Filmstar Brigitte Bardot ist tot

Eine Ära ist zu Ende gegangen, und über der Bucht von Saint-Tropez liegt eine bleierne Stille, die schwerer wiegt als die sommerliche Hitze der Côte d’Azur. Brigitte Bardot ist tot. Das französische Filmidol, das in den 1950er- und 1960er-Jahren nicht nur das Kino, sondern die Moralvorstellungen einer ganzen Welt revolutionierte, ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Die Nachricht, bestätigt durch ihre Stiftung, verbreitete sich wie ein Lauffeuer um den Globus und löste eine Welle der Trauer, aber auch der nostalgischen Erinnerung aus. Sie starb dort, wo sie sich am sichersten fühlte, in ihrem legendären Anwesen „La Madrague“, umgeben von der Natur und ihren geliebten Tieren, die ihr in der zweiten Hälfte ihres Lebens wichtiger waren als jeder menschliche Applaus.

Mit Brigitte Bardot verliert die Welt nicht einfach nur eine ehemalige Schauspielerin. Sie verliert ein Symbol. „BB“, wie sie weltweit nur genannt wurde, war mehr als eine Frau; sie war ein Naturgewalt, ein kulturelles Phänomen, das die Grenzen zwischen bürgerlicher Wohlanständigkeit und sexueller Befreiung mit einem einzigen Schmollmund einriss. Als sie 1956 in Roger Vadims Film „Und ewig lockt das Weib“ barfuß und wild tanzend über die Leinwand fegte, explodierte etwas in der kollektiven Psyche der Nachkriegsgesellschaft. Sie war nicht die kühle, unnahbare Göttin wie Greta Garbo oder die tragische Figur wie Marilyn Monroe. Bardot war greifbar, modern, rebellisch und provozierend natürlich. Sie verkörperte eine neue Art von Weiblichkeit – selbstbewusst, hedonistisch und frei von Schuldgefühlen.

Geboren 1934 in eine strenge bürgerliche Pariser Familie, schien ihr Weg in die Welt des Skandals und des Ruhms unwahrscheinlich. Doch ihre Ausbildung als Ballett-Tänzerin verlieh ihr jene Körperbeherrschung und Haltung, die später Millionen faszinieren sollte. Als sie entdeckt wurde, war sie noch ein Teenager, doch ihre Wirkung auf die Kamera war sofort magnetisch. Sie wurde zum Gesicht der „Nouvelle Vague“, auch wenn sie oft in kommerziellen Produktionen spielte, die Kritiker rümpften die Nase, während das Publikum die Kinosäle stürmte. Sie machte den Bikini populär, das Vichy-Karo und die unordentliche Hochsteckfrisur, die „Choucroute“. Sie war der Inbegriff des französischen Chic, gemischt mit einer Prise wilder Anarchie.

Doch der Ruhm, der sie in den Olymp hob, war zugleich ihr Gefängnis. Brigitte Bardot wurde zur meistfotografierten Frau der Welt gejagt von Paparazzi, belagert von Fans. Ihr Privatleben, ihre stürmischen Ehen mit Roger Vadim, Jacques Charrier und dem deutschen Playboy Gunter Sachs, ihre Affären und ihre offene Suche nach Liebe wurden öffentlich seziert. Sie war das erste moderne Opfer des Starkults. Diese ständige Beobachtung hinterließ Narben. Mehrfach versuchte sie, sich das Leben zu nehmen, verzweifelt auf der Suche nach einem Ausweg aus dem goldenen Käfig. „Ich war eine Ware“, sagte sie später verbittert über ihre Jahre beim Film. Man habe ihr die Seele gestohlen, Stück für Stück.

Dann, im Jahr 1973, auf dem absoluten Höhepunkt ihres Ruhms und ihrer Schönheit, tat sie das Unfassbare: Sie trat zurück. Mit nicht einmal 40 Jahren erklärte sie ihre Filmkarriere für beendet. Es war kein PR-Gag, es war eine Flucht. Sie wollte nicht als alternde Diva auf der Leinwand verblassen, sie wollte leben – und sie wollte kämpfen. Dieser radikale Schnitt markierte die Geburt der zweiten Brigitte Bardot. Die Frau, die einst Pelze trug, wurde zur militantesten Tierschützerin der Welt. Sie verkaufte ihren Schmuck, ihre Kleider, ihre Erinnerungsstücke, um die „Fondation Brigitte Bardot“ zu gründen.

Ihr Einsatz war nicht das höfliche Wohltätigkeitsengagement anderer Stars. Bardot ging dorthin, wo es wehtat. Unvergessen sind die Bilder, auf denen sie im kanadischen Eis neben einem blutigen Robbenbaby kniet und weint, oder wie sie sich mit Regierungen anlegte, um gegen Stierkampf, Pferdeschlachtungen und Tierversuche zu protestieren. „Ich habe meine Schönheit und meine Jugend den Männern geschenkt. Jetzt schenke ich meine Weisheit und meine Erfahrung den Tieren“, war ihr berühmtestes Zitat, das ihre Transformation zusammenfasste. Für viele wurde sie dadurch zur Heiligen, für andere zur fanatischen Eifererin.

