlich zu sein.
Wenn er schließlich erschien, kam er zu spät und kalkulierte jede Geste, um seinen unbedingten Einsatz zu unterstreichen. Hitler interpretierte ein solches Verhalten als Beweis für Effizienz und betraute ihn bald mit der Verwaltung des Berghofs. Von dieser Position aus verdrängte Bormann nach und nach Rivalen und unterwarf das Personal seiner Autorität.
In den Augen der Bewohner verwandelte er die Residenz in ein Territorium unter seiner persönlichen Herrschaft. Seine Art, Macht auszuüben, schwankte zwischen Großzügigkeit und plötzlicher Demütigung und erzeugte eine Atmosphäre der Unsicherheit. Kempker erinnerte sich, wie viele verwirrte Mitarbeiter zu dem Schluss kamen.
Sein kapriziöses Verhalten sei in Wirklichkeit eine kalkulierte Methode, gehorsam zu erzwingen. Mehr als einmal wurden scheinbar triviale Gesten zu beispielen seiner Fähigkeit, Befehle rasch auszuführen. Hitlers Beschwerde über einen von der Terrasse aus sichtbaren Bauernhof genügte und Bormann ließ ihn innerhalb eines Tages verschwinden und durch eine Wiese ersetzen.
Ein anderes Mal, als er den Führer bei der Begrüßung über die Hitze der Sonne klagen hörte, pflanzte er sofort einen großen Baum genau an der Stelle, an der er normalerweise stand. Diese Effizienzdemonstrationen festigten seine Position. Mit der Zeit machte Bormann den Zugang zu Hitler zu einem kontrollierten Privileg.
Kein Besucher durfte ohne seine Zustimmung erscheinen, und wenn es ihm nicht gelang, ein Treffen zu verhindern, sorgte er dafür, daß er anwesend war, um das Gespräch zu leiten. Minister und Generäle beschwerten sich privat über diese Einmischung, doch der Filter wurde unausweichlich. Kemker verstand, daß diese ständige Wachsamkeit nicht nur auf Loyalität, sondern auch auf einer kalten Berechnung beruhte, die ihn zu einem unverzichtbaren Vermittler machen würde.
Laut Kempker festigte sich Rudolf Hessmacht nach seiner Flucht nach Großbritannien im Jahr 1941. Hitler reagierte fassungslos und wütend und bezeichnete die Tat als Wahnsinn, während Bormann die Gelegenheit nutzte, seinen Platz einzunehmen und die Parteikanzlei neu zu organisieren. Er ordnete an, alle Erwähnungen von Hess aus Dokumenten und Portraits zu entfernen und verbot sogar die Verwendung seines Namens.
Für die Arbeiter auf dem Berg war die Botschaft unmissverständlich. Er duldete keine Konkurrenz. Gleichzeitig nahm der Alltag auf dem Beruf einen doppelten Charakter an. Der Rückzugsort wurde gleichzeitig in ein politisches Hauptquartier umgewandelt. Kemker wurde Zeuge, wie Eva Bruns Ankunft diese Mischung aus Intimität und Macht noch verstärkte.
Sie, die er aus seiner Zeit in Hoffmanns Fotoatelier kannte, lebte sich ab 1936 dauerhafter ein. Ihre Anwesenheit brachte eine familiäre Atmosphäre. Sie organisierte Suaren, kümmerte sich um den Haushalt und spielte mit den Kindern enger Freunde. Für Kempker vermittelte dieser Kontrast zu den formellen Empfängen einweniger starres Bild des Ortes.
Inmitten von Uniformen und Protokollen symbolisierte Brauns Gestalt eine tägliche Ruhepause. Für die Sicherheit auf dem Obersalzberg sorgte der Reichsschutzdienst unter Himmlerskontrolle. Viele seiner Männer waren nicht einmal Parteimitlieder, doch die Disziplin war unerbittlich. Bei jedem Staatsbesuch legten Einheiten der Waffen SS strenge Zeremonien ab und erinnerten alle daran, daß dieser Ort, trotz seiner abgeschiedenen Erscheinung das Zentrum der Regierung war.
Kempker erlebte dies als Routine, in der die Vertrautheit der Berge mit militärischer Stränge koexistierte. Eine weitere Person, die den Berghof regelmäßig besuchte, war Dr. Theodor Morell. Kemker kannte ihn als tollpatschigen, uneleganten und sogar nachlässigen Mann. Er wusste jedoch, daß Hitler ihn als seinen Vertrauensarzt angenommen hatte, nachdem es ihm im Wahlkampf gelungen war, Kemkers Stimme wiederherzustellen, während andere Spezialisten die Hoffnung auf seine Genesung aufgegeben hatten.
Von da an gehörten Vitamin und Glucosespritzen zu seinem Alltag. Die meisten sahen ihn als Eindringling, doch Hitler gewährte ihm einen privilegierten Platz. Dieser Widerspruch wurde zu einem untrennbaren Teil des Bergalltags. Der Arzt, der verspottet wurde, wurde gleichzeitig zum unverzichtbaren Berater.
Im Laufe der Jahre wurde der Berghof zu einem Symbol. Hier empfing der Führer ausländische Besucher unter strengen Sicherheitsvorkehrungen, zeigte sich aber auch von seiner alltäglicheren Seite. Kempker konnte beobachten, wie der Mann, der sich der Welt mit feurigen Reden vorstellte, sich bei Spaziergängen auf den Wanderwegen, Gesprächen beim Essen oder der stillen Betrachtung der Alpenlandschaft entspannte.
Für Kempker prägte dieses Nebeneinander von Erhabenheit und Einfachheit die Atmosphäre des Berufs. Doch Bormanns zunehmend erdrückende Präsenz veränderte die anfängliche Atmosphäre. Was in den ersten Jahren noch wie eine familiäre Atmosphäre gewirkt hatte, verwandelte sich in einen strengen Raum, in dem jedes Wort und jede Geste beobachtet wurde.
Der Chauffeur, der die architektonische und politische Entwicklung des Ortes miterlebt hatte, nahm auch den menschlichen Wandel wahr, der sich dort vollzog. Aus einem engen entspannten Kreis wurde ein Umfeld der Überwachung und Berechnung. Dieser Wandel zeigte, daß der Berghof nicht mehr nur eine Bergresidenz war, sondern ein überwachtes Machtzentrum, in dem Entscheidungen weit über die Mauern hinausgingen, die ihn beherbergten.
