Mit Spannung wird das heutige Treffen von Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Selenski in Florida erwartet. Offenbar hat Selenski im Gepäck Vorschläge, die den US-Präsidenten kurz vor dem Jahreswechsel über ein mögliches Kriegsende überzeugen könnten. Doch aus Moskau kam nicht nur ein Bomben und Raketenhagel auf die Ukraine als Antwort, sondern Kremmelchef Putin erteilte allen Vorschlägen aus Kiev zur Beendigung des Konflikts eine klare Absage und drohte unverholen.

 Der aktuelle Kriegsüberblick von Peter Niemann. Kurz vor dem heutigen Trump Selenski treffen will Vladimir Putin Stärke zeigen. Russlands Präsident besuchte eine Kommandozentrale seiner Truppen. Dort lässt er sich über die Fortschritte an der Front informieren. Seine Generäle melden ihm die Eroberung zweier Städte.

Julia Polie in der Region Saporishia und Dimitrov im Gebiet Donk. Auf ukrainisch heißt die Stadt Mnochrad. Die Ukraine bestreitet die Eroberung, spricht aber selbst von einer schwierigen Lage. Aus Mirnocharad zeigt die russische Armee Bilder, die die Eroberung belegen sollen. Mehrere Menschen, die in der ansonsten wie ausgestorbenen Stadt russische Fahnen in die Kamera der Drohne halten.

 Putin zeigt sich jedenfalls zufrieden. Im Donbas und im Gebiet Saporischia ist die Offensive an der ganzen Front im Gange. Russische Truppen erhöhen den Druck auf die ukrainische Armee. Wenn die Regierenden in Kiev die Sache nicht friedlich beilegen wollen, dann werden wir alle Ziele durch militärische Mittel erreichen. Ein klares Signal nach Florida.

 Russland sieht sich an der Front im Vorteil. Das Interesse an Zugeständnissen ist daher gering. Auch weit hinter der Front hält Russland den Druck aufrecht. Erst in der Nacht zum Sonnabend wurde Kiev für das Ziel schwerer Luftangriffe. In der Folge waren Teile der ukrainischen Hauptstadt wieder einmal ohne Strom mitten im Winter.

 Der ukrainische Präsident wirbt währenddessen unverdrossen um Unterstützung. Auf dem Weg nach Florida war er in Kanada. Dort gab es auch eine Telefonschalte mit europäischen Staats- und Regierungschefs. In Kanada kommt Volodimier Selenski auf sein zentrales Thema zu sprechen. Mir sind Sicherheitsgarantien sehr wichtig.

 Wir wollen, dass sie absolut klar sind und wir müssen wissen, wann wir sie haben können. Sicherheitsgarantien müssen gleichzeitig mit einem Kriegsende kommen, denn wir müssen uns darauf verlassen, dass Russland nicht wieder angreift. Starke Sicherheitsgarantien sind nötig. Die Lage vor dem Treffen in Florida ist damit ungewiss.

 Russland ist dort nicht eingeladen, zeigt aber auch kein Interesse und versucht aus der Ferne die Gespräche zu torpidieren. Gleichzeitig geht es zwischen Trump und Selenski um einen Friedensplan, der die wirklich strittigen Punkte gar nicht enthält. Die russischen Gebietsforderungen und einen ukrainischen NATOzicht. Selenski ist zurzeit kaum in der Position, um Forderungen zu stellen.

 Er muss in Florida eher aufpassen, seinen wichtigsten Partner nicht erneut zu verärgern, wie schon einmal. Unsere Korrespondenten werden an diesem Sonntag dieses Treff in Florida ganz genau beobachten. Guten Morgen Max, guten Morgen Christoph. Beginnen wir damit in Washington DC bei Max Hermes, der in der US-Hauptstadt für uns im Moment ist.

 Max, man muss es ja so sagen, Putin will diesen Konflikt also militärisch lösen. Was haben denn Trump und Selenski dann tatsächlich noch zu besprechen? Guten Morgen, Carsten. Ja, Selenski weiß, dass Trump bestimmte Daten wichtig sind. Er möchte jetzt noch mal einen Aufschlag machen vor dem Jahreswechsel noch mal Trump etwas präsentieren, nachdem ja Trump Thanksgiving schon einmal so als Stichtag ausgelobt hatte, wo eine Einigung kommen sollte.

