Veteran entdeckt Hündin mit Welpen auf den Gleisen, seine Entscheidung lässt alle staunen 

Die Scheinwerfer des Güterzugs durchschnitten die Oktoberdämmerung. 300 m. Heinrich Weber lag halb bewusstlos auf den Gleisen. Blut rann über sein Gesicht. Neben ihm zerrte eine erschöpfte Schäferhündin verzweifelt an der Stahlkette, die ihre vier Welpen an die Schienen fesselte. Das Dröhnen des heranrasenden Zugs wurde lauter. 200 m.

Die Hündin blickte Heinrich in die Augen. Ein Blick, der alles sagte. Dann tat sie etwas, das niemand für möglich gehalten hätte. Der Oktober hatte Thüringen fest im Griff. Kalter Nebel hing über den Feldern. Die Nachmittagssonne schaffte es kaum durch die dichten Wolken zu brechen. In einem kleinen Dorf unweit von Erfurt stand ein verwittertes Haus am Waldrand.

Hier lebte Heinrich Weber 64 Jahre alt, allein mit seinen Erinnerungen. Die Dorfbewohner kannten Heinrich als den schweigsamen Mann. Zur gleichen Zeit machte er jeden Tag seine Runde [musik] entlang der stillgelegten Güterstrecke. Manche grüßte ihn mit einem knappen Tag, andere schauten weg.

 Sie wussten, dass Heinrich einst bei der Bundeswehr gedient hatte, dass er in Afghanistan gewesen war in Kundus. Aber was er dort erlebt hatte, darüber sprach er nie. Seine Hände zitterten manchmal besonders an schlechten Tagen. Nachts wachte er schweißgebadet auf, wenn die Albträume kamen. Bilder von Explosionen von seinem besten Freund Klaus, der nicht nach Hause gekommen war.

 [musik] Die täglichen Spaziergänge entlang der alten Bahnstrecke waren Heinrichs Art mit dem Chaos in seinem Kopf umzugehen. Schritt für Schritt, Schwelle für Schwelle. Die Routine half ihm die Kontrolle zu behalten. Heinrich war ein großer Mann mit breiten Schultern. Sein Gesicht war wettergegerbt. Tiefe Falten zeichneten die Spuren der Jahre nach.

 Aber sein Blick war noch immer wachsam trainiert darauf jede Bewegung zu erfassen. Man konnte den Soldaten nicht aus ihm herausnehmen, auch wenn der Krieg längst vorbei war. An diesem speziellen Oktobernachmittag, es war der achte, begann Heinrich seine übliche Route. Die Luft roch nach feuchter Erde und verrottendem Laub. Krähen krächzten in den kahen Bäumen.

 Er hatte seinen alten Bundeswehrparker übergezogen, die Kapuze gegen den schneidenden Wind hochgezogen. In seiner Jackentasche trug er immer ein Taschenmesser, eine Angewohnheit aus alten Zeiten. Etwa 2 km von seinem Haus entfernt hörte er es. Ein leises Winseln, fast unhörbar unter dem Rauschen des Windes. Heinrich blieb stehen.

 Sein Körper spannte sich an. Das Geräusch kam von den Gleisen. Er bahnte sich einen Weg durch das Dickicht. Was er dort sah, ließ sein Blut gefrieren. Auf den Gleisen lag eine deutsche Schäferhündin. Ihr Fell war verfilzt und schmutzig. Ihre Rippen zeichneten sich deutlich ab. Um ihren Hals war eine schwere Stahlkette geschlungen, die sie fest an die Schiene kettete.

 Neben ihr kauerten vier kleine Welpen, jeder nicht größer als Heinrichs Hand. Auch sie waren mit Draht an der Schiene fixiert. Die Hündin hob mühsam den Kopf, als Heinrich sich näherte. In ihren braunen Augen lag keine Aggression, nur unendliche Erschöpfung und eine stumme Bitte. Ihre Pfoten waren blutig von dem verzweifelten Versuch, sich zu befreien.

Trotz ihrer Schwäche hatte sie ihren Körper schützend um die Welpen gelegt. “Mein Gott!”, flüsterte Heinrich, während seine Hände plötzlich ruhig wurden. Der alte Instinkt erwachte: “Hier war eine Mission, eine klare Aufgabe. Jemand hatte diese Tiere hier ausgesetzt, um sie sterben zu lassen. Die stillgelegte Strecke wurde nur noch gelegentlich für Güterzüge genutzt.

