Es war eine Begegnung, die bereits im Vorfeld für Zündstoff sorgte: Die AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel zu Gast bei Dunja Hayali im ZDF. Doch was als journalistischer Schlagabtausch geplant war, entwickelte sich innerhalb von Sekunden zu einem der wohl hitzigsten TV-Duelle des Jahres. Das Thema: Ein gigantisches Schuldenpaket in dreistelliger Milliardenhöhe, das vom „alten“ Bundestag verabschiedet werden soll – nur vier Wochen nachdem die Wähler neue Mehrheiten geschaffen haben. Alice Weidel nennt dieses Vorgehen „demokratisch fragwürdig“, während Hayali sichtlich bemüht ist, die Unabhängigkeit der Institutionen zu verteidigen. Doch das Gespräch kippte endgültig, als Weidel begann, die wirtschaftlichen Konsequenzen für den Bürger vorzurechnen.

Der Streit entzündete sich an der Frage, ob ein Parlament, das im Januar bereits aufgelöst wurde, noch weitreichende Grundgesetzänderungen mit Stimmen beschließen darf, die nach der Wahl rechnerisch gar nicht mehr existieren würden. Während Dunja Hayali mantraartig auf die Bestätigung durch das Bundesverfassungsgericht verwies, warf Weidel dem höchsten deutschen Gericht Befangenheit vor. Sie verwies auf ehemalige CDU-Abgeordnete, die nun im Gericht über Gesetze urteilen, die sie teilweise selbst mit auf den Weg gebracht hatten. Hayali reagierte gereizt, unterbrach Weidel mehrfach und wiederholte die Frage nach ihrem eigentlichen Problem, als wolle sie die Argumentation der Politikerin allein durch die Wiederholung diskreditieren.
Doch Alice Weidels eigentliches „Heimspiel“ folgte, als sie die politische Ebene verließ und knallharte ökonomische Prognosen lieferte. Als ehemalige Finanzexpertin warnte sie eindringlich vor dem Verlust des deutschen Triple-A-Ratings. Deutschland, so Weidel, verliere durch dieses gigantische Schuldenpaket seine Rolle als Stabilitätsanker in der Eurozone. Die Folgen seien bereits jetzt spürbar: Die Zinsen auf Staatsanleihen steigen, und damit orientieren sich auch die Hypothekenzinsen nach oben. „Jeder Häuslebauer zahlt drauf“, prophezeite Weidel und nannte konkrete Zahlen. Schon jetzt seien die Zinsen um 0,3 % gestiegen, nach der endgültigen Verabschiedung des Pakets drohe eine Explosion, ähnlich wie in den USA, wo die Zinsen nach dem Rating-Verlust auf 4 bis 6 % stiegen.

In diesem Moment geschah das Ungewöhnliche: Die sonst so schlagfertige Dunja Hayali wurde still. Keine Unterbrechung mehr, kein Verweis auf Institutionen. Stattdessen beendete sie das Interview abrupt. Warum? Kritische Beobachter fragen sich nun, ob Hayali hier vor der ökonomischen Realität kapituliert hat oder ob der Abbruch eine bewusste politische Positionierung war. Das Gespräch endete genau dort, wo es für die Millionen Zuschauer am wichtigsten geworden wäre: bei der Frage, wer am Ende die Zeche für die Milliarden-Schulden zahlt.
Was bleibt, ist der Eindruck einer tiefen Spaltung zwischen politischer Symbolik und wirtschaftlicher Realität. Weidels Warnung vor der „Zinsfalle“ durch den Verlust der deutschen Bonität blieb im ZDF-Studio unbeantwortet. Die Zuschauer werden mit der Frage allein gelassen, ob die Kritik an der Unabhängigkeit des Verfassungsgerichts berechtigt ist, wenn ehemalige Parteipolitiker über Milliarden entscheiden. Sicher ist nur eines: Das Echo dieses Interview-Abbruchs wird weit über die politischen Lager hinaus zu hören sein, denn die wirtschaftliche Rechnung, vor der Weidel warnte, wird am Ende nicht von denen bezahlt, die heute im Bundestag die Hand heben.

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