 Das hat nicht geklappt. Jetzt bietet Zelenski Trump eben noch mal an, dass 2025 dieser Konflikt beendet werden könnte. Aber ganz klar ist auch, dass vieles noch unklar ist, nämlich vor allen Dingen die territorialen Fragen, gerade was die letztlich Grenzhungen im Donbas angeht. Da möchte die Ukraine dieses Gebiet nicht im ganzen abgeben, was die Ukraine im übrigen auch militärisch noch nicht komplett verloren hat und auch im Süden rund um das AKW Sapurisha diese Gegend, die momentan von Russland äh annektiert ist, dieses AKW. Auch dort gibt es noch

territoriale Fragen und Selenski wird da ganz klar machen, dass er keinerlei Gebietsabtretungen zustimmen wird, ohne dass das ukrainische Volk auch danach gefragt wird. Also er wird in jedem Fall sagen, das Ganze geht nicht ohne eine Volksabstimmung und dafür braucht es einen Waffenstillstand von das hat er zuletzt immer wieder gesagt, 60 Tagen mindestens, also das ist das eine und man möchte sich jetzt eben auch noch einmal einen Vorteil verschaffen.

Selenski, der hier zeigen möchte, ich bin derjenige, der aktiv die Rolle nach vorne sucht und deshalb noch einmal Druck dann wiederum auch auf Putin äh ausübt, der dann im Hintertreffen ist und dann wieder reagieren möchte. Alsodas ganze ist jetzt vor allen Dingen auch ein PRQuh natürlich von der Ukraine, aber es steht eben auch sehr viel auf dem Spiel, denn wenn Donald Trump jetzt hier sieht, dass gar nichts wirklich erreicht werden kann, dann könnte er darauf auch verärgert reagieren.

Ja, Max und das zeigt ja auch, droht denn Zelenski erneut wie Anfang des Jahres auch eine erneutige Demütigung durch Donald Trump, denn wir wissen ja, wie der US-Präsident zum russischen Präsidenten steht. Wir haben das Treffen im Februar im Oval Office alle noch vor Augen, wo es diese Demütigung gegeben hat.

 Seitdem hat sich das Verhältnis der beiden gebessert. Selenski hat auch verstanden, dass er den US-Präsidenten anders behandeln muss, dass er ihn ihm auch schmeicheln muss. Das hat er immer wieder getan. Und Selenski ist jetzt zumindest finanziell in der komfortablen Situation, dass durch den 90 Milliarden Kredit der EU, also die Absicherung für die kommenden beiden Jahre, dass es da erst einmal ein finanzielles Polster gibt.

 Aber natürlich braucht man weiterhin den Rückhalt ähm auch von Donald Trump. Und wenn sich Selenski hier in bestimmten Punkten nicht bewegen sollte, wenn da gar keine Art äh von neuem Kompromiss erkennbar ist, dann kann das schon etwas sein, was dann Donald Trump hinterher auch in den sozialen Netzwerken dann letztlich ausspielen wird.

 Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht, wird es eine Pressekonferenz oder ähnliches geben, das hat das Weißehaus noch nicht bekannt gegeben, aber die Reaktionen von Donald Trump auf dieses Treffen, die dürften medial sehr prompt erfolgen. Entweder dann in den sozialen Netzwerken oder direkt dann vor Pressevertretern vor Ort.

Max, danke für diese Einordnungen nach Washington DC. Blicken wir nun also nach Kiev zu unserem Korrespondenten Christoph Wanner. Christoph, also kurz vor diesen vermeintlichen Verhandlungen in Florida, Wladimir Putin zeigt sich unbeindruckt und er zeigt sich sogar in Uniform. Was sagt ihr das? Ja, das ist wieder mal ein Auftritt des russischen Präsidenten in Militäruniform.

 Das häuft sich in letzter Zeit. Und das tut Putin in meinen Augen immer dann, wenn er eine ganz klare Machtdemonstration senden will an Donald Trump. Er möchte dem amerikanischen Präsidenten jetzt vor dem Treffen Trump Selenski signalisieren, dass Russland die Oberhand in diesem Krieg hat und dass Russland diesen Krieg gewinnt und dass es überhaupt keinen Sinn macht, die Ukraine weiter tatkräftig zu unterstützen, weil die Ukrainer nahezu Gelände verlieren.

 Und so ist dann auch dieses Auftreten zu erklären von Gerassimov, dem Generalstabschef der Russen, der dann wieder Siegesmeldungen an Putin berichtet hat, also gesagt hat, dass jetzt zwei wichtige ukrainische Städte eingenommen worden sein, nahe zu zeitgleich eingenommen von den russischen Streitkräften, also Mirnograd auf der einen Seite und auf der anderen Seite Julia Pole.