Aber wenn einer käme, er kniete sich neben die Hündin. Seine Stimme war sanft. Ruhig, Mädchen, ich tue dir nichts. Die Hündin beobachtete ihn. Jeder Muskel angespannt. Dann geschah etwas Erstaunliches. Sie leckte über seine Hand. Ein Zeichen des Vertrauens. Ein Hund vergisßt nie, wer ihm hilft. Heinrich holte sein Taschenmesser hervor. Er begann an der Kette zu sägen.

Das Metall war dick. Sein Messer stumpf. Er fluchte leise, die Welpen jaulten leise hungrig und verängstigt. Er mußte sie hier wegbringen und zwar schnell. Die Dämmerung brach herein. Plötzlich knackte es im Gebüsch hinter ihm. Heinrich fuhr herum. Eine rauhe Stimme rief: “Na, Opa, spielst du den Helden?” Zwei Männer traten aus dem Unterholz.

Der erste war um die Ferzig stämmig gebaut mit einer Narbe über der linken Augenbraue, während der zweite ein jüngerer Mann eine Eisenstange in der Hand hielt. Beide trugen dunkle Jacken und Jeans. Der ältere grinste hönch. “Die Viecher gehören uns”, sagte Markus Schneider. “Misch dich nicht ein, dann passiert dir nichts.

” Heinrich stand langsam auf. Sein Körper inbachtstellung. Die gehören niemandem, der sie so behandelt. Seine Stimme war ruhig, aber es lag eine Härte darin, die aus Jahren der Ausbildung stammte. Thomas, der Jüngere trat nervös von einem Fuß auf den anderen. Seine Augen waren kalt trainiert durch Jahre auf illegalen Hundekämpfen.Mann, lass uns einfach abhauen.

 Das Veterinäramt war heute morgen bei der Zuchtstation. Wir müssen die Spuren verwischen. Halt die Klappe, zischte Markus. Er fixierte Heinrich. Hör zu, Alter. Die Hündin ist wertlos, zu allzu schwach. Die Welpen sind Bastarde bringen nichts ein. Wir haben keine Zeit für dein Gutmenschenget. Heinrich verstand.

 Illegale Hundezucht, wahrscheinlich für Kämpfe auf dem Schwarzmarkt. Diese Männer hatten Tiere wie Ware behandelt. Als die Behörden zu nahe kamen, wollten sie die Beweise beseitigen. Die Wut stieg in ihm auf. Heiß und vertraut. die gleiche Wut, die er in sich begraben hatte seit Afghanistan. “Dann geht”, sagte Heinrich, “aber die Hunde bleiben hier bei mir.

” Markus Gesicht verfinsterte sich. Falsche Antwort: Opa. Er nickte Thomas zu. Der junge Mann zögerte einen Moment, dann kam er mit erhobener Eisenstange auf Heinrich zu. Heinrich wich aus, nicht schnell genug. Der Schlag traf ihn an der Schulter. Ein brennender Schmerz schoss durch seinen Arm, aber der Kampfinstinkt übernahm.

 Er blockte mit dem Unterarm eine alte Nahkampftechnik. Thomas taumelte. Markus griff jetzt an, schlug Heinrich mit voller Wucht ins Gesicht. Heinrich taumelte zurück, schmeckte Blut. Für einen Moment verschwamm alles vor seinen Augen. Die Bilder kamen zurück. Kabul, die Explosion. Klaus Schreie. Nein, nicht jetzt. Konzentriere dich.

 Er blockte den nächsten Schlag ab. Seine alte Knieverletzung aus Kundus brach wieder auf. Der Schmerz schoss durchs Bein. Er taumelte. Sie rangen miteinander zwei Männer im Dämmerlicht umgeben von rostigem Stahl und dem verzweifelten Winseln der Hunde. Thomas rappelte sich auf, blutend aus einer Platzwunde an der Stirn. Er griff nach der Eisenstange.

Heinrich sah es. Aber er konnte nicht ausweichen. Markus hielt ihn fest. Der Schlag traf seinen Kopf. Alles drehte sich. Seine Beine gaben nach. Er fiel auf die Gleise direkt neben der Schäferhündin. Markus keuchte. Jetzt reicht’s. Dann zu Thomas. Mach ihn fertig. Thomas hob die Stange, doch seine Hände zitterten.

