Es ist genau 9:30 Uhr morgens im Deutschen Bundestag, als Friedrich Merz zum Rednerpult schreitet. Die Besucherränge sind bis auf den letzten Platz gefüllt, die Atmosphäre ist bereits vor dem ersten Wort elektrisiert. Was sich jedoch in den folgenden Minuten abspielt, wird als einer der brisantesten Momente der aktuellen Legislaturperiode in die Geschichte eingehen. Es ist ein Moment der absoluten Konfrontation, in dem die politischen Gräben Deutschlands so tief und unüberwindbar scheinen wie selten zuvor. Mit einer einzigen Enthüllung und einem zentralen Schlagwort hat der CDU-Chef eine Debatte entfacht, die nicht nur das Parlament spaltet, sondern die fundamentale Frage nach der wirtschaftlichen Existenz der Bundesrepublik aufwirft.

Schon kurz nach Beginn seiner Rede bricht das Chaos aus. Gelächter mischt sich mit wütenden Zwischenrufen; Abgeordnete der Linken pressen in einer Geste der Fassungslosigkeit ihre Köpfe auf die Tischplatten, während die Fraktion der Grünen kollektiv den Kopf schüttelt. Von der anderen Seite des Saals, der AfD, hallt Johlen herüber. Es ist eine Kakofonie des Protests, die Bundestagspräsidentin Glöckner mehrfach dazu zwingt, mit Nachdruck zur Ruhe aufzurufen. Doch was hat Friedrich Merz gesagt, das drei Fraktionen gleichzeitig derart in Rage versetzt? Es war das Wort „Technologieoffenheit“. Für die einen ein Hoffnungsschimmer für die Industrie, für die anderen eine glatte Kriegserklärung an die bisherige Klimapolitik.

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„Deutschland hat das Auto erfunden“, rief Merz der aufgebrachten Menge entgegen. „Warum sollten wir nicht auch die modernsten Klimatechnologien erfinden?“ Was auf den ersten Blick wie eine logische rhetorische Frage klingt, birgt im Kontext der aktuellen Berliner Politik eine enorme Sprengkraft. Denn unter Technologieoffenheit versteht Merz keine neuen Förderprogramme für Solarpanels oder Windräder. Er spricht offen von Technologien, die von den Grünen und Teilen der SPD jahrelang blockiert, wenn nicht gar dämonisiert wurden: Gaskraftwerke der neuesten Generation, die Abscheidung von CO2 und dessen unterirdische Speicherung. Es ist ein radikaler Gegenentwurf zum bisherigen Weg der Bundesregierung.

Merz’ Kampfansage zielt direkt auf das Herz der aktuellen Transformation. Er behauptet unverblümt, dass die bisherige Klimapolitik ein fundamentales Problem hat: Sie ist ein einsamer Weg. „Niemand auf der Welt hat nachgemacht, was Deutschland vorgemacht hat. Niemand wollte unseren Weg kopieren“, konstatierte er trocken inmitten der wütenden Zwischenrufe. Seine Alternative ist ein Deutschland ohne Verbote und ohne übertriebene Regulierung. Er fordert ein unbedingtes Vertrauen in deutsche Ingenieure, Hochschulen und Unternehmen. Für ihn sind sie es, die Lösungen entwickeln sollen, die weltweit exportiert werden können – saubere, effiziente Technologien, die nicht durch politische Verzichtsideologie, sondern durch industrielle Exzellenz überzeugen.

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Die Reaktion im Saal zeigt deutlich, dass es hier um weit mehr geht als um technische Details der Energieversorgung. Es stehen sich zwei völlig verschiedene Visionen für die Zukunft Deutschlands gegenüber. Auf der einen Seite steht der Weg der Grünen, der auf Verzicht, strengen Verboten und einer staatlich gelenkten Dekarbonisierung basiert. Für sie klingen Merz’ Worte wie eine Ausrede, um den Status quo der fossilen Industrie unter einem dünnen grünen Anstrich weiterzuführen – ein Rückschritt in ihre Augen. Auf der anderen Seite steht die Vision von Merz: Innovation statt Ideologie, Vertrauen statt Verboten.

Inmitten des tobenden Lärms hielt Merz kurz inne, blickte entschlossen in die Reihen seiner Gegner und sagte einen Satz, der seine aktuelle Position markiert: „Ich halte das aus.“ Für die Zuschauer an den Bildschirmen war diese Szene aufschlussreicher als jeder vorbereitete Redebeitrag. Es demonstrierte die unversöhnliche Härte, mit der das Thema Wohlstand gegen Klimaschutz mittlerweile verhandelt wird. Merz macht unmissverständlich klar, dass es um das Rückgrat unseres Landes geht: die Automobilindustrie, die Stahlbranche, die chemische Industrie. Diese Branchen erwirtschaften nicht nur Milliarden an Steuereinnahmen, sie sind der Garant für den Wohlstand von Millionen Bürgern.

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Merz argumentiert, dass diese Industrien nur dann in Deutschland bleiben werden, wenn sie klimaneutral werden können, ohne ihre Wettbewerbsfähigkeit durch ideologische Fesseln zu verlieren. Wenn die Kosten für den Standort Deutschland durch Verbote zu hoch werden, so die implizite Warnung, wird die Industrie das Land verlassen – und mit ihr der Wohlstand. Diese Debatte ist hochexplosiv, denn sie berührt die Existenzängste einer ganzen Nation. Es geht um die Frage, ob wir als Innovationsstandort überleben oder als Museum des Verzichts enden.

Was am Ende gewinnt – der Glaube an die Steuerungskraft des Staates durch Verbote oder das Vertrauen in die schöpferische Kraft der Technologie –, wird sich in den kommenden Monaten entscheiden. Doch eines hat der Auftritt von Friedrich Merz im Bundestag bereits jetzt bewirkt: Er hat das Schweigen über die Schattenseiten der Energiewende gebrochen und die Parteien gezwungen, Farbe zu bekennen. Deutschland steht an einem Scheideweg, und der Kampf um die Richtung hat gerade erst begonnen. Es ist ein Duell um die Seele der deutschen Wirtschaftskraft, das im Live-TV für jeden sichtbar wurde und das Land noch lange beschäftigen wird.