Hinter der Windschutzscheibe des Reichs Kempker in den ersten Kriegstagen. Die Atmosphäre auf dem Berghof, die zunehmend von Bormann kontrolliert wurde, stand im Kontrast zum beschleunigten Tempo der Außenpolitik. Bis Ende 1938 konnte Hitler diplomatische und territoriale Erfolge anhäufen, die sein Selbstvertrauen stärkten.
Die Eingliederung des Saarbeckens, Österreichs und des Sudetenlandes hatte seine Expansion gefestigt, ohne dass ein Schuss abgefeuert worden wäre. Für Kempker spiegelte sich dieses Selbstvertrauen in den Reisen wieder, die ihn zu entscheidenden Orten führten, wo das Auto zu einem verlängerten Arm der Macht wurde. Am 15.
März 1939 erhielt er den Befehl, einen Konvoi zur tschechischen Grenze vorzubereiten. In der Zwischenzeit transportierte er Präsident Ha, persönlich vom Bahnhof zur neuen Reichskanzlei. Kemker erinnerte sich an die Anspannung jenes Tages, an dem der erschöpfte tschechische Führer ohnmächtig wurde und von Morell unterstützt werden musste.
Stunden später fuhr Hitler mit seinem Sonderzug zur Grenze. Dort saß Kempker mitten in einem Schneesturm am Steuer eines Geländewagens, den Führer an seiner Seite und führte den Konvoi an, der sich langsam in Richtung Prag bewegte. Die Zollabfertigung war fast zeremoniell. Die Schlagbäume wurden ohne Widerstand hochgezogen und die kleine Kolonne durchquerte das Land ungehindert.
Für Cempker war das Paradox offensichtlich. Die Besetzung der tschechischen Hauptstadt war mit einer kleinen Eskorte und einem improvisierten Bataillon erfolgt, das so schlecht bewaffnet war, dass Hitlers persönliche Eskorte ihm Pistolen aushändigen musste. Diese präkäre Lage ließ ihn Jahre später darüber nachdenken, wie einfach es gewesen wäre, sie in diesem Moment aufzuhalten.
Der Krieg sollte neue Szenarien bringen. Kemker begleitete Hitler auf zahllosen Reisen mit dem Zug, dem Flugzeug und dem Auto. Besonders gut erinnert er sich an den Besuch in Saporischia im Winter 1942, als die Sowjets den Donbas bedrohten. Trotz der Warnungen der Generäle bestand Hitler darauf, mehrere Tage dort auf einem Flugplatz unweit der Frontlinie zu bleiben.
Erst als der westliche Flughafen von sowjetischen Kampfflugzeugen angegriffen wurde, stimmte er dem Rückzug zu. Für Kempker widerlegte diese Episode die später gegen ihn erhobenen Feigheitsvorwürfe. Der Alltag im Hauptquartier war eintönig. mit endlosen Arbeitstagen. Hitler verlangte von jedem Zeit inKampfeinheiten zu verbringen, um als fronterprobt anerkannt zu werden.
Doch Kempker durfte dies nie tun. Der Führer betonte wiederholt, dass seine Rolle unersetzlich sei, selbst in den kritischsten Momenten. Die Routine im Hauptquartier löste sich schließlich auf, als sich der Krieg gegen Deutschland wandte. Kempker kehrte im Januar 194 von der Beerdigung seines Vaters zurück und fand in Ziegenberg eine pessimistische Atmosphäre vor.
Das Scheitern der letzten Offensiven, die durch alliierte Bombenangriffe in Schutt und Asche gelegten Städte und die Unfähigkeit, die Waffenproduktion aufrecht zuerhalten, machten deutlich, wie erschöpft das Land war. Wie er sich erinnerte, war er überrascht, als er erfuhr, dass Hitlers Hauptquartier nach Berlin verlegt werden sollte.
eine Entscheidung, von der viele gehofft hatten, daß sie in Süddeutschland umgesetzt würde, wo die Vorbereitungen für die Endphase des Konflikts getroffen worden waren. Die Reise in die Hauptstadt erfolgte in aller Eile. Archive, Kommunikationsausrüstung und Konvois reisten Richtung Norden ab, während Hitler in seinem Sonderzug weiterreiste.
Kemka, noch immer vom Verlust seiner Familie erschüttert, fuhr nachts nach Berlin, um die Ankunft des Konvois in Grunwald abzuwarten. Als er Hitler aussteigen sah, wurde er von seinem Alter beeindruckt, gezeichnet von der Erschöpfung einer Reise, die er dennoch in einem mit modernster Kommunikationstechnologie ausgestatteten Zug zurückgelegt hatte.
Es war das letzte Mal, dass er dieses Verkehrsmittel benutzen sollte. Im Reichskanzleramt hatte der plötzliche Umzug offensichtliches Chaos verursacht. Niemand war auf den Empfang des Gefolges vorbereitet und die intakten Räume mussten rasch zu Büros, Schlafsälen und Kommandozentralen umgebaut werden. Die nach den Bombenangriffen erweiterten unterirdischen Räume wurden mit Fernschreibern und Karten gefüllt, während neue Kommunikationswege nach Zossen und zu anderen Kommandoposten improvisiert wurden.
Empka musste Verbindungsfahrten zu diesen Zentren unternehmen. Eine angesichts der Nähe der Front zunehmend gefährliche Aufgabe. Die Spannung war greifbar. Die rote Armee war nur wenige Kilometer entfernt und wartete auf den Befehl zum finalen Angriff. Kempker und seine Männer führten Offiziere und Generäle entlang exponierter Routen und arbeiteten Tag und Nacht ohne Pause.
Zusätzlich zu ihren regulären Aufgaben mussten sie bei Zivilschutzaufgaben mithelfen und Feuerwehren bei Luftangriffen unterstützen. Trotz seiner Erschöpfung und des psychischen Drucks hörte er keine Klagen von seinen Fahrern. Jeder wusste, dass das Ende nahtte. Die tägliche Spannung im Bunker verschärfte sich, als der Krieg sich dem Ende zuneigte.