 Mann, das ist Das ist zu viel, stammelte er. Der stirbt ja. Er hat uns gesehen. Mach schon. In diesem Moment geschah es. Die Schäferhündin explodierte förmlich. Trotz der Kette, trotz ihrer Erschöpfung und Verletzung [musik] sammelte sie alle Kraft. Mit einem tiefen, keigen Knurren warf sie sich gegen ihre Fesseln.

 Die Kette schnitt tiefer in ihren Hals, aber sie ignorierte den Schmerz. Thomas hielt inne und erstarrte. Die Wildheit in den Augen der Hündin ließ ihn innerhalten. Die Hündin fletschte die Zähne. Ihre Augen glüht in der Dämmerung. Dann schnappte sie zu. Ihre Zähne gruben sich in Thomas Unterschenkel. Der Mann schrie auf, ließ die Eisenstange fallen, trat wild um sich. Die Hündin ließ nicht los.

Markus versuchte sie wegzuziehen, trat nach ihr, aber jetzt wachten auch die Welpen auf. Vier kleine Körper begannen zu bellen und zu jaulen. Ein Chor der Empörung, der in der stillen Landschaft wiederhalte. Als würden sie rufen: “Helft uns, hier ist Ungerechtigkeit. Verdammte Köter!”, brüllte Markus. Er stolperte zurück.

 Die Hündin ließ los, warf sich schützend über Heinrich. Thomas humpelte bereits zurück zum Gebüsch. Blut tropfte durch seinen zerrissenen Hosenstoff. Die ist verrückt. Laß uns abhauen. Markus zögerte. Wut und Furcht kämpften in seinem Gesicht. Dann hörte er es auch. Das entfernte Dröhnen, der Güterzug. Perfekt, zischte er.

 Dann erledigt das Problem der Zug. Er rannte Thomas hinterher ins Dickicht. Heinrich lag halbwusstlos auf den Schwellen. Sein Kopf dröhnte. Warmes Blut floss über sein Gesicht. Die Hündin stupste seine Wange mit der Nase und jaulte leise. Er versuchte sich zu bewegen, aber sein Körper gehorchte nicht. Die Erschütterung der herannahenden Lock war nun deutlich zu spüren. 100 m.

 Mit letzter Kraft tastete Heinrich nach seinem Messer. Seine Finger fanden es, rutschten am Griff ab. Blut machte alles rutschig. Die Hündin beobachtete ihn. Dann geschah etwas, das er nie vergessen würde. Sie begann einen Welpen nach dem anderen zu packen. Vorsichtig, aber bestimmt mit ihrem Maul hob sie das erste Kleine hoch, zerrte es trotz der Kette zur Seite des Bahndamms.

 Der Draht, der die Welpen fixierte, war dünner, gab nach, einen nach dem anderen, den ersten, den zweiten, den dritten, den vierten. Alle Welpen [musik] lagen jetzt im Gras. Jaulend, aber in Sicherheit. Meter. Jetzt wandte sich die Hündin Heinrich zu. Ihre Augen trafen seine. [musik] In diesem Blick lag etwas zutiefst menschliches.

 Entschlossenheit, Dankbarkeit, Liebe. Sie packte seinen Parker mit den Zähnen und zog. Die Kette um ihren Hals spannte sich bis zum Zerreißen. Wirkte sie fast, aber sie zog weiter. Die Hündin spürte, wie die Kette tiefer in ihren Hals schnitt. Der Schmerz war unerträglich. Ihre Luftröhre wurde zusammengedrückt und schwarz flimmerte vor ihren Augen.

 Aber der Geruch des Mannes trieb, Blut, aber auch Freundlichkeit.Zentimeter um Zentimeter. Ihre Pfoten gruben sich in den Kies. Die Kette ächtste. Dann ein metallisches Knacken. Der Karabiner nicht die Kette selbst gab nach. Heinrich zwang sich mitzuhelfen. Er krallte sich an den Gleisen fest, schob sich zentimeterweise vorwärts.

 Das Dröhnen wurde ohrenbetäubend. Das Licht der Scheinwerfer erfasste sie. 40 m. Los, Mädchen, los, keuchte er. Mit einer letzten übermenschlichen Anstrengung zerrte die Hündin Heinrich über die letzte Schwelle. Sie rollten den Bahndam hinunter, direkt zu den Welpen, 20 m. Sie lagen im nassen Gras, sechs Lebewesen eng aneinander geschmiegt.

