Die große Abrechnung: Alice Weidel zerlegt die Wirtschaftspolitik von Merz und der Ampel und warnt vor dem Kollaps

In einer Zeit, in der politische Debatten oft von vorsichtigen Formulierungen und diplomatischem Geplänkel geprägt sind, wirkte der jüngste Auftritt von Alice Weidel wie ein Paukenschlag. Die Co-Vorsitzende der AfD nutzte eine Pressekonferenz nicht nur für die übliche Oppositionsrhetorik, sondern für eine Generalabrechnung, die sowohl die amtierende Ampel-Regierung als auch die Unionsführung unter Friedrich Merz ins Mark treffen sollte. Mit einer Mischung aus kühler Analyse und scharfer Polemik zeichnete Weidel das Bild eines Deutschlands, das sehenden Auges in den wirtschaftlichen Abgrund steuert – und präsentierte sich selbst als die einzige Stimme der Vernunft in einem Chor aus gebrochenen Versprechen.

Der Mythos vom Sparen: Wasser predigen, Wein trinken

Eines der zentralen Themen, das Weidel mit sichtlichem Zorn vorbrachte, war die Diskrepanz zwischen den Sparappellen an die Bürger und dem Ausgabeverhalten des Staates. “Alle müssen den Gürtel enger schnallen, nur nicht die Politiker”, rief sie in den Raum und legte den Finger in eine Wunde, die viele Bürger schmerzt. Während private Haushalte und Unternehmen unter der Last der Inflation und steigender Energiekosten ächzen, blähe sich der Staatsapparat immer weiter auf.

Besonders Friedrich Merz und SPD-Chef Lars Klingbeil gerieten ins Visier ihrer Kritik. Diese hätten vollmundig versprochen, die Zahl der Beamtenstellen bis 2025 drastisch zu reduzieren – die Rede war von einer Kürzung um acht Prozent. Doch die Realität, so Weidel, sehe genau gegenteilig aus. Statt eines Abbaus verzeichne man einen Zuwachs von rund 8.000 neuen Stellen. Ab 2026 sei sogar eine weitere Erhöhung um 8.900 Verwaltungsstellen geplant. Für den Steuerzahler bedeutet dies Mehrkosten in Höhe von rund fünf Milliarden Euro. “Das Geld wird zum Fenster rausgeworfen”, wetterte Weidel und entlarvte die Ankündigungen der politischen Konkurrenz als bloße Makulatur.

Wirtschaftspolitik oder Planwirtschaft?

Noch düsterer fiel ihre Analyse der deutschen Wirtschaftslage aus. Weidel warnte eindringlich vor einem “wirtschaftlichen Desaster”, das durch eine ideologisch getriebene Politik verursacht werde. Sie griff dabei die CO2-Bepreisung an, die von Friedrich Merz als “marktwirtschaftliches Instrument” verteidigt wird. Für Weidel ist dies jedoch nichts anderes als ein “plansozialistischer Eingriff”, der Energie künstlich verteuert und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie zerstört.

Ihre Argumentation ist simpel, aber bestechend: Wenn deutsche Unternehmen aufgrund der weltweit höchsten Energie- und Steuerlasten nicht mehr konkurrenzfähig sind, haben sie nur zwei Optionen – die Insolvenz oder die Abwanderung. Weidel verwies auf die USA, die mit attraktiven Bedingungen und niedrigen Energiekosten europäische Firmen regelrecht “wegsaugen”. Deutschland hingegen stoße seine eigene Industrie ab. Die Konsequenz sei ein Wohlstandsverlust, der nicht nur die jetzige Generation treffe, sondern auch kommenden Generationen einen hohen Preis aufbürde. Der Schuldendienst steige, die Bonität des Landes sinke, und der Euro verliere im Außenwert immer weiter an Boden.

Die Ampel beim Psychologen

Mit beißendem Spott kommentierte Weidel den Zustand der Regierungskoalition. Dass der Koalitionsausschuss inzwischen fast schon wie eine “Selbsthilfegruppe” wirke, bei der Psychologen und Coaches hinzugezogen werden müssten, sei bezeichnend für die Handlungsunfähigkeit der Ampel. Große Themen wie das Bürgergeld oder die Rentenreform seien von der Tagesordnung verschwunden, weil man sich schlicht nicht einigen könne.

