Carol Burnett ist für Millionen von Menschen weltweit das Gesicht der herzlichen, klugen und oft herrlich albernen Comedy. Ihre “Carol Burnett Show” prägte das goldene Zeitalter des Fernsehens und zementierte ihren Ruf als die freundlichste und sanftmütigste Dame Hollywoods. Doch hinter diesem strahlenden Lächeln, das über Jahrzehnte hinweg die Wohnzimmer Amerikas erhellte, verbarg sich eine Liste von Männern, die tiefe Wunden in ihrer Seele hinterlassen haben. In einem außergewöhnlichen und seltenen Gespräch mit dem Rolling Stone Magazine hat die inzwischen 90-jährige Legende zum ersten Mal die Maske fallen gelassen und über die Individuen gesprochen, die ihr Vertrauen missbraucht, ihren Erfolg geschmälert oder sie schlichtweg gedemütigt haben.

Einer der schmerzhaftesten Namen auf dieser Liste ist Harvey Corman. Für das Publikum waren Carol und Harvey das perfekte Duo, zwei Seelen, die für die gemeinsame Bühne geboren wurden. Doch hinter den Kulissen brodelte es. Corman, der sich zunehmend im Schatten von Burnetts Ruhm fühlte, wurde reizbar und unberechenbar. Der Konflikt gipfelte im April 1974 im berüchtigten “Studio 33 Skandal”. Während einer Probe schrie Corman das Team wegen eines Beleuchtungsfehlers an und warf sein Skript zu Boden. Carol Burnett, bekannt für ihre Disziplin und ihren Respekt gegenüber jedem Mitarbeiter, setzte ihm ein ultimatives Ende: “Harvey, es reicht. Wenn du nicht jeden hier respektieren kannst, dann gehörst du hier nicht hin.” Corman wurde gefeuert, und obwohl er später reumütig zurückkehrte und die beiden bis 1977 weiterarbeiteten, war das Band des Vertrauens für immer zerrissen.

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Noch tiefer gingen die Wunden, die ihr Ehemann und langjähriger Produzent Joe Hamilton hinterließ. Das einstige “Golden Couple” von CBS zerbrach nicht nur an der enormen Arbeitsbelastung, sondern auch an Untreue und geschäftlichem Verrat. Während Carol an den Erfolg der Show glaubte, knüpfte Hamilton im Hintergrund Beziehungen zu einer jungen Kollegin und versuchte, sich die Rechte an Burnetts eigenen Kreationen, wie der Serie “Mama’s Family”, unter den Nagel zu reißen. Als sie ihn damit konfrontierte, antwortete er kühl: “Das ist Geschäft, Carol, nicht persönlich.” Diese Worte markierten das Ende einer Ära. Die Scheidung im Jahr 1983 war eine öffentliche Schlammschlacht um Vermögenswerte und Produktionsrechte, die Carol Burnett zwang, härter zu kämpfen als jemals zuvor.

Auch Begegnungen mit den ganz großen Namen der Filmgeschichte hinterließen einen bitteren Beigeschmack. Marlon Brando etwa suchte Carol in einer Sommernacht des Jahres 1972 heim – mit einem Anruf um drei Uhr morgens. Was als Bewunderung für ihr Talent begann, driftete schnell in unangenehm persönliche Gefilde ab. Burnett fühlte sich von der Arroganz des “Paten” bedroht und angewidert. Sie zog eine klare Grenze und mied ihn fortan auf jedem Branchenevent. Ebenso verletzend war die Begegnung mit Cary Grant im Jahr 1968 beim Golden Globe Gala. Grant, die Verkörperung von Hollywoods Eleganz, verspottete Burnetts bodenständigen Humor als “albern” und “übertrieben”. Burnett konterte schlagfertig, doch der Stachel saß tief. Sie lehnte später jede Zusammenarbeit mit ihm ab, mit der Begründung, sie arbeite nicht mit Menschen, die das Lachen von Frauen herabwürdigen.

Carol Burnett: 90 Years of Laughter + Love' celebrates the beloved comedian  - Los Angeles Times

Ein weiteres Kapitel ihrer stillen Verbitterung betrifft Lorne Michaels, den Schöpfer von “Saturday Night Live”. Fast 50 Jahre lang wurde Carol Burnett, die Wegbereiterin für Frauen in der Comedy, niemals eingeladen, SNL zu moderieren. Insider berichten, Michaels habe ihren Stil als “altmodisch” und “nicht zur Marke passend” abgetan. Erst im Jahr 2023 brach Burnett ihr Schweigen zu diesem Thema mit den Worten: “Ich schätze, sie brauchten mich nicht, aber ich brauchte sie auch nicht.” Es war der finale Befreiungsschlag einer Frau, die gelernt hat, dass Freundlichkeit eine ganz eigene, stille Stärke besitzt.

Heute blickt Carol Burnett auf eine Karriere zurück, die trotz dieser Schattenseiten beispiellos ist. Ihre Abrechnung mit den Männern ihrer Vergangenheit ist kein Akt der Rache, sondern ein Akt der Würde. Sie zeigt, dass man auch in einer harten Industrie wie Hollywood bestehen kann, ohne seine Integrität zu verlieren. Ihr Erfolg spricht für sich: Während viele ihrer Kritiker in Vergessenheit geraten sind, bleibt Carol Burnett die unangefochtene Königin des Lachens, die nun endlich die Wahrheit über die Tränen hinter den Kulissen erzählt hat.

The Carol Burnett Show': Carol Burnett Said She's to Blame for Her Divorce  From Joe Hamilton