Heinrich schlang seinen Arm um die Hündin, drückte sie an sich. Die Welpen wimmerten, krochen unter das Fell ihrer Mutter. 10 m. Der Güterzug donnerte vorbei. Ein Monstrum aus Stahl und Geschwindigkeit. Der Luftzug peitschte über sie hinweg. Wagon nach Wagon rauschte an ihnen vorbei.

 Nur Zentimeter von dem Platz entfernt, wo sie noch vor Sekunden gelegen hatten. Dann stille, nur das Rattern des entfernten Zugs. Langsam verklang es. Heinrich spürte die warme Nase der Hündin an seinem Gesicht. Er öffnete die Augen. Die ersten Sterne funkelten am Himmel. Er lebte. Sie alle lebten. “Ein Hund vergisßt nie”, flüsterte er.

“Danke, Mädchen. Danke. Dieter Krause, der Lockführer, hatte im letzten Moment etwas gesehen. Menschen [musik] oder Tiere am Bahndam. Er war sich nicht sicher. Er bremste den Zug 1 km weiter. Griff zum Funkgerät: “Zentrale hier, Güter 245. Ich melde ein bei einen möglichen Notfall bei Kilom. schickt jemanden hin sofort 20zig Minuten später heolten Sirenen durch die Oktobernacht.

Ein Krankenwagen vom DRK, zwei Polizeifahrzeuge, dazu ein Wagen der örtlichen Tierrettung. Kriminalhauptkommissar Jürgen Richter kniete neben Heinrich, ein erfahrener Beamter mit freundlichen Augen und graumeliertem Haar. Bleiben Sie bei uns, Herr Weber. Der Notarzt ist gleich da. Heinrich hielt immer noch die Hündin im Arm.

Die Hunde. Kümmert euch um die Hunde. Das tun wir, versicherte Richter. Er sah die Verletzung, die Kette, die Welpen. Sein Gesicht verhärtete sich. Wer hat das getan? Heinrich versuchte zu sprechen, doch die Worte kamen nur bruchstückhaft. Zwei Männer, Kette, die Hunde. Richter mußte geduldig nachfragen, während der Notarzt bereits warnte, wir müssen ihn jetzt ins Krankenhaus bringen.

 Der Notarzt untersuchte Heinrich, legte Verbände an, maß seinen Blutdruck, Verdacht auf Schädel Hirntrauma. Grad 2 sagte er in sein Funkgerät: “Patient bei Bewusstsein, aber desorientiert. Wir bringen ihn ins Heliosklinikum. Heinrich wollte protestieren, doch ein erneuter Schwindelanfall ließ ihn zurücksinken. Die Tierretterin, eine junge Frau namens Sarah, legte ihre Hand auf seine.

 Ich persönlich kümmere mich um sie. Versprochen. Diese tapfere Mama und ihre Babys bekommen die beste Pflege im Tierheim Erfturt. Sie lösten vorsichtig die restlichen Ketten und dreht. Die Hündin knurrte erst, beruhigte sich aber, als Heinrich mit ihr sprach: “Es ist okay, Mädchen, das sind die Guten.” Als man Heinrich auf die Trage hob, berührte die Hündin ein letztes Mal seine Hand mit der Schnauze.

 Ihr Blick folgte ihm, bis die Ambulanztüren sich schlossen. Im Krankenhaus diagnostizierten die Ärzte eine schwere Gehirnerschütterung, drei gebrochene Rippen, diverse Prellungen, aber Heinrich war z. Afghanistan war schlimmer, murmelte er, als die Krankenschwester ihm Schmerzmittel gab. Kriminalhauptkommissar Richter kam noch in derselben Nacht vorbei.

 Gute Nachrichten, Herr Weber. Wir haben Markus Schneider und Thomas Bauer festgenommen. Ein Anwohner hatte gesehen, dass sie blutend aus dem Wald kam. Danke einer tapferen Hündin. Die Staatsanwaltschaft Erfurt hat bereits Anklage erhoben. Mit den Beweisen, ihre Aussage, die Bisswunde, die Hunde, werden sie nicht davon kommen.

