Der Frontalangriff des neuen „Superstars“: Ulrich Siegmunds gnadenlose Abrechnung mit der CDU und seine Vision für das „gute alte Deutschland“

Es gibt Momente in der Politik, in denen die diplomatischen Floskeln fallen gelassen werden und die nackte, ungeschminkte Realität ausgesprochen wird. Ein solcher Moment ereignete sich jüngst, als Ulrich Siegmund, der unbestrittene neue „Topstar“ der AfD und Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt, zum rhetorischen Rundumschlag ausholte. In einer Zeit, in der viele Bürger das Gefühl haben, ihr Land nicht mehr wiederzuerkennen, trifft Siegmund einen Nerv. Er spricht nicht wie ein geschliffener Berufspolitiker, der Ecken und Kanten abgeschliffen hat, sondern wie jemand, der die Wut und die Enttäuschung der Basis in sich aufgesogen hat und nun mit voller Wucht zurückgibt.

Die CDU am Pranger: Der wahre Architekt des Niedergangs

Das zentrale Narrativ, das Siegmund in diesem aufsehenerregenden Interview aufbaut, ist eine scharfe Korrektur der öffentlichen Wahrnehmung. Oft konzentriert sich der Zorn der Bürger auf die Grünen oder die SPD. Doch Siegmund lenkt den Blick auf den – seiner Meinung nach – wahren Verantwortlichen für die Misere: die CDU.

„Es war die CDU, die unsere Grenzen geöffnet hat. Es war die CDU, die diese verrückte Energiewende herbeigeführt hat“, stellt Siegmund klar. Damit rüttelt er am Fundament der christdemokratischen Erzählung, die sich unter Friedrich Merz gerne als Retter in der Not inszeniert. Für Siegmund ist dies reine Heuchelei. Er erinnert daran, dass die fatalen Weichenstellungen – der Atomausstieg, die Grenzöffnung 2015 – unter einer CDU-Kanzlerschaft geschahen. Wer heute CDU wählt, so die implizite Botschaft, wählt nicht die Lösung, sondern die Ursache des Problems. Die Union trägt die „maßgebliche Verantwortung für die Zustände in diesem Land“. Ein Satz, der sitzt und der die Strategie der Union, sich in der Opposition reinzuwaschen, massiv torpediert.

„Verwaltung des Niedergangs“: Das Urteil über die Ära Haseloff

Besonders hart geht Siegmund mit dem amtierenden Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, ins Gericht. Statt Visionen und Aufbruch sieht er in dessen Amtszeit nur eine „Verwaltung des Niedergangs“. Es ist ein vernichtendes Urteil über Jahre der Stagnation. Ein reiner Verwaltungsprozess, bei dem zugesehen wurde, wie Infrastruktur bröckelt, Sicherheit schwindet und der Wohlstand erodiert.

Auch für Haseloffs potenziellen Nachfolger, Sven Schulze, hat Siegmund nur ein müdes Lächeln übrig. Er spricht ihm die Relevanz ab. Wer im Jahr 2025 noch für diese CDU stehe, sei „Teil des Problems“. Die Kritik ist fundamental: Es geht nicht um Köpfe, es geht um das System CDU, das sich laut Siegmund völlig von den Interessen der eigenen Bevölkerung entkoppelt hat. Ob Schulze nun 5000 Telefonnummern hat oder nicht, ist für Siegmund irrelevant – entscheidend ist, dass die politische Richtung in den Abgrund führt.

