Robert Habeck, der Mann mit den oft als „traurig“ beschriebenen Augen, ist das Gesicht einer Ära, die Deutschland so massiv verändert hat wie kaum eine zuvor. Als Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz sowie Vizekanzler steht er seit 2021 im Epizentrum politischer Stürme. Doch wer ist dieser Mensch jenseits von Gasumlagen, Energie-Deals und Talkshow-Auftritten? Ein tiefgreifender Blick hinter die Kulissen offenbart ein Bild der Zerrissenheit, der Melancholie und eines Mannes, der unter der Last seiner Ideale und seiner Verantwortung fast unhörbar zu zerbrechen droht.

Der schleichende Verlust des Ichs

Die Verwandlung begann nicht erst mit dem Amt, sondern bereits im Jahr 2018, als Habeck zusammen mit Annalena Baerbock den Parteivorsitz der Grünen übernahm. Aus dem beschaulichen Leben eines Schriftstellers in Schleswig-Holstein wurde ein Dasein im gleißenden Licht der Bundespolitik. In dieser Zeit begannen die schlaflosen Nächte. Freunde und engste Vertraute berichten von zitternden Händen und Momenten, in denen die bleierne Schwere der Angst auf seiner Brust lastete.

Heimlich, in den einsamen Momenten vor dem Badezimmerspiegel, suchten ihn die ersten Panikattacken heim. Inmitten der Berliner Hektik musste er sich am Waschbecken festhalten, um nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Es ist die Geschichte eines Mannes, der einst mit seiner Frau Andrea Paluch über Literatur und die Schönheit der Sprache philosophierte und nun täglich um sein seelisches Überleben kämpft.

Die Tränen im Ministerium

Das Jahr 2022 markierte den ultimativen Wendepunkt. Der Krieg in der Ukraine und die drohende Energiekrise lasteten wie ein unsichtbarer Rucksack aus Blei auf seinen Schultern. Während er im Bundestag sachlich und bestimmt auftrat, schrie er innerlich. Jede Entscheidung, die er treffen musste – von der Reaktivierung der Kohlekraftwerke bis hin zum Import von Flüssiggas aus autoritären Regimen – fühlte sich für den überzeugten Ökologen wie ein Verrat an seinen tiefsten Werten an.

Mitarbeiter im Ministerium berichten von Momenten, in denen Habeck stundenlang regungslos an seinem Schreibtisch saß und ins Leere starrte. Er weinte leise, fast unhörbar, damit niemand die Verzweiflung bemerkte, die ihn überkam, wenn er nachts allein in seinem Büro im Dunkeln saß. Die öffentliche Hetze, die ihn zum meistgehassten Politiker des Landes stilisierte, tat ihr Übriges. Jede Schmähkritik, jede Todesdrohung, die er trotz Abraten seiner Sicherheitsleute oft selbst las, riss neue Wunden in seine bereits angegriffene Seele.

Eine Familie am Abgrund

Vielleicht der schmerzhafteste Teil dieser Geschichte ist das Schicksal seiner vier Söhne. Einst streiften sie gemeinsam durch die Wälder Schleswig-Holsteins, heute sind sie ihrem Vater fast fremd geworden. Robert Habeck kam oft erst nach Hause, wenn sie bereits schliefen, und verließ das Haus, bevor sie erwachten. Diese Entfremdung hinterließ tiefe Spuren: Einer seiner Söhne litt unter schweren Depressionen, ein anderer reagierte mit wütender Ablehnung auf den „Politiker-Vater“, den er nicht mehr als den „echten Papa“ erkannte.

Ein besonders bewegender Moment ereignete sich, als sein damals achtjähriger Sohn ihm einen Zettel zusteckte: „Lieber Papa, bitte komm heim und bleib bei uns.“ Habeck soll daraufhin eine Stunde lang im Badezimmer geweint haben, den Zettel krampfhaft umklammernd. Die Erkenntnis, seine eigene Familie für ein Land zu opfern, das ihn teilweise mit abgrundtiefem Hass überschüttet, ist eine Last, die kaum ein Mensch allein tragen kann.

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Andrea Paluch: Der Anker im Sturm

An seiner Seite steht seit über 30 Jahren Andrea Paluch. Sie ist die Einzige, die seine Tränen wirklich gesehen hat. Sie erinnert sich an eine Nacht kurz nach seiner Ernennung zum Minister, als Habeck völlig erschöpft auf dem Küchenboden zusammenbrach und schluchzte wie ein Kind. „Ich schaffe das nicht mehr, ich bin nicht stark genug“, waren seine Worte. Sie bot ihm an, alles hinzuschmeißen, zurück nach Flensburg zu ziehen und wieder gemeinsam Bücher zu schreiben. Doch Habecks Pflichtbewusstsein siegte: „Wenn ich jetzt aufgebe, war alles umsonst.“

Trotz dieser unerschütterlichen Loyalität hat auch die Beziehung tiefe Risse bekommen. Andrea Paluch schrieb in ihr privates Tagebuch von der Angst, ihn nicht an eine andere Frau oder den Tod zu verlieren, sondern an das Amt selbst. Er sterbe innerlich, und sie müsse tatenlos zusehen.

Das dunkle Geheimnis

Was die Öffentlichkeit bis heute nicht ahnte: Es gab Momente, in denen Robert Habeck dem Abgrund näher war als je zuvor. Im Winter 2022 verfasste er einen Abschiedsbrief an seine Familie – ein Dokument der absoluten Erschöpfung, das bis heute verschlossen in einer Schublade in Flensburg liegt. Es gab eine Nacht auf einer Brücke über der Spree, in der er daran dachte, einen letzten Schritt zu tun. Nur der Gedanke an Andrea und seine Söhne hielt ihn zurück.

Robert Habeck wird politisch als der Minister in Erinnerung bleiben, der Deutschland durch eine seiner größten Krisen führte. Doch menschlich bleibt das Bild eines Suchenden, eines Mannes, der versuchte, das Richtige zu tun, und dabei den höchsten Preis bezahlte: seine Lebensfreude, seine Unbeschwertheit und fast auch sich selbst. Wenn die Kameras eines Tages ausgeschaltet werden, wird er hoffentlich den Weg zurück zu dem Mann finden, der einst mit seiner Frau durch die Wälder lief – fernab der grausamen Mechanismen der Macht.