In der Bundesrepublik Deutschland erleben wir derzeit politische Verwerfungen, die in ihrer Intensität und Schärfe ihresgleichen suchen. Besonders das Bundesland Brandenburg steht aktuell im Fokus einer hitzigen Debatte, die weit über die Landesgrenzen hinausstrahlt. Auslöser ist der jüngste Verfassungsschutzbericht, der nicht nur bei der Opposition, sondern auch bei verfassungsrechtlich versierten Beobachtern für massives Kopfschütteln sorgt. Es stellt sich die dringende Frage: Agiert der Verfassungsschutz noch als neutraler Wächter unserer Grundordnung oder ist er längst zu einem verlängerten Arm der amtierenden Regierung geworden, um den unaufhaltsamen Aufstieg der AfD mit allen Mitteln zu bremsen?

Die Vorwürfe wiegen schwer. Kritiker werfen dem brandenburgischen Innenministerium unter der Leitung von René Wilke vor, staatliche Institutionen politisch zu instrumentalisieren. Wilke, der zwar offiziell als parteilos gilt, blickt auf eine tief verwurzelte Vergangenheit in der Partei Die Linke und deren Vorläuferin PDS zurück. Diese Biografie nährt Zweifel an der notwendigen Überparteilichkeit, die sein Amt eigentlich erfordert. In einer denkwürdigen Pressekonferenz bezeichnete Wilke die AfD nicht mehr als bloßes politisches Angebot, sondern als eine Art “emotionales Zuhause” für Menschen, die sich radikalisieren würden. Damit wird eine ganze Wählerschaft – in Brandenburg immerhin die stärkste politische Kraft – unterschwellig diffamiert und in die Nähe einer sektenähnlichen Struktur gerückt.

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Ein besonders absurdes Beispiel für die Argumentationsweise des Verfassungsschutzes ist die Bewertung privater Gegenstände von Abgeordneten. So wurde im Bericht moniert, dass ein AfD-Politiker einen Adler auf seinem Schreibtisch stehen habe, der eine “ikonographische Ästhetik” vermittle und somit eine Nähe zu geschichtsrevisionistischem Milieu beweise. Dass der Bundesadler das offizielle Wappentier der Bundesrepublik Deutschland ist und sich auf jeder Nationalflagge findet, scheint in der Bewertung der Verfassungshüter keine Rolle mehr zu spielen. Solche Details wirken auf den mündigen Bürger nicht nur kleinlich, sondern regelrecht “warnwitzig” und untergraben die Glaubwürdigkeit einer Behörde, die eigentlich für den Schutz der Freiheit zuständig sein sollte.

Die Panik innerhalb der etablierten Altparteien scheint angesichts der Umfragewerte so groß zu sein, dass man bereit ist, die Grundfesten der Gewaltenteilung zu berühren. Es wird suggeriert, dass Kritik an Gerichten oder die Hinterfragung der Wahl von Verfassungsrichtern bereits ein Angriff auf den Rechtsstaat sei. Doch in einer lebendigen Demokratie muss es möglich sein, auch höchste Institutionen und deren personelle Besetzung kritisch zu hinterfragen, ohne sofort als Verfassungsfeind gebrandmarkt zu werden. Wenn die freie Meinungsäußerung und die parlamentarische Opposition durch Berichte staatlicher Stellen delegitimiert werden, wandelt sich der “Schutz der Verfassung” schleichend in einen “Schutz der Regierung”.

Brandenburg: René Wilke wird neuer Innenminister | FAZ

Interessanterweise kommt die schärfste Kritik nicht nur von der AfD selbst. Auch ehemalige Mitglieder der SPD, wie der frühere Minister Matthias Brotkorb, äußerten sich entsetzt über die Qualität der Gutachten. Es entsteht der fatale Eindruck, dass mittlerweile sogar die Benennung offensichtlicher Wahrheiten als verfassungsfeindlich eingestuft werden kann, wenn sie nicht in das politische Narrativ der Herrschenden passt. Diese Entwicklung ist brandgefährlich, da sie das Vertrauen der Bürger in die Neutralität des Staates nachhaltig zerstört. Nicht die Kritik an den Institutionen delegitimiert den Staat, sondern das Handeln derer, die diese Institutionen für den parteipolitischen Überlebenskampf missbrauchen.

Die AfD Brandenburg bleibt derweil gelassen und verweist auf ihre Rolle als Opposition, die bisher noch nie die Gelegenheit hatte, Regierungsverantwortung zu beweisen. Das Argument, die Partei bringe keine Ergebnisse, läuft daher ins Leere, da die etablierten Parteien durch eine “Brandmauer” jegliche parlamentarische Zusammenarbeit verhindern. Solange diese Brandmauer besteht, wählen die Bürger die Partei weiterhin als Protest und Hoffnungsträger, bis sie sich in der Exekutive beweisen kann. Der Versuch, diese demokratische Dynamik durch Verfassungsschutzberichte zu kriminalisieren, könnte am Ende genau das Gegenteil bewirken: Eine weitere Solidarisierung der Wähler mit der angegriffenen Partei und eine tiefere Spaltung der Gesellschaft. Es ist Zeit für eine Rückkehr zur Sachlichkeit und zur Achtung der demokratischen Spielregeln, bevor der Schaden am politischen System irreparabel wird.

Wahlerfolg der AfD