Gaulands blockierte Botschaft: Der Zensur-Skandal um die Welt und das Beben in der Kanzlerfrage

Die Vorweihnachtszeit in der deutschen Politik ist in diesem Jahr alles andere als besinnlich. Während die Lichterketten in den Städten glänzen, fliegen in den Redaktionsstuben und Parteizentralen die Fetzen. Im Zentrum des aktuellen Sturms steht ein Gastbeitrag des AfD-Ehrenvorsitzenden Alexander Gauland, der ursprünglich in der „Welt am Sonntag“ erscheinen sollte, dort jedoch nach internen Widerständen gestoppt wurde. Dieser Vorfall wirft ein grelles Schlaglicht auf den Zustand der Medienlandschaft und das angespannte Verhältnis zwischen etablierter Politik und der erstarkenden Opposition.

Die nackten Zahlen der aktuellen Umfragen sprechen eine deutliche Sprache: Die AfD liegt in der Kanzlerpräferenz mittlerweile stabil vor der Union. Alice Weidel überholt Friedrich Merz in der Beliebtheit, während die Vertreter der amtierenden Regierungsparteien wie Kevin Kühnert oder Olaf Scholz fast schon im statistischen Rauschen verschwinden. Es ist eine Entwicklung, die viele Beobachter ratlos zurücklässt, während andere darin die logische Konsequenz einer Politik sehen, die sich immer weiter vom Bürgerwillen entfernt hat.

Der Stein des Anstoßes war ein Text, den Alexander Gauland verfasst hatte – eigentlich ein routinemäßiger Vorgang im journalistischen Austausch. Doch in der Redaktion der „Welt“ regte sich Widerstand. Es wird berichtet, dass sich vor allem jüngere, linksorientierte Redakteure gegen die Veröffentlichung sperrten. Man fürchtete offenbar einen „woken Shitstorm“ in den sozialen Netzwerken. Letztlich landete der Artikel in der „Berliner Zeitung“, doch die Debatte über die vermeintliche Zensur bei einem der größten konservativen Blätter des Landes war damit erst recht entfacht.

In seinem Beitrag setzt sich Gauland mit dem Vorwurf der „fortschreitenden Radikalisierung“ seiner Partei auseinander. Sein Argument ist ebenso schlicht wie provokant: Nicht die Partei radikalisiere sich, sondern die Probleme im Land. Er spricht von einer „Gängelung der Wirtschaft“, einer „industriezerstörenden Klimapolitik“ und dem Ausbleiben einer echten Wende in der Migrationsfrage. Laut Gauland reagiert die AfD lediglich auf die wachsende Ungeduld der Menschen, die rechtsliberal bis konservativ gewählt haben, aber letztlich nur einen „grün-roten Verschnitt mit christdemokratischen Tupfern“ erhalten.

Besonders scharf kritisiert Gauland die sogenannte „Brandmauer“. Diese fungiere als Werkzeug, um den Wählerwillen zu neutralisieren. Egal wie die Bürger abstimmen, am Ende käme durch die Koalitionszwänge und die Ausgrenzung der AfD immer die gleiche Politik heraus. Er fordert die CDU auf, den Mut zu einer Minderheitsregierung aufzubringen und Sachthemen so umzusetzen, wie sie im Wahlkampf versprochen wurden – notfalls mit den Stimmen der AfD. Doch Friedrich Merz, so der Vorwurf, habe zu viel Angst vor der medialen Kritik durch Figuren wie Hayali, Reschke oder Böhmermann.

Ein weiterer wunder Punkt in der aktuellen Debatte ist die Energiepolitik. Der Gastbeitrag und die darauf folgende Diskussion thematisieren die Zerstörung der eigenen Energieinfrastruktur. Die Sprengung der Nordstream-Pipelines und das Festhalten am Atomausstieg werden als Akte der Selbstbeschädigung gewertet. Dass Deutschland nun Kredite an jene Länder vergibt, die möglicherweise in die Sabotage verwickelt waren, empfinden viele Wähler als pure Perversion des aktuellen Systems.

Die Frage, die über allem steht, ist die nach der Legitimation. Wer bestimmt, welche Politik „richtig“ oder „demokratisch“ ist? Gauland ist überzeugt: Nicht der Verfassungsschutz oder mediale Haltungsjournalisten haben darüber zu entscheiden, sondern allein der Wähler an der Urne. Die Tatsache, dass ein erfahrener Politiker wie Gauland in einem großen Medium nicht mehr zu Wort kommen darf, verstärkt bei vielen Bürgern den Eindruck, dass der Meinungskorridor in Deutschland gefährlich eng geworden ist.

Am Ende bleibt ein tief gespaltenes Land. Auf der einen Seite steht ein Establishment, das mit Brandmauern und Verboten versucht, den Status quo zu wahren. Auf der anderen Seite wächst eine Bewegung, die sich nicht mehr länger ignorieren lässt. Der Skandal um den blockierten Welt-Artikel ist mehr als nur eine redaktionelle Entscheidung – er ist ein Symptom für einen tiefgreifenden Vertrauensverlust in die vierte Gewalt und ein Vorbote für ein politisch turbulentes neues Jahr. Eines ist sicher: Die Zeit des „Weiter so“ scheint endgültig vorbei zu sein.