Im Sommer stand die Welt an einem Wendepunkt. Tief in der russischen Steppe rund um die Stadt Kursk sollte sich das Schicksal des Zweiten Weltkriegs entscheiden. Was dort geschah, war mehr als nur eine Schlacht. Es war der Moment, in dem die bis dahin unaufhaltsam scheinende deutsche Wehrmacht zum ersten Mal in einer groß angelegten Offensive vollständig scheiterte.

 Es war der Anfang vom Ende des Dritten Reiches. Um zu verstehen, warum Kursk so bedeutsam war, müssen wir zwei Jahre zurückgehen. Im Juni 1941 hatte Hitler die Operation Barbarossa gestartet, den Überfall auf die Sowjetunion. Mit über drei Millionen Soldaten, Tausenden von Panzern und der Luftwaffe im Rücken stürmte die Wehrmacht nach Osten.

 In den ersten Monaten schien nichts, die deutschen Truppen aufhalten zu können. Millionen sowjetischer Soldaten gerieten in Gefangenschaft. Riesige Gebiete wurden besetzt. Doch dann kam der Winter. Vor Moskau blieb die deutsche Offensive im Dezember 1941 im Schnee stecken. Die rote Armee schlug zurück und bewies zum ersten Mal, dass die Wehrmacht verwundbar war.

 Trotzdem gewannen die Deutschen im Sommer 1942 erneut die Initiative. Sie stießen tief in den Süden vor Richtung Kaukasus und seinen Ölfeldern. Doch in Stalingrad erlitt die Wehrmacht eine katastrophale Niederlage. Im Februar 1943 kapitulierte die eingeschlossene sechste Armee. Stalingrad war ein Schock für Deutschland.

 Erstmals ging eine ganze deutsche Armee verloren. Die Sowjets nutzten ihren Sieg und starteten eine gewaltige Gegenoffensive. Sie befreiten weite Teile der Ukraine und drängten die Wehrmacht nach Westen zurück. Doch im März gelang den Deutschen unter Feldmarschall von Mannstein ein überraschender Gegenschlag. Sie eroberten Charkov zurück und stabilisierten die Front.

Dabei entstand ein gewaltiger Frontbogen um die Stadt Kursk, der etwa 200 km tief in die deutschen Linien hineinragte. Dieser Bogen war wie ein riesiger Balkon, der von drei Seiten von deutschen Truppen umgeben war. Für die deutsche Führung war klar, diesen Bogen mußten sie abschneiden. Ein Zangenangriff von Norden und Süden würde hundertusende sowjetischer Soldaten einkesseln.

 Es wäre ein neues Kan, eine Wiederholung der großen Kesselschlachten von 1941. Hitler war besessen von dieser Idee. Er nannte die geplante Operation Zitadelle. Sie sollte der Welt zeigen, daß Deutschland noch immer die Initiative hatte, daß die Wehrmacht noch immer zu großen Siegen fähig war. Die Operation wurde zum Prestigeprojekt.

 Hitler wollte mit ihr die Moral der eigenen Truppen heben und die Verbündeten beeindrucken. Vor allem aber wollte er Stalin zeigen, dass der Krieg noch lange nicht entschieden war. Die Planung begann bereits im April 1943. Doch schnell entstanden Probleme. Einige Generäle zweifelten am Plan. Sie warnten, dass die Sowjets genug Zeit hatten, sich vorzubereiten.

 Je länger man wartete, desto stärker würden die sowjetischen Verteidigungsstellungen werden. Doch Hitler wollte warten. Er wollte die neuesten Waffen einsetzen, die Panzer Tiger und Panther, das schwere Jagdpanzer Ferdinand. Diese sollten den Unterschied machen. So verging kostbare Zeit. Ursprünglich sollte die Operation im Mai starten.

Dann wurde sie auf Anfang Juni verschoben, schließlich auf Juli. Jede Woche, die verging, arbeitete gegen die Deutschen und die Sowjets nutzten diese Zeit gut. Stalin und seine Generäle wussten, was kommen würde. Durch Spionage, Funkaufklärung und die Berichte von Partisanen kannten sie den deutschen Plan im Detail.

 Der brillante Marshall Schukoff, der Held von Moskau und Stalingrad, entwickelte eine geniale Strategie. Statt die Deutschen anzugreifen, würde man sie kommen lassen. Man würde ihre Offensive in tief gestaffelten Verteidigungslinien ausbluten lassen und wenn die deutschen Panzer erschöpft waren, würde man mit gewaltigen Reserven zum Gegenschlag ansetzen.