 Außerdem fanden wir bei Schneider die illegale Zuchtstation. Mindestens 20z weitere Hunde in schrecklichem Zustand. Die werden alle beschlagnahmt und die Hündin. Die Welpenrichter lächelte im Tierheim. Die Tierärztin meinte, alle würden durchkommen. Die Kleine ist eine Kämpferin. Genau wie sie.

 Heinrich schloss die Augen, Tränen liefen über sein Gesicht, die ersten seit Jahren. Aber es waren keine Tränen der Trauer, es war Erleichterung und etwas anderes, etwas, das er lange nicht gefühlt hatte, Hoffnung. 8 Wochen verging. Heinrich lag im Krankenhaus, dann in der Rehaklinik Bad Salzung. Die Physiotherapie war schmerzhaft, seine Rippen heilten langsam.

 Die Gehirnerschütterung hatte Folgen, Schwindel, Kopfschmerzen, aber er kämpfte jeden Tag ein bisschen mehr. Sarah besuchte ihn einmal pro Woche, brachte Fotos mit. Die Hündin im Tierheim Erfurt. Die Welpen, die schnell wuchsen. Sie frisst wieder gut berichtete Sarah und sie wartet. Ich schwöre, sie wartet auf sie.

 In der dritten Woche arrangierte Sarah einen Videoanruf. Heinrich saß im Rollstuhl vor dem Laptop. Dann sah er sie. DieSchäferhündin. Sie lag in einem sauberen Zwinger. Die Wunden verheilt. Das Fell glänzte wieder. Als sie Heinrichs Stimme hörte, sprang sie auf, bälte aufgeregt, lief zum Laptop, schnüffelte am Lautsprecher, suchte verzweifelt nach der Quelle der vertrauten Stimme.

 “Hey Mädchen”, flüsterte Heinrich und seine Stimme brach. “ich komme. Ich verspreche es.” Die Hündin jaulte, kratzte an der Wand neben dem Bildschirm, als könnte sie ihn dadurch erreichen. Sarah wischte sich über die Augen. Sehen Sie, sie hat nicht vergessen. In der fünften Woche konnte Heinrich wieder ohne Rollstuhl gehen.

 Mit Krücken zwar, aber es war ein Anfang. Er trainierte härter, ignorierte den Schmerz. Er hatte ein Ziel, eine Mission. Die Albträume kamen immer noch, aber jetzt waren sie anders. Zwischen den dunklen Bildern von Afghanistan erschienen neue Erinnerungen. Ein treuer Blick, eine warme Nase, das Gefühl von Fell unter seinen Fingern.

 Es gab etwas, wofür es sich zu kämpfen lohnte. Anfang Dezember wurde Heinrich entlassen, Wochen nach jener Oktobernacht. Sein erster Weg führte ihn zum Tierheim am Stadtrand von Erfurt. Sarah erwartete ihn schon am Eingang. Sind Sie bereit, Herr Weber? Heinrich nickte. Sein Herz hämmerte. Sie führte ihn in den hinteren Bereich zu einem geräumigen Zwinger mit Heizung und weichen Decken.

 Die Welpen jetzt halb ausgewachsen bewegten sich mit jugendlicher Energie und dort in der Mitte lag die Schäferhündin. Sie hob den Kopf, sah ihn. Eine Sekunde lang rührte sie sich nicht. Dann geschah es. Sie sprang auf, als hätte sie allo darauf gewartet. Ihr Schwanz wedelte wild. Sie bellte nicht aggressiv, sondern freudig, als würde sie einen alten Freund begrüßen, einen Bruder.

 Heinrich kniete sich hin und öffnete die Zwingertür mit zitternden Händen. Die Hündin stürmte auf ihn zu, leckte sein Gesicht, jaulte vor Freude und drückte sich an ihn. Die Welpen folgten. Junge Hunde mit großen unbeholfenen Pfoten kletterten über Heinrichs Beine. “Sie kennt sie”, sagte Sarah leise. “Seit Wochen reagiert sie auf niemanden so.

 Sie hat auf sie gewartet.” Heinrich vergrub sein Gesicht im Fell der Hündin. “Ich habe dich auch vermisst, Mädchen. Haben Sie schon einen Namen für Sie?” Heinrich dachte nach. Luna, der Mond. Sie hatte ihm in der dunkelsten Nacht seines Lebens Licht gebracht. Luna, sie heißt Luna. Die Adoption war schnell geklärt. Heinrich erfüllte alle Voraussetzungen.

Sarah setzte sich persönlich dafür ein. Diese beiden gehören zusammen. Die Welpen würden in gute Familien vermittelt werden, sobald sie alt genug waren. Aber Heinrich durfte sie bis dahin behalten. Er behielt auch einen, den kleinsten Rüden mit den großen Pfoten. “Er erinnert mich an Klaus”, sagte er, stur, aber treu.

 Vier Monate später, Anfang März des folgenden Jahres, verurteilte das Amtsgericht Erfurt Markus Schneider zu vier Jahren Haft. Nach Paragraph 17 Tierschutzgesetz. Schwere Tierquellerei in mehreren Fällen. Versuchte gefährliche Körperverletzung. Thomas Bauer erhielt zwei Jahre auf Bewährung. Das Gericht berücksichtigte sein Geständnis und seine Kooperation.

Heinrich hatte als Zeuge ausgesagt und seine Aussage gestützt durch die Bisswunde an Thomas Bein und die beschlagnahmten Hunde war eindeutig. Heinrich saß im Gerichtssaal, als das Urteil verkündet wurde. Neben ihm lag Luna, jetzt offiziell registriert als sein Assistenzhund. Die 20 Hunde aus der illegalen Zuchtstation hatten alle ein neues Zuhause gefunden.

 Die Geschichte hatte Wellen geschlagen. Plötzlich interessierten sich mehr Menschen für das Thema. Die anderen drei Welpen fanden wunderbare Familien. Eine Hündin als künftiger Schulhund, ein Rüde als Therapiehund für autistische Kinder der letzte bei einem pensionierten Förster. Alle blieben in der Region. Heinrich versprach sie regelmäßig zu besuchen.

Im Dezember des folgenden Jahres schneite es. Heinrich saß am Fenster seines Hauses am Waldrand. Ein kleiner Tannenbaum stand in der Ecke. Auf dem Ofen brutzelte ein Braten. Luna lag zu seiner rechten. Der Welpe, den er Max getauft hatte, zu seiner linken. Draußen läuteten die Kirchenglocken. Es war sein erstes Weihnachten seit Jahren, das nicht von Einsamkeit geprägt war.

Heinrich dachte an jene Oktobernacht, an die Gleise, das Dröhnen des Zugs, an die Entscheidung, die sein Leben verändert hatte. Er dachte an Klaus seinen gefallenen Freund, an die Jahre der Dunkelheit, der Einsamkeit. Frohe Weihnachten ihr beiden sagte er leise. Luna hob den Kopf, wedelte mit dem Schwanz.

 Max jaulte und versuchte auf Heinrichs Schoß zu klettern. Heinrich lachte. Ein Geräusch, das er vergessen hatte. Draußen fiel der Schnee, drinnen war es warm. Wahre Verbindungen brauchen keine Worte. Sie zeigen sich in Taten, in Treue, in stillen Momenten des Verstehens. Heinrich hatte das auf die härteste Art gelernt, aber er hatte es gelernt und er war nicht mehr allein.

 Ein Hund vergisst nie und ein Mensch, der von einem Hundgeliebt wird, lernt wieder zu leben. Ich möchte mich von Herzen bei euch bedanken, dass ihr unseren Kanal unterstützt. Wir finanzieren uns durch Werbung und ich hoffe sehr, ihr habt Verständnis dafür, wenn die Anzeigen manchmal die Geschichte unterbrechen. Wir arbeiten jeden Tag mit Leidenschaft daran, euch bewegende Geschichten zu bringen.

 Wenn diese Geschichte euer Herz berührt hat, würde ich mich über ein Abo freuen. Zu Weihnachten wünsche ich euch, dass ihr die bedingungslose Liebe und Treue erlebt, wie Luna und Heinrich sie gefunden haben. Möge das neue Jahr euch Momente schenken, in denen ihr spürt, dass ihr nicht allein seid. Sei es durch einen treuen Vierbeiner oder durch die Menschen, die euch nahe stehen.

 Welcher Moment hat euch am meisten berührt, Lunas verzweifelter Kampf auf den Gleisen Heinrichs Entscheidung nicht wegzusehen? Oder der Augenblick, als sie sich nach acht langen Wochen endlich wiederhen? Teilt eure Gedanken in den Kommentaren. Ich freue mich auf jede Nachricht von euch.

 Habt wunderbare Weihnachten und einen hoffnungsvollen Start ins neue Jahr.