“Kampf gegen Arbeitgeber”? – Ulrich Siegmund (AfD) zerlegt SPD-Rhetorik nach unfassbaren Entgleisungen

Magdeburg – Es war einer jener Momente im Landtag von Sachsen-Anhalt, in denen man eine Stecknadel hätte fallen hören können, bevor der Sturm losbrach. Ulrich Siegmund, Fraktionsvorsitzender der AfD, trat ans Rednerpult und sprach von einem „Schlag ins Gesicht“. Was zunächst wie der Bericht über eine physische Auseinandersetzung klang, entpuppte sich schnell als eine verbale Abrechnung mit der politischen Kultur der SPD, die an Schärfe kaum zu überbieten war. Im Zentrum der Kritik: Bärbel Bas und eine Rhetorik, die viele Beobachter als offene Kriegserklärung an die Leistungsträger dieses Landes interpretieren.

Der Eklat um das „Schlüsselerlebnis“

Siegmund begann seine Rede mit einem Zitat, das im Hohen Haus für ungläubiges Staunen sorgte. „Und für mich war der Arbeitgebertag ein Schlüsselerlebnis. Da wurde mir klar, gegen wen wir eigentlich kämpfen müssen.“ Diese Worte stammten, so Siegmund, nicht etwa von einer radikalen linken Gruppierung, sondern von Bärbel Bas, einer der führenden Köpfe der SPD.

Der Hintergrund dieser Aussage ist brisant. Auf einem Arbeitgebertag soll Bas zuvor von den anwesenden Unternehmern und Führungskräften ausgelacht worden sein. Der Grund: Ihre Erläuterungen zur Rentenfinanzierung und steuerlichen Belastungen, die von den anwesenden Fachleuten als weltfremd wahrgenommen wurden. Doch statt Selbstkritik zu üben, ging die SPD-Politikerin offenbar zum Gegenangriff über. Siegmund zitierte weiter aus ihren Einlassungen, in denen sie sich über „Männer in bequemen Sesseln“ und „Maßanzügen“ mokierte.

„Wen interessiert das, wo drin jemand sitzt?“, donnerte Siegmund in Richtung der Regierungsbank. Für den AfD-Politiker sind diese Aussagen mehr als nur unglückliche Formulierungen. Sie sind ein Symptom einer tiefen Entfremdung. „Die Arbeitsministerin hat den Kampf gegen die Arbeitgeber in diesem Land ausgerufen“, resümierte er scharf. Dass gesunde Unternehmen die Voraussetzung für gute Löhne und sichere Arbeitsplätze sind, scheine in der Weltbild der Sozialdemokraten keinen Platz mehr zu haben.

„Drecksentwurf“ und „Scheißunion“ – Der Ton verroht

Doch Siegmund beließ es nicht bei der Kritik an Bas. Er weitete den Blick auf den generellen Umgangston innerhalb der etablierten Parteien und deren Nachwuchsorganisationen. Besonders im Visier: Die Jusos und deren Vorsitzende Nina Gaedike.

Mit einer für ein Parlament ungewöhnlichen Direktheit zitierte Siegmund Aussagen, die auf einer Tagung in Mannheim gefallen sein sollen. Dort wurde ein Bürgergeldentwurf von CDU und SPD als „Drecksentwurf“ bezeichnet, und es fielen Worte wie „Scheißunion“. „Bullshit bleibt Bullshit“, so das drastische Fazit der Juso-Chefin laut Siegmund.

Diese vulgäre Sprache dient dem AfD-Mann als Beweis für den moralischen und politischen Verfall der einstigen Volksparteien. Er wandte sich direkt an die CDU-Abgeordneten im Saal: „Das ist Ihr zukünftiger Koalitionspartner. So lassen Sie sich hier verschaukeln.“ Siegmunds Strategie ist klar: Er treibt einen Keil zwischen die potenziellen Partner einer künftigen Regierung und stellt die AfD als die einzige Kraft dar, die noch Anstand und Respekt vor den Institutionen und den Bürgern wahrt.

Verteidigung der „Leistungsträger“

Der rote Faden in Siegmunds Argumentation war die Verteidigung der sogenannten „Leistungsträger“. Damit meint er jene, die „60, 70 Stunden arbeiten, Risiken eingehen und den Laden am Laufen halten“. Die herabwürdigenden Kommentare über Anzüge und Sessel seien ein Schlag ins Gesicht all jener, die durch ihre Steuern und Abgaben den Sozialstaat erst ermöglichen.

„Wie kann man nur so abgehoben sein?“, fragte Siegmund in den Saal. Er warf der SPD vor, zu glauben, dass „Geld einfach so vom Himmel fällt“ oder wie Wasser aus einem Hahn kommt, sobald man ihn aufdreht. Diese Mentalität, so der Vorwurf, zerstöre den Wirtschaftsstandort Deutschland. Unternehmer, die sich derart angefeindet fühlen, würden das Land verlassen – und zwar nicht, weil sie es wollen, sondern weil sie müssen. „Was hat Deutschland uns denn überhaupt noch zu bieten?“, sei die Frage, die sich viele stellten.

Wahlkampfmodus für 2026

Die Rede war mehr als eine parlamentarische Intervention; sie war der Auftakt für das Superwahljahr 2026 in Sachsen-Anhalt. Ulrich Siegmund positionierte sich und seine Partei klar als die einzig verbliebene Alternative für den Mittelstand und die arbeitende Bevölkerung. Er spielte geschickt mit der Unzufriedenheit über die „Ampel“-Politik im Bund und projizierte diese auf die Landesebene.

Sein Ziel ist ambitioniert: Er will der erste AfD-Ministerpräsident werden. „Wir müssen das korrigieren“, rief er seinen Zuhörern zu. Eine Alleinregierung der AfD sei notwendig, um sich nicht für „Machtoptionen verbiegen“ zu müssen – ein direkter Hieb gegen die CDU, der er vorwarf, ihre Prinzipien für den Machterhalt zu verraten.

Reaktionen und Ausblick

Die Reaktionen im Netz auf das Video der Rede sind überwältigend. Tausende Kommentare zeugen von einer tiefen Spaltung der Gesellschaft. Während die einen Siegmund für seine klaren Worte feiern und in ihm den Anwalt des „kleinen Mannes“ und des Mittelständlers sehen, sind andere entsetzt über die Zuspitzung und die aggressive Rhetorik.

Fakt ist: Die Nerven liegen blank. Die wirtschaftliche Lage ist angespannt, und das Gefühl, von der politischen Elite nicht mehr verstanden oder gar verachtet zu werden, greift um sich. Wenn Spitzenpolitikerinnen tatsächlich vom „Kampf gegen Arbeitgeber“ sprechen, gießen sie Öl in ein Feuer, das ohnehin schon lichterloh brennt.

Ulrich Siegmund hat diesen Ball dankbar aufgenommen. Seine Botschaft verfängt: Wer Leistung will, wer Wohlstand will und wer Respekt vor Arbeit hat, der hat bei den Altparteien keine Heimat mehr. Ob diese Rechnung bei der Landtagswahl aufgeht, werden die Wähler entscheiden. Doch eines hat diese Debatte gezeigt: Der Wahlkampf wird brutal, persönlich und hochemotional.

Wir bleiben für Sie dran und beobachten, ob aus dem verbalen Schlagabtausch tatsächliche politische Konsequenzen folgen. Teilen Sie uns Ihre Meinung mit: Ist die Kritik der AfD berechtigt, oder schießt Siegmund über das Ziel hinaus?