Die politische Landschaft in Deutschland, insbesondere im Osten der Republik, erlebt derzeit eine Dynamik, die in der Geschichte der Bundesrepublik ihresgleichen sucht. Sachsen, das Kernland konservativer und zunehmend patriotischer Strömungen, steht im Zentrum eines politischen Sturms, der nun eine neue, fast schon beängstigende Intensität erreicht hat. Die neuesten Umfragedaten schlagen wie eine Bombe ein: Die AfD hat die Schallmauer von 37 Prozent durchbrochen. Damit festigt die Partei nicht nur ihren Status als stärkste Kraft im Freistaat, sondern rückt in Regionen vor, die eine Alleinregierung oder zumindest eine dominierende Führungsrolle in greifbare Nähe rücken lassen. Doch während die Konkurrenz noch mit Schockstarre reagiert, bereitet Alice Weidel hinter den Kulissen bereits den nächsten entscheidenden Schritt vor.

Es ist eine Entwicklung, die sich seit Monaten abgezeichnet hat, doch die Deutlichkeit, mit der die Wähler in Sachsen der aktuellen Ampel-Politik und auch der Landesregierung den Rücken kehren, ist beispiellos. Die Bürger scheinen die Nase voll zu haben von Kompromissen, die an ihrer Lebensrealität vorbeigehen. Themen wie ungesteuerte Migration, die explodierenden Energiekosten und eine als bevormundend empfundene Gesellschaftspolitik treiben die Menschen in Scharen zur Alternative für Deutschland. Die 37 Prozent sind dabei mehr als nur eine Zahl; sie sind ein Misstrauensvotum gegen das gesamte politische System der letzten Jahrzehnte.

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Alice Weidel, das Gesicht der Bundes-AfD und strategischer Kopf der Partei, sieht in diesem Erfolg eine Bestätigung für ihren harten Kurs. Sie weiß, dass die Augen der gesamten Nation nun auf Sachsen gerichtet sind. Der “nächste Schritt”, den Weidel nun ins Auge fasst, zielt darauf ab, die parlamentarische Ohnmacht der AfD zu beenden. Bisher galt die sogenannte “Brandmauer” als unumstößliches Gesetz der anderen Parteien. Doch bei einem Ergebnis von 37 Prozent wird diese Mauer brüchig. Weidels Strategie besteht darin, den Druck auf die CDU in Sachsen so massiv zu erhöhen, dass eine Koalition oder zumindest eine punktuelle Zusammenarbeit unausweichlich wird. Es geht um die faktische Regierungsbeteiligung, ob durch eine offizielle Allianz oder durch die Duldung einer Minderheitsregierung.

Die Stimmung im Land ist aufgeheizt. In den Städten wie Dresden, Leipzig und Chemnitz, aber vor allem im ländlichen Raum, spürt man einen tiefen Riss. Auf der einen Seite stehen diejenigen, die in der AfD die Rettung vor dem wirtschaftlichen und kulturellen Abstieg sehen. Auf der anderen Seite wächst die Besorgnis über eine mögliche Isolation Sachsens und die Auswirkungen auf die Wirtschaft und das soziale Gefüge. Doch die AfD versteht es meisterhaft, diese Emotionen zu kanalisieren. Mit einer Rhetorik, die direkt die Ängste und Hoffnungen der “kleinen Leute” anspricht, hat sie ein Fundament geschaffen, das offenbar immun gegen die Warnungen der Verfassungsschützer oder die Kritik der Leitmedien ist.

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Weidels Plan umfasst jedoch mehr als nur parlamentarische Taktik. Es geht um eine kulturelle Hegemonie im Osten. Die AfD will Sachsen als Modellregion etablieren – als ein Bundesland, das zeigt, wie eine Politik jenseits des Berliner Konsenses aussehen kann. Hierbei spielen Begriffe wie “Remigration” und “nationale Souveränität” eine zentrale Rolle. Der Erfolg in Sachsen soll als Blaupause für die kommenden Landtagswahlen in anderen Bundesländern und schließlich für die Bundestagswahl dienen. Weidel agiert dabei wie eine Schachspielerin, die bereits mehrere Züge im Voraus plant. Sie setzt darauf, dass die CDU unter Friedrich Merz oder auf Landesebene unter Michael Kretschmer irgendwann dem Druck der eigenen Basis nachgeben muss, die in weiten Teilen eine Annäherung an die AfD nicht mehr ausschließt.

In den Talkshows und Redaktionsstuben der Hauptstadt wird derweil heftig debattiert: Wie konnte es so weit kommen? Die Antworten sind vielfältig, doch sie laufen meist auf einen Punkt hinaus: Die Ignoranz gegenüber den spezifischen Problemen Ostdeutschlands. Während in Berlin über Lastenräder und Gendersprache diskutiert wird, sorgen sich die Menschen in Sachsen um ihre Arbeitsplätze in der Industrie, um die Sicherheit auf den Straßen und um den Erhalt ihrer lokalen Identität. Die AfD hat diese Lücke besetzt und füllt sie nun mit einem Selbstbewusstsein aus, das ihre Anhänger begeistert und ihre Gegner verzweifeln lässt.

Ein weiterer Aspekt von Weidels nächstem Schritt ist die Professionalisierung der Parteistrukturen vor Ort. Es reicht nicht mehr, nur Protestpartei zu sein. Um 37 Prozent der Stimmen zu halten und in Regierungsverantwortung zu übersetzen, benötigt man Personal, das fähig ist, Ministerien zu leiten und komplexe Verwaltungsaufgaben zu übernehmen. Hier investiert die Partei massiv in Schulungen und die Rekrutierung von Fachkräften aus der Zivilgesellschaft, die mit dem aktuellen Kurs der Regierung unzufrieden sind. Es ist der Versuch, aus einer Oppositionsbewegung eine staatstragende Kraft zu formen.

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Die kommenden Wochen werden entscheidend sein. Wie wird die CDU reagieren? Wird sie den Kampf um die bürgerliche Mitte gegen die AfD verstärken oder wird sie erste Signale der Gesprächsbereitschaft senden, um Schlimmeres zu verhindern? Sicher ist nur, dass der Durchbruch der 37-Prozent-Marke die Tektonik der deutschen Politik dauerhaft verschoben hat. Sachsen ist das Laboratorium für die Zukunft Deutschlands, und Alice Weidel hat das Reagenzglas fest in der Hand.

Abschließend lässt sich sagen, dass wir Zeugen einer historischen Zäsur sind. Ob man die Entwicklung der AfD begrüßt oder mit Sorge betrachtet – ignorieren kann man sie nicht mehr. Die Wähler in Sachsen haben gesprochen, und ihre Botschaft ist unmissverständlich. Alice Weidel und ihre Mitstreiter bereiten sich nun darauf vor, diese Botschaft in reale Macht umzumünzen. Es ist ein Spiel mit hohem Einsatz, bei dem es um nichts Geringeres geht als die zukünftige Ausrichtung unserer Demokratie. Die Spannung im Freistaat ist greifbar, und die nächsten Schritte der AfD-Chefin werden zweifellos weiterhin für hitzige Diskussionen und Schlagzeilen sorgen.