Stattdessen werde an einer Politik festgehalten, die Weidel als zerstörerisch beschreibt: Das Verbrennerverbot bleibe bestehen, ebenso wie das Gebäudeenergiegesetz, das sie als “Heizungshammer” bezeichnete. Auch die Abschaltung der Kernkraftwerke, die Zerstörung von funktionierendem Anlagevermögen, sei ein fataler Fehler gewesen. Wenn dann am Ende das Geld fehle, greife die Regierung zur “sozialistischen Lösung”: Steuererhöhungen für Vermögende. Doch auch hier warnte Weidel vor dem Bumerang-Effekt. Wer die Substanzsteuern erhöhe, treibe noch mehr Unternehmen ins Ausland und beschleunige den Niedergang.

Klartext in eigener Sache: Der Russland-Konflikt

Doch Alice Weidel musste sich an diesem Tag nicht nur mit dem politischen Gegner auseinandersetzen, sondern auch mit Unruhe in den eigenen Reihen. Auf kritische Nachfragen zur geplanten Reise zweier AfD-Abgeordneter nach Sotschi, Russland, reagierte sie überraschend offen und selbstkritisch. Sie räumte ein, dass die Genehmigung dieser Reise durch den Arbeitskreis Außenpolitik “unglücklich” gewesen sei.

Zwar verteidigte sie grundsätzlich die Notwendigkeit, Gesprächskanäle offen zu halten – denn Frieden in Europa sei nur mit und nicht gegen Russland möglich –, doch distanzierte sie sich deutlich von der konkreten Reiseplanung. “Ich selbst würde dort nicht hinreisen und würde es auch niemandem empfehlen”, stellte sie klar. Die Tatsache, dass einer der Abgeordneten, Reiner Rothfuß, nach Gesprächen mit der Fraktionsspitze auf die Reise verzichtet habe, wertete sie als Erfolg ihrer Führung. Gleichzeitig kündigte sie konsequente Maßnahmen an: Wer sich nicht an die Vorgaben halte, müsse mit Parteiausschluss rechnen. Die AfD wolle sich professionalisieren, und dazu gehöre auch eine straffere Organisation solch sensibler Themen.

Ein Ausblick voller Warnungen

Gegen Ende ihrer Ausführungen wurde deutlich, dass Weidel die AfD als die einzige verbliebene Kraft sieht, die bereit ist, die notwendigen Kurskorrekturen vorzunehmen. Sie bot der CDU sogar eine Zusammenarbeit an, um eine “vernünftige Wirtschaftsordnungspolitik” wiederherzustellen – wohlwissend, dass die von Friedrich Merz errichtete “Brandmauer” dies derzeit unmöglich macht.

Für Weidel ist die Situation klar: Die etablierten Parteien, allen voran die CDU unter Merz, hätten sich in Widersprüche verstrickt und den Kontakt zur Realität verloren. Sie versprächen Entlastung und lieferten Bürokratie. Sie redeten von Marktwirtschaft und betrieben Planwirtschaft. Die AfD hingegen stehe bereit, das Ruder herumzureißen.

Der Auftritt war mehr als eine Pressekonferenz; er war eine Kampfansage. Weidel positionierte sich als die Anwältin des gesunden Menschenverstands in einem System, das ihrer Meinung nach aus den Fugen geraten ist. Ob man ihre Ansichten teilt oder nicht – ihre Rhetorik trifft einen Nerv. Die Sorge um den Wirtschaftsstandort Deutschland, die Wut über verschwendete Steuergelder und das Unverständnis über politische Grabenkämpfe sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Alice Weidel hat diese Stimmung aufgegriffen und ihr eine Stimme gegeben. Es bleibt abzuwarten, ob die Wähler bei den kommenden Urnengängen ihrer Interpretation der Lage folgen werden. Eines jedoch ist sicher: Die politische Auseinandersetzung in Deutschland wird härter, direkter und unerbittlicher. Und Alice Weidel ist bereit, in diesem Ring zu kämpfen.