Kesselrings Ernennung zum Kommandeur an der Westfront machte die ehemalige Ziegenbergkaserne zu seinem Stützpunkt, was ständige Fahrten zwischen Berlin und Bad Nauhaim erforderlich machte. Kempker, der sich der Risiken bewusst war, übernahm persönlich die Verantwortung, ihn auf diesen Fahten über mit Kratern und durch die Überreste von durch Luftangriffe zerstörten Fahrzeugen übersähte Straßen zu schufieren.
Es waren nach seinen eigenen Worten die gefährlichsten Fahrten, die er je unternommen hatte. Im März traf Hitler die überraschende Entscheidung, eine vorgeschobene Stellung in Frankfurt an der Oder zu besuchen. Seine Berater versuchten ihn davon abzubringen, aber er bestand darauf, sich selbst ein Bild von der Lage zu machen.
Während der Führung beobachtete Kempker, wie die Menge ihn mit einer Mischung aus Hoffnung und Ehrfurcht begrüßte. Frauen, Soldaten und Kinder drängten sich um ihn, um ihn zu sehen, als könnte seine Anwesenheit den Verlauf des Krieges ändern. Es war das letzte Mal, daß Kemker ihn fuhr und neben ihm im Auto saß. Von da an blieb Hitler im Untergrund.
Der hektische Alltag bot keine Erholung. Kaum zurück in Berlin wurde Kempker aufgefordert, Albert Speer bei einer Inspektion verschiedene Abschnitte der Westfront zu begleiten. Die Mission, die in den frühen Morgenstunden des 19. März begann, fiel mit dem Geburtstag des Ministers zusammen. Die fünftägige Reise fand unter extremen Bedingungen statt.
Dunkle Straßen mit schlamm getarnte Fahrzeuge, ständige Bombenangriffe und Angriffe aus geringer Höhe. Für Kempker wurde die Anspannung des Bremsens, des Eintauchens in Gräben und der sekundenschnellen Rückkehr auf die Straße zur Überlebensroutine. Die Rückkehr nach Berlin führte ihn direkt in den Vorraum des Konferenzraums.
Dort inmitten von Fernschreibern und Telefonen, die nie aufhörten zu klingeln, nahm er eine ebenso aufgeladene wie stille Atmosphäre wahr. Als Hitler die Besprechung verließ, ging er auf Cempker zu und umarmte ihn aus Dankbarkeit dafür, daß er Speer sicher zurückgebracht hatte. Diese Geste war ein direkter Schlag gegen Bormanns Versuche, ihn auszugrenzen, denn Kempker genoss weiterhin das persönliche Vertrauen desFührers, was ihn innerhalb des inneren Zirkels zum Feind machte. Am 20.
April 1945 Hitlers Geburtstag spiegelte die Atmosphäre im Bunker die bevorstehende Katastrophe wieder. Es gab keine Paraden oder Massenfeiern, nur einen Strom offizieller Besucher. Als Mitternacht die sowjetische Artillerie begann, Berlins Zentrum zu beschießen, begriff Kempker selbst, dass der letzte Akt begonnen hatte.
In diesem Klima des Zusammenbruchs hinterließ Dr. Morells Abgang eine sofortige Vakanz auf dem Posten von Hitlers Leibarzt, der nominell mit Ludwig Stumpfwegger besetzt war, obwohl dieser sich in der Praxis nie um ihn kümmerte. Während dieser Übergangsphase wurde die Atmosphäre im Bunker noch bedrückender, als Walter Hel, Ribbentropsvertreter, den Anwesenden ein bei einem sowjetischen Gefangenen gefundenes Dokument zeigte.
Es war eine Broschüre von Ilja Ehrenburg, der für seine heftigen Schmähungen gegen die Deutschen berüchtigt war. Der Text war eindeutig. Er forderte die rote Armee auf, kein Mitleid zu zeigen und alles, was ihr in den Weg kam, gnadenlos zu vernichten. Diese Sätze, erfüllt von Hass und Rache, halten wie ein jüngstes Gericht durch den Raum.
Kemker erinnerte sich an die unmittelbare Reaktion, angespannte Gesichter, leere Blicke und ein Schweigen, das Bände sprach. Außerhalb dieser Mauern hinderte der Druck der sowjetischen Belagerung Berlin nicht daran, Lebenszeichen von sich zu geben. Inmitten von Artillerie und Bombenangriffen fuhren Straßenbahnen und Züge weiter, wo immer es Gleise und Strom gab.
Sogar ganze Fabriken hielten ihre Produktion trotz der Bomben aufrecht. Für Kempker hatte diese alltägliche Sturheit der Bevölkerung denselben Wert wie bewaffnete Verteidigung. Eine letzte Geste des Widerstands angesichts eines nun unausweichlich scheinenden Ausgangs. Gürbels beschloss, bei seiner Familie in Berlin zu bleiben und die ehemaligen Räume Morels zu beziehen, während seine Kinder in den alten Bunker gebracht wurden.
Die Angriffe beschädigten das Reichskanzleramt unerbittlich. Zerstörte Kabel, einstürzende Wände und blockierte Korridore erschwerten die Kommunikation. Kempker mußte diese Verluste am eigenen Leib erfahren, als in den frühen Morgenstunden des 24. April ein Bombenangriff einen großen Teil seines Fuhrparks zerstörte. Mehr als 60 Autos wurden unter Beton begraben.
Ein Schlag, der seine Mobilität im kritischsten Moment drastisch einschränkte. Die Spannungen eskalierten mit Speers unerwarteter Ankunft am 25. September. Er hatte Berlin verlassen, um sich endgültig zu verabschieden, kehrte aber in einem kleinen Flugzeug zurück. das direkt auf der Allee landete, um Hitler erneut zu treffen.
Nach dem Treffen sprach Speer mit Ribbentr und drängte ihn, die Hauptstadt zu verlassen. Wenige Stunden später trat der Außenminister seine Flucht nach Norden an. Am selben Tag schlug ein Telegramm Görings wie eine Bombe im inneren Kreis ein. Er berief sich auf das Nachfolgedekret, um im Falle von Hitlers Handlungsunfähigkeit die Macht zurückzuerlangen.
