Das Jahr 2026 hat begonnen, doch die festliche Stimmung vielerorts kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass über Europa ein dunkler Schatten liegt. Während sich Menschen im privaten Rahmen Gesundheit und ein waches Bewusstsein wünschen, bleibt der größte Wunsch vieler unerfüllt: Frieden in der Ukraine. Doch wer die Neujahrsansprachen der Hauptakteure Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj aufmerksam verfolgt hat, erkennt schnell eine bittere Realität. Beide Seiten wirken hochmotiviert, ihre Soldaten sind auf eine Fortsetzung der Kämpfe eingestellt, und diplomatische Lösungen scheinen derzeit lediglich rhetorische Hülsen zu sein.
Der russische Präsident Wladimir Putin gab sich in seiner Videobotschaft gewohnt siegessicher. Er betonte den unerschütterlichen Glauben an seine Kämpfer und den endgültigen Sieg über die Ukraine. Interessanterweise verlor er kein Wort über mögliche Verhandlungen mit den USA, was darauf hindeutet, dass der Kreml weiterhin auf eine militärische Entscheidung setzt. Auf der anderen Seite sprach Selenskyj zwar davon, dass man dem Frieden zu 90 Prozent nähergekommen sei, doch die Realität auf dem Schlachtfeld spricht eine andere Sprache. Die Ukraine greift verstärkt russische Ölanlagen und Raffinerien an, um die Logistik des Gegners zu schwächen, während Russland mit massiven Schlägen auf besetzte Gebiete und die ukrainische Infrastruktur antwortet.

Ein Blick auf die militärische Durchhaltefähigkeit zeigt, wie festgefahren die Situation ist. Russland verfügt nach wie vor über gewaltige Personalreserven. Trotz enormer Verluste, die das Regime offenbar einkalkuliert, setzt Moskau auf Masse statt auf Schonung. Die russische Rüstungsproduktion wurde massiv hochgefahren; Drohnen, Artillerie und Munition verlassen die Fabriken im Akkord. Es ist eine Umstellung auf eine totale Kriegswirtschaft, bei der soziale Kosten und marode zivile Infrastrukturen zugunsten von Panzern und Raketen ignoriert werden. Solange die Energieexporte nach Asien fließen, scheint die Finanzierung dieser Maschinerie gesichert.
Die Ukraine hingegen befindet sich in einer existenziellen Abhängigkeit vom Westen. Ohne die finanzielle Unterstützung, die Ausbildung und die technische Aufklärung durch die USA und Europa wäre die Verteidigungsfähigkeit des Landes längst zusammengebrochen. Experten gehen davon aus, dass die Ukraine unter den derzeitigen Bedingungen noch etwa anderthalb Jahre durchhalten kann. Doch der gesellschaftliche Druck wächst auch hier. Zwar betont Selenskyj die hohe Bereitschaft der Bevölkerung, weiterzukämpfen, doch die Belastungsgrenze ist für viele Familien längst erreicht.

Besonders zynisch wirkt die wirtschaftliche Komponente des Konflikts. Es scheint fast so, als sei der Krieg für die globalen Akteure alternativlos geworden. Frieden bringt zwar Ruhe, aber leider keinen Umsatz für die Rüstungsindustrie. Maschinen stehen ungern still, wenn sie einmal auf Kriegsproduktion programmiert sind. Was gebaut wird, muss aufs Feld geschickt werden, damit sich die Investitionen rechnen. Hinter den großen Worten von Werten, Freiheit und Ordnung verbirgt sich oft eine kühle Kalkulation. Wer heute nach Frieden ruft, wird schnell als naiv oder blind abgestempelt, da Frieden den effizienten Ablauf der geschaffenen Kriegsstruktur stören würde.
Eng damit verbunden ist die Produktion von Heldenepen. Medienwirksame Berichte über Freiwillige, auch aus Deutschland, die in der Ukraine kämpfen, bedienen ein Pathos, das den grausamen Tod oft glorifiziert. Wenn der Heldentod mit einem Sponsorlogo versehen wird, um Klicks und Quoten zu generieren, zeigt dies die ganze Verrohung der modernen Kommunikation. Der Tod muss heute öffentlichkeitswirksam und effizient sein, um in die tägliche Nachrichtenberichterstattung zu passen.

Die politische Lage bleibt festgefahren. Russland setzt auf Zeit und die Erschöpfung des Westens, in der Hoffnung, dass die Unterstützung für Kiew bröckelt. Die Ukraine wiederum hofft auf einen entscheidenden militärischen oder politischen Wendepunkt zu ihren Gunsten. Doch solange beide Seiten glauben, durch eine Fortsetzung der Gewalt mehr erreichen zu können als am Verhandlungstisch, wird das Sterben weitergehen. Wir müssen uns wohl oder übel mit der harten Realität abfinden, dass 2026 kein Jahr des Friedens wird, sondern ein Jahr, in dem die Fronten weiter verhärten. Die Hoffnung auf diplomatische Vernunft bleibt vorerst nur ein frommer Wunsch in einer Welt, die sich zunehmend über militärische Stärke definiert.
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