 Beide Städte im Prinzip äußerst relevante Verteidigungspfeiler in den ukrainischen Defensivanlagen, in den ukrainischen Defensivbemühungen und das ist jetzt alles nach den Angaben der Russen an die russischen Militärs gefallen. Und das ist klarerweise jetzt kurz vor diesem Treffen in Florida eine Machtemonstration, wie ich das gesagt habe.

 Und wenn wir uns mal angucken jetzt, wie die Lage da wohl wirklich aussieht hier in Bezug auf Mirno Grad und Julai Polle, dann komme ich zumindest zu dem Schluss, dass diese Städte wohl noch nicht an die Ukrainer, an die Russen, entschuldige bitte, gefallen sind. Wir haben hier die Militärkarten des ischen Kriegsbloggerportals Deep State.

Wir wollen uns einmal Mirnograd angucken. Da sieht man diese dunkelrot eingefärbten Gebiete und das sind Gebiete, die von den Russen kontrolliert werden und dann etwas heller eingefärbt, aber auch noch dunkel gut zu erkennen. Das ist die sogenannte graue Zone. Das sind schwer umkämpfte Gebiete, in denen die Russen präsent sind, aber das bedeutet noch nicht, dass diese Stadt komplett gefallen ist.

 Und wenn wir uns jetzt noch Hulai Pole angucken, da sieht die Situation sehr ähnlich aus. Also von einer vollständigen russischen Kontrolle würde ich noch nicht sprechen. Vor allem auch deswegen, weil die Bestätigung des ukrainischen Generalstabes fehlt. Und da heißt es eben, dass diese Städte nicht gefallen sein, nicht von den von den Russen erobert worden sind.

Donnerstag: Putin stellt Bedingungen für Treffen mit Selenskyj und  bestätigt Termin mit Trump | MDR.DE

 Und wenn wir hier einen Dementi haben, da können wir uns nicht einfach ähm jetzt eins zu eins das zu eigen machen, was die Russen sagen und können uns da nicht äh von der russischen Propaganda vor den Karren spannen lassen. Aber Christoph, würdest du dennoch davon sprechen, dass wir in diesen Stunden gerade vor diesem Treffen in Florida tatsächlich einen Propagandakrieg jetzt sehen? Ja, wir haben natürlich äh immer wieder jetzt so Bilder auch ähm aus Mirnograd und aus Julia Pole, wo äh russische Soldaten mit russischen Flaggen winken,

wo das alles gehisst wird, wo dieDrohnen dann diese Soldaten mit den Fahnen zeigen und das Ganze soll signalisieren, dass das alles unter russischer Kontrolle ist. Aber solche Aufnahmen sind häufig auch Propagandastilmittel. Das dient auch der Manipulation der öffentlichen Meinung. Und damit will man auch den Gegner demoralisieren, die ukrainische Bevölkerung demoralisieren, will zeigen, wir kontrollieren ohnehin schon alles.

 Es macht keinen Sinn mehr, sich zu wehren. Aber die Wahrheit ist eben auch, dass häufig solche Aufnahmen schnell schnell gemacht werden und sich dann die Soldaten wieder zurückziehen, weil eben überall noch der Gegner ist und diese Soldaten dann auch schnell beschossen werden. Also, das sind häufig Propagandastilmittel und ich denke, dass man dem nicht eins zu eins so glauben darf, was da gezeigt wird.

 Auch da brauchen wir erst die Bestätigung der Ukrainer, dass diese beiden Städte tatsächlich gefallen sind und diese Bestätigung haben wir nicht. Christoph, danke für all diese aktuellen Informationen an diesem Sonntagmorgen zum Ukrainekrieg aus Kiev. Und damit kommen wir zurück nach Deutschland, schauen auf die Innenpolitik, denn der CSU Danesgruppenchef im Bundestag, Alexander Hoffmann will die AfD auch im kommenden Jahr von der Münchner Sicherheitskonferenz ausschließen.

 Es sei ein Sicherheitsrisiko, wenn eine Partei, die Kontakte nach Russland und Chinflege mit dabei sei. So seine Begründung. Schon in den vergangenen beiden Jahren wurde die AfD nicht eingeladen. Das jedoch kritisierte US-Vizepräsident Jed W scharf und stieß damit eine kontroverse Debatte an. Die Entscheidung über eine Ein oder Ausladung der AfD wird vermutlich Anfang 2026 gefällt.

 Die Sicherheitskonferenz findet vom 13. bis 15. Februar statt.