 Was die Sowjets um Kursk aufbauten, war beispiellos. Sie schufen acht Verteidigungslinien, die sich über mehr als 250undertzom in die Tiefe erstreckten. Hundertusende Zivilisten groben Schützengräben, legten Minenfelder an, bauten Panzersperren. Mehr als eine Million Minen wurden verlegt. Etwa 300.000 km Stacheldraht gespannt.

 Jedes Dorf, jeder Hügel wurde zu einer Festung ausgebaut. Die sowjetische Truppenkonzentration war gewaltig. Über eine Million3 000 Soldaten wurden in den Kursk Bogen verlegt. Dazu kamen über 3400 Panzer und selbstfahler Fetten, mehr als 19 000 Geschütze und fast 3000 Flugzeuge. Weitere Reserven standen bereit, darunter die mächtige Steppenfront mit weiteren 500.000 Mann.

 Die Deutschen sammelten ihre besten Kräfte. Die Heresgruppe Süd unter Feldmarschall von Mannstein sollte von Süden angreifen. Die Heresgruppe Mitte unter Feldmarschall von Kluge würde von Norden zustoßen. Insgesamt standen etwa 900.000 deutsche Soldaten bereit, fast 3000 Panzer und etwa 2000 Flugzeuge. Es war das letzte große Aufgebot deutscherPanzerkraft an der Ostfront. Am 5.

 Juli 1943, kurz nach dre Uhr morgens begann die Schlacht. Doch die Sowjets kamen den Deutschen zuvor. Ihre Artillerie eröffnete ein gewaltiges Sperrfeuer auf die deutschen Bereitstellungsräume. Der Überraschungseffekt war dahin. Als die deutschen Panzer dann anrollten, wußten die Verteidiger bereits, dass der Angriff begonnen hatte.

 Im Norden bei Orell kamen die Deutschen kaum voran. Die neunte Armee unter General Model stieß gegen eine Wand aus Stahl und Feuer. Minenfelder hielten die Panzer auf. Sowjetische Panzerabwehrkanonen schossen aus gut geten Stellungen. Schlachtflieger griffen die deutschen Kolonnen an. Nach zwei Tagen hatte Model gerade einmal 10 Kilometer gewonnen bei enormen Verlusten.

 Im Süden lief es zunächst besser. Von Mannsteins Truppen besonders das zweite SS Panzerchor mit den Divisionen Leibstandarte, das Reich und Totenkopf kämpften sich voran. Die neuen Tigerpanzer mit ihren 8,8 cm Kanonen waren den sowjetischen T34 überlegen. Doch die schiere Masse der Verteidiger, die Minenfelder und die Geschicklichkeit der sowjetischen Panzerbesatzungen forderten einen hohen Preis.

 Die neuen Pantherpanzer, auf die Hitler so große Hoffnungen gesetzt hatte, erwiesen sich als Katastrophe. Ihre Motoren überhitzten, die Getriebe brachen, die Treibstoffleitungen fingen Feuer. Viele Panther brannten aus, noch bevor sie den Feind erreichten. Die schweren Ferdinand Jagdpanzer hatten keine Maschinengewehre und waren hilflos gegen sowjetische Infanterie, die ihnen mit Molotov Cocktails und Haftmienen zu Leibe rückte.

 Tag für Tag tobte die Schlacht. Die Deutschen bissen sich fest. Sie zahlten für jeden Meter Boden mit Blut und Stahl. Die sowjetischen Verteidiger gaben Boden nur langsam und unter größten Verlusten Preis. Jede Verteidigungslinie wurde hartnäckig gehalten. Wenn eine Linie fiel, wartete bereits die nächste. Am 12. Juli 1943 erreichte die Schlacht ihren Höhepunkt.

Bei dem Dorf Brochorovka prallten die stärksten Panzerverbände beider Seiten aufeinander. Das zweite SS Panzerchor mit etwa 300 Panzern traf auf die fünfte Gardepanzerarmee mit über 800 Panzern. Was folgte, war die größte Panzerschlacht der Geschichte. Über 1000 Panzer kämpften auf engstem Raum. Die Luft war erfüllt vom Donnern der Kanonen, dem Kreischen der Motoren, den Explosionen.

 Dichter Rauch und Staub verhüllten das Schlachtfeld. Sowjetische T34 rasten auf kurze Distanz an die deutschen Tiger heran, wo deren Panzerung dünner war. Brennende Wracks säumten das Feld. Der Boden bebte unter den Ketten. Der Himmel war schwarz von Rauch. Die Schlacht bei Prorovka endete ohne klaren Sieger. Beide Seiten erlitten schwere Verluste.

