Ich erinnere mich an die Gesichter, an jeden einzelnen von ihnen. Hauptmannrichter lachte so laut, dass seine Stimme durch den gesamten Bunker halte. Müller. Dieser verdammte Müller schlug sich auf die Schenkel, als hätte ich gerade den besten Witz des Krieges erzählt. Und Feldwebel Koch spuckte einfach nur aus, direkt vor meine Stiefel, bevor er sich umdrehte und wegging.
“Eine Drahtfalle mit verzögerten Zündern”, wiederholte Richter meine Worte, als wären sie Gift auf seiner Zunge. Bauer, du bist entweder ein Genie oder der dümmste Idiot, den dieser Krieg je hervorgebracht hat. Die Kälte des Januar 195 kroch durch die Ritzen unseres provisorischen Unterstands irgendwo südlich von Stalingrad.
Draußen heulte der Wind wie ein verwundetes Tier. Drinnen, drinnen starrten mich elf Männer an, als wäre ich bereits tot. Ich war 22, zu jung für diesen Krieg, zu alt, um noch an Wunder zu glauben. Meine Hände zitterten, als ich die Skizze auf dem zerfranzten Papier ausbreitete, nicht vor Angst. vor etwas anderem, vor der brennenden Gewissheit, dass ich recht hatte, während alle anderen mich für verrückt hielten.
“Hör zu”, begann ich meine Stimme fester als erwartet. “Die Sowjets kommen in Wellen immer. Sie stürmen direkt durch, ohne nachzudenken, ohne zu schauen, wenn wir eine Drahtbarriere aufbauen hier zwischen diesen beiden Ruinen und daran Stielhandgranaten befestigen mit Schnüren verbunden, die die was, unterbrach Koch.
Seine Narbe über dem linken Auge zuckte. Die explodieren, sobald der erste Iwan daran zieht und dann die anderen rennen einfach weiter. Nein. Ich schluckte. Der Rauch der Zigaretten brannte in meinen Augen. Nicht sofort. Verzögerte Zündung. Drei Sekunden, vielleicht vier. Genug Zeit, damit sie denken, nichts sei passiert. Genug Zeit, damit sie alle in der Tötungszone sind.
Die Stille, die folgte, war schwerer als die Kälte draußen. Richter beugte sich vor. Seine Augen, müde, eingefallen, von zu vielen Tagen ohne Schlaf gezeichnet, fixierten mich. Du willst, daß wir unsere letzten Granaten für eine Mausefalle verschwenden. Für eine Chance. Eine Chance, worauf? Dass du dir ein Denkmal setzt, bevor wir alle kpieren.
Ich spürte, wie sich mein Kiefer verkrampfte. Die anderen Männer im Bunker bewegten sich unruhig. Jeder von ihnen hatte den gleichen Blick. Ausgelaugt, leer, bereits halb tot. Wir waren abgeschnitten, drei Tage ohne Versorgung. Die Sowjets hatten uns eingekesselt wie Vieh für die Schlachtbank und jeden Morgen kamen sie näher.
“Wir haben noch 24 Stielhandgranaten”, sagte ich leise. “Wenn wir sie einzeln werfen, töten wir vielleicht fünf, sechs von ihnen. Wenn wir sie so einsetzen, wie ich es sage, dann töten wir niemanden, weil deine verdammte Falle nicht funktioniert”, bellte Müller. Er stand auf, seine massive Gestalt warf Schatten an die Wand.
Ich habe genug gesehen, Bauer, genug von deinen Ingenieursspielereien. Das ist Krieg, kein Laboratorium. Mein Herz hämmerte nicht aus Wut, aus Verzweiflung, weil ich wusste, mit jeder Phaser meines Körpers wusste ich, dass dies unsere einzige Möglichkeit war. Ich hatte die Berechnungen durchgeführt 100tmal.
die Schrapnellreichweite einer Stielhandgranate, die durchschnittliche Geschwindigkeit eines sowjetischen Sturmangriffs, die Zeit, die nötig war, damit eine ganze Gruppe in den Wirkungsbereich geriet. Die Mathematik log nicht, die Menschen taten es. “Gebt mir eine Nacht”, flüsterte ich. Meine Stimme brach fast, “Eine Nacht, um es aufzubauen.
Wenn morgen der Angriff kommt und es nicht funktioniert, dann erschießt mich selbst. Aber gebt mir diese eine verdammte Chance. Richter stand langsam auf. Seine Stiefel knirschten auf dem gefrorenen Boden. Er kam näher, bis ich den Alkohol in seinem Atem riechen konnte, den Gestank von Angst und aufgeschobener Kapitulation.
“Weißt du was das Problem mit klugen Männern ist, Bauer”, sagte er leise. “Zu leise. Sie sterben genauso wie die Dummen, nur mit mehr Bedauern.” Er drehte sich um, griff nach seiner Maschinenpistole. Du hast bis zur Morgendämmerung. Nimm Schneider und Fischer mit. Wenn ich morgen früh aufwache und deine Falle ist Schwachsinn, dann wirst du der erste sein, der vorne an der Linie steht.
Verstanden? Ich nickte. Mein Mund war zu trocken zum Sprechen. Als die anderen den Bunker verließen, blieb nur noch das Heulen des Windes und das pochende Gefühl in meiner Brust. Halb Triumph, halb absolute Todesangst. Draußen, jenseits unserer dünnen Verteidigungslinie, wartete die rote Armee.