Für diejenigen, die noch im Bunker waren, einschließlich Kempker, klang die Nachricht wie ein Verrat im dunkelsten Moment des Krieges. Die Stunde Hitler zu verbrennen, Kempker und das Feuer des Endes. Inmitten des Zusammenbruchs brachte Eva Bruns Anwesenheit in Berlin eine andere Note.
Sie war wochen zuvor gegen Hitlers Willen eingetroffen und blieb dort über Hitlers Geburtstag und die darauffolgenden Tage. Kemker erinnerte sich an ihre Gelassenheit, als sie entschieden erklärte, ihn unter keinen Umständen im Stich zu lassen. Diese Entscheidung, ruhig und ohne Drama getroffen, zeigte, dass für sie das Schicksal des Führers bereits mit ihrem eigenen besiegelt war.
In einem persönlicheren Gespräch gestand Eva Kempker, daß Hitler Bormanns wahren Charakter klar erkannt hatte, obwohl der Krieg ihn auf seinem Posten gehalten hatte. In Kempkas Augen war diese Bemerkung aufschlussreich. Sie zeigte, dass selbst innerhalb dieses starren Kreises interne Spannungen erkannt wurden, die nicht zu lösen waren.
Das Leben unter dem Beton der Reichskanzlei wurde von Tag zu Tag härter. Das Dach hielt einigen Volltreffern stand, doch das Dröhnen der sowjetischen Artillerie war noch deutlich zu hören. Auf den Straßen leisteten Volkssturm und erschöpfte Soldaten kaum Widerstand, unfähig, den Vormarsch der viel besser ausgerüsteten Armeen aufzuhalten.
In den Bunkerkorridoren wurden die aus der Stadt eintreffenden verwundeten Zeugen immer verzweifelterer Kämpfe. Kemker begleitete Dr. gelegentlich auf seinem Rundgang durch die provisorischen Lazarette in den unterirdischen Anlagen und diese Bilder blieben ihm als ständige Erinnerung an das Ausmaß der Katastrophe im Gedächtnis. Am 26.
April erschütterte eine unerwartete Szene den Alltag. General Ritter von Greim, der neue Oberbefehlshaber der Luftwaffe, traf verwundet nach einem waghalsigen Flug ein, der dank Hanna Reitschs Geschick gerettet worden war. Kempkerblieb der Kontrast zwischen der Stränge der Fliegerin im Cockpit und der Zärtlichkeit, mit der sie wenige Stunden später Göbels Kinder unterhielt, unvergesslich.
Es war als könne inmitten des Einsturzes noch eine flüchtige Menschlichkeit sprießen. Doch noch in derselben Nacht zerbrach die scheinbare Ruhe. Fegelein, Eva Brauns Schwager und Himmler Verbindungsmann bat Kempker eine Aktentasche mit vertraulichen Dokumenten aufzubewahren. Er gab dies als bloße Sicherheitsmaßnahme vor, doch bald stellte sich das Gegenteil heraus.
Kurz darauf verschwand er in der Berliner Innenstadt und die zugewiesenen Fahrzeuge kehrten ohne ihn zurück. Minuten später herrschte im Bunker blaner Schock. Eine Funkmeldung bestätigte, daß Himmler geheimen Kontakt mit Graf Bernardotte aufgenommen hatte, um mit den Westalliierten zu verhandeln. Die Nachricht von Himlers Kontakten mit den Alliierten traf seinen inneren Kreis wie ein Blitz.
Für Kemker war sie ein noch größerer Schock als Göringsstelegramm. Er erinnerte sich, wie Bormann wütend mit der zerknitterten Nachricht in der Hand aus dem Zimmer stürmte und sofort eine Frage stellte, die das allgemeine Misstrauen verriet. Wo war Fegelein? Alle teilten diesen Verdacht, denn wenn jemand von diesem Manöver gewußt haben konnte, dann er.
Kemker erinnerte sich dann an sein letztes Treffen mit dem General und an die Aktentasche, die er noch am selben Abend zu liefern versprochen hatte, ohne zu ahnen, dass diese scheinbar banale Anspielung ihn letztendlich kompromettieren könnte. Die Spannung innerhalb der Mauern des Bunkers wuchs. Männer und Frauen versuchten ruhig zu bleiben, doch die Nervosität war deutlich zu spüren.
Kemker erinnerte sich, wie einige Sekretäre und sogar Heel Hitler um Gift baten, wohlwissend, dass sie jeden Moment dem Feind in die Hände fallen könnten. Der Schatten des Verrats hatte die fragile Disziplin der Gruppe erschüttert. Der Kreis wurde noch enger, als Fegeleins Adjutant auftauchte, festgehalten vom Sicherheitsdienst.
Seine Aussagen bestätigten, daß der General in seiner Wohnung seine Uniform gegen Zivilkleidung getauscht hatte und sich bis zum Vormarsch der Sowjets verstecken wollte, um sich dann Himmler anzuschließen. In den Augen aller war es Deserion. Kurz darauf wurde Fegelein selbst in einem beklagenswerten Zustand abgefangen.
Ohne Stiefel mit Mantel und Hut versuchte er sich unter die Flüchtlinge zu mischen, die sich in den Kellern drängten. Bei der Festnahme wurden in seinem Gepäck kompromettierende Dokumente sowie Goldbarren und Devisen gefunden. Für Kempker, der ihn wie einen engen Kameraden behandelt hatte, war dieser Anblick schwer zu akzeptieren.
Hitler ordnete einen sofortigen Prozess an. Obwohl er aufgrund der familiären Bindungen Eva Brauns zögerte, das Urteil umzuwandeln, unterzeichnete er schließlich das Urteil. Kempker war selbst Zeuge der Kälte, mit der Fegelei in seinem Urteil zuhörte, bevor er im Garten des auswärtigen Amtes hingerichtet wurde.
Noch am selben Tag ließ Hitler das von Himmler lange zuvor gelieferte Gift testen. Er wählte seinen Hund Blondi als Opfer aus, eine Geste, die Kempker als Bestätigung seines absoluten Misstrauens gegenüber allen interpretierte. Das Tier fiel sofort tot um und zerstreute damit alle Zweifel an der Wirksamkeit der Kapsel.
