Es fühlt sich mittlerweile an wie ein politischer Amoklauf auf Raten. Jeden Morgen stellt man sich die bange Frage, welches außenpolitische Verhältnis die Europäische Union heute wohl endgültig ruiniert hat. Erst war es Russland, dann die USA unter Donald Trump, und nun steuert man mit Vollgas auf eine offene Konfrontation mit China zu. Dabei handelt es sich nicht um eine strategische Notwendigkeit, sondern um eine fatale Mischung aus ideologischer Überheblichkeit und einer fast schon erschreckenden Realitätsverweigerung. Wer glaubt, dies sei übertrieben, muss nur einen Blick auf die aktuellen Entscheidungen in Brüssel und die bereits erfolgten, brutalen Reaktionen aus Peking werfen.

Der aktuelle Kurs der EU-Kommission unter Ursula von der Leyen gleicht einem Kampf gegen die Realität, den Europa nicht gewinnen kann. Man erzählt uns gebetsmühlenartig, dass wir uns vor unfairem Wettbewerb schützen müssen. Doch die Wahrheit hinter den Kulissen sieht anders aus. Während man Donald Trump für seine Zollpolitik kritisierte, erhebt die EU nun selbst massive Strafzölle auf chinesische Produkte – von Stahl über Solaranlagen bis hin zu Elektroautos. Besonders absurd wird es beim Thema Elektromobilität: Dieselben Politiker, die uns seit Jahren zur Klimarettung in Elektroautos drängen wollen, sorgen nun aktiv dafür, dass genau diese Fahrzeuge künstlich unbezahlbar gemacht werden.

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Der Grund für diese Zölle ist nicht, dass chinesische Autos schlecht oder unsicher wären. Im Gegenteil: Sie sind oft technologisch fortschrittlicher, haben eine höhere Reichweite und sind vor allem deutlich günstiger als die europäische Konkurrenz. Statt sich diesem Wettbewerb durch Innovation zu stellen, greift die EU zur planwirtschaftlichen Keule. Strafzölle von bis zu 50 % dienen nicht dem Verbraucherschutz oder dem Klima, sondern schützen eine europäische Autoindustrie, die von der Politik in eine technologische Sackgasse manövriert wurde. Das Geld aus diesen Zöllen landet zudem nicht bei den Herstellern, um Innovationen zu fördern, sondern versickert im EU-Haushalt.

Doch China sieht nicht tatenlos zu. Die Führung in Peking reagiert nicht emotional, sondern kalkuliert und technisch präzise. Als direkte Antwort wurden Zölle auf europäische Milchprodukte, Fleisch und Spirituosen zwischen 20 und 40 % verhängt. Was in Brüssel als „unfairer Handel“ gebrandmarkt wird, spiegelt China einfach zurück. Für viele europäische Mittelständler und landwirtschaftliche Betriebe ist der chinesische Markt jedoch existenziell. Sie werden nun auf dem Altar einer ideologischen Industriepolitik geopfert, die bereits im Ansatz gescheitert ist. Während Brüssel Zölle beschließt, baut China strategisch Fabriken in Ländern wie Ungarn oder der Türkei, um den europäischen Markt von innen heraus zu bedienen – ganz ohne Zölle.

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Die asymmetrische Natur dieses Konflikts ist dabei das gefährlichste Element. Europa ist weitaus abhängiger von China als umgekehrt. China hat sich längst von der reinen „Werkbank der Welt“ zum technologischen Systemanbieter entwickelt. Während Brüssel in Legislaturperioden denkt und sich in Bürokratie verstrickt, denkt Peking in Jahrzehnten. China baut neue Handelsrouten und Allianzen in Afrika, Südamerika und Südostasien auf, wodurch Europa zunehmend optional und damit verzichtbar wird. Die moralische Überlegenheit, mit der europäische Politiker auftreten, ersetzt keine ökonomische Stärke.

Innerhalb der EU führt dieser Kurs zudem zu massiven Spannungen. Länder wie Ungarn zeigen bereits offen, dass sie diesen Konfrontationskurs nicht mittragen wollen, da sie die wirtschaftlichen Folgen fürchten. Doch statt auf internen Dialog setzt Brüssel auf moralischen Druck und Gleichschaltung. Wer die Risiken benennt, gilt schnell als unsolidarisch. Dabei sind es die Bürger, die die Zeche zahlen. Der normale Konsument ist kein Ideologe; er schaut auf sein Konto. Wenn ein chinesisches Auto bei besserer Ausstattung 30 % weniger kostet, wird die politische Belehrung am Ende wirkungslos bleiben.

Wir erleben derzeit ein systemisches Versagen. Die EU agiert nicht mehr als wirtschaftspolitischer Akteur, sondern als ideologisches Projekt, das den Kontakt zur Basis verloren hat. Man glaubt ernsthaft, die Welt nach Brüsseler Vorstellungen formen zu können, während man technologisch und industriell an Boden verliert. Fabriken schließen leise, Investitionen wandern ab, und das Know-how verlagert sich nach Asien. Wenn eine industrielle Basis erst einmal zerstört ist, kommt sie nicht zurück. Ein Motorschaden lässt sich nicht mit moralischen Aufklebern reparieren.

Am Ende bleibt die bittere Erkenntnis: Es wird wahrscheinlich nicht China sein, das Europa zu Fall bringt. Es ist die EU selbst, die durch eine Politik der Selbstblockade und Überregulierung ihren eigenen Wohlstand verspielt. Das Zeitfenster für eine Korrektur schließt sich rasch. Solange Ideologie über Pragmatismus steht, steuert der Kontinent weiter auf einen harten Aufprall zu. Wer die Realität ignoriert, wird am Ende von ihr eingeholt – und dieser Moment rückt mit jeder neuen Verordnung aus Brüssel näher.