Tausende von ihnen, wütend, hungrig, unaufhaltsam. Und ich, ich hatte gerade versprochen, sie mit einem Stück Draht und ein paar Granaten aufzuhalten. Gott, was hatte ich getan? Die Nacht würde lang werden, länger als alle, die ich bisher erlebt hatte. Ich griff nach meinem Mantel, spürte das Gewicht der Verantwortung wie Blei in meinen Knochen.
Schneider und Fischer warteten bereits draußen. Ihre Gesichter, zwei blasse Flecken in derDunkelheit, verrieten nichts. Aber ihre Hände, fest um ihre Gewehre geklammert, sprachen Bände. Wir hatten sechs Stunden bis zum Morgengrauen. Sechs Stunden, um das Unmögliche zu schaffen oder um zu sterben, während wir es versuchten. Der Schnee fiel nicht mehr. Er peitschte.
horizontal, gnadenlos wie tausend winzige Messer gegen unsere Gesichter. Ich konnte kaum 3 m weit sehen, als wir uns aus dem Bunker in die Nacht hinauswagten. “Hier?”, fragte Schneider. Seine Stimme war kaum mehr als ein Krächzen. Er war 19, sah aus wie 50. Ich nickte, obwohl er es wahrscheinlich nicht sehen konnte.
Die Ruinen, zwei ausgebrannte Gebäude, einst vielleicht ein Bauernhof, jetzt nur noch schwarze Skelette gegen den bleierndnen Himmel, bildeten einen natürlichen Engpass, genau wie ich es auf meiner Skizze geplant hatte. “Genau hier”, bestätigte ich. Meine Finger waren bereits taub. “Fischer, du hältst Wache.

Schneider, du hilfst mir beim Draht.” Wir arbeiteten schweigend. Jedes Geräusch, das Klirren von Metall, das Rascheln von Stoff schien in der Stille zu explodieren. Irgendwo in der Dunkelheit, vielleicht m entfernt, waren sie, die Sowjets, wartend, planend, bereit bei Tagesanbruch über uns herzufallen, wie Wölfe über verwundete Beute.
Meine Hände zitterten, als ich den ersten Draht spannte, nicht wegen der Kälte, wegen der schrecklichen Klarheit dessen, was ich tat, wegen der Bilder in meinem Kopf. Körper zerrissen von Schrapnell, Schreie, Blut im Schnee, Bauer, Fischers Stimme scharf wie ein Peitschenhieb, Bewegung links. Ich erstarrte, mein Herz setzte aus, Sekunden vergingen.
5 10 15 Falscher Alarm, flüsterte Fischer. Nur der Wind, ein Busch oder so. Ich atmete aus. Meine Lunge brannte weiter, immer weiter. Der Draht mußte exakt 30 cm über dem Boden gespannt sein. Hoch genug, damit der Schnee ihn nicht begrub. Tief genug, damit sie ihn nicht sahen, bis es zu spät war. Ich befestigte ihn an der linken Ruine, zog ihn straff zur rechten.
Meine Finger fummelten an den Knoten. Zu kalt, zu dunkel, zu wenig Zeit. Wie viele? Fragte Schneider plötzlich. Was? Wie viele werden sterben, wenn es funktioniert? Ich hielt inne. Die Granate in meiner Hand fühlte sich schwerer an als zuvor. Ich weiß es nicht. Du hast es berechnet. Ich habe dich gesehen. Alle diese Zahlen auf deinem Papier.
Schneider, sag es mir. Die Dunkelheit zwischen uns schien dichter zu werden. Ich hörte nur das Pfeifen des Windes und das raue Atmen meiner eigenen Lungen. 20, sagte ich schließlich, meine Stimme klang fremd. Vielleicht 25, wenn sie dicht genug zusammen sind, wenn der Draht hält, wenn die Zünder funktionieren, wenn wenn es funktioniert, meinst du? Ja. Stille.
Dann mein Bruder ist in Stalingrad gefallen. Letzten Monat. Die Russen haben ihn mit einem Flammenwerfer erwischt. Schneiders Stimme war leer, komplett leer. Also ist es mir scheißegal, wie viele von ihnen sterben. Verstehst du? Ich verstand. Gott, ich verstand. Aber es machte nichts leichter.
Die nächsten zwei Stunden vergingen in einem Nebel aus Schmerz und Konzentration. Jede Granate mußte präzise positioniert werden. Zu weit auseinander, verschwendete Sprengkraft. zu nah beieinander. Sie würden sich gegenseitig auslösen, bevor die Ziele in Position waren. Ich hatte acht Granaten, acht Stielhandgranaten sorgfältig entlang des Drahtes verteilt, die Zündschnüre präpariert, verlängert mit zusätzlichen Streifen aus Stoff und Salpeter.
3 Sekunden Verzögerung, vielleicht dreieinhalb. Das reicht nie, murmelte ich mehr zu mir selbst. Wir brauchen mehr, mehr Sprengkraft, mehr hier. Fischer tauchte aus der Dunkelheit auf. In seinen Händen vier weitere Granaten. Von den Toten in Sektor 3. Sie brauchen sie nicht mehr. Zwölf Granaten, zwölf Chancen es richtig zu machen oder zwölf Wege, wie alles schiefgehen konnte.