Draußen tobten in Berlin Straßenkämpfe und im Bunker wurden bereits die Hochzeiten und Testamente vorbereitet, die die letzten Akte des Regimes besiegeln sollten. Die geheime Verbindung zwischen Hitler und Eva Braun wurde in den frühen Morgenstunden des 29. April zu einem öffentlichen Ereignis. In einem provisorischen Raum im Bunker, umgeben von handverlesenen Zeugen, formalisierten die beiden eine Ehe, die zu spät kam, um noch etwas zu ändern.
Das Geräusch von Einschlägen begleitete die Zeremonie, doch die Anwesenden erinnerten sich an eine fast intime Atmosphäre, geprägt von der Gelassenheit, mit der das Paar die Registrierung unterzeichnete. Kemker betont, dass Hitler trotz der Unmittelbarkeit der Katastrophe verhindern wollte, dass die Frau, die ihn jahrelang begleitet hatte, als bloße Geliebte in die Geschichte einging.
Für ihn war diese Verbindung auch ein Akt des Respekts gegenüber Eva, deren Rolle immer im Dunkeln geblieben war. Nach der Unterzeichnung des Vertrages entwickelte sich ein kurzes Tischgespräch. Bei lockerer Unterhaltung und dem Austausch von Erinnerungen versuchte man, wenn auch nur für wenige Stunden, die verlorene Normalität wiederherzustellen.
Die Nachricht von der Hochzeit verbreitete sich nur langsam. Die meisten Deutschen kannten Eva Brauns Namen nicht einmal. Im Bunker jedoch war allen klar, dass diese Geste große Bedeutung hatte. Sie war der symbolische Abschluß eines innig geteilten Lebens und die Bestätigung, daß das Ende nahe war.
Im Morgengrauen rief Hitler Bormann und Göbels zusammen, um die künftige Struktur des Reiches festzulegen. Er bot Göbels den Posten des Kanzlers an,während das Präsidentenamt an Dönizitz fallen sollte, der nicht in Berlin war. Der Versuch, Göbbels zur Abreise mit seiner Familie zu bewegen, löste eine dramatische Szene aus. Der Minister, überzeugt, er solle als Verteidigungskommissar in der Stadt bleiben, weigerte sich den Bunker zu verlassen.
Die verbale Auseinandersetzung mit Hitler war heftig und endete mit Wuttränen und gegenseitigen Beschuldigungen. Kurz darauf diktierte Göbels Traudeljunge sein Testament und schloss damit ein weiteres Kapitel unerschütterlicher Loyalität, die jedoch ihr gemeinsames Schicksal nicht mehr ändern konnte. Am selben Tag wurde Kempker erneut zu Hitler zitiert.
Er fand ihn gelassen vor, in Felduniform, in der einen Hand eine Karte und leicht zitternd in der anderen. Er erkundigte sich nach der Stimmung seiner Fahrer und erhielt die erwartete Antwort. Sie alle warteten auf Wengs Ankunft. “Wir warten alle auf Weng”, antwortete Hitler und schüttelte ihm ein letztes Mal die Hand.
In dieser Nacht, als die Sowjets ihre Kontrolle über den Reichstag festigten, wurden die Testamente von Hitler und Göbels unterzeichnet und Boten machten sich auf zu verzweifelten Missionen, um sie aus der Einkesselung zu bringen. Der Tag, an dem das Reich endete und Kempkas Flucht begann. Am Mittag des 30. April 1945 erschütterten Artilleriegranaten die Mauern der Reichskanzlei.
Draußen lag alles in Trümmern und drinnen war die Atmosphäre äußerst angespannt. Hitler nahm ein letztes Mittagessen mit seinen Sekretären und Eva Braun ein und versuchte dabei einen herzlichen Ton zu wahren, der das bevorstehende Ende kaum verbergen konnte. Nachdem er sich von jedem mit einer Geste der Dankbarkeit verabschiedet hatte, zog er sich mit seiner Frau in ihre Privatgemächer zurück, und diese erzwungene Ruhe wurde zur Bestätigung, dass das Ende unmittelbar bevorstand.
Währenddessen nahm Kempker in der Tiefgarage einen Anruf von Otto Günsche entgegen. Zuerst bat er um eine Flasche Schnaps, rief aber bald dringend zurück, er brauchte 200 l Treibstoff. Kemker versuchte sich zu entschuldigen, da er wußte, wie schwierig es unter diesen Bedingungen war, alles zu besorgen.
Aber sein beharren verriet, dass etwas bestimmtes passiert war. Als er im Bunker ankam, begrüßte ihn Günsche bleich und sprachlos. Er imitierte lediglich einen Schuss mit der Hand, bevor er den Satz aussprach, der das Schicksal aller besiegelte: “Der Chef ist tot.” Hitler hatte sich in seinem Arbeitszimmer mit einem Schuss in die Schläfe das Leben genommen, während Eva Braun, die auf dem Sofa saß, Gift zu sich genommen hatte.
Als erste betraten Bormann, Linge und Günsche selbst den Bunker, gefolgt von Stumpfegger, der den Tod bestätigte. Linge machte sich sofort auf die Suche nach dem Treibstoff, den Kempker aus den liegen gebliebenen Fahrzeugen geborgen hatte. Die Kanister warteten am Ausgang des Bunkers, bereit Hitlers letzten Wunsch zu erfüllen, zu verhindern, daß sein Leichnah in die Hände des Feindes fiel und zur Trophäe wurde.
Kempker immer noch ungläubig beobachtete, wie sich sein innerer Kreis auf die Ausführung dieses letzten Befehls vorbereitete. In einem in Schutt und Asche gelegten Berlin blieb die Nachricht vom Tod des Diktators innerhalb der Mauern des Bunkers verborgen, wie ein Geheimnis, das sich nicht lange aufrecht erhalten ließ. Minuten später nahm die Szene unwiiderholbare Qualität an.
Linge und Stumpfegger verließen das Büro mit Hitlers Leiche, die unter einer Decke verborgen war, die sein Gesicht verbarg. Sein linker Arm hing schlaff herab und enthüllte eine Bläse, die das Unvermeidliche bestätigte. Hinter ihnen erschien Bormann mit Eva braun im Arm, schwarz gekleidet und mit in den Nacken gelegtem Kopf.
