Es war eine Nacht im Juli 2012, die München und die Welt des Entertainments für immer verändern sollte. Im Schatten des eleganten Klinikums Bogenhausen endete das Leben einer Frau, die wie kaum eine andere für Glanz, Weltklasse und unvergleichliche Eleganz stand. Margot Werner, die Primaballerina mit den einst für eine Million Mark versicherten Beinen, die Grande Dame des Chansons, lag auf dem kalten Asphalt. Ein Sturz aus dem dritten Stock beendete eine Ära. War es ein tragisches Unglück oder der letzte, verzweifelte Schritt einer Seele, die keinen anderen Ausweg mehr sah?
Drei Tage vor ihrem Tod, so heißt es, hatte Margot Werner eine erschreckend klare Sicht auf ihr Leben gewonnen. In jenen einsamen Stunden im Krankenhauszimmer 304 identifizierte sie wohl jene drei Mächte, die ihr über Jahre hinweg alles genommen hatten: ihr Vermögen, ihre Anerkennung und schließlich die Kontrolle über ihren eigenen Körper. Es waren keine Feinde mit Gesichtern, sondern schleichende Prozesse, gegen die selbst eine Diva von ihrem Format machtlos war.

Der erste Feind war das blinde Vertrauen in eine Finanzwelt, die sie nie verstand. Margot Werner lebte für die Kunst, für den Applaus und den schönen Moment. Geld war für sie nur ein Mittel zum Zweck, um die Illusion von Luxus aufrechtzuerhalten. Doch ihre Naivität gegenüber Finanzexperten wurde ihr zum Verhängnis. Sie investierte in Steuersparmodelle, die sich als bodenlose Löcher entpuppten. Besonders das Hotelprojekt „Solitude“ in Tirol – ein Name, der ironischerweise „Einsamkeit“ bedeutet – verschlang ihre gesamten Ersparnisse und hinterließ einen Schuldenberg, der sie bis in den Tod verfolgte. Während sie abends auf der Bühne strahlte, kämpfte sie tagsüber gegen Pfändungsbeschlüsse. Dieser brutale Kontrast zwischen öffentlichem Glanz und privater Pleite zerriss sie innerlich.
Ihr zweiter großer Gegner war die unbarmherzige Kälte einer Branche, die das Alter und das Scheitern nicht verzeiht. Sobald die Risse im Lack ihrer makellosen Karriere sichtbar wurden und die Schlagzeilen über ihren finanziellen Ruin die Runde machten, wurde es still um sie. Das Telefon, das früher nie stillstand, schwieg. Die Weggefährten, die sich früher in ihrem Licht sonnten, wandten sich ab. Diese soziale Isolation schmerzte Margot Werner mehr als jeder materielle Verlust. Sie fühlte sich als Produkt, das aussortiert wurde, sobald es nicht mehr perfekt funktionierte. Die Grande Dame war plötzlich nur noch eine Frau mit Problemen, die niemand mehr in den großen Samstagabendshows sehen wollte.

Doch der mächtigste und grausamste Feind war ihre eigene körperliche Hinfälligkeit. Für eine Frau, die sich über Bewegung, Disziplin und körperliche Perfektion definierte, war die Diagnose neurologischer Störungen ein Todesurteil für ihren Geist. Quälende Schmerzen in der Schulter und den Nervenbahnen machten ihren Alltag zur Qual. Die drohende Lähmung und die Vorstellung, als stolze Primaballerina jemals in einem Rollstuhl sitzen zu müssen, waren für sie unerträglich. Sie, die immer die Haltung bewahrte, sah ihre Autonomie schwinden.
In jenen letzten drei Tagen im Juli 2012 zog Margot Werner die endgültige Bilanz. Sie entschied sich, diesen Feinden nicht den Triumph zu gönnen, sie gebrochen und hilflos zu sehen. Ihr letzter Anruf galt ihrem Ehemann Jochen L., dem Mann, der trotz aller Krisen an ihrer Seite geblieben war. Ein kurzes „Ich liebe dich“ war ihr Abschied. Danach wählte sie den Weg durch das Fenster – ein letzter, tragischer Sprung in die Freiheit, weg von den Schulden, weg von der Missachtung und weg von einem Körper, der sie verraten hatte.

Margot Werners Tod war kein gewöhnlicher Abgang; er war ein letztes Statement einer Frau, die bis zum Schluss die Regie über ihr Leben behalten wollte. Ihr Schicksal mahnt uns, hinter die glitzernden Fassaden des Ruhms zu blicken und den Menschen dahinter nicht zu vergessen. Applaus ist keine Versicherung gegen Einsamkeit, und Erfolg schützt nicht vor der Zerbrechlichkeit der Seele. Wir sollten uns an Margot Werner nicht als das Opfer eines Sturzes erinnern, sondern als die Künstlerin, die uns lehrte, dass man selbst im Angesicht des Abgrunds noch Haltung bewahren kann. Ihr letzter Vorhang ist gefallen, doch die Fragen, die ihr Leben aufwirft, hallen noch lange nach.
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