 Die Sowjets verloren mehr Panzer, aber die Deutschen verloren ihren letzten Schwung. Die Offensive war ins Stocken geraten. Von Mannsteins Truppen waren erschöpft. Die Verluste waren enorm, die Ziele unerreichbar. Am 13. Juli 1943 erhielt Hitler eine alarmierende Nachricht. Die Westalliierten waren auf Sizilien gelandet.

 Italien war in Gefahr. Er brauchte Truppen für den Süden. Am selben Tag traf er eine folgenschwere Entscheidung. Operation Zitadelle wurde abgebrochen. Die Wehrmacht würde sich zurückziehen. Doch die Sowjets ließen den Deutschen keine Ruhe. Noch während die Schlacht um Kursk tobte, starteten sie ihre eigene Offensive. Am 12.

 Juli 1943 griffen sie bei Orell die deutsche Heresgruppe Mitte an. Drei Fronten mit über einer Million Soldaten und dreitausend Panzern stürmten gegen die deutsche Linie. Die Wehrmacht musste kämpfen, um nicht eingekesselt zu werden. Stadt um Stadt, Dorf um Dorf musste aufgegeben werden. Am 5. August 1943 fiel Orel. Am 3.

 August 1943 begannen die Sowjets ihre Offensive auch im Süden gegen die Heresgruppe Süd. Am 23. August 1943 befreiten siecharkov, die viertgrößte Stadt der Sowjetunion. Die Schlacht von Kursk und die folgenden sowjetischen Offensiven waren ein gewaltiger Wendepunkt. Die Wehrmacht hatte nicht nur eine Schlacht verloren, sie hatte die Initiative für immer verloren.

 Nie wieder würde Deutschland an der Ostfront eine große Offensive starten können. Von nun an würde die rote Armee angreifen und die Wehrmacht konnte nur noch zurückweichen. Die Verluste waren auf beiden Seiten erschreckend. Die Deutschen verloren etwa 500.000 Mann, getötet, verwundet oder vermisst, sowie etwa eineinhalb Panzer und über 1000 Flugzeuge.

 Die sowjetischen Verluste waren noch höher, etwa 800.000 Mann und über 6000 Panzer. Doch die Sowjetunion konnte diese Verluste ersetzen. Deutschland konnte es nicht. Kursk war auch ein Triumph der sowjetischen Planung und Führung. Marshall Schukoff und seine Kollegen hatten die Deutschen perfekt gelesen. Sie hatten die Geduld gehabt zu warten, die Disziplin nicht voreilig anzugreifen.

 Sie hatten die Ressourcen mobilisiert, die Verteidigungslinien aufgebaut, die Reserven positioniert. Als die Schlacht begann, waren sie bereit. Diesowjetischen Soldaten kämpften mit verzweifelter Tapferkeit. Sie verteidigten jeden Meter ihrer Heimat. Panzerbesatzungen fuhren ihre T34 in Selbstmordangriffe gegen die schweren Tiger.

 Infanteristen warfen sich mit Sprengladungen unter deutsche Panzer. Artilleristen feuerten aus offenen Stellungen, obwohl sie unter direktem Feuer standen. Jeder wusste, was auf dem Spiel stand. Für die deutsche Wehrmacht war Kursk eine Katastrophe. Die besten Divisionen waren zerschlagen. Die neuesten Panzer lagen als Wracks in der Steppe.

 Die Luftwaffe hatte die Luftherrschaft verloren. Die Moral war gebrochen. Das Vertrauen in die Führung schwand. Die Generale wussten nun, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war. Hitler weigerte sich, die Realität anzuerkennen. Er befahl, jede Position bis zum letzten Mann zu halten. Er verbot Rückzüge, selbst wenn sie militärisch sinnvoll waren.

 Diese Halsstarrkeit kostete hunderttausende deutscher Soldaten das Leben in sinnlosen Verteidigungsschlachten. Die Wehrmacht wurde langsam, aber unaufhaltsam nach Westen gedrängt. Nach Kursk rollte die rote Armee unaufhaltsam nach Westen. Im Herbst 1943 befreiten sie weite Teile der Ukraine. Im Winter erreichten sie die Grenzen Polens.