Ich befestigte sie eine nach der anderen. Meine Finger bluteten jetzt kleine Risse in der gefrorenen Haut, die ich kaum spürte. Der Draht schnitt ein immer wieder. Aber ich durfte nicht aufhören, durfte nicht nachdenken. Fertig? Fragte Schneider nach einer Ewigkeit. Ich trat zurück, betrachtete mein Werk. Im schwachen Mondlicht, der durch die Wolken brach, sah es aus wie nichts.
Ein paar Drähte, ein paar Schatten, völlig harmlos, perfekt, noch nicht. Meine Stimme klang heiser. Der Auslösemechanismus, das war der kritischste Teil. Der Draht musste mit den Zündern verbunden sein, aber nicht zu fest. Ein falscher Zug. Zu schwach und nichts würde passieren. Zu stark und die Granaten würden explodieren, bevor genug Feinde in der Tötungszone waren.
Ich arbeitete mit vor Konzentration zusammengebissenen Zähnen. Meine Hände zitterten so stark jetzt, dass ich zweimal neu anfangen musste. Der Schweiß auf meiner Stirn gefror sofort. Dann ein Geräusch, nicht der Wind diesmal. Stimmen, russische Stimmen. Runter zischte Fischer. Wir warfen uns in den Schnee, presßten unsere Körper gegen die gefrorene Erde.
Mein Herz hämmerte so laut, dass ichsicher war, sie mussten es hören. Die Stimmen kamen näher. Zwei Männer, vielleicht drei, eine Patrouille. Ich lag bewegungslos. Der Schnee unter mir brannte wie Feuer. Zentimeter neben meinem Gesicht, der Auslösedraht. Ich hatte ihn noch nicht fertig befestigt. Wenn Sie ihn fanden, wenn Sie die Schritte hielten an, direkt vor unserer Position.
Ich hörte das Klicken eines Feuerzeugs, sah den schwachen Lichtschein einer Zigarette, roch den Tabakrauch, der durch die kalte Luft wehte. Sie standen keine 5 Meter von uns entfernt. Meine Hand lag auf meinem Messer, bereit, falls es sein musste. Falls Gelächter. Einer der Sowjets sagte etwas. Der andere antwortete dann Schritte sich entfernend.
Ich wagte nicht zu atmen, bis ihre Stimmen in der Dunkelheit verschwanden. “Scheißer”, flüsterte Schneider. “Das war still.” Meine Stimme zitterte. “Wir müssen weitermachen. Schneller. Die letzten Verbindungen wurden in fieberhafter Eile hergestellt. Meine Finger fühlten sich nicht mehr wie meine eigenen an.
Alles war Instinkt jetzt Muskelgedächtnis. die Ausbildung, die mir vor einer Ewigkeit, vor dem Krieg, vor allem eingehämmert worden war. Dann war es getan. Die Falle war scharf. Wir krochen zurück zu unseren Linien. Jeder Meter fühlte sich an wie ein Kilometer. Als wir endlich den Bunker erreichten, zitterte ich am ganzen Körper.
Richter war noch wach. Natürlich war er wach. Er trank aus einer Feldflasche seine Augen Blutunterlaufen. Und fragte er, es ist fertig. Er lachte, ein bitteres, hohes Geräusch. Dann bete zu deinem Gottbauer, bete, daß es funktioniert. Denn wenn es das nicht tut, er nahm einen weiteren Schluck, dann werden wir alle tot sein, bevor der Tag endet. Ich sank auf meine Pritsche.
Jeder Knochen schmerzte, jeder Muskel brannte. Durch die Ritzen in der Wand sah ich den Himmel. noch dunkel, aber da ganz am Horizont der erste schwache Streifen von grau. Die Morgendämmerung kam und mit ihr alles andere Schlaf kam nicht, konnte nicht kommen. Ich lag auf der eiskalten Pritsche, starrte an die Decke des Bunkers und zählte die Sekunden.
Jede einzelne davon fühlte sich an wie eine Ewigkeit. Um mich herum, die Geräusche erschöpfter Männer, Müllers Schnarchen, das nervöse Kratzen von Koch an seiner Waffe, Richters gelegentliches Murmeln, Worte, die ich nicht verstand, vielleicht Namen, vielleicht Gebete, aber ich ich konnte nur an den Draht denken, an die zwölf Granaten, an die Zünder, die ich mit gefrorenen Fingern verbunden hatte.
Hatte ich die Knoten fest genug gezogen, war der Draht richtig gespannt? Was, wenn der Schnee übernacht? Du denkst zu viel, sagte eine Stimme in der Dunkelheit. Fischer. Er saß aufrecht, seine Silhouette kaum sichtbar. Ich denke genau richtig, flüsterte ich zurück. Nein, du zerreißt dich selbst.
Er zündete eine Zigarette an. Das kurze Auflackern beleuchtete sein Gesicht. jung, viel zu jung, aber mit Augen, die bereits Dinge gesehen hatten, die kein Mensch sehen sollte. Entweder es funktioniert oder nicht. Du kannst jetzt nichts mehr ändern. Er hatte recht. Natürlich hatte er recht, aber das machte es nicht leichter. “Wie machst du das?”, fragte ich.