Für Kempker war es unerträglich zu sehen, wie der Mann, den Eva im Leben verachtet hatte, sie nun zum Scheiterhaufen führte. Ohne nachzudenken, nahm er ihr die junge Frau aus den Armen und trug sie mit Günsches Hilfe nach draußen. Die Stufen zum Ausgang schienen unter dem Gewicht eines leblosen Körpers endlos. Mit jeder Explosion in der Nähe füllte sich die Luft mit Staub und Metallsplittern.
Zurück im Garten wurden die Leichen neben einer Senke abgelegt, die durch die unvollendeten Arbeiten an der Reichskanzlei entstanden war. Dort unter dem Granathagel begann Kempker den Befehl auszuführen, den er Stunden zuvor erhalten hatte, den Brennstoff für die Verbrennung vorzubereiten. Jeder Gang zum Bunkere war ein Lebensrisiko.
Die improvisierten Kanister wurden über den Leichen ausgeschüttet, während die Erde unter dem sowjetischen Artilleriefeuer bebte. Ein moralisches Dilemma plagte die an der Aufgabe beteiligten. Kemker selbst gab zu, dass er sich immer wieder sagte, er könne es nicht schaffen, obwohl die Stimme der Disziplin ihn dazu antrieb. Evas vom Wind zerwehtes Kleid war mit der brennbaren Flüssigkeit durchträngt und in Günsches und Linges Gesichtern spiegelte sich der gleiche innere Kampfum Gehorsam wieder.
Die Idee, die Flammen mit einer Granate zu entzünden, wurde verworfen. Stattdessen wurde ein in benenzin getränktes Stück Stoff zu einer improvisierten Fackel. Göbels, der vor Ort war, verteilte die Streichhölzer, mit denen das Tuch angezündet wurde. Der Funke genügte. Schnell erhob sich ein Feuer, gefolgt von dichtem Rauch, der sich mit dem allgemeinen Großbrand der Hauptstadt vermischte.
Die wenigen anwesenden, darunter Bormann, Göbel, Linge, Stumpfeger und Kempker, sahen schweigend zu, bevor sie dem vor ihnen brennenden Paar einen letzten Gruß darbrachten. Die Flammen verzehrten langsam, was übrig blieb, und der Beschuss machte es unmöglich, ein Dauerfeuer aufrecht zu erhalten. Stundenlang wurden zwischen erzwungenen Pausen immer wieder Liter Treibstoff über die Überreste gegossen, in einem verzweifelten Versuch der letzten erhaltenen Anweisung nachzukommen.
Nach der Verbrennung ging das Leben im Bunker mit einer unwirklichen Atmosphäre weiter, als wäre die Zeit selbst stehen geblieben. Göbel, Bormann, Burgdorf, Krebs und Monke trafen sich im Konferenzraum, um das nächste Vorgehen zu besprechen. Krebs wurde mit der Verhandlung mit Schukoff betraut, der unter dem ständigen Donnern der Kanonen abreiste.
Stunden später kehrte er erschöpft zurück und brachte eine Antwort, die das Schicksal aller besiegelte. Die Sowjets würden nur eine vollständige Kapitulation akzeptieren. Daraufhin wurde ein Ausbruchsplan für die folgende Nacht ausgearbeitet, obwohl jeder wusste, dass die Chancen, die feindlichen Linien zu durchbrechen, minimal waren.
Der erste Mai dämmerte in einer dichten Stille, die im Kontrast zur Gewalt draußen stand. Inmitten dieser angespannten Ruhe forderte Gübbels mehr Treibstoff an. Der Entschluss, dem Beispiel Hitlers und seiner Frau zu folgen, war gefallen und die Vorbereitungen vermischten sich mit den letzten Versuchen, die Flucht zu organisieren. Kempker, ein naher Zeuge, konnte das Bild von Magda Göbels und ihren sechs Kindern, die noch immer durch die Gänge des Komplexes irrten, nicht aus seinem Kopf bekommen.
Kurz darauf erfuhr man, dass die Kinder vergiftet worden waren. Die Entschlossenheit ihrer Eltern, sie nicht lebend in Sowjets auszuliefern, hatte gesiegt. Der Tag brachte auch unerwartete Momente, die kaum etwas mit der Katastrophe zu tun hatten. Eine schwer verletzte junge Frau wurde in das provisorische Krankenhaus der Reichskanzlei eingeliefert.
Sie konnte kaum sprechen, bat jedoch darum, ihren Verlobten, einen der Fahrer der Einheit zu sehen. Kemker arrangierte ein Treffen und bei dieser Begegnung wurde ein ungewöhnlicher Wunsch geboren, mitten im Einsturz zu heiraten. Als Naumann in seine Pflichten vertieft ablehnte, leitete Kempker die Zeremonie. Das Paar gab sich ja, während in der Nähe Explosionen die Wände erschütterten, als trotze die Intimität des Aktes den Ruinen, die sie umgaben.
Die letzten Stunden im Bunker wurden zu einer Abfolge extremer Gesten. Einige versuchten zu fliehen, andere sorgten für die Vernichtung von Dokumenten und für die Leichen der Göbels wurden Freudenfeuer entfacht. Als die Nacht hereinbrach, begannen sich die mit der Flucht beauftragten Gruppen zu sammeln. Kempker, der ein Kontingent anführte, zu dem auch Frauen und Verwundete gehörten, bereitete sich darauf vor, das Gelände zu verlassen, das zu einem Massengrab geworden war.

Als wir wieder auftauchten, bot die Berliner Landschaft ein Bild der Verwüstung. Provisorische Barrikaden, leblose Körper auf den Straßen und sowjetische Freudenfeuer, die den Horizont wie Fackeln eines unaufhaltsamen Endes erleuchteten. Das Durcheinander des Ausbruchs erreichte in den frühen Morgenstunden des 2. Mai seinen Höhepunkt.