 Im Sommer 1944 zerschlugen sie die Heresgruppe Mitte in der Operation Bagration, der größten sowjetischen Offensive des Krieges. Bis zum Ende des Jahres 1944 stand die rote Armee vor Warschau und Budapest. Die Schlacht von Kursk hatte auch strategische Auswirkungen weit über die Ostfront hinaus. Sie ermutigte die Westalliierten.

 Sie zeigte, dass Deutschland geschwächt war, dass eine Invasion in Frankreich gelingen könnte. Die Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 wurde durch den sowjetischen Sieg bei Kursk erst möglich. Für die Sowjetunion war Kursk ein Moment des Stolzes. Das Land hatte gelitten wie kaum ein anderes im Zweiten Weltkrieg.

 20 Millionen Sowjetbürger würden bis Kriegsende sterben. Städte lagen in Trümmern, Dörfer waren ausgelöscht. Doch bei Kursk hatte die rote Armee bewiesen, dass sie die Wehrmacht besiegen konnte. Nicht durch Glück, nicht durch den Winter, sondern durch Planung, Tapferkeit und Opferbereitschaft. Die Panzerschlacht bei Protorovka wurde zum Symbol.

 Sowjetische Panzerbesatzungen wurden zu Helden erklärt. Denkmähler wurden errichtet. Die Schlacht ging in die Geschichtsbücher ein als Triumph des Willens über die Technik, der Masse über die Qualität, der Verteidigung der Heimat über den Eroberungskrieg. Heute mehr als 80 Jahre später erinnern Denkmäler und Museen an die Schlacht.

Bei Protchorovka steht ein gewaltiges Monument, ein Glockenturm, der an die Gefallenen erinnert. Auf den Feldern um Kursk liegen noch immer tausende Gefallener in der Erde. Jedes Jahr werden Gebeine geborgen, deutsche und sowjetische, oft ununterscheidbar in ihrem gemeinsamen Tod. Die Schlacht von Kursk war der Anfang vom Ende für Hitler.

 Nach Stalingrad war es die zweite große Niederlage innerhalb weniger Monate. Die Aura der Unbesiegbarkeit war endgültig zerbrochen. Die Wehrmacht konnte nur noch kämpfen, um den Untergang zu verzögern, nicht mehr umzusiegen. Für die Geschichte des Zweiten Weltkriegs war Kursk ein Wendepunkt. Zusammen mit Stalingrad markierte die Schlacht den Übergang von der deutschen Offensive zur sowjetischen.

 Sie zeigte, dass die rote Armee gelernt hatte, dass sie planen konnte, dass sie die deutschen Taktiken verstanden hatte und Gegenstrategien entwickelt hatte. Die Schlacht lehrte auch bittere Lektionen über die Kosten des Krieges. Über eine Million Soldaten wurden getötet, verwundet oder gingen vermisst. Tausende Panzer wurden zerstört, hunderte Dörfer brannten, zehntausende Zivilisten starben.

 Und wofür? Für einen Frontbogen, für ein paar Kilometer Steppe. Für Hitlers Wahnsinn. Wenn wir heute an Kursk denken, sollten wir nicht nur an die Panzer denken, an die Strategie, an die Wendepunkte der Geschichte. Wir sollten an die Menschen denken, an den deutschen Panzerfahrer, der in seinem brennenden Tiger starb, 1000 km von zu Hause entfernt für einen Krieg, der längst verloren war.

 an den sowjetischen Infanteristen, der seine Familie verteidigte, sein Land, seine Heimat, an die Zivilisten, die zwischen den Fronten gefangen waren. Kursk war der Moment, in dem Hitlers Traum von der Weltherrschaft endgültig zerbrach. Die Kriegsmaschine, die Europa überrollt hatte, wurde gestoppt.

 nicht in einem Tag, nicht in einer Entscheidungsschlacht, sondern in Wochen brutaler, blutiger Kämpfe in der russischen Sommerhitze. Dort, wo die Steppe endlos scheint und der Horizont weit ist, dort endete die deutsche Offensive und von dort begann der lange, schreckliche Marsch nach Berlin. Kursk mahnt uns, dass Krieg keine Lösung ist, dass Eroberung und Unterwerfung immer scheitern.

 Die deutsche Wehrmacht, einst als unbesiegbar geltend, wurde in der russischen Steppe gestoppt, nicht durch eine Wunderwaffe, nicht durch einenglücklichen Zufall, sondern durch die Entschlossenheit eines Volkes seine Heimat zu verteidigen und durch die Erkenntnis, dass kein Tyrann, und sei er noch so mächtig, auf Dauer gegen den Willen der Völker bestehen kann.

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