“Wie schaltest du einfach ab?” Fischer nahm einen langen Zug. Der Rauch kräuselte sich in der kalten Luft, indem ich mir sage, daß ich bereits tot bin, daß wir alle bereits tot sind. Alles danach ist Bonus. Das ist realistisch. Seine Stimme war hart. Sieh dich, Umbauer. Wir sind abgeschnitten.
Keine Versorgung, keine Verstärkung. Die Russen haben Panzer, Artillerie, tausend Mann für jeden von uns. Deine Falle? Sie kauft uns vielleicht einen Tag, vielleicht zwei, aber am Ende er schnippte die Asche ab. Am Ende kommen sie trotzdem. Ich wollte widersprechen, wollte sagen, dass es einen Ausweg gab, dass Hilfe unterwegs war, dass wir überleben würden, aber die Worte blieben in meiner Kehle stecken, weil er recht hatte.
Wir waren bereits Gespenster. Die einzige Frage war, wie viele wir mit uns nehmen würden. Die Zeit kroch dahin. Minuten wurden zu Stunden oder waren es Sekunden? Ich verlor jedes Gefühl dafür. Meine Gedanken drehten sich im Kreis. Die Falle, die Sowjets, die Explosion, Körper, Blut, Schreie. Wach auf, Richters Stimme, ein Donnerschlag in der Stille. Ich fuhr hoch.
Wann war ich eingeschlafen? Hatte ich überhaupt geschlafen? Tageslicht. Graues schmutziges Tageslicht sickerte durch die Ritzen. Draußen das Knirschen von Stiefeln im Schnee. Befehle auf deutsche Au gerufen. Die Männer bereiteten sich vor. “Sie kommen”, sagte Richter. “Sein Gesicht war eine Maske aus Stein. Unsere Sper haben Bewegung gesehen, große Bewegung.
Zwei Kompanien, vielleicht mehr.” Mein Magen verkrampfte sich wo? von Osten direkt auf uns zu. Er sah mich an durch mich hindurch. Direkt auf deine Falle zu. Ich griff nach meinem Gewehr. Meine Hände zitterten so stark, dass ich es zweimal fallen ließ. Position einnehmen, brüllte Koch. Jeder Mann an seinen Posten. Los, los, los! Wirströmten aus dem Bunker.
Die Kälte schlug mir ins Gesicht wie eine Faust. Meine Lungen brannten bei jedem Atemzug. Ich rannte zu meiner Position. Ein kleiner Graben dreig m hinter der Falle. Von hier konnte ich sehen, alles sehen. Der Draht war noch da. Kaum sichtbar unter dem frischen Schnee, aber da. Die Granaten verborgen, perfekt positioniert, genau wie ich es geplant hatte, wenn es funktionierte, wenn.
Dort flüsterte Schneider neben mir. Er deutete mit zitterndem Finger nach Osten. Ich sah sie. Zuerst nur Schatten am Horizont, dann Formen, Männer, Dutzende, nein, Hunderte. Eine graue Masse, die sich durch den Schnee bewegte wie eine Lawine. Langsam, unaufhaltsam, todgewiss, die rote Armee. Mein Mund wurde trocken, jeder Muskel in meinem Körper verkrampfte sich.
Sie kamen in Wellen. Die erste Linie, vielleicht 50 Männer, bewegte sich vorsichtig. Gewehre im Anschlag, Augen, die jeden Meter Boden abtasteten. Professionell, diszipliniert. “Warten!”, knurrte Koch irgendwo links von mir. “Nicht schießen, las sie näher kommen.” Näher, immer näher. 100 m, 80, 60.
Ich konnte ihre Gesichter jetzt sehen. Jung, alt, verängstigt, wütend. Menschen, einfach nur Menschen. Menschen, die ich gleich töten würde. 40 m. Die Falle lag direkt vor ihnen, unsichtbar, wartend. Meine Lunge weigerte sich zu arbeiten. Ich konnte nicht atmen, konnte nicht denken. 30 m. Die erste Reihe der Sowjets verlangsamte sich.
Einer von ihnen, ein großer Mann mit buschigem Bart, hob die Hand, sagte etwas. Die anderen hielten an. Nein, nein, nein, nein. Sie durften nicht anhalten. Sie mussten weitergehen. Mussten. Der Bärtige trat vor. Einen Schritt, noch einen. Sein Stiefel berührte den Draht. Ich hielt den Atem an. Nichts passierte. Der Mann blieb stehen, sah nach unten.
Sein Gesicht Verwirrung. dann erkennen. Seine Augen weiteten sich. Lovuschka, brüllte er. Falle. Er drehte sich um, versuchte zurückzurennen. 3 Sekunden. Die Zeit dehnte sich. Ich sah alles in grausamer Klarheit, wie er stolperte, wie die anderen Soldaten zusammenzuckten, wie einige von ihnen bereits rannten, wie andere noch immer standen, verwirrt, nicht verstehend. 2 Sekunden.
Der Bertige schaffte vier Schritte, nicht mehr. Eine Sekunde. Ich schloss die Augen. Die Welt explodierte. Der Klang war es gab keine Worte dafür. Kein einzelner Laut, sondern ein Krischendo aus Donner und Schreien und splitterndem Metall. Zwölf Granaten, Zeit versetzt um Millisekunden. Symfonie aus Tod und Zerstörung.