Kempker hatte einen Treffpunkt rund um das Admiralitätsgebäude festgelegt, bot jedoch denjenigen, die sich anderen Gruppen anschließen wollten, freie Fahrt an. Kurz darauf erschien Bormann in Begleitung von Naumann, Stumpfegger und Schwägermann, Göbels Stellvertreter. Schwägermannsbericht war kurz. Göbels und seine Frau hatten dasselbe Schicksal erlitten wie Hitler und Eva Braun.
Für Reue war keine Zeit. Das Wichtigste war, die Einkreisung zu durchbrechen und Bohrmann verlangte ein Panzerfahrzeug als Schutzschild. Wieder erwarten war in der Dunkelheit das metallische Dröhnen mehrerer Panzer Vier und Infanteriefahrzeuge zu hören. Der Vormarsch begann und alle klebten wie Schatten zwischen den Ruinen an ihren Panzern.
Kempker ging hinter Bormann und Stumpfeger, sich bewusst, dass jeder Schritt der letzte sein könnte. Augenblicklich durchfuhr ein Blitz die Flanke des vorderen Panzerfahrzeugs. Die Explosion schleuderte Leichen in die Luft. Kemker verlor das Bewusstsein, während Stumpfeger auf ihn fiel. Als er wieder zu sich kam, fand er sich in Mitten der Trümmer wieder, desorientiert und vom Blitz halb geblendet.
Er tastete sich durch die Mauerreste und erreichte wieder die ursprüngliche Barrikade. Seinwiederlangtes Seevermögen ermöglichte es ihm, Georg Bes zu identifizieren, einen von Hitlers Piloten, der bei derselben Explosion schwer verwundet worden war. Sie unterstützten sich gegenseitig, bis sie zur Admiralität zurückkehrten, wo ein Zahnarzt aus Blaschkes Team die Verwundeten behandelte.
Trotz aller Behandlungsversuche überlebte Bet nicht. Kemker erkannte, dass eine Flucht in großen Gruppen nicht wirklich möglich war. Er löste seine Einheit auf und riet jedem von ihnen, sich Zivilkleidung zu besorgen und einzeln zu versuchen, die sowjetischen Linien zu infiltrieren. In Begleitung einiger Männer machte er sich auf den Weg zum Bahnhof Friedrichstraße.
Kreuzfeuer verhinderte, dass sie den Lehrter Bahnhof erreichten und so suchten sie Zuflucht in einer Straßenbahnwerkstatt. Dort boten ihnen ausländische Arbeiter gebrauchte Kleidung an, um ihre Uniformen zu verstecken. Erschöpft legte sich Campker zwischen rostige Heizkörper und hoffte wieder zu Kräften zu kommen.
Die Ruhe währte jedoch nicht lange. Eine Gruppe sowjetischer Soldaten stürmte herein und feierte ihr Wiedersehen mit den Arbeitern. Die Spannung löste sich innerhalb von Sekunden dank des Eingreifens einer jungen Jugoslawin, die Kempker einem russischen Kommissar als ihren Ehemann vorstellte. Inmitten erzwungener Umarmungen und Siegesschreie wurde ihm klar, daß sein Überleben nun ebenso vom Zufall wie von der Leichtgläubigkeit seiner Entführer abhing.
Die improvisierte Feier mit den Sowjets zog sich wie eine absurde Szene in Mitten der Ruinen hin. Der triumphal betrunkene Kommissar verteilte Wodka und Konserven und bestand darauf, diejenigen zu umarmen, die er deutsche Arbeiter nannte. Kempker, immer noch in Straßenbahnkleidung verkleidet, versuchte die Fassung zu bewahren, als seine Gefährten aus dem oberen Stockwerk herunterkamen, um an dem erzwungenen Festmal teilzunehmen.
Diese kurze Farst der Kameradschaft, in der das Leben von einer missverstandenen Geste abhing, raubte ihm die letzten Kräfte. Als die Russen schließlich abzogen, brach die Gruppe erschöpft auf den Dialen zusammen und suchte die einzig mögliche Ruhe in einem leichten Schlaf. Beim Erwachen erkannte Kempker, daß ihr Überleben davon abhing, jede Spur der Vergangenheit auszulöschen.
Er befahl die Vernichtung aller Dokumente, Abzeichen und Besitztümer, die sie verraten könnten. Die Flammen verzehrten die Überreste dessen, was sie einmal gewesen waren, Soldaten eines zusammengebrochenen Regimes. Nun als Arbeiter verkleidet, waren sie keine Kämpfer mehr, sondern anonyme Flüchtlinge, wohlwissend, dass eine große Gruppe nicht unbemerkt bleiben würde.
Bedauernd beschloss er, die Einheit aufzulösen. Jeder musste seinen eigenen Weg finden. Genau in diesem Moment führte ihn der Zufall wieder mit der sowjetischen Patrouille von vor Stunden zusammen. Unter Gelächter und Siegessschreien schleppte ihn der Kommissar zu einer improvisierten Party unter den Gleisen. Kemker, der immer wieder anstoßen musste, dachte an die verkohlten Überreste von Hitler und Eva Braun, die neben der Reichskanzlei begraben lagen, an den letzten Befehl, der unter feindlichem Beschuss ausgeführt wurde. Diese Erinnerung wog
schwerer als der Alkohol, den er trinken musste. In einem Moment der Klarheit verglich er seine Situation mit den Passagen von Dante, die er einst gelesen hatte, ohne sie ganz zu verstehen. Nun fühlte er sich, als wandelte er in seinem eigenen Höllenkreis. Die junge Jugoslawin, die ihn beschützt hatte, bot ihm weiterhin Hilfe an.
Sie war es, die ihn zusammen mit einem ungarischen Aristokraten durch die sowjetischen Kontrollpunkte nach Tegel führte. Dann verschwand sie, ohne eine Gegenleistung zu verlangen, und Kempker war verblüfft über eine Loyalität, die er sich nicht erklären konnte. Wochen später, nachdem er die Elbe durchschwommen und zerstörte Städte durchquert hatte, erreichte er Wittenberg und erhielt mit der unerwarteten Hilfe eines deutschen Dolmetschers im Dienste der alliierten Dokumente auf seinen eigenen Namen.