Todesfall: Von der Filmlegende zur Tierschützerin: Brigitte Bardot tot -  Ostfriesische Nachrichten

In ihren späten Jahren zog sie sich immer mehr in ihr Haus „La Madrague“ zurück, das sie mit hohen Mauern und Zäunen gegen die Außenwelt abschirmte. Saint-Tropez, das kleine Fischerdorf, das durch sie zum Jetset-Hotspot geworden war, wurde ihr fremd. Sie hasste den Luxus, die Yachten, den Lärm. Sie lebte bescheiden, fast spartanisch, umgeben von Hunden, Katzen, Eseln und Schweinen, die sie gerettet hatte. Ihre Misanthropie wuchs im gleichen Maße wie ihre Liebe zu den Tieren. Sie machte keinen Hehl daraus, dass sie von der Menschheit enttäuscht war.

Diese Enttäuschung mündete oft in Kontroversen. Brigitte Bardot war keine einfache Persönlichkeit. Mit ihren politischen Äußerungen, ihrer Nähe zum Front National und ihrer Kritik an der Einwanderungspolitik und dem Islam in Frankreich stieß sie viele vor den Kopf, die sie einst verehrt hatten. Sie wurde mehrfach wegen Volksverhetzung verurteilt. Doch selbst ihre schärfsten Kritiker konnten nicht leugnen, dass sie immer authentisch blieb. Sie verstellte sich nicht, um gefällig zu sein. Sie sagte, was sie dachte, so roh und ungeschliffen es auch sein mochte. In einer Welt voller glattgebügelter PR-Statements war sie bis zum Schluss eine unbequeme, kantige Realität.

Das Verhältnis zu ihrem einzigen Sohn Nicolas-Jacques Charrier blieb zeitlebens schwierig und distanziert. In ihren Memoiren hatte sie ihre Schwangerschaft einst als Albtraum beschrieben, Worte, die einen tiefen Graben zwischen Mutter und Sohn rissen, der sich nie ganz schließen ließ. Es war Teil der Tragik ihres Lebens, dass die Frau, die von Millionen geliebt wurde, im engsten familiären Kreis oft keine Bindung fand. Ihre wahre Familie, so schien es, waren ihre vierbeinigen Schützlinge.

Trotz aller Schattenseiten bleibt ihr kulturelles Erbe gigantisch. Brigitte Bardot war die erste, die zeigte, dass eine Frau sexuell aggressiv und dennoch verletzlich sein kann. Sie ebnete den Weg für die sexuelle Revolution der 68er-Bewegung, lange bevor diese auf die Straße ging. Intellektuelle wie Simone de Beauvoir schrieben Essays über sie und bezeichneten sie als „Lokomotive der Frauengeschichte“. Sie war Muse für Künstler, Sänger und Designer. Andy Warhol porträtierte sie, Bob Dylan widmete ihr seinen ersten Song, die Beatles himmelten sie an. Der „Bardot-Look“ ist bis heute in jedem Modemagazin zu finden.

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In den letzten Jahren war es still um sie geworden. Sie litt unter Arthrose, ging an Krücken, weigerte sich jedoch standhaft, sich operieren zu lassen. „Ich repariere meinen Körper nicht mehr, er hat genug geleistet“, soll sie gesagt haben. Sie wollte natürlich altern, ohne Botox, ohne Lifting, stolz auf jede Falte, die von einem gelebten Leben erzählte. Das war ihre letzte Rebellion gegen eine Jugendwahn-Gesellschaft, die sie einst selbst miterschaffen hatte.

Nun hat ihr Herz aufgehört zu schlagen. Die Fahnen in Frankreich wehen auf Halbmast, doch eine pompöse Staatsbeerdigung, wie sie anderen Nationalheiligtümern zuteilwurde, hat sie sich ausdrücklich verbeten. Sie wollte im Garten von „La Madrague“ beerdigt werden, schlicht und einfach, unter einem Holzkreuz, genau wie ihre Tiere. Es ist ein passender Abschied für eine Frau, die den Menschen entfloh, um ihre Menschlichkeit wiederzufinden.

Was bleibt von Brigitte Bardot? Es sind die flimmernden Bilder einer blonden Göttin, die in der Sonne von St. Tropez tanzt. Es ist der unermüdliche Kampf für jene Geschöpfe, die keine Lobby haben. Und es ist die Erinnerung an eine Frau, die sich nie entschuldigte – nicht für ihre Schönheit, nicht für ihre Affären, nicht für ihre Wut und nicht für ihre Einsamkeit. Frankreich hat seine „BB“ verloren, und die Welt ist ein wenig grauer geworden. Adieu, Brigitte. Du warst einzigartig, unzähmbar und unvergesslich. Mögest du dort, wo du jetzt bist, den Frieden finden, den dir die Welt so oft verwehrt hat. Die Legende aber, die wird weiterleben, solange es Kino gibt und solange Menschen von Freiheit träumen.