Ich zwang mich die Augen zu öffnen. Wo eben noch Männer gestanden hatten, war nur noch Chaos, Rauch, Schnee, rot gefärbt, Körper. Manche bewegten sich noch, die meisten nicht. Schrapnell hatte alles in einem Radius von 10 m zerrissen, vielleicht 15. Die Schreie, Gott, die Schreie. Feuer! Richters Stimme gellend über das Schlachtfeld.
Feuer! Verdammt, unsere Gewehre erwachten. Ich hob meine eigene Waffe, zielte auf Schatten im Rauch, drückte ab. wieder wieder mechanisch ohne zu denken. Die zweite Welle der Sowjets brach zusammen. Nicht wegen unserer Schüsse, wegen dessen, was sie sahen, wegen der Falle, wegen des Blutes ihrer Kameraden im Schnee. Sie rannten, einfach rannten.
Nach 3 Minuten war es vorbei. Stille senkte sich über das Schlachtfeld, nur unterbrochen von gelegentlichem Stöhnen, von Wind, der durch die Ruinen pfiff. Ich ließ mein Gewehr fallen. Meine Hände zitterten unkontrollierbar. Mein Magen rebellierte. Ich drehte mich zur Seite. Er brach mich in den Schnee. Bauer! Richters Stimme.
Bauer, ich konnte nicht antworten. Verdammt, Junge, es hat funktioniert. Es hat verdammt noch mal funktioniert. Ja, es hatte funktioniert. Und ich würde den Anblick nie wieder vergessen. Die Stunden nach der Explosion verschmolzen zu einem nebligen Albtraum aus Adrenalin und Schock. Ich saß in meinem Graben, starrte auf das Schlachtfeld, konnte mich nicht bewegen, konnte nicht denken.
Wie viele? Fragte jemand. Ich wußte nicht, wer gesprochen hatte. Vielleicht Fischer, vielleicht Schneider, vielleicht ich selbst. Antwortete Müller. Er war hinausgegangen, hatte gezählt. Gezählt, als wären es Kartoffelsäcke, als wären es nicht Menschen. 23 Tote direkt, weitere acht, neun verwundet. Die haben sie mitgeschleift, als sie abgehauen sind. 23.
Die Zahl brannte sich in meinen Schädel. Ich hatte auf 20 kalkuliert, vielleicht meine Berechnungen waren fast perfekt gewesen. Fast. Warum fühlte sich Perfektion an wie Gift? Der Junge ist ein verdammtes Genie, hörte ich Koch sagen. Seine Stimme klang weit entfernt, als käme sie aus einem anderen Universum.
“Habt ihr gesehen, wie die Ivans gerannt sind? Wie die Hasen, die kommen heute nicht wieder.” Lachen. Jemand lachte. War es Richter? war es Bauer. Eine Hand auf meiner Schulter, fest, warm, Richter kniete neben mir, sein Gesicht eine Mischung aus Erleichterung und etwas anderem. Respekt, Mitleid. Du hast uns gerettet, verstehst du das? Du hast uns allen das Leben gerettet. Hatte ich das? Ich sahwieder zum Schlachtfeld.
Der Rauch hatte sich verzogen. Jetzt konnte ich alles sehen. Jedes Detail. Die Art, wie der Bertige lag, auf dem Rücken seine Augen offen, starrend in den grauen Himmel, der jüngere Soldat daneben sein Gesicht halb weggerissen, der mit der kaputten Brille gekrümmt, als würde er schlafen. 23 Bauer Richter schüttelte mich.
Hörst du mir zu? Ja, flüsterte ich. Meine Stimme klang nicht wie meine eigene. Wir brauchen mehr davon, mehr Fallen. Wenn die heute nicht kommen, kommen sie morgen oder übermorgen. Aber sie kommen und wenn wir Nein. Das Wort kam heraus, bevor ich nachdenken konnte. Richter blinzelte. Was? Nein. Fester diesmal. Ich sah ihn an.
Wir haben keine Granaten mehr. Keine Dräte, nichts. Das war alles. Dann finden wir welche. Wir durchsuchen die Leichen. Wir nein. Ich stand auf. Meine Beine fühlten sich an wie Holz. Ich tue es nicht noch einmal. Die Stille, die folgte, war wie ein Messer. Richter stand langsam auf, seine Augen verengten sich. Was hast du gerade gesagt? Ich sagte, ich habe verstanden, was du gesagt hast.
Seine Stimme wurde leise, gefährlich leise. Ich frage dich, ob du dir im Klaren darüber bist, was du gerade gesagt hast vor allen diesen Männern. Um uns herum, Stille. Jeder im Graben war verstummt, beobachtete, wartete, mein Herz hämmerte. Aber etwas in mir, etwas, das sich in den letzten Stunden verändert hatte, weigerte sich nachzugeben.
“Ich habe getan, was getan werden mußte”, sagte ich. Jedes Wort fühlte sich an, als würde ich Glas schlucken. “Ich habe uns Zeit gekauft, aber ich werde keine weitere Falle bauen. Ich werde nicht” Meine Stimme brach. Ich kann nicht. Richter starrte mich an. F Sekunden, zehn, eine Ewigkeit. Dann unerwartet nickte er.