Dank dieser Dokumente konnte er sich kurz mit seiner Frau in Bergdes Gaden treffen und versuchte nach seiner Tortur neue Kraft zu tanken. Doch diese Ruhe war nur von kurzer Dauer. Er wurde von jemandem denunziert, dessen Namen er nie erfuhr und vom amerikanischen Countertelligence CE verhaftet.
Die Internierung in Berg des Gaden markierte den Beginn einer Zeit, die Kempker als endlose Reise zwischen Kriegsgefangenenlagern in Erinnerung behalten sollte. Es begann ein eintöniger und erschöpfender Kreislauf, wiederholte Verhöre, ständige Verdächtigungen und immer wieder dieselben Fragen. Ihmzufolge schienen die Alliierten Offiziere die Geschichte, Hitler sei im Bunker gestorben, nicht akzeptieren zu können.
Das Verschwinden der Leiche nährte den Gedanken, er könnte geflohen sein und damit die Überzeugung, seine Begleiter würden die Wahrheit verschweigen. Bei jedem Transport war das Muster identisch. DasVerhöher drehte sich um eine einzige Frage. Das Schicksal des Führers. Die Amerikaner hörten sich seine Schilderungen von Selbstmord und anschließender Einäscherung an, beharrten aber auf möglichen Fluchtwegen in Bremen verfügbaren U-Booten oder geheimen Flugzeugen, die für Auslandsflüge bereitstanden.
Kemker, der die Wiederholung dieser Theorien leid war, antwortete mit dem, was er gesehen hatte, die Verbrennung der Leichen im Garten der Reichskanzlei unter unaufhörlichem Bombardement. Es war ihm unverständlich, wie diese gebildeten Männer die Berichte von Matrosen oder Piloten für plausibel hielten, die behaupteten, den Befehl gehabt zu haben, den Führer auf eine unmögliche Flucht zu bringen.
Der psychische Druck war konstant. Die Fragen erreichten absurde Extreme, ob Hitler sein Frühstück zuerst auf einem Bein gestützt aß oder mit welcher Hand er die Gabel hielt. Kemker verstand, daß diese Untersuchungen nicht dazu dienten, ihn zu demütigen, sondern jedes Detail einer Figur zu rekonstruieren, die für die Sieger sowohl das Rätsel als auch die Katastrophe Europas verkörperte.
Doch das wiederholte durch Leben des Endes führte ihn zurück in den Moment, als er Benzin über die Leiche des Mannes goss, dem er 13 Jahre lang gedient hatte. Im Juni 1946 führte ihn seine Reise nach Nürnberg. Er wurde ohne Vorwarnung an das Tribunal überstellt, wo die höchsten Naziführer vor Gericht standen.
Er wurde nicht angeklagt, doch seine Aussage galt als wertvoll. Er erinnert sich von den amerikanischen Offizieren, höflich empfangen worden zu sein, wenn auch mit einer gewissen Ehrerbietung gegenüber seinem Rang. Stundenlang verbrachte er in Wartezimmern und dann im Hauptsaal, wo er vor Beginn der Sitzung vereidigt wurde.
Für Kempker war die Ironie dieses Augenblicks offensichtlich. Er, ein Chauffeur, der zum Kronzeugen wurde, mußte über das Schicksal derjenigen aussagen, die alles geplant hatten. Der amische Staatsanwalt befragte ihn scharf, überrascht, dass er bei so vielen entscheidenden Momenten dabei gewesen war. Kemker interpretierte dies als verschleierten Verdacht der Übertreibung, obwohl es für ihn lediglich eine Folge seiner Position an der Seite des Führers war.
Viele, die seine Aussage hätten bestätigen können, waren gestorben oder befanden sich in sowjetischer Haft. sodass seine Stimme eine der wenigen war, die die letzten Tage in Berlin rekonstruieren konnten. Er verbrachte Wochen im Zeugentrakt und mischte sich unter ehemalige Kameraden. Einige zeigten unerwartete Würde, während andere einst respektiert versuchten, sich bei den Siegern einzuschmeicheln.
Dieser Kontrast ließ ihn über die Zerbrechlichkeit des menschlichen Charakters in Zeiten der Niederlage nachdenken. Mehr als einmal erinnerte er sich an die Worte, die Hitler ihm 1933 anvertraut hatte, dass er die Reichskanzlei niemals lebend verlassen würde. Erst dann verstand er die Bedeutung dieses Satzes, der ihm wie eine bloße Extravaganz erschienen war.
Nach seiner Erklärung wurde er in verschiedene Internierungslager zurückgeschickt. Zuerst nach Langwasser, dann nach Regensburg und schließlich nach Ludwigsburg, wo eine schwere Verletzung bei einem Transportunfall 1947 seine Freilassung ermöglichte. Kempker bekräftigte später, dass es ihm nie um Rechtfertigung oder Verurteilung gegangen sei, sondern viel mehr darum zu schildern, was er erlebt hatte.
Er sah sein Schicksal als das eines gewöhnlichen Mannes, gefangen im Bannkreis einer Figur, die das Jahrhundert prägen sollte, überzeugt, daß künftige Generationen das endgültige Urteil über diese Zeit und ihre Protagonisten fällen würden. Erich Kempkers Karriere veranschaulich die Widersprüchlichkeit derer, die im Umfeld der absoluten Macht des Dritten Reichs verkehrten.
Er war direkter Zeuge von Hitlers Innenleben und an seinem Untergang beteiligt, übernahm jedoch nie Verantwortung für die Verbrechen, deren Zeuge er aus nächster Nähe war. Seine Memoen und Zeugenaussagen machten ihn zu einer Schlüsselquelle für die Rekonstruktion der letzten Tage im Bunker, offenbaren jedoch auch eine Perspektive, die zwischen persönlicher Loyalität und der Leugnung jeglicher Beteiligung schwankt.
Er wurde nicht wegen Kriegsverbrechen angeklagt und starb wie viele jener Persönlichkeiten, die, obwohl sie von den Verbrechen des Nationalsozialismus wussten, nicht unter den Folgen ihres Handelns litten. Sein späteres Leben verlief ohne größere Zwischenfälle, bis er am 24. Januar 197 im Alter von 64 Jahren in Freiberg am Necker starb und auf dem örtlichen Friedhof begraben wurde.
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