Es war ja alles neu, man musste das erst einmal wieder in den Schädel reinkriegen. Mit 82 Jahren bricht Frank Schöbel endlich das Schweigen, und das, was er jetzt offenbart, lässt die deutsche Musiklandschaft erschüttert zurück. Der Mann, der über Jahrzehnte als eine der freundlichsten, loyalsten und beständigsten Stimmen des Ostens galt, nennt plötzlich die fünf Stars, die er in seiner langen Karriere am meisten verachtete. Ohne Umschweife und ohne Höflichkeitsfloskeln spricht er Worte gelassen aus, die so direkt und ungefiltert sind wie nie zuvor. Hinter den Kulissen seiner größten Erfolge lagen Rivalitäten, Demütigungen und bittere Momente, die er jahrzehntelang ertrug, ohne je darüber zu sprechen. Doch nun im hohen Alter zieht er Bilanz und enthüllt Wahrheiten, die viele geahnt, aber niemand ausgesprochen hat.

Die erste Person auf seiner Liste ist Wolfgang Lippert, ein Name, der für viele Menschen im Osten Deutschlands mit Nostalgie, Humor und Fernsehgeschichte verbunden ist. Doch für Frank Schöbel steht dieser Name heute auch für eine der schmerzhaftesten Erfahrungen seiner Karriere. Lippert war einst ein Kollege, ein Wegbegleiter, jemand, mit dem er gemeinsam die Unterhaltung im DDR-Fernsehen prägte. Aber nach der Wende änderte sich nicht nur die Branche, auch die Menschen änderten sich, und besonders eine Veränderung traf Frank härter als erwartet. Es begann sanft, kaum spürbar. Bei gemeinsamen Shows bemerkte Frank, dass Lippert immer seltener das Gespräch suchte. Früher hatten sie gemeinsam gelacht, gescherzt und über Musik gesprochen. Doch plötzlich wurde Frank behandelt wie eine Figur aus der Vergangenheit. Während Lippert sich immer eifriger als moderner, wendiger Entertainer inszenierte, begann er den Kollegen, der einst auf Augenhöhe war, wie einen Konkurrenten zu behandeln, den man möglichst unauffällig zur Seite schieben musste. Der Wendepunkt kam während einer Silvesterproduktion eines großen Senders. Beide waren gebucht und sollten eigentlich als gleichwertige Schlagerlegenden auftreten. Doch am Tag der Aufzeichnung erfuhr Frank zufällig, dass Lippert sich intern dafür eingesetzt hatte, den zentralen Live-Slot zu bekommen. Franks Auftritt wurde kurzerhand aus dem Primetime-Block entfernt und in einen frühen Abschnitt verschoben, den kaum jemand verfolgte. Lippi wollte das Zentrum, flüsterte ein Mitarbeiter hinter den Kulissen. Frank stand minutenlang schweigend da. Nicht, weil er den Sendeplatz unbedingt gebraucht hätte, sondern weil er spürte, dass Lippert ihn nicht mehr als Partner sah, sondern als Hindernis. Das Gefühl, von einem früheren Kollegen verdrängt zu werden, fraß sich tief in sein Herz. Noch schmerzhafter wurde es, als er erfuhr, dass Lippert sich intern abfällig über seine Musik geäußert hatte: Schöbel zieht nicht mehr, das ist der Sound von gestern. Worte, die wie Messer waren, nicht wegen ihrer Härte, sondern wegen ihres Ursprungs. Verrat verletzt mehr, wenn er von einem Freund kommt.

Die Geschichte mit Lippert war jedoch nur der Anfang. Der zweite Name auf Franks Liste steht für eine ganz andere Art von Schmerz – nicht die stille Entfremdung eines Kollegen, sondern den jahrzehntelangen Schatten eines übermächtigen Stars. Diese Person ist Roland Kaiser. Er gilt als eine der größten Schlagerikonen Westdeutschlands, charmant, souverän und elegant. Für Millionen Menschen ist er der Inbegriff des modernen Schlagers, doch für Frank Schöbel symbolisiert er auch das Ungleichgewicht, das nach der Wiedervereinigung viele Künstler aus dem Osten traf. Es war eine Branche, die plötzlich nur noch Platz für westdeutsche Stars zu haben schien. Frank beschreibt eine Zeit, in der er sich nach der Wende völlig neu orientieren musste. Die großen TV-Shows wurden fast vollständig von westdeutschen Produzenten kontrolliert, und während Roland Kaiser immer mehr Bühnen eroberte, schien Frank ständig einen Schritt zurücktreten zu müssen. Nicht, weil seine Musik schlechter war, sondern weil das neue System alte Strukturen bevorzugte. Die schmerzhafteste Erfahrung geschah 1994 bei einer großen Charity-Gala. Frank war ursprünglich für einen Auftritt im Hauptblock vorgesehen, doch Wochen später wurde seine Performance in den Nachmittag verschoben. Erst Jahre später erfuhr er, dass Kaiser darauf bestanden hatte, den Primetime-Slot zu bekommen, und man Frank geopfert hatte, um dem Wunsch eines wichtigen West-Stars nachzukommen. Bei einem Jubiläumsabend wurde Kaiser mit einem großen Orchester begleitet, während Frank Playback singen musste, obwohl er eigens seine Band mitgebracht hatte. Es fühlte sich an, als wäre seine Musik weniger wert. Frank war nie jemand, der laut über Ungerechtigkeiten klagte, doch in seiner Stimme liegt heute Bitterkeit. Er wusste, dass Kaiser persönlich vielleicht nichts gegen ihn hatte, aber er spürte die Macht einer Branche, die entschied, wer sichtbar blieb und wer langsam aus dem Rampenlicht gedrängt wurde.

Diese Erfahrungen bildeten nur die Oberfläche eines viel tieferen Konflikts. Die weiteren Namen auf Franks Liste enthüllen fundamentale Unterschiede in Werteverständnis, Stil und Respekt. Die dritte Person ist Andrea Berg. Sie ist heute die unangefochtene Schlagerkönigin, deren Konzerte Arenen füllen. Für Frank Schöbel ist sie jedoch ein Sinnbild dafür, wie sich die Schlagerwelt verändert hat – weg von Herz und Authentizität hin zu einer Industrie, die nach Effizienz, Perfektion und Vermarktbarkeit funktioniert. Frank spricht über sie mit einer Mischung aus Bewunderung und tiefer Enttäuschung. Es war, als würde eine neue Schlagerordnung entstehen, zu der Künstler aus dem Osten nicht mehr gehörten. Ein entscheidender Moment fand bei einer Fernsehshow statt. Während der Proben bemerkte Frank, dass die Prioritäten klar verteilt waren: Andrea Berg erhielt eine eigene Bühne, ein spezielles Lichtdesign und mehrere Durchläufe, während Frank kaum Zeit blieb. Man bat ihn schließlich sogar, sein Lied zu kürzen, damit der Ablauf stimme. In der Live-Sendung erhielt Andrea einen aufwendigen Block mit Tänzern und Pyrotechnik, während Frank lediglich im Publikum gezeigt wurde. Da wusste er, dass er nur noch als nostalgische Dekoration funktionierte. Hinter den Kulissen suchte er das Gespräch, doch Andreas Worte trafen ihn hart: Frank, du hast deine Zeit gehabt, das Publikum will heute etwas anderes. Es war kein direkter Angriff, aber eine Festlegung, die ihn tief verletzte. Später wurde bei einer Preisverleihung sogar seine Ehrenpreis-Übergabe gestrichen, um Andrea Berg einen zusätzlichen Auftritt zu ermöglichen. Frank fragte sich, wann die Branche aufgehört hatte, ihre Pioniere zu respektieren.

Frank Schöbel: DDR-Star kritisiert Musikbranche

Die vierte Person auf seiner Liste ist Matthias Reim. Ein Mann, der mit „Verdammt, ich lieb’ dich“ Musikgeschichte schrieb, doch für Frank Schöbel symbolisiert Reim eine Welt, in der Professionalität und Respekt verloren gingen. Frank erinnert sich an ihren ersten Kontakt nach der Wende. Reim war auf dem Höhepunkt, laut und unangepasst. Bei einem Festival erschien Reim verspätet und überzog seinen Auftritt völlig ohne Rücksicht auf den Zeitplan. Als Frank endlich auf die Bühne durfte, war das Publikum erschöpft. Über die Jahre hinweg störte Frank besonders Reims mangelnder Respekt. Oft ignorierte Reim ihn völlig und ging an ihm vorbei, als wäre er Luft. Ein besonders schmerzhafter Moment ereignete sich 2002 backstage, als Frank zufällig hörte, wie Reim lachend sagte: Diese DDR-Sänger gehören ins Museum. Für Frank war das ein Schlag gegen seine Herkunft und seine gesamte Arbeit. Später blockierte Reims Team bei einer Gala das komplette Backstage-Areal, sodass Frank über eine Stunde warten musste, bis er seine eigene Bühne betreten durfte. Es ging Frank nicht um Erfolg, sondern darum, dass Respekt nichts mehr wert war. Er sah in Reim die Verkörperung eines neuen, egozentrischen Musikzeitalters, das seiner Vorstellung von Anstand widersprach.

Die emotionalste Enthüllung betrifft jedoch Helene Fischer. Sie ist der größte Name der modernen Schlagerwelt, ein Phänomen und Publikumsmagnet. Für Frank Schöbel ist sie jedoch das Symbol eines Wandels, der ihn persönlich und beruflich verletzt hat – ein Wandel, der den alten Schlager nahezu ausgelöscht hat. Frank empfindet keinen Hass, sondern Wehmut und Ernüchterung. Helene Fischer steht für eine Welt des Hochglanzes und der technischen Brillanz, in der für bodenständige Tradition kein Platz mehr zu sein schien. 2013 freute sich Frank über eine Einladung zu einer Weihnachtsshow mit Helene Fischer und hoffte auf einen gemeinsamen Moment der Generationen. Doch im Ablaufplan tauchte er nur in einem kurzen Zusammenschnitt alter Hits auf, ohne eigenen Live-Auftritt. Auf seine Nachfrage hieß es, Helene möchte den emotionalen Fluss der Show nicht unterbrechen – eine höfliche Botschaft, die für Frank bedeutete: Du passt nicht in unsere Welt. Bei weiteren Produktionen musste er oft warten, bis das „Premium-Set“ von Helenes Team fertig war. Der emotionalste Moment geschah hinter den Kulissen einer ARD-Gala, als ein Redakteur Franks Biographie aus dem Pressekorb entfernte, um sie gegen eine Mappe von Helene Fischer auszutauschen. Es war die symbolische Auslöschung einer ganzen Ära. Alles, was seine Generation geschaffen hatte, schien nur noch eine Fußnote zu sein. Frank bewundert ihre Disziplin, sieht aber auch, dass die Schlagerwelt durch diesen Perfektionsanspruch ihre Seele verloren hat.

Lippert, Kaiser, Berg, Reim und Fischer – diese Namen nennt Frank Schöbel nicht aus Hass, sondern aus der Erfahrung eines Mannes, der eine geliebte Welt hat verschwinden sehen. Eine Welt, in der Musik noch von Herzen kam und nicht aus Marketingabteilungen. Es geht in seinem Geständnis nicht darum, wer ihm Unrecht tat, sondern darum, was der Schlager für ihn verloren hat. Frank Schöbel blickt heute mit 82 Jahren nicht verbittert zurück, sondern mit einer Klarheit, die nur durch das Durchleben aller Höhen und Tiefen entsteht. Sein Schweigen war keine Feigheit, sondern die Hoffnung, dass die Musik für sich spricht. Doch am Ende zieht jeder Mensch Bilanz. Diese fünf Namen sind Wegmarken einer emotionalen Landkarte, die zeigt, wie sehr die Wiedervereinigung und der Wandel des Showgeschäfts die Menschen veränderten. Lippert steht für die Enttäuschung über verlorene Kollegialität, Kaiser für strukturelle Ungerechtigkeit, Berg für den Verlust der Herzlichkeit durch Effizienz, Reim für den Mangel an Anstand und Helene Fischer für den endgültigen Wendepunkt, hinter dem nichts mehr so war wie vorher.

Trotz aller Verletzungen hat Frank Schöbel sein Herz nie verloren. Er spricht mit Ehrlichkeit und Klarheit. Seine Worte sind ein Vermächtnis an eine Branche, die oft vergisst, wem sie ihr Fundament verdankt. Er sang nicht für Algorithmen, sondern für Menschen. Wenn er sagt, dass er diese Personen verachtet, meint er die Systeme und die Entscheidungen, die ihn und seine Generation unsichtbar machten. In seinem hohen Alter beweist Frank Schöbel Mut – den Mut, seine Verletzungen zuzugeben und zu zeigen, dass Würde und Integrität wichtiger sind als Klickzahlen. Er mag heute nicht mehr das Zentrum der Schlagerwelt sein, aber er ist ein Kapitel, das nicht gelöscht werden kann. Er blieb standhaft, als andere ihn überholten, und beweist, dass wahre Größe im Charakter liegt. Er hat diese Namen nicht genannt, um abzurechnen, sondern um sich selbst von der Last des jahrzehntelangen Schweigens zu befreien.