Gut, sagte er leise, dann baust du keine weiteren Fallen. Er drehte sich zu den anderen. Positionen halten, Wachen aufstellen. Die Russen sind nicht dumm. Sie werden ihre Taktik ändern. Er ging einfach ging ohne ein weiteres Wort. Ich sank zurück in den Graben. Meine Hände zitterten noch immer. würden vielleicht nie aufhören zu zittern.
“Er hat dich nicht erschossen”, murmelte Fischer neben mir. “Das ist etwas.” “Ja”, flüsterte ich. “Das ist etwas.” Die Mittagssonne, schwach blass, kroch über den Himmel. Auf dem Schlachtfeld begann der Schnee wieder zu fallen. Langsam bedeckte er die Körper wie ein Leichentuch, wie eine Vergebung, die nicht kommen würde.
Ich schloss die Augen, versuchte nicht zu denken, versuchte nicht zu fühlen, versuchte einfach nur zu existieren, Atemzug für Atemzug. Aber die Bilder kamen trotzdem, immer wieder der Bärtige, sein Gesicht in dem Moment, als er verstand, die drei Sekunden, die Explosion, das Rot im Schnee. “Sie hätten uns getötet”, sagte Schneider plötzlich.
Er hatte die ganze Zeit still dargelegen. “Wenn du es nicht getan hättest, sie hätten uns getötet, jeden einzelnen. Ich weiß. Dann warum? Weil Wissen es nicht leichter macht.” Ich öffnete die Augen, sah ihn an. Verstehst du das? Ich weiß, dass es richtig war. Ich weiß, dass wir keine Wahl hatten, aber mein Verstand weiß das nicht. Ich prste meine Faust gegen meine Brust.
Nicht hier. Schneider nickte langsam. Mein Bruder! Begann er, dann stockte. Bevor er starb, schrieb er mir einen Brief. Er sagte, er sagte, das Schlimmste am Krieg sei nicht das Töten, es sei das Weiterleben danach. Weiterleben als ob das eine Option wäre. Die Nachmittagsstunden krochen dahin. Keine weiteren Angriffe.
Die Sowjets schockiert, demoralisiert oder einfach vorsichtiger, blieben fern. Unsere Sper berichteten von Bewegungen, von Stimmen in der Ferne aber nichts konkretes. “Sie planen etwas”, sagte Koch beim Abendessen, wenn man die wässrige Suppe und das steinhart gefrorene Brot so nennen konnte. Morgen greifen sie an. Aber nicht so, nicht wieder so.
Wie dann? Fragte Müller. Koch zuckte die Achseln. Artillerie vielleicht, Panzer, wenn Sie welche haben. Oder sie umgehen uns einfach, hungern uns aus. Wir haben Essen für drei Tage, sagte Richter tonlos, Munition für zwei danach. Er trank aus seiner Feldflasche, danach beten wir. Die Nacht kam schnell, zu schnell.
Ich lag wieder auf meiner Pritsche, starrte in die Dunkelheit, lauschte den Atemzügen der schlafenden Männer um mich herum. 23, 19 Sekunden. Das waren die Zahlen, die Fakten, die objektive Wahrheit von dem, was geschehen war. Aber da war noch etwas anderes, etwas, das sich nicht in Zahlen messen ließ.
Der Blick in den Augen des Bärtigen, das Schreien, die Art, wie der Schnee sich rot verfärbte, die Art, wie etwas in mir, etwas Wichtiges, etwas Menschliches, gestorben war in genau denselben 19 Sekunden. “Kannst du nicht schlafen?”, fragte eine Stimme in der Dunkelheit, Richter, er saß in der Ecke, rauchte ein schwacher Glimppunkt in der Schwärze.
“Nein”, antwortete ich. “Gut.” Er bließ Rauch aus. Männer, die nach so etwas schlafen können, vor denen sollte man sich fürchten. Und du, ich ein bitteres Lachen. Ich habe in den letzten dreiJahren so viel gesehen, dass ich nicht mehr weiß, was normal ist. Vielleicht schlafe ich. Vielleicht bin ich bereits tot und weiß es nur nicht.
Stille, dann du hast das Richtige getan, Bauer, auch wenn es sich nicht so anfühlt. Woher weißt du, wie es sich anfühlt? Weil ich dein Gesicht gesehen habe danach. Ich habe in einen Spiegel geblickt und mein eigenes Gesicht von vor drei Jahren gesehen. Er stand auf, kam näher. Der Krieg macht aus uns allen Monster. Die Frage ist nur, ob wir Monster bleiben, wenn er vorbei ist.
Und wenn er nie vorbei ist? Richter lachte wieder, ohne Freude, ohne Hoffnung. Dann, mein junger Freund, spielt es keine Rolle, oder? Er ging zurück zu seinem Platz, ließ mich allein mit meinen Gedanken. Draußen heulte der Wind, irgendwo in der Ferne, das Grollen von Artillerie. Nicht unsere, nicht ihre, einfach nur der endlose, unerbittliche Klang des Krieges. Ich schloss die Augen.
23 Gesichter starrten zurück. Der Morgen kam mit Stille, einer falschen, bedrückenden Stille, die schwerer war als jedes Geräusch. Ich erwachte, wenn man es Erwachen nennen konnte, nach einer Nacht voller Halbschlaf und Albträume und wusste sofort, dass etwas nicht stimmte. Die Luft im Bunker war anders, gespannter, als würde die Welt den Atem anhalten.
“Sie sind weg”, sagte Fischer, als ich nach draußen trat. “Was die Russen?” Er deutete nach Osten. Unsere Speer sind eine Stunde vor Sonnenaufgang raus. Keine Bewegung, keine Wachen, nichts. Mein Herz begann zu rasen. “Das ist unmöglich.” Sie waren weg, wiederholte er. Weg. Richter stand am Rand unserer Position, starrte durch sein Fernglas auf das Niemandsland.
Sein Gesicht war ausdruckslos. Sie haben sich zurückgezogen”, sagte er, ohne sich umzudrehen. In der Nacht leise, professionell. “Warum?” Müller trat neben ihn. “Das ergibt keinen Sinn. Sie hatten uns zahlenmäßig von der Ausrüstung her, von allem.” “Deine Falle.” Richter ließ das Fernglas sinken, sah mich an. “Sie haben 23 Männer in 19 Sekunden verloren gegen einen Feind, der eigentlich am Ende war.
Was glaubst du, was das mit ihrer Moral gemacht hat? Ich konnte nicht antworten, konnte nur da stehen und auf das leere Schlachtfeld starren. Der Schnee hatte alles bedeckt, fast alles hier und da. Dunkle Flecken, Umrisse von Dingen, die einmal Menschen gewesen waren. “Sie haben Angst bekommen,” fuhr Richter fort.
Seine Stimme klang seltsam, fast ehrfürchtig. Sie wissen nicht, wie viele weitere Fallen wir haben, wie viele weitere Tricks. Sie haben entschieden, daß wir es nicht wert sind. Wir haben gewonnen, flüsterte Koch ungläubig. Wir haben tatsächlich gewonnen. Gewonnen? Das Wort fühlte sich falsch an, hohl, als hätte es seine Bedeutung verloren.
Die nächsten Stunden vergingen in einem Wirbel aus Erleichterung und Erschöpfung. Befehle kamen über Funk. Wir sollten uns zu einer Sammelstelle dreißig Kilometer südlich zurückziehen. Verstärkungen waren unterwegs. Die Front hatte sich verschoben. Wir packten unsere wenigen Harbseligkeiten, bereiteten uns auf den Marsch vor.
Jeder schritt mechanisch, automatisch. Ich ging ein letztes Mal hinaus zum Schlachtfeld, zu dem Ort, wo meine Falle gewesen war. Der Draht war weg. Jemand, die Sowjets vermutlich, hatte ihn mitgenommen als Beweis, als Warnung für andere Einheiten, aber die Reste waren nahen noch da. Krater im Boden, Metallsplitter und die Körper.
Drei hatten sie zurückgelassen, zu verwundet zum Transport vermutlich. Jetzt waren sie einfach nur gefroren, konserviert von der Kälte wie Skulpturen. Der Bärtige war darunter. Ich stand vor ihm, starrte in sein totes Gesicht. Seine Augen waren geschlossen. Jetzt jemand, vielleicht einer seiner Kameraden, hatte ihm diesen letzten Respekt erwiesen.
“Es tut mir leid”, flüsterte ich. Die Worte fühlten sich bedeutungslos an, lächerlich. Was half Entschuldigung einem Toten? Aber ich sagte es trotzdem, weil ich es sagen mußte, weil irgendetwas in mir, der letzte Rest von dem, was ich vor dem Krieg gewesen war, es verlangte. Bauer, schneid das Stimme von weit her. Wir brechen auf.
Ich drehte mich um, ging zurück, ließ die Toten zurück im Schnee. Der Marsch war ein Nebel. Stunden verschmolzen zu einem endlosen Treck durchgefrorene Landschaft. Niemand sprach viel. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Als wir die Sammelstelle erreichten, ein kleines Dorf, das zur Hälfte zerstört, zur Hälfte noch bewohnt war, empfing uns ein Offizier, den ich nicht kannte.
Oberleutnand Krause, jung, sauber rasiert, mit der Art von Frische, die nur Männer hatten, die nicht an der Front gewesen waren. “Ihr seid die Einheit aus Sektor 8”, fragte er. Was davon übrig ist, antwortete Richter. Krause nickte, zog ein Notizbuch hervor. Ich habe Berichte gehört über eine unkonventionelle Verteidigungstaktik.
Eine Granatenfalle? Stille. Alle Augen wandten sich zu mir. Ja, sagte ich schließlich. Meine Stimme klang fremd. Ich habe sie gebaut. Grauses Augen leuchteten auf. Brilliant.Absolut brilliant. bestätigte Abschüsse mit einer einzigen Installation. Das ist Er unterbrach sich, sah mich genauer an.
Wie ist dein Name, Soldat? Bauer. Gefreiter Bauer. Gut Bauer, sehr gut. Er machte sich Notizen. Das Oberkommando wird davon hören wollen. Eine solche Innovation. Das könnte überall eingesetzt werden an jeder Front. Stell dir vor, wenn jede Einheit Nein. Das Wort kam härter heraus als beabsichtigt. Krause blinzelte. Entschuldigung. Ich sagte nein.
Ich sah ihn direkt an. Ich werde keine Anweisungen geben, keine Pläne, keine Berichte. Es ist vorbei. Soldat, du verstehst nicht. Ich verstehe perfekt. Meine Stimme wurde lauter, zu laut. Aber ich konnte nicht aufhören. Ich verstehe, daß Männer tot sind, weil ich schlau war. Ich verstehe, dass ihre Gesichter mich für den Rest meines Lebens verfolgen werden.
Und ich verstehe, dass ich das kein zweites Mal tun werde. Nicht für dich, nicht für das Oberkommando, nicht für irgendjemanden. Die Stille, die folgte, war absolut. Krause starrte mich an. Sein Gesicht durchlief eine Reihe von Ausdrücken, Schock, Wut, Verwirrung. Das ist Befehlsverweigerung. Das ist Laßt ihn in Ruhe.

Richter trat vor, stellte sich zwischen mich und den Oberleutnant. Der Junge hat drei Tage ohne Schlaf hinter sich. Er hat seine Einheit gerettet. Er hat mehr getan, als von ihm verlangt werden konnte. Seine Stimme war ruhig, aber darunter Stahl. Wenn ihr Helden wollt, sucht sie woanders. Krause öffnete den Mund, schloß ihn wieder, sah von Richter zu mir, dann zurück.
“Wir werden sehen, was das Oberkommando dazu sagt”, murmelte er schließlich. Dann ging er steif, beleidigt. Ich sank auf eine Kiste. Meine Beine gaben nach, meine Hände zitterten wieder. “Danke”, flüsterte ich. Richter zuckte die Achseln. Ich habe nur die Wahrheit gesagt. Er setzte sich neben mich, zog seine Feldflasche hervor, reichte sie mir, ich trank.
Der Schnaps brannte wie Feuer. “Was passiert jetzt?”, fragte ich. “Jetzt?” Richter lachte leise. “Jetzt ruhen wir. Für ein paar Tage, vielleicht eine Woche. Dann schicken Sie uns woanders hin an eine andere Front, einen anderen Sektor und alles beginnt von vorn.” Und die Falle, was ist damit? Werden sie werden andere sie nachbauen? Richter schwieg lange, dann wahrscheinlich irgendwo irgendwann wird jemand davon hören, wird es versuchen, wird seine eigenen 23 töten oder mehr oder mehr.
Ich schloss die Augen, fühlte die Sonne schwach, aber da auf meinem Gesicht. Leben, 19 Sekunden. Eine Idee geboren aus Verzweiflung und Mathematik. Die Zahlen würden bleiben, die Fakten würden in Berichten festgehalten werden. Vielleicht würde jemand irgendwo eines Tages darüber lesen und denken: Brilliant, absolut brillant.
Aber sie würden die Gesichter nicht sehen, würden die Schreie nicht hören, würden nicht spüren, wie es sich anfühlte, wenn etwas in dir starb, in genau den Sekunden, in denen du erfolgreich warst. Sie würden die Lektion nie lernen, die ich gelernt hatte, das Überleben manchmal der höchste Preis war, den man zahlen konnte.
Komm, sagte Richter schließlich, stand auf, lass uns etwas essen, etwas warmes, wenn wir Glück haben. Ich nickte, stand auf. folgte ihm. Hinter uns das Schlachtfeld, die Toten, die Erinnerungen, vor uns, was auch immer als nächstes kam. Ich ging Schritt für Schritt, weil es das einzige war, was man tun konnte. Weitergehen, weiterleben, auch wenn ein Teil von mir dort im Schnee zurückgeblieben war bei den Männern, die in 19 Sekunden gestorben waren, bei dem, der ich einmal gewesen war.
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Wie ein deutscher Scharfschütze mit dem „Schnürsenkel-Trick” 54 Sowjets in 3 Tagen tötete
Januar 1945, 18 km östlich der Weichsel und die Kälte war so brutal, dass jeder Atemzug in der Lunge brannte…
„Es war die Hölle“: Stefanie Hertel bricht ihr Schweigen über die dunklen Jahre mit Stefan Mross
Es ist ein Bild, das sich tief in das kollektive Gedächtnis der deutschen Unterhaltungskultur eingebrannt hat: Stefanie Hertel und Stefan…
Helene Fischer 2025: Zwischen Millionen-Imperium und einsamer Isolation – Der wahre Preis ihrer Perfektion
Helene Fischer ist im Jahr 2025 weit mehr als eine Sängerin; sie ist eine nationale Institution, ein wirtschaftliches Schwergewicht und…
Schlager-Imperium & Streichelzoo: Das faszinierende Multimillionärs-Leben der Andrea Berg im Jahr 2025
In der Welt des deutschen Schlagers gibt es viele Sterne, aber nur wenige Konstanten. Andrea Berg ist eine solche Ausnahmeerscheinung….
Suri Noels radikaler Bruch: Warum Tom Cruises Tochter den Namen ihres Vaters für immer abgelegt hat
In der glitzernden Welt von Hollywood gibt es Geschichten, die wie ein modernes Märchen beginnen und in einer menschlichen Tragödie…
Hinter der Maske der Macht: Das erschütternde Protokoll von Robert Habecks tiefster Trauer und der zerbrechenden Welt seiner Familie
Robert Habeck, der Mann mit den oft als „traurig“ beschriebenen Augen, ist das Gesicht einer Ära, die Deutschland so massiv…
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