Vision 2026: Die Sehnsucht nach Normalität

Doch Siegmund belässt es nicht bei der Kritik. Er entwirft ein Gegenbild, das so simpel wie kraftvoll ist und genau deshalb so viele Menschen emotional abholt: Die „Vision 2026“. In einem einzigen Satz zusammengefasst lautet sie: „Wir möchten einfach unser altes, gutes Deutschland zurück.“

In einer Welt, die immer komplexer, unsicherer und fremder wirkt, ist dieser Appell an die Nostalgie eine mächtige Waffe. Es geht um die Rückkehr zu einem Zustand, den die meisten noch kennen: Ein sicheres Deutschland, ein freies Deutschland. Eine Zeit, in der man nachts ohne Angst durch den Park gehen konnte, in der der Strom bezahlbar war und in der man stolz auf sein Land sein durfte. Siegmund framt diese Vergangenheit nicht als ewig gestrig, sondern als einen Zustand der Normalität, der mutwillig zerstört wurde. „Diese eigentlich selbstverständliche Zeit… die wollen wir wieder zurückhaben“, fordert er. Es ist das Versprechen einer Renaissance der Geborgenheit.

Elfenbeinturm vs. Marktplatz: Der Stil der AfD

Ein weiterer entscheidender Punkt in Siegmunds Argumentation ist der Unterschied im politischen Stil. Er zeichnet das Bild der „Altparteien“, die sich in ihren Berliner Elfenbeintürmen verschanzen und nur alle vier Jahre, wenn Wahlen anstehen, herablassen, um das Volk zu besuchen. Sie haben den Kontakt zur Realität verloren, so der Vorwurf.

Dem gegenüber stellt er die AfD als die Partei der permanenten Präsenz. „Der kleine Unterschied bei uns ist ja, dass wir nicht irgendwie dann und wann zu Wahlen rauskommen… sondern dass wir immer am Volk sind.“ Siegmund inszeniert sich als Anwalt der kleinen Leute, als Kümmerer, der zuhört, wenn die Kameras aus sind. Dieser direkte Draht, das Gefühl, „einer von uns“ zu sein, ist das Geheimnis seines Erfolgs. Während andere Politiker in Talkshows über abstrakte Konzepte philosophieren, spricht Siegmund über die Sorgen, die am Abendbrottisch diskutiert werden: Mieten, Sicherheit, Bürokratie.

Der „Superstar“-Faktor

Das Video und die Reaktionen darauf zeigen deutlich: Ulrich Siegmund ist mehr als nur ein lokaler Politiker. Er wird als „Superstar“ gefeiert, die Leute jubeln ihm zu, wo er auftaucht. Das ist ein Phänomen, das in der deutschen Politik selten geworden ist. Es zeigt, wie groß die Sehnsucht nach einer Führungsfigur ist, die Klartext redet und sich nicht verbiegt.

Für Siegmund ist dieser Zuspruch Motivation und Bestätigung zugleich. Er sieht sich auf dem richtigen Weg, trotz – oder gerade wegen – des massiven Gegenwinds, der der AfD entgegenschlägt. „Auf jeden, der es nicht gut mit einem meint, kommen inzwischen tausend, die es gut meinen“, sagt er. Diese “Jetzt erst recht”-Mentalität schweißt seine Anhängerschaft zusammen.

Fazit: Ein Kampf um die Deutungshoheit

Ulrich Siegmunds Auftritt ist eine Kampfansage. Er fordert die CDU nicht nur heraus, er spricht ihr die Existenzberechtigung als bürgerliche Kraft ab. Er positioniert die AfD als die einzige verbliebene Bastion für Vernunft und Normalität.

Mit Blick auf das Wahljahr 2026 wird deutlich: Hier braut sich etwas zusammen. Die Unzufriedenheit im Land ist der Treibstoff, und Politiker wie Siegmund sind der Funke. Seine Botschaft verfängt, weil sie einfach ist und weil sie ein Gefühl anspricht, das viele teilen: Den Verlust von Heimat und Sicherheit. Ob man seine Ansichten teilt oder nicht, eines ist klar: An Ulrich Siegmund und seiner „Vision 2026“ wird in der politischen Debatte kein Weg mehr vorbeiführen. Er hat den Handschuh geworfen – nun muss sich zeigen, ob die politischen Gegner überhaupt noch die Kraft